Jens Böhrnsen: Bremen 2020 – Grünes Kompetenzzentrum des Nordens

5640-Kopie2009 hat der Senat nach breiter öffentlicher Debatte und intensiver ressortübergreifender Abstimmung ein neues Leitbild der Stadtentwicklung beschlossen, das gemeinsam mit dem Strukturkonzept für das Land Bremen den Rahmen für künftige Entwicklung absteckt.

Mit Blick auf das Zieljahr 2020 will Bremen innovativ, nachhaltig und mit stadt­wirt­schaft­licher Vernunft die Balance zwischen den Zielen ökonomischer, ökologischer und sozialer Entwicklung erreichen.
Bremen im Jahr 2020 soll sein:
• eine grüne Stadt am Wasser mit hohen
Erholungs- und Umweltqualitäten,
• eine sozial gerechtere Stadt,
• eine Stadt des exzellenten Wissens,
• ein attraktiver und innovativer Wirt­­­­­-
schafts­­raum mit einem vielfältigen
vitalen Arbeitsmarkt,
• eine Stadt in guter Nachbarschaft mit
der Region,
• eine Stadt voller Bürgersinn und Sinn
für gemeinsam entwickelte Ziele und
Projekte.
Als lebendiges, offenes und stabiles Zen­trum sendet Bremen starke Impulse in die dynamische und gut vernetzte „Metro­pole Nordwest“ – gerade auch in ökonomischer Hinsicht.

Der dynamische Kern der Bremer Wirt­schaft hatte seit jeher eine maritime Orien­tierung und war eng verbunden mit Hafen, Handel, Seefahrt und Schiffbau, ergänzt um die Verarbeitung der angelandeten Han­­­­dels­güter. Außenwirtschafts- und ha­­fenbezogene Tätigkeiten tragen weiterhin erheb­lich zum bremischen Brutto­in­­lands­produkt bei und sind auch mit der politischen Eigen­ständigkeit des Landes un­trenn­bar verbunden.


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Spezifisch bremische Schwerpunkte bil­­den heute weiterhin der Dienstleistungs­bereich, das Logistikgewerbe, die Luft- und Raumfahrt, der Fahrzeugbau sowie die Energiewirtschaft mit einem Schwer­punkt auf erneuerbaren Energien. Mit dem Aus­­bau technischer Fachrichtungen an den Universitäten und Hochschulen des Lan­­des finden Technologie­unter­neh­men die Arbeitskräfte der Zukunft. Trans­fer­po­ten­ziale aus Wissenschaft in die Wirt­schaft erweitern das Spektrum für die hiesigen Unternehmen.

Bremen ist ein Ort guten Lebens und will dies auch bleiben – mit hoher Le­­­bens­­­quali­­­tät und als starker Wirtschafts­­­­stand­­ort. Das Leitbild zeigt dazu den Weg auf, wo Bremen aktiv wird, um innovative und nachhaltige Wirtschafts­ent­wicklung an­­zuregen und zu unterstützen. „Ohne kluge Köpfe und zündende Ideen läuft nichts.“ Im Wandel zur globalen Dienstleistungs-, In­­­­­­­­­for­­mations- und Wissens­­­gesellschaft braucht Bremen mehr denn je auf allen Ebe­­nen qualifizierte Fach- und Führungskräfte.
Gut ausgebildete Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt mit einer hohen Stand­ortbindung sind unverzichtbar für eine prosperierende bremische Wirt­schaft. Bremen wird deshalb weiterhin der Qualifi­zierung des Fachkräfte­po­tentials einen ent­­spre­chenden Stellen­wert einräumen und damit eine wesentliche Voraus­set­z­ung zur Unterneh­mens­an­siedlung und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen leisten.

Bremen wird in der Wirtschaftspolitik sowohl auf die Stärkung der am Standort vorhandenen Potenziale und Kompeten­zen als auch auf die Förderung von Innova­­tionen in wachstumsorientierten Zukunfts­feldern setzen.

Entwicklungshemmende Schwächen, wie die absehbare demographische Lücke bei den Fachkräften, im Einzelfall immer noch zu bürokratische Strukturen oder investitionsunfreundliche Rahmenbedingungen, sind parallel konsequent abzubauen.
Bremen will die traditionellen industriellen Schwerpunkte festigen und qualitativ weiterentwickeln. Im Zuge einer intensivier­­ten Zusammenarbeit von Industrie, kleineren und mittleren Unternehmen sowie Hochschul- und Forschungseinrichtungen sollen in ausgewählten Kompetenzfel­dern Zentren des Technologie- und Wissens­­transfers entstehen. So werden For­schung und Entwicklung angeregt, die internationale Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und die Bindung an den Standort Bremen verstärkt. Die regionalen Netzwerke der Windenergie, der Luftfahrt und der Mate­ri­alforschung bilden hierbei beispielgebende Ansatzpunkte.

