Johanna Rumschöttel: Landkreis München – Der Goldene Ring der Metropole

Die Landeshauptstadt München ist un­­bestritten der Kern der Metropolregion – doch der Region kommt vor allem auch als ausgewiesener Wirtschafts­standort eine hohe Bedeutung zu. Der Landkreis München, der die Landeshauptstadt wie ein „goldener Ring“ beinahe ganz um­­schließt, soll hierfür beispielgebend sein.

Der Landkreis München vereinigt auf einer Fläche von 667 Quadratkilometern zwei Städte und 27 Gemeinden und ist mit seinen rund 320.000 Einwohnern, sieht man einmal von den Bezirken ab, nach München und Nürnberg die bevölkerungsreichste Gebietskörperschaft Bayerns. Sowohl als Lebensraum wie als Wirtschaftsstandort genießt er eine hohe Attraktivität und Anziehungs­kraft.

Hierfür sorgt nicht allein die gut ausge­­baute Verkehrsinfrastruktur mit acht Au­­tobahnen, einem weit verzweigten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln (S- und U-Bahn, regionale Buslinien) sowie der Nähe zum Flughafen München im Er­­din­­ger Moos.

Wirtschaft und Wissenschaft – erfolgreiche Partner im Landkreis München

Ganz entscheidend für den Wirtschafts­standort Landkreis München ist sein Sta­­tus als Wissenschaftsregion. Mit sei­­nen vier Universitätsstandorten (Gar­ching, Martinsried, Neubiberg, Oberschleiß­heim) sowie zahlreichen Forschungs­ein­­rich­tungen (unter anderem sechs Max-Planck-Insitute, Forschungs­reaktor Mün­­chen II, Forschungseinrichtungen der EADS, der Allianz-Versicherung und Ge­­neral Electric) genießt der Landkreis München Weltruf. Mehrere Gründer­zen­­tren im Umfeld der Universitäten geben jungen Menschen Raum, ihre Ideen zu verwirklichen. Die intensive Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gewährleistet eine schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktrei­­fe Produkte und ist eines der wesentlichen Kennzeichen des Standortes.
Vor diesem Hintergrund überrascht auch der große Anteil an hochqualifizierten Ar­beitskräften nicht. 21,1 Prozent der Beschäftigten verfügen über einen Hoch­­schul- beziehungsweise Fachhoch­schul­­abschluss, bundesweit sind es 7,8 Pro­­zent.

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Ausgewogener Branchen- und Größenmix
Die Unternehmenslandschaft zeichnet sich durch einen ausgewogenen Bran­chen- und Größenmix aus und setzt zu­­kunfts­­orientierte Schwerpunkte unter anderem in den Bereichen Medien, Luft- und Raum­­fahrt, Biotechnologie, Finanz­­dienstleis­tungen, Medizin und Gesund­heit sowie Kommunikations- und Infor­mations­tech­nologie.
Bei der Produktivität belegt der Land­kreis deutschlandweit Platz 1 (129.420 Euro/Einwohner – bundesweit: 58.299 Euro).
Das Prosperieren einer Region ist je­­doch nicht allein auf ihre Wirtschafts­kraft zu­­rückzuführen, vielmehr bedarf es vieler anderer Faktoren, die einen star­­ken Wirt­­schaftsstandort begünstigen. So verfügt der Landkreis München zum Beispiel auch auf sozialem Gebiet über eine gute Infrastruktur. Dazu ge­­hö­­ren eine bedarfsorientierte Versorgung mit Kinder­betreuungseinrichtungen, eine ak­­tive Jugend­arbeit und Angebote im Pflege­bereich, die fortlaufend an dem sich verändernden Bedarf ausgerichtet werden. Aber auch den sozialen Ver­wer­­fun­gen wird ein verstärktes Augenmerk gewidmet, etwa mittels eines gut ausgebauten Netzes an entsprechen­­den Fach­­stellen und eines Armutsbekämp­fungs­planes. Ein weiterer Fokus liegt auf der Bil­dungspolitik. Ein Schulbe­darfs­plan soll den Entscheidungsträgern den Weg zu einem zukunftsorientierten Bil­­dungs­­­an­­ge­bot auf dem Sektor der wei­ter­­füh­­ren­den Schulen weisen.

