Dr. phil. Volker Müller

Der 1955 in Saarbrücken geborene Autor studierte Jura und Soziologie. Parallel zu seiner Promotion und Zulassung als Rechts­anwalt übernahm er 1985 die stell­­­vertretende Geschäftsführung des Instituts der Norddeutschen Wirtschaft (INW) und wurde 1992 ebenfalls zum stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der Unter­nehmer­verbände Niedersachsen (UVN) ernannt. Seit Juli 2000 steht Müller an der Spitze der UVN sowie des INW.

Zukunftsinvestition Bildung:
die Suche nach den High Potentials



© thomas haenisch


Der Bedarf an Fach- und Führungskräften wird in Niedersachsen in den nächsten Jahren bedeutend zunehmen. Die Eng­pässe konzentrieren sich bislang zwar auf bestimmte Regionen, Branchen und Berufe, dennoch mehren sich die An­­zeichen für eine breite Fachkräftelücke. Mit dem voranschreitenden demografischen Wandel wird sich die Lage weiter verschärfen. Der Nachwuchs wird weniger, die Belegschaften werden älter. Besonders steigt die Nachfrage nach Akademikern und Hochqualifizierten. Die besonders guten unter Ihnen, die so­­genannten „High Potentials“, werden auf dem Arbeitsmarkt immer schwerer verfügbar. Was bedeutet diese Entwick­l­ung für Niedersachsen, dessen Wirtschaft auf Innovationsfähigkeit und damit auf High Potentials angewiesen ist, und welche Herausforderungen werden auf uns zukommen?

 

Als High Potentials betrachtet man junge Hochschulabsolventen einer renommierten Universität, welche zu den besten sechs bis zehn Prozent ihres Jahrgangs gehören. Sie zeichnen sich durch überdurchschnittliche Examina, Auslands­aufenthalte, Sprachkenntnisse, Praktika und soziale Kompetenzen wie Team­fähigkeit und Kommunikationsstärke aus. Studien belegen, dass es Unternehmen zunehmend schwerer fällt, geeignete Kandidaten für sich zu rekrutieren. Besonders deutlich wird diese Entwick­lung bereits in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissen­schaften, Technik). Alleine der Ersatz­bedarf für altersbedingt ausscheidende Fachleute in diesen Branchen erfordert enorme Kapazitäten an hochqualifiziertem Nachwuchs. Zurzeit bilden deutsche Hochschulen nur rund 88.000 MINT-Absolventen aus. Gemessen am aktuellen Bedarf des Arbeitsmarktes in Deutschland sind dies zwischen 12.000 und 22.000 Nachwuchskräfte zu wenig. In Niedersachsen fehlen der Industrie zurzeit gut 11.000 Ingenieure. Aber auch in den Bereichen Marketing und Vertrieb, im Controlling und in der strategischen Unternehmensführung zeichnet sich ein erhöhter Bedarf an High Potentials ab. Das Konkurrenzverhalten der Arbeitgeber zieht spürbar an. Daher ist heute die Frage nach der Qualität der Hochschul­ausbildung für den Standort Nieder­sachsen von entscheidender Bedeutung.

 




Absolventen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer haben nach dem Studium in der Regel hervorragende Berufsaussichten.
© Olaf Möldner


Ein gutes Beispiel für ein innovatives universitäres Konzept, welches dem Be­­darf der Region entspricht, ist der Ver­bund der Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH). Unter dem Dach der NTH haben sich die Technische Uni­versität Braunschweig, die Technische Universität Clausthal-Zellerfeld sowie die Leibniz Universität Hannover zu einer Allianz zusammengeschlossen. Statt untereinander zu konkurrieren, ar­­beiten die drei Hochschulen kooperativ zusammen. Speziell bei der Entwicklungs­planung in den natur- und ingenieur­­wissenschaftlichen Fächern stimmen sich die Universitäten aufeinander ab. Seit 2011 wird mit dem Master-Studien­gang Energiewirtschaft eine zusätzliche Bildungsinnovation an der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld angeboten. Eine international attraktive Anlaufstelle für Studieninteressierte ist die GISMA Business School in Hannover. Dank ihres Studienkonzeptes sowie durch zahlreiche Partner und Sponsoren aus Politik und Wirtschaft ist sie eine der führenden Business Schools in Europa. Sie wurde 1999 auf Initiative des Landes Nieder­sachsen gegründet und ist seit Sommer 2011 ein An-Institut der Leibniz Universität Hannover. Gemeinsam mit dem akademischen Partner Purdue University in West Lafayette (Indiana, USA) werden drei englischsprachige MBA-Programme (Vollzeit-, Executive- und Wochenend-MBA) angeboten.

