Joachim Roth: Braunschweig – Starke Stadt in starker Region

bs_1842_loewe_MG_9034_ret_steffenundbach_bilddb-KopieIm Vergleich zu anderen Städten zeichnet Braunschweig eine besondere Standort­­qualität aus: Die Stadt verfügt über eine in Deutschland fast einmalige Kon­­zen­­tra­­tion von Forschungseinrichtungen und ist laut Deutsche Bank Research das Zen­­trum der forschungsintensivsten Region Eu­ro­­pas. Gemessen an der Wirtschafts­leistung kann die Region auf den höchsten Anteil an Forschungs- und Entwicklungs­ausgaben verweisen. Weit über 15.000 Menschen sind in den international re­­nom­­­­mierten For­­schungsinstitutionen beschäftigt.

Sie forschen unter anderem in den Be­­reichen Umwelttechnologie, Automobil- und Verkehrstechnik, Telematik, Luft- und Raumfahrt, Informations- und Nano­tech­no­logie, Mikrosystemtechnik sowie neue Materialien und nachwachsende Rohstoffe. Hier liegt auch der Nährboden für po­­ten­zielle Wachstumsbranchen von Stadt und Region und dies bildete den Hinter­­grund, vor dem Braunschweig 2007 zur Stadt der Wissenschaft gekürt wurde – eine Auszeichnung, die auch die enge Vernetzung von Institutionen der For­­schung und Wissenschaft mit der Wirt­­schaft würdigte.

Derzeit steht der Forschungsflughafen im Norden Braunschweigs, der größte Deutschlands und der zweitgrößte Europas, als Kristallisationspunkt für Zukunfts­­tech­­­nologien im Blickpunkt. Mit seinem Aus­­­bau werden die Braunschweiger Cluster der Luft- und Raumfahrt sowie der Ver­­­­kehrstechnik weiter gestärkt. Dort entsteht mit dem Niedersächsischen Zen­­trum für Fahrzeugtechnik und dem Cam­­pus Forschungsflughafen eine Plattform für die gemeinsame Forschung von Indus­­trie und Wissenschaft. Dabei handelt es sich um die wissenschaftliche Verei­ni­gung der luft- und raumfahrttechnischen Institute der TU Braunschweig, des Deut­­schen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik. Diese Verände­rungen werden Braun­schweig, Standort von 14 Groß­forschungs­­einrichtungen und Weltunternehmen wie Volkswagen, Siemens und Intel, weiteres Renommee als Wissen­schafts- und For­­schungsstadt einbringen.

Anwendungsorientierte Forschung wird in Braunschweig großgeschrieben: DLR-Windkanal

Anwendungsorientierte Forschung wird in Braunschweig großgeschrieben: DLR-Windkanal

JKI-Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen.

Als nationales Metrologie-Institut misst die Pysikalisch- Technische Bundesanstalt mit höchster Genauigkeit.

Kennzeichen einer erfolgreichen Stand­ortpolitik sind neben einem geglückten Wissens- und Technologietransfer sowie maßgeschneiderten Flächen für Industrie und Gewerbe zunehmend „weiche Fak­toren“ wie etwa die Hilfen, die eine Stadt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährt. In Braunschweig hat daher Fami­­lienfreundlichkeit die oberste Priorität. Dazu gehören eine offensive Baulandpolitik, die Familien begünstigt, die Verdoppelung der Ausgaben für die Kinderbetreuung innerhalb von zehn Jahren, Rekordaus­­gaben für die Modernisierung der Schulen und Beitragsfreiheit in Kindergärten.
Ein anderer Pluspunkt: Dem Nachwuchs steht die gesamte Palette der Schulformen zur Auswahl – einschließlich einer inter­­nationalen Schule. Außerdem ist Braun­­schweig mit der Technischen Universität, der Hochschule für Bildende Künste sowie der auf die Ansprüche der Wirtschaft zu­­geschnittenen WelfenAkademie wichtiger Hochschulstandort Niedersachsens.

