Joachim Nolde: Stark für Markt und Wirtschaft – Die IHK als moderner Dienstleister

Wir machen uns stark für Markt und Wirt­­schaft: Unter dieser Leitidee setzt sich die Industrie- und Handelskammer Wies­­baden für die Interessen von rund 36.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Wiesbaden, in Hochheim und im Rheingau-Taunus-Kreis ein – vom Einzelhändler bis zum Industriekon­zern. Ob es um Konjunkturprognosen, Aus­bil­­dungsplätze, Recht- und Steuerfragen oder Gutachten zu Standortprojekten geht – die IHK ist erste Ansprechpart­nerin für Wirtschaft und Politik in ihrer Region. Dabei geht es um drei Kern­punk­­te: Beratung für Unternehmen, politische Interessenvertretung und staatliche Auf­­gaben in wirtschaftlicher Hand. Als Selbst­­verwaltungsorgan der Wirtschaft trägt die IHK die Interessen der Mit­glieds­unternehmen in die Öffentlichkeit und nimmt etwa durch Stellungnahmen Ein­­fluss auf Gesetzgebungs- und Verwal­tungsverfahren – von der Gemeinde bis hin zur Europäischen Union.

Dabei bestimmen die Unternehmer selbst die Leitlinien der IHK-Arbeit: in der Voll­­versammlung, dem parlamentarischen Organ und wichtigsten Gremium der IHK. Die gewählten Mitglieder im „Parlament der Wirtschaft“ vertreten ihre Branche in ihrer Region und haben Einfluss auf wirtschaftspolitische Stellungnahmen. Zudem entscheiden sie über das Bud­­get der IHK und über die Höhe der Bei­­trä­ge. Und sie sorgen für Praxisnähe. So hat der Staat eine Reihe von Aufgaben in die Hände der Wirtschaft gelegt, die be­­kann­­teste ist sicher die Organisation der Ausbildung. Die Mitglieder des „Parla­ments der Wirtschaft“ tragen zusammen mit vielen weiteren ehrenamtlich engagierten Unternehmerinnen und Un­­ternehmern dafür Sorge, dass diese Aufgaben weniger Bürokratie und Kos­ten erfordern als in staatlicher Verwal­tung. Dabei ist die IHK ein Spiegel­bild der regionalen Wirtschaftsstruktur, alle Branchen und Unternehmens­grö­ßen sind in ihren Gremien vertreten – somit wandelt sich die IHK auch mit der Wirt­­schaft in ihrer Region.

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Ein Thema, das die Unternehmer der IHK Wiesbaden auf die Tagesordnung gesetzt haben, ist die Gesund­heits­wirt­­schaft in Wiesbaden und der Region. So hat die Vollversammlung Mitte 2008 entschieden, den Ausschuss „Gesund­heit“ zu gründen, in dem Akteure der Wirtschaft und des Gesundheitswesens branchenübergreifend zusammenarbei­­ten. Eine von der IHK in Auftrag gegebe­­ne Studie zum Gesundheitsstandort hat­­te deutlich gemacht, dass die Gesund­heits­­branche besonders für Wiesbaden ein Zukunftsmarkt ist – und, dass es einer institutionellen Zusammenarbeit bedürfe, um Gesundheitswesen und Wirtschaft stärker zu verbinden.
Diskussionen gab es um die Frage, wie sich die Unternehmer zum Bau des Koh­­le­kraftwerks auf der Ingelheimer Aue in Mainz positionieren sollen, zu dem es seit Januar 2009 einen Vor­bescheid gibt: Die zuständige Behörde hält den Bau für genehmigungsfähig, was auch dem Votum der Mehrheit der Vollver­sammlungsmitglieder entspricht: Wenn man den Energiebedarf, die Ver­sor­gungs­sicherheit, die Stromkosten und die Em­­is­­sionen zugrunde lege, ge­­be es zum geplanten Kohlekraftwerk keine Al­­ter­na­tive. Für Debatten sorgte auch das Thema Ladenöffnung: Im Herbst 2007 diskutierten die Unter­neh­­mer, ob die Sonntagsöffnungen in der Wiesbadener Innenstadt ausgedehnt werden sollten. So gibt es in der Lan­des­­hauptstadt auf­­grund eines Magis­trats­beschlusses nur zweimal im Jahr einen verkaufsoffenen Sonntag, nach dem hessischen Laden­schlussgesetz könnten die Läden aber viermal sonntags öffnen. Die Mehr­­heit der Unter­neh­mer sprach sich da­­für aus, die Öffnungszeiten auszuweiten und auf das gesamte Stadtgebiet auszudehnen. Diesem Votum ist die Stadt inzwischen gefolgt, was die Be­­gren­zung auf das Historische Fünf­eck, den historischen Stadtkern, angeht: 2008, zum verkaufs­­offenen Sonntag anlässlich des Stadt­festes, durften sich erstmals alle Wies­badener Geschäfte be­­teiligen.

