Jochen Drexler & German Haimerl: Corporate Architecture als Ausdruck von Unternehmenskultur

Der US-amerikanische Architekt Rich­ard Meier hat einmal das Sprichwort ge­­prägt: „Architektur ist im Idealfall im­mer di­­rek­­te Auseinandersetzung mit den Men­schen.“

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Interessant wird Meiers Zitat spätestens dann, wenn sich das Objekt im öffentli­chen Raum befindet und da­­mit einer In­­teraktion aktiv ausgesetzt ist. Ar­­chi­tek­tur hat die Ge­­sellschaft schon immer nach­­haltig beeinflusst, man den­ke nur an die vielen Epo­chen der Mensch­heit, die nach den großen Stil­richt­un­gen benannt wur­­den. Beispiels­weise die Arbeiten von Gian Lorenzo Berni­ni, der den italienischen Ba­­rock und ei­­­ne gan­ze Stadt (Rom) und ihre Kul­tur geprägt hat. Auftraggeber für Berni­nis Werke war zur damaligen Zeit die rö­­misch-ka­tho­li­sche Kirche, die mit die­sen Werken natürlich kla­re Ab­­sichten verfolg­te: die Cha­rak­te­ri­sie­rung ei­­nes Ortes durch ein Gebäude, welches ei­­nen bestimmten Zweck erfüllt oder ver­­mitteln soll.
Im Prinzip hat sich an diesem Pro­zess bis in unsere heutige Gesellschaft hi­­nein nicht viel verändert. Ist der Auf­trag­ge­ber ein (mo­­dernes) Un­­ter­neh­men, ist die da­­hinter lie­gen­de Ab­­sicht vermutlich nicht anders. Zwi­­schen al­­ter­­tümlichen Kathe­d­ra­len und den Wol­ken­kratzern einer Stadt wie New York finden sich viele Pa­­r­al­le­len.
Man könnte an dieser Stelle zu Recht ein­werfen, dass sich im architektonischen Ein­heits­grau moderner Großstädte das Prin­zip der Ratio­na­li­tät und Zweck­dien­lichkeit über Quali­tät und Design hinweg­ge­­setzt hat. Der Einwand ist zwar nicht von der Hand zu weisen, allerdings in den letzten Jahren einem grundlegenden Wan­­­del ausgesetzt und mit den Mitteln der modernen Ingenieurskunst längst nicht mehr unumstößlich. Wirt­schaft­lich­keit und Design müssen sich gegenseitig nicht ausschließen.
Mit der immer stärker werdenden Durch­­­­­dringung der firmenspezifischen Cor­po­rate Identities wurde zwangsläufig auch die Architektur beeinflusst. Neben Ins­ti­tutionen sind es in den letzten Jahr­­zehn­­ten zunehmend Unternehmen, wel­­che die Möglichkeiten architektonischer Ge­­stal­­tung nutzen, um sich im Wett­bewerb un­­verwechselbar zu positionieren. Bereits in der jüngeren Ge­­schichte finden sich ers­te Hinweise. Zum Bei­spiel die Deut­schen Werk­stätten Hell­­erau in Dresden, die Glä­serne Manu­fak­tur der Volkswagen AG, das 1972 er­­rich­tete und 1973 bezogene BMW-Gebäude in Form eines Vierzylin­ders von Karl Schwan­zer, oder der Um­­bau der Münch­­ner Rück in der Ge­­don­straße in München.
Unter­nehmen geben bekanntlich unge­heu­re Summen für Werbung und Spon­soring aus, nur um festzustellen, dass ein Groß­teil der Informationen vom Kon­su­­m­­­en­ten gar nicht wahrgenommen wird. Ar­­chi­tek­tur kann hier, schon auf Grund ihrer dau­erhaften und offensichtlichen Präsenz, viel effektiver wirken. Der Raum, das Gebäude oder der Platz sind heu­te mehr denn je aufgefordert, Aufmerk­sam­keit zu wecken und gleichzeitig mehr als nur Standard zu bieten, um infolge der Ent­ma­te­ri­a­li­sie­rung von Informa­tio­nen nicht übersehen zu werden. Die Immo­bi­lie kann dann nicht nur ein Teil, sondern direkt zur Marke wer­­den und erfolgreich zur Komm­unikation von Firmeninhalten beitragen. Architektur wird bei Drexler + ­Partner allerdings nicht als gesichtslose Cor­porate Architecture angesehen, de­­ren einziges Ziel maximale Präsenz ist, son­dern als spezifisches Cha­­rakter­is­ti­kum, als Ausdruck einer individu­ellen Un­­ter­­neh­mens-Philosophie und Ei­­gen­stän­­digkeit. Die Konstruktion eines Ge­­­bäu­des nach diesen Maßstäben ist letzt­­end­lich mehr als nur „Gebautes“ und Ver­mitt­ler einer bestimmten Botschaft. Die zum Teil bis heute bestehende Di­­ver­genz zwischen Außen- und In­­nen­ar­chi­tek­tur, ist dabei oft zu hoch gespielt geworden. Drex­ler + ­­Partner sehen die Zu­­sam­men­­arbeit mit Unternehmen als Teil der je­­weiligen Un­­ter­nehmenskultur, und da­­bei entschei­det nicht nur eine signifikante Fas­sade, sondern das Gesamt­konzept.