Weitere Stärken Braunschweigs sind Kultur und Lebensqualität. Das Braunschweigische Staatstheater mit vier Sparten und einem A-Orchester hat ebenso einen exzellenten Ruf wie unsere Museen, von denen das Herzog Anton Ulrich-Museum eine Ge­­­mäldesammlung von europäischem Rang besitzt. 2011 eröffnete zudem das Schloss­­museum in der wieder aufgebauten Welfen­­residenz und präsentiert dort anschaulich einen Ausschnitt aus Braunschweigs Geschichte als Landeshauptstadt.

Das Staatstheater Braunschweig ist die erste Adresse unter den Kulturinstitutionen der Forschungsregion.

Mit dem Schloss und der umgestalteten Innenstadt hat Braunschweig eine neue Qualität erhalten und glänzt als Einkaufs­­stadt mit größter Zugkraft auf die gesamte Region. Eine Zentralitätskennziffer von 161,8, die den Zufluss von Kaufkraft in die Stadt kennzeichnet, macht deutlich, wie sehr diese Stadt und ihr Einzel­handel als Magnet auf Menschen auch außerhalb der Stadtgrenzen wirken.

Dies alles sind Kennzeichen einer lebendigen Stadt, die als Wirtschaftsstandort für die Zukunft gewappnet ist – was sich übrigens am besten am Melderegister ablesen lässt: Braunschweig wächst seit acht Jahren kontinuierlich gegen den allgemeinen demografischen Trend und hat 2011 erstmals seit 1997 wieder über eine Viertelmillion Einwohner. Dabei sind die Wanderungsgewinne in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt gestiegen. Dies liegt zu einem guten Teil an der offensiven Baulandpolitik der Stadt, die attraktive und bezahlbare Grundstücke auf den Markt gebracht hat.

Der Aufwärtstrend der Stadt insgesamt spiegelt sich auch in den Medien wider, zuletzt in einem von Wirtschaftswoche und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft veröffentlichten Städteranking.

Im Niveau-Ranking, das den gegenwärtigen Stand mit Daten aus den letzten drei Jahren beschreibt, erreicht die Stadt den zwölften Platz unter den 50 größten Städten Deutschlands. Damit liegt in dieser Kate­­gorie in Norddeutschland nur Ham­­burg vor Braunschweig, und die Löwenstadt ist Nummer eins in Nie­­der­­sachsen. Und auch bei der Dynamik, der Entwicklung der letzten fünf Jahre, ist Braunschweig stark: Platz 14. Würde man, wie in vergangenen Jahren üblich, beide Kategorien zu­­sammenführen und die Punktzahlen addieren, wäre Braun­­schweig in der Ge­­­­samtbetrachtung sogar fünftbeste Stadt deutschlandweit – ein großer Sprung, denn das beste Ergebnis war bisher ein zehnter Platz 2008.

Viele Pluspunkte sammelte Braunschweig in der Befragung von 80 Unternehmen. Sie gaben Bestnoten beim Kosten­bewusst­­­­sein und der Modernität der Verwaltung (jeweils Patz eins), bei der Wirtschafts­freund­lichkeit (Platz zwei), bei der Stand­­ortqualität (sechs) und bei den Kosten der Unternehmens­­ansiedlung (drei). Als Wirt­­schaftsdezernent dieser Stadt freue ich mich besonders darüber, dass fast 90 Prozent der Unter­­nehmer Braunschweig erneut als Standort wählen würden.
Mit Blick auf Europa hat sich die Region um die Städte Hannover, Braunschweig, Göttingen und Wolfsburg 2005 zu einer Metropolregion zusammengefunden, in der rund vier Millionen Einwohner leben. Sie erzielte jüngst einen großen Erfolg, als sie von der Bundesregierung als eine von vier Regionen für ein nationales „Schau­­­fenster Elektromobilität“ ausgewählt wurde. Dadurch eröffnet sich jetzt die Möglichkeit, für ihr gemeinsam mit über 200 Partnern und dem Land Nie­­der­sachsen entwickeltes Konzept „Unsere Pferdestärken werden elektrisch“ eine Förderung aus dem mit 180 Millionen Euro ausgestatteten Fonds des Bundes zu erhalten. So kann die Metropolregion bis 2015 mit zukunftsweisenden Pro­­jek­­ten Europa und der Welt zeigen, welche heraus­­ragenden Kompetenzen auf dem Gebiet der Elektromobilität in dieser Re­­gion mit innovativer Industrie und hochkarätiger Wissenschaft stecken.