Auf die Initiative der Unternehmen geht auch die Gründung der IHK selbst zu­­rück. So machte sich in Wiesbaden der Gewerbeverein für die Gründung einer Kammer stark. Am 29. August 1864 kamen die wahlberechtigten Handels­leute erstmals beim Rathaus in Wies­baden zusammen, um ihre Vertreter zu bestimmen. In der heutigen Vollver­samm­­lung der IHK Wiesbaden engagieren sich 63 Geschäftsführer und Vorstände.
Wer sie dort vertritt, haben die Un­­ter­nehme­rinnen und Unternehmer aus Wies­­ba­den, Hochheim und dem Rhein­gau-Taunus-Kreis im Jahr 2009 für die kommenden fünf Jahre entschieden. Ins­­gesamt hatten sich 130 Kandi­da­tin­nen und Kandidaten zur Wahl gestellt.


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Das Hauptamt der IHK Wiesbaden be­­steht aus 49 Mitarbeitern, plus durchschnittlich acht Auszubildenden. Mit die­­sem Verhältnis von Mitarbeitern zu der Zahl der Mitgliedsunternehmen erreichen die Wiesbadener regelmäßig einen Spitzenwert im IHK-internen Bench­mar­­king. Im Jahr 2007 belegte die IHK Wies­­baden bei einer bundesweiten „Mystery-Man-Aktion“ den zweiten Platz aller 37 Teil­nehmer. Ausschlaggebend waren En­­ga­­gement, Erreichbarkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit und Zuvorkommenheit. Auch bei der Sachkompetenz erzielte die IHK Wiesbaden mit dem dritten Platz einen Spit­­zenwert, wobei die Geschäftsfelder „In­­ternational“ und „Recht“ bundesweit so­­gar Rang 1 und 2 belegten.
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wird es für die Be­­triebe immer wichtiger, ihren Mitarbei­tern Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu bieten. Auch in diesem Bereich unterstützt die IHK ihre Mitgliedsbetriebe und geht auch selbst mit gutem Beispiel voran: Im No­­vember 2004 wurde die IHK Wiesbaden bundesweit als erste IHK als familienfreundlicher Betrieb von der gemeinnüt­zigen Hertie-Stiftung ausgezeichnet. Und in einer Studie der Bertelsmann Stif­tung zur „unternehmerfreundlichen Groß­stadt“ unter mittelständischen Unter­neh­­merinnen und Unternehmern belegten die Wiesbadener in der Einzelaus­wer­tung den ersten Platz von allen IHKs.

Wiesbaden ist ohnehin ein Standort mit hervorragenden Zukunftsaussichten: Laut einer Umfrage, die 2008 im Auf­trag des Manager-Magazins und der Berenberg Privatbank gestartet wurde, rangiert Wies­­baden auf Platz 4 der 30 Großstädte Deutschlands – direkt hinter Frankfurt, München und Stuttgart und noch vor Dresden, Köln und Ham­burg. Schön, wenn wir als IHK Wiesba­den auch zu dieser guten Lage- und Trendbewertung unseren Teil beitragen konnten.

Joachim-Nolde-P-4Der Autor ist seit 2003 Hauptgeschäfts­führer der Industrie- und Handels­kam­mer Wiesbaden. Zuvor war er stellvertre­tender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Bereichs Recht, Handel, Tourismus. Der Jurist engagiert sich auch in der über­­regionalen IHK-Arbeit, etwa in der Kommission für Kammerrechtspolitik, und ist in zahlreichen Gremien für Wies­­ba­­den und die Region ehrenamtlich ak­­tiv.