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An dieser Stelle einige Beispiele. Drex­ler ist unter anderem spezialisiert auf die Ge­­stal­tung moderner Gesund­heits­zen­tren. Für das Omooma – Private Hos­pi­tal for Wo­­men in Kuwait City war man un­­ter anderem als Generalplaner zuständig. Die Klinik legt den Schwer­punkt auf die Ge­­­burtsmedizin. Das gesamte Bauwerk ist dabei viel mehr als nur ein Platz, an dem Patientinnen behandelt werden.
Be­­­son­­de­ren Wert wurde auf die in­­nen­archi­tek­to­nische Atmosphäre gelegt, die sich ge­­schickt zwischen Ge­­bor­gen­­heit, Ele­ganz und moderner Technik anordnet.
Da Drexler + Partner ausschließlich Me­­di­zin­pro­jek­­te im privaten Sektor bearbeiten, ist die Be­­rücksichtigung be­­stimm­ter Fir­men- oder Un­­ter­neh­mens­merk­ma­le be­­son­ders ent­­scheidend. Private Kliniken sind dem Wett­bewerb um den Patienten besonders stark ausgesetzt. Patienten müssen als Kun­den gesehen werden und Kunden­wün­sche besonders bedacht werden.

Eine rein funktionale Bauweise ist da­­bei nicht alles, denn Menschen benötigen be­­sondere Räume. Hilfs­bedürftige andere als sportlich Aktive, Ältere wiederum an­­dere als junge Menschen. Der Premium­Healthcare-Markt gibt hier besonders hohe Standards vor. Architektur, Innen­architektur, Atmo­sphä­re, Personal und Ser­­vice entsprechen den Qualitäts­kriterien herausragender Ho­­tels. Die me­­­dizinische Lei­stung und medizi­ni­sches Equipment entspre­chen den höchs­ten Anfor­derun­­gen, ohne die Atmosphäre der Räume zu dominieren.

