Arbeitsmarkt Rheinland-Pfalz – Fachkräfte als entscheidender Standortfaktor
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Eine Kernaufgabe der Agentur für Arbeit ist die Vermittlung und Beratung von Arbeitskräften und damit die Steigerung des Fachkräfteangebotes. © Erich Malter/ Erlangen |
Rheinland-Pfalz ist eines der exportstärksten Länder der Bundesrepublik und besitzt neben einer industriellen Basis eine ausgeprägte klein- und mittelständische Unternehmenskultur. Um zukunftsfähig zu bleiben und im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, benötigen Unternehmen gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte.
Die demografische Entwicklung in Deutschland macht auch vor Rheinland-Pfalz nicht halt. Bis zum Jahr 2025 wird sich die Bevölkerung deutlich verringern und jeder vierte Einwohner wird älter als 65 Jahre sein. Durch den Wechsel älterer Arbeitnehmer in den Ruhestand werden Lücken in vielen Belegschaften entstehen, die allein durch nachrückende junge Arbeitnehmer nicht mehr aufgefangen werden können. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird das Erwerbspersonenpotenzial – das ist die Gesamtzahl von Personen, die theoretisch in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen – in Rheinland-Pfalz bis zum Jahr 2025 noch moderat um etwa 165.000 (rund acht Prozent) auf 1,81 Millionen Personen sinken. In den Folgejahren wird sich diese Entwicklung beschleunigen.
Die Bundesagentur für Arbeit hat Möglichkeiten aufgezeigt, wie Wirtschaft, Politik und Bundesagentur gemeinsam die benötigten Fachkräfte gewinnen können, und hierzu Handlungsfelder erarbeitet. Das mit Abstand größte Potenzial an zusätzlichen Fachkräften könnte zum einen durch eine Erhöhung der Erwerbspartizipation von Frauen und zum anderen durch die Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten erschlossen werden. Denn die Erwerbsbeteiligung der rheinland-pfälzischen Frauen hat in den vergangenen zehn Jahren zwar deutlich zugenommen, dennoch waren im Jahr 2010 „nur“ 70,2 Prozent der Frauen erwerbstätig. Damit liegt Rheinland-Pfalz geringfügig unter dem bundesdeutschen Schnitt von 70,8 Prozent. Der Zuwachs der Beschäftigung der Frauen resultiert jedoch fast ausschließlich aus dem deutlichen Anstieg der Teilzeitbeschäftigung.
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In zahlreichen Branchen werden Fachkräfte benötigt, beispielsweise im Bereich Automotive. © TRW Automotive |
Ein großes Fachkräfte-Potenzial ist in Rheinland-Pfalz durch eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Menschen über 55 Jahren zu gewinnen. Die Beschäftigung Älterer hat innerhalb der vergangenen Jahre deutlich zugenommen. Dennoch bleibt die Beschäftigtenquote in dieser Altersgruppe noch hinter dem Durchschnitt der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurück. Vermeintliche Defizite Älterer wie höhere Personalkosten, höhere Krankenstände oder geringere Produktivität sind keine echten Hindernisse für die Einstellung oder Weiterbeschäftigung Älterer. Noch nie waren die Älteren in einer Gesellschaft so leistungsfähig wie heute. Unternehmen erkennen zunehmend, durch innerbetriebliche Anpassungen den veränderten Bedürfnissen Älterer Rechnung tragen zu müssen. Zudem gilt es, in die Weiterbildung von Älteren zu investieren.
Ein weiteres Handlungsfeld ist die Beschreibung der Wirkung, wenn es gelingt, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss in den kommenden Jahren noch weiter zu reduzieren. In den zurückliegenden Jahren konnten hier bereits gute Fortschritte erzielt werden. Die Initiativen auf diesem Feld müssen mit einem besseren Übergang von der Schule in das Erwerbsleben einhergehen. Deutlich mehr Fachkräfte könnten für die Zukunft gesichert werden, wenn die Zahl der „Ausbildungsabbrecher“ gesenkt werden könnte. Nach Angaben des Bundesinstitutes für Berufsbildung wird etwa jeder vierte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst – ein Potenzial an jungen Menschen, das zunächst nicht ausgebildet wird.
Zusätzliche Fachkräftereserven könnten zudem erschlossen werden, wenn der Anteil der Studierenden, die ihre Hochschule ohne Abschluss verlassen, reduziert werden könnte. Hauptgründe für Studienabbrüche sind laut einer Umfrage der Hochschul-Informations-System GmbH Leistungsprobleme, finanzielle Motive oder mangelnde Motivation. In Rheinland-Pfalz waren zuletzt knapp 140.000 Menschen im Alter zwischen 20 und 55 Jahren ohne Berufsausbildung sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Vor dem Hintergrund, dass in Zukunft auch durch den technologischen Fortschritt deutlich mehr qualifizierte, aber weniger geringqualifizierte Arbeitnehmer benötigt werden, sollten durch nachträgliche Ausbildungen und Qualifizierungen zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden können.
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Die Erfolgsquote „Studienabschluss“ liegt in Rheinland-Pfalz bei 77,9 Prozent. © Thomas Hartmann |
Die gesteuerte Zuwanderung von hochqualifizierten Fachkräften aus dem Ausland ist nur bundesweit zu lösen. Erfolgversprechend könnten die Wege sein, ausländische Studierende der Hochschulen für eine Beschäftigung in der Region zu begeistern, die Anerkennung der im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse zu beschleunigen und vor allem die Attraktivität der heimischen Arbeitsplätze für Arbeitnehmer aus den angrenzenden Regionen wieder zu erhöhen. Viele Ansätze einer zukunftsorientierten Arbeitsmarktpolitik sind bereits zu erkennen. So wurden beispielsweise durch die Kooperationen der Regionaldirektion mit der Landesregierung sowie mit Partnern der Wirtschaft die Weichen dafür gestellt, die Zahl der Schulabsolventen ohne Abschluss und die Zahl der „Ausbildungsabbrecher“ zurückzuführen.
Mit der Weiterbildung von geringqualifizierten und älteren Beschäftigten vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen haben arbeitsmarktpolitische Programme schon jetzt einen wichtigen Qualifizierungsbeitrag geleistet. Um ältere Arbeitnehmer gezielt zu unterstützen, beraten die Agenturen für Arbeit die rheinland-pfälzischen Unternehmen aktiv über das Programm „WeGebAU“. Die Mitarbeit der Regionaldirektion im Netzwerk EURES-Transfrontalier Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie helfen, die Pendlerverflechtungen über die Grenzen hinweg zu aktivieren.
Es gibt keinen „Königsweg“, um den drohenden Fachkräftemangel zu verhindern, sondern viele Schritte zur aktiven Gegensteuerung sind dazu nötig. Auch die Verantwortlichkeiten sind breit gestreut. Durch ein zielgerichtetes Zusammenwirken von Bund, Land, Kommunen, Tarifpartnern, Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Sozialversicherungsträgern werden die Weichen für die Zukunft gestellt.


















