Heidrun Schulz

Die Autorin hat Roma­nistik/Geschichte und BWL studiert. Sie startete als Nach­­wuchs­­­­­kraft im Landes­arbeits­amt Baden-Würt­­­­tem­­­­berg und war im Jahr 2009 als Geschäfts­­füh­­rerin Grund­siche­­rung für Arbeit­su­chen­­de in der Regio­nal­­di­­rektion Nie­­dersachsen-Bremen tätig. Seit 2010 ist Heidrun Schulz Vorsitzende der Ge­­schäftsführung der Regio­­­­­nal­direk­­­­tion Rhein­­land-Pfalz-Saarland der Bundes­­­­­­­agentur für Arbeit.

Arbeitsmarkt Rheinland-Pfalz – Fachkräfte als entscheidender Standortfaktor



Eine Kernaufgabe der Agentur für Arbeit ist die Vermittlung und Beratung von Arbeitskräften und damit die Steigerung des Fachkräfteangebotes.
© Erich Malter/ Erlangen


Rheinland-Pfalz ist eines der export­­stärks­­ten Länder der Bundesrepublik und be­­sitzt neben einer industriellen Basis eine ausgeprägte klein- und mittelständische Unternehmenskultur. Um zukunftsfähig zu bleiben und im internationalen Wett­­­­be­­werb bestehen zu können, benötigen Unter­­­­neh­­­­men gut ausgebildete und qua­­li­­fi­­zierte Fachkräfte.

Die demografische Entwicklung in Deutsch­­­­­­land macht auch vor Rheinland-Pfalz nicht halt. Bis zum Jahr 2025 wird sich die Be­­völkerung deutlich verringern und jeder vierte Einwohner wird älter als 65 Jahre sein. Durch den Wechsel älterer Arbeit­­neh­­mer in den Ruhestand werden Lücken in vielen Belegschaften entstehen, die allein durch nachrückende junge Ar­­beit­­nehmer nicht mehr aufgefangen werden können. Nach Berechnungen des Insti­­tuts für Ar­­beitsmarkt- und Berufs­­forschung (IAB) wird das Erwerbs­­per­­so­­­­nenpoten­­zial – das ist die Gesamtzahl von Per­­sonen, die theo­­retisch in der Lage sind, einer Arbeit nach­­zugehen – in Rhein­­land-Pfalz bis zum Jahr 2025 noch moderat um etwa 165.000 (rund acht Prozent) auf 1,81 Millionen Per­­sonen sinken. In den Folgejahren wird sich diese Entwicklung beschleunigen.

Die Bundesagentur für Arbeit hat Mög­­lich­­­­­­keiten aufgezeigt, wie Wirtschaft, Politik und Bundesagentur gemeinsam die benö­­­­tigten Fachkräfte gewinnen können, und hierzu Handlungsfelder erarbeitet. Das mit Abstand größte Potenzial an zusätz­­­lichen Fachkräften könnte zum einen durch eine Erhöhung der Erwerbs­­par­­ti­­zipation von Frauen und zum anderen durch die Aus­­­­weitung der wöchentlichen Arbeits­­zeit von Teilzeitbeschäftigten er­­schlossen wer­­den. Denn die Erwerbs­­be­­teiligung der rhein­­land-pfälzischen Frauen hat in den vergangenen zehn Jahren zwar deutlich zu­­genommen, den­noch waren im Jahr 2010 „nur“ 70,2 Prozent der Frauen er­­werbs­­tätig. Damit liegt Rheinland-Pfalz gering­­fügig unter dem bundesdeutschen Schnitt von 70,8 Prozent. Der Zuwachs der Beschäf­­­tigung der Frauen resultiert jedoch fast aus­schließ­­lich aus dem deut­­lichen Anstieg der Teilzeitbeschäftigung.




In zahlreichen Branchen werden Fachkräfte benötigt, beispielsweise im Bereich Automotive.
© TRW Automotive


Ein großes Fachkräfte-Potenzial ist in Rhein­­­­land-Pfalz durch eine Erhöhung der Er­­werbsbeteiligung von Menschen über 55 Jahren zu gewinnen. Die Beschäf­­ti­gung Äl­­terer hat innerhalb der vergangenen Jahre deutlich zugenommen. Den­­noch bleibt die Beschäftigtenquote in dieser Altersgruppe noch hinter dem Durch­schnitt der sozialver­­sicherungs­­pflichtig Beschäf­­tigten zu­­rück. Vermeint­­liche Defizite Äl­­te­­rer wie höhere Perso­­nal­kosten, höhere Krankenstände oder geringere Pro­­duk­­ti­­vität sind keine echten Hindernisse für die Einstellung oder Wei­­­­ter­­beschäftigung Älterer. Noch nie waren die Älteren in einer Gesellschaft so leis­­tungsfähig wie heute. Unternehmen er­­kennen zunehmend, durch innerbetrieb­­liche An­­pas­­­­­sungen den veränderten Be­­­dürf­­nissen Äl­­terer Rech­­nung tragen zu müssen. Zudem gilt es, in die Wei­­terbildung von Älteren zu investieren.