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Weitere Beispiele finden sich in Mün­chen und Umgebung. Dass High­tech-Medizin und warme, harmonische Innen­ein­rich­­tun­­gen keine Wieder­sprü­che dar­­stellen müssen, sondern sich im Gegen­­teil als ausgesprochen patienten­freund­lich ar­­ran­­gieren können, wird im Euro­pä­ischen Cy­­­ber­knife Zen­trum in München-Groß­hadern deutlich. Extra­va­gantes De­­­sign wird hier mit moderner LED-Tech­nik und medizi­nischer Qua­lität kombiniert.
Private Health & Hospitality stehen bei der Planung und Gestaltung von Ge­­sund­heitszentren als einheitliches Element. Das Isar Medizin Zentrum ist ein weiterer Be­­weis, dass Patienten sehr wohl zu differenzieren wissen und sich längst nicht mehr mit einer sterilen grau-grü­nen At­­­mosphäre und trostlosen Fluren zufriedengeben. Für das Isar Medizin Zentrum spricht allein schon seine zentrale Lage an der Sonnen­straße. Holz, Tep­pich, Le­­der und Glas bekunden Qualität und se­­hen den Kunden im Mittelpunkt, denn ohne ein funktionelles und transparentes Innen­design wäre die Außen­ar­chi­tek­tur bloß eine Hülle ohne Seele. Anders aus­gedrückt: Gute Architektur endet nicht an der Türschwelle.

Dass sich diese Qualitätsmerkmale mitt­lerweile auch im fernen China durch­set­­zen, beweisen zahlreiche Pro­jekte, die Drex­ler + Partner vor allem in der Millio­nen­me­tro­pole Lanzhou umsetzen. Im Ge­­­gen­satz zur Monotonie üblicher chinesischer Pro­jekt­entwicklungen entstehen in der Stadt am Oberlauf des Gelben Flus­ses einzigarti­ge Wohn-, Sport- und Mehr­zweckgebäude, wie zum Beispiel das Ri­­ver­side Develop­ment mit terras­sen­förmig angelegten Be­­bau­ungen, Hotels, Büros und Parks. Die großen Heraus­for­der­un­gen für Bau­pro­­­jekte im Fernen Osten lie­­gen in den Re­­gle­men­tierungen durch die Stadt­planer, den Wünschen der Bau­her­­­ren, der In­­te­­­gra­tion in die Natur und der Umsetzung und Wahrung chinesischer Traditionen. Chinas Weg zwischen Tra­di­tion und Mo­­der­ne hält hier große Her­aus­for­derungen aber auch einzigartige neue Wege bereit.

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„Erzählt ein Stück Architektur nur Welt­läu­figes und Visionäres, ohne seinen kon­kre­ten Ort zum Mitschwingen zu brin­gen, ver­­­misse ich die sinnliche Ver­an­kerung des Bauwerks, (…)“, be­­kundete un­­längst der bekannte Schwei­zer Ar­­chitekt Peter Zumthor. Drexler­ + ­Partner sind diesen Weg be­reits erfolgreich gegangen und ha­­ben den Spagat zwischen der Bewahrung der eigenen Qua­litätsmaßstäbe, der Er­­fül­lung der Kun­denwünsche und der In­­te­gra­tion in ein stimmiges Ge­­samt­kon­zept bestmöglich gemeistert, die für ei­­ne Ar­­chi­tektur als wirtschaftlicher Faktor er­­folgs­­entscheidend ist.

Jochen-Drexler--AtelierDer 1942 geborene Autor studierte Bau­­­­ingenieurwesen an der Technischen Uni­­versität Karlsruhe sowie Architektur an der Technischen Hochschule in Mün­chen. Nach dem Studium arbeitete Jo­­chen Drex­­ler bei Behnisch + Partner und ist seit 1974 selbstständig tätig. Im Jahr 1985 erfolgte die Gründung von Drexler + Part­­ner Architekten, wo er ge­­schäftsführender Partner ist.

 

 

DSC_0083Der 1968 geborene Autor hat Architektur an der Technischen Universität in Mün­chen studiert. German Haimerl war über­wiegend in Projekten der Bereiche Me­­di­en – unter anderem für Rundfunksender – und Gesundheit tätig sowie hochwerti­ger Innenausbau. Seit 1998 ist er ge­­schäfts­führender Partner bei Drexler + Partner Architekten.