Ziel ist zudem die Diversifizierung der Unternehmens- und Branchenstruktur und die Verbesserung der Standort­be­din­­­­g­ungen insbesondere für die mittelständische Wirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leisten einen besonderen Beitrag für Wachstum, Beschäf­tigung und Ausbildung.
Bremen will den Dienstleistungsbereich als Schlüsselsektor der wissensbasierten wirtschaftlichen Entwicklung stärken. Flankiert werden soll diese Entwicklung durch hochwertige Architektur und gestal­tete Freiräume. Entwicklungs­gebiete sind die Überseestadt, die Airportstadt und der Technologiepark, das Stephani­viertel, der Science Park und Flächen in Bremen-Nord sowie freiwerdende Flächen des Klinikums Mitte. Zu den Dienstleistungs­potenzialen zählt angesichts ihrer Image bildenden Kraft und der zunehmenden Wertschöpfungs­potenziale die sehr rege Kreativszene. Bremen will die Vernet­zungsaktivitäten innerhalb der Kreativ- und Kultur­wirt­schaft unterstützen, den Dialog zwischen „Krea­tiven“ und klassischen Unternehmen stär­ken und die Stadt für Kreative und ihre Unter­nehmens­ansiedlungen attraktiv gestalten.

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Die bremischen Häfen bilden das Rück­grat der maritimen Wirtschafts-, Logistik- und Wissenschaftslandschaft.
Zudem formt die Lage am Wasser das Stadtbild und die Identität. Es ist das Ziel Bremens, die ökonomische Schlüs­sel­rolle der Häfen funktionsgerecht zu erhal­ten und aus­zubauen sowie deren seeseitige Er­reich­barkeit weiterhin zu erhalten.

Bremen kann und will sich – gemeinsam mit der Metropolregion – zu einer „Modell­region Logistik“ weiterentwickeln. Der Ein­zel­handel ist ein bedeutender Faktor für Beschäftigung, Versorgung der Bevöl­kerung und der Sicherung vitaler Quar­tiere und Zentren. Bremen will die Zentren und die Quartiersversorgung stärken. Eigenverantwortete private Initiativen in den Geschäftszentren sollen bei Bedarf weiter durch neue Instrumente wie etwa Business Improvement Districts (BIDs) oder andere Formen der Selbstorganisation von der öffentlichen Hand begleitet und unterstützt werden.

Der Tourismus leistet mit seiner dynamischen Entwicklung in den vergangenen Jahren und einer hervorragenden Pers­pektive für die Zukunft einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel. Im Zusammen­spiel mit Kultur und Sport wirkt er als Image-Lokomotive für die Stadt.

Die Umweltwirtschaft gehört zu den Inno­vationsträgern der bremischen Wirt­schaft. Sie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wachstumsstarken „Jobmotor“ entwickelt. Die „initiative umwelt unternehmen – iuu“ bildet einen ausgezeichneten inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für die weitere positive Ent­wick­lung. Im besonders herausragenden Bereich der Windenergie sind wichtige Schritte in Richtung Vernetzung und Wissenschafts­infrastruktur getan: Die Windenergie­agentur (wab e.V.) als europaweit größtes Kompetenzcluster der Branche, Forschungs­einrichtungen wie das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesys­tem­tech­nik (IWES) in Bremerhaven können an­­knüpfen an vorhandene Stärken, die sich im Verbund mit einer ständig wachsenden Anzahl von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu einem neuen, tragfähigen Industriezweig und Dienst­­­leistungssektor ausbilden.

Dies alles trägt dazu bei, dass Bremen – gemeinsam mit Bremerhaven – zum Kompe­­tenzzentrum des Nordens für erneuerbare Energien, effiziente Energieerzeugung und Klimaschutz werden kann.

BGM_Boehrnsen_RGB-KopieDer Autor wurde 1949 in Bremen geboren. Nach seinem Abitur hat er Rechts­­wis­sen­­schaften in Kiel studiert. Im Haupt­­­beruf war Böhrnsen von 1978 bis 1995 Richter, zu­­letzt Vor­­sit­­z­­en­­­­der Richter am Verwal­­tungs­­gericht Bre­­men. Seit 1995 Mitglied der Bre­­­­mi­­sch­­en Bür­­ger­­schaft, ist der Sozial­­de­­mo­­krat seit dem Jahr 2005 Prä­­sident des Senats und Bür­­ger­­meis­­ter der Freien Hanse­­stadt Bremen.