Ein weiteres Handlungsfeld ist die Be­­schrei­­­­­bung der Wirkung, wenn es ge­­­lingt, die Zahl der Schulabgänger ohne Ab­­­­schluss in den kommenden Jahren noch weiter zu reduzieren. In den zurück­lie­­gen­­den Jahren konnten hier bereits gute Fort­­­schritte er­zielt werden. Die Ini­­­ti­­a­ti­­ven auf diesem Feld müssen mit einem besse­­ren Übergang von der Schule in das Erwerbs­­leben einhergehen. Deut­­lich mehr Fach­­kräfte könnten für die Zu­­kunft gesichert werden, wenn die Zahl der „Aus­­­­­­bildungs­­­abbrecher“ gesenkt wer­­den kön­­n­­te. Nach Angaben des Bundes­­ins­ti­­tu­tes für Berufs­­bildung wird etwa jeder vierte Aus­­bil­­dungs­­vertrag vorzeitig ge­­löst – ein Potenzial an jungen Men­­schen, das zu­­nächst nicht aus­­gebildet wird.

Zusätzliche Fachkräftereserven könnten zu­­dem erschlossen werden, wenn der An­­teil der Studierenden, die ihre Hoch­­schule ohne Abschluss verlassen, redu­­ziert werden könn­­t­­e. Hauptgründe für Studien­­ab­brüche sind laut einer Um­­frage der Hoch­­schul-Infor­­ma­­tions-Sys­­tem GmbH Leis­tungs­­­­probleme, fi­­nan­­zielle Motive oder mangelnde Moti­­va­­tion. In Rheinland-Pfalz waren zuletzt knapp 140.000 Menschen im Alter zwischen 20 und 55 Jahren ohne Berufs­­ausbildung so­­zial­­­versicherungspflich­­­­­­­­­tig be­­schäftigt. Vor dem Hintergrund, dass in Zukunft auch durch den technologischen Fort­­schritt deut­­­lich mehr qualifizierte, aber weniger gering­­qualifizierte Arbeit­­nehmer benötigt werden, sollten durch nachträg­­liche Ausbildungen und Qualifizierungen zusätzliche Fach­­kräfte gewonnen werden können.

 




Die Erfolgsquote „Studienabschluss“ liegt in Rheinland-Pfalz bei 77,9 Prozent.
© Thomas Hartmann


Die gesteuerte Zuwanderung von hoch­­qua­­­li­fizierten Fachkräften aus dem Aus­­­land ist nur bundesweit zu lösen. Erfolg­­­­­ver­spre­­chend könnten die Wege sein, aus­­­­­­ländische Studierende der Hoch­­schulen für eine Be­­schäftigung in der Region zu begeistern, die Anerkennung der im Aus­­­­land erworbenen Berufsabschlüsse zu be­­schleunigen und vor allem die Attrak­­­tivität der heimischen Ar­­beitsplätze für Arbeitnehmer aus den an­­grenzenden Regi­­onen wieder zu erhöhen. Viele Ansätze einer zukunftsorientierten Ar­­beits­markt­politik sind bereits zu er­­kennen. So wurden beispielsweise durch die Ko­­ope­­­rationen der Regional­­direk­­tion mit der Lan­­des­­regie­rung sowie mit Part­­nern der Wirt­­schaft die Weichen dafür gestellt, die Zahl der Schul­­absolventen ohne Abschluss und die Zahl der „Aus­­bil­­dungsabbrecher“ zu­­rück­­zuführen.

Mit der Weiterbildung von gering­quali­fi­zier­­ten und älteren Beschäftigten vor al­­lem in kleinen und mittleren Unter­­neh­­men haben arbeitsmarktpolitische Pro­­gramme schon jetzt einen wichtigen Qua­­lifi­­zie­­rungs­­­­beitrag geleistet. Um ältere Arbeitnehmer gezielt zu unterstützen, beraten die Agen­­­­­turen für Arbeit die rheinland-pfälzischen Unter­­neh­­men aktiv über das Programm „WeGebAU“. Die Mit­­arbeit der Regio­­nal­­direktion im Netz­­werk EURES-Trans­­fron­­­­ta­­lier Saar-Lor-Lux-Rhein­­­land-Pfalz-Wallonie helfen, die Pend­­ler­­verflechtungen über die Grenzen hinweg zu aktivieren.

Es gibt keinen „Königsweg“, um den drohenden Fachkräftemangel zu verhin­­dern, sondern viele Schritte zur aktiven Ge­­gen­­steuerung sind dazu nötig. Auch die Ver­­antwortlichkeiten sind breit ge­­streut. Durch ein zielgerichtetes Zusam­­­men­­wirken von Bund, Land, Kommunen, Tarifpartnern, Un­­ter­­nehmen, Wirt­schafts­­verbänden und So­­­­zialversicherungs­­trä­­­gern werden die Wei­­chen für die Zu­­kunft gestellt.

 

 

 


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Unternehmensbeiträge:

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Autorenbeiträge:

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Mittelhessen – Die Forschungs- und Wissens­­region in der Ideen Wirklichkeit werden
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