Im Wettbewerb der Regionen kommt es zunehmend auch auf den Kontext an, in dem Städte stehen. Der Südosten Nieder­­sachsens mit den Städten und Landkreisen Braunschweig, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfs­­burg kooperiert mit den regionalen Wachs­­tumsinitiativen Wolfsburg AG und projekt Region Braunschweig GmbH in der „Allianz für die Region“, um Arbeitsplätze zu schaffen, bestehende Beschäftigung nachhaltig zu sichern und die Lebensqualität in der Region zu stärken. Handlungsfelder sind Bildung, Energie, Gesundheit, Freizeit, Wirt­­schaftsförderung und Ansiedlung, Automobilwirtschaft und –forschung.

Die Löwenstadt Braunschweig  bietet Lebensqualität und ein  familienfreundliches Umfeld.

Die Löwenstadt Braunschweig
bietet Lebensqualität und ein
familienfreundliches Umfeld.


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Im Handlungsfeld Freizeit sieht das Ent­­wicklungskonzept „Gemeinsam gestalten. ErlebnisRegion 2020“ vor, dass die Attrak­­tivität der Region Braunschweig mit rund einer Million Einwohnern im Bereich Lebens­­­­qualität und Freizeitwert bis 2020 maßgeblich gesteigert wird. Damit wird die Voraussetzung für eine Neuent­de­­ckung unserer Region mit ihren überaus vielfältigen Freizeit- und Bildungsange­boten und Ausflugszielen geschaffen. Das Konzept sieht die Vernetzung herausragender Attraktionen wie die Museums­­landschaft oder Projekte zur E-Mobilität vor und schärft so das Profil unserer Region. Das gilt für vorhandene touristische Standorte ebenso wie für neue, noch zu entwickelnde Projekte. So entsteht ein Gesamtpaket, das immer mehr bundes­­weite Aufmerksamkeit auf sich ziehen und unser Renommee entscheidend verbessern wird – als Tourismus- und Freizeit­­desti­­nation oder bei Fachkräften und ihren Fami­­­lien als interessanter Arbeits- und Wohnort.

Dies zeigt, Braunschweig hat im Zusam­­menwirken mit der Region überaus günstige Rahmenbedingungen geschaffen, damit die Stadt Herausforderungen der Zukunft meistern kann. Dabei ist auch das Image ein nicht zu unterschätzender Faktor. In der eingangs erwähnten Studie der Initiative Neue Marktwirtschaft hat Braunschweig unter den 50 größten Städten in dieser Kategorie einen hervorragenden Platz acht erreicht. Wer dies vor einem guten Jahrzehnt, als Braun­schweig noch als „graue Maus“ unter den deutschen Großstädten gehandelt wurde, vorhergesagt hätte, wäre im besten Fall wohl belächelt worden. Auf Braunschweig, das lehrt diese
Erfahrung, wird künftig stärker zu achten sein.

2012_-Joachim-Roth-I-Portrait-KopieDer Autor wurde 1952 im niedersächsischen Helmstedt geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Joachim Roth ist als Wirtschaftsdezernent der Stadt Braun­schweig auch Sprecher der Geschäfts­führung der Wirtschaftsförderungs­gesell­schaft Braunschweig Zukunft GmbH sowie Vorsitzender der Aufsichtsräte verschiedener kommunaler Unternehmen.