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Zukunftsorientierung bedeutet auch, Ressourcen zu schonen
Auch wenn der Landkreis München in al­­len einschlägigen Studien deutsch­land­­weit erste Plätze belegt, stellt er sich den ständig wechselnden Heraus­for­de­­run­gen. So hat der Kreistag 2006 eine Energie­vision verabschiedet, die bis 2050 eine Reduzierung des Energie­be­darfs um 60 Prozent und die Deckung des Rest­­be­­darfs ausschließlich mit re­­ge­ne­­rativen Ener­gien vorsieht. Bei der jetzt laufenden Um­­set­zung spielen En­­er­­gie­einsparung, Geo­­ther­­mienutzung und en­­ergetische Gebäu­­de­­sanierung eine zentrale Rolle, insbeson­­de­­re Letzteres wirkt sich positiv auf die Baubranche in der Region aus.

Zu den weichen Standortfaktoren zählen auch das kulturelle und gesellschaft­li­che Leben sowie die Freizeitmöglich­kei­­ten. Zu­­sätzlich zu den Kulturschät­zen der Lan­­deshauptstadt bieten die Se­­hens­­wür­­dig­­keiten des Landkreises, angefan­gen vom Klos­­ter Schäftlarn und Schloss Schleiß­heim bis hin zu einer Fülle von Sied­lungs­­­­spu­­ren aus der Zeit der Kel­ten und Rö­­mer, eine wertvolle Ergänzung. Das Vereins- und kirchliche Leben ist ausgeprägt und die Zahl an Freizeit­an­geboten, sowohl „indoor“ als auch in der freien Natur, ist immens. Die Vielfalt der abwechs­lungs­­­­rei­chen Landschaft zu erhalten, ist da­­­­bei angesichts des hohen Siedlungs­drucks ebenfalls eine besondere Heraus­­for­de­rung für die Kommunalpolitik.

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Jede Krise birgt Chancen
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zeigt sich einmal mehr in aller Deutlichkeit, wie wichtig es ist, dass der Wirtschaftsstandort Landkreis München breit aufgestellt ist. Zukunfts­prognosen sind derzeit schwierig, doch bergen Krisen in aller Regel auch Chan­cen. Fest steht, dass eine noch stärkere Vernetzung von Wirtschaft, Wis­­senschaft und Politik unumgänglich ist, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen. Die Intensivierung der Kooperation innerhalb der Metropolregion wird dabei gute Diens­­te leisten.
Die politisch Verantwortlichen im Land­kreis haben sich von Anbe­ginn an aktiv an der Initiative zur Stärkung der Eu­­ro­­pä­ischen Metropolregion Mün­chen EMM beteiligt. In einem Einzugs­gebiet von 5,4 Millionen Einwohnern, in dem mehr als 50 Prozent des bayerischen Brutto­­in­­landsproduktes er­­wirt­schaf­­tet werden, profitieren alle Be­­­­tei­­ligten von einer ver­­stärkten Zusam­men­arbeit. Die in mannig­­facher Weise vorhandenen Kom­­petenzen und Stär­ken werden durch eine intensive Koopera­tion potenziert. Die gemeinsame Posi­tio­nie­­rung der Region wird in ei­­nem immer ausgeprägteren eu­­ropäischen und in­­ter­­nationalen Wett­be­­werb zum ent­schei­­den­­den Standort­vor­­teil aller.
Was in besonderer Weise für den Land­kreis München gilt, hat für den gesamten Einzugsbereich der Region Gültig­keit: Die Lan­­deshauptstadt und die Kom­mu­nen in der Fläche profitieren ge­­mein­sam von einer verstärkten Zusammen­arbeit inner­halb der EMM.

J-R-Motiv2008-groDie 1946 geborene Autorin ist seit 2008 Landrätin des Landkreises München. Von 2000 bis 2008 war die studierte Dip­lom-Bibliothekarin, Sozialpädagogin und Kul­­turmanagerin Johanna Rumschöttel Ers­­te Bürgermeisterin der Gemeinde Neu­biberg, zuvor Kulturamtsleiterin in der Gemeinde Oberhaching. Seit 2009 ist sie stellvertretende Vorsitzende der EMM.