 




Studierende an der TU Braunschweig.
© TU Braunschweig/Bierstedt

Die Schwierigkeiten, denen Unternehmen bei der Suche nach hochqualifizierten Mitarbeitern zukünftig entgegensehen, werden auch auf Unter­nehmensseite zu einem Umdenken führen. So wird die Entwicklung und Qualifizierung von Mitarbeitern zukünftig eine größere Rolle spielen. Ob sich die erhöhte Nachfrage nach High Potentials für ein Unternehmen bewährt, wird die weitere Entwicklung zeigen. Denn auch der qualifizierteste Mitarbeiter garantiert dem Unternehmen nicht zwangsläufig, dass dieser den Anforderungen gerecht wird. So können sich auch Absolventen mit guten und durchschnittlichen Noten durch besondere Fähigkeiten, wie eine hohe soziale Kompetenz, auszeichnen und sich im Unternehmen zu Top-Mitarbeitern entwickeln. Um diese Mit­arbeiter frühzeitig zu binden, werden Unternehmen vermehrt den Kontakt zu den Studierenden herstellen müssen. Unternehmen in Niedersachsen zeigen schon jetzt ein verstärktes Bildungs­engagement und klinken sich in die Hochschulausbildung ein. Mit dem Aus­schuss HochschuleWirtschaft bieten die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) eine Plattform zum Austausch, um innovative Kooperationsprojekte anzu­stoßen. Ziel des Ausschusses ist es, Unternehmens- und Wirtschaftsvertreter an einen Tisch zu bringen, ihre Zusammen­­arbeit zu aktivieren, Synergien zu heben und politisch sinnvolle Initiativen wie die Offene Hochschule zu unterstützen.

 




Am LaserAnwendungsCentrum (LAC) in Clausthal, entwickeln Forscher neuartige miniaturisierte photonische Sensorkonzepte für den Einsatz in der Sicherheits- und Energietechnik.
© Stefan Sobotta


Von den Kooperationen der Unternehmen mit Universitäten profitieren alle. So können Studenten bereits in der Hoch­schulausbildung praxisnahe Erfahrungen sammeln. Für eine weitere Durchlässig­keit der beruflichen zur universitären Bildung muss zudem der Hochschul­zugang für beruflich Qualifizierte er­­leichtert werden. Dabei kommt es da­­rauf an, dass insbesondere die Offene Hochschule ein­­geführt und entsprech­end umgesetzt wird. Es ist erforderlich, dass die Öffnung der Hochschulen nicht nur zu einer Öffnung des Hochschulzu­gangs für beruflich Qualifizierte führt, sondern auch eine weitere Öffnung der Institution „Hoch­schule“ für ihr wirtschaftliches und gesellschaftliches Um­­feld nach sich zieht. Auf Dauer angelegte Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen sind ein Weg, gerade die gesuchten High Potentials in unserem Bundesland zu halten. Besonders mittel­ständische Unternehmen in Nieder­sachsen können sich durch eine frühzeitige Bindung der Hoch­schulabsolventen als attraktive Arbeit­geber präsentieren.

 

Im Wettbewerb mit anderen Bundes­ländern kann Niedersachsen nur dann ein attraktiver Standort bleiben, wenn weiterhin für die Offenheit und Innova­tionsfähigkeit des Landes geworben wird. Niedersächsische Unternehmen liegen in vielen Technologiefeldern, nicht nur in Deutschland, sondern auch inter­national, bereits an der Spitze. Durch Nieder­sachsens zentrale Lage in Deutschland und Europa sowie seine herausragende Infrastruktur von Straßen, Schienen und Wasserwegen bildet das Land einen Dreh- und Angelpunkt des transeuropäischen Warenstroms. Zudem bietet Niedersachsen schon heute bundesweit die besten geo­logischen und technologischen Voraus­setzungen im Bereich der konventionellen und vor allem der erneuerbaren Energietechnologien.

 




Für praxisnahe Forschung stehen am Braunschweiger Institut für Fahrzeugtechnik gut ausgestattete Werkstätten zur Verfügung.
© TU Braunschweig/Bierstedt


Zusätzlich zeichnet sich das Land als eines der wichtigsten europäischen Zentren der Automobil­in­­dustrie aus. Die Metropolregion Hanno­­ver/Braunschweig/Göttingen/Wolfs­­burg gehört mit ihrem Know-how zu den größten Ballungsräumen der Automobil­­wirtschaft in Deutschland. In diesem Bereich ist – verbunden mit einer dichten Forschungs- und Entwicklungsinfrastruk­tur – ein enges Netz an Zulieferbetrieben entstanden. Ob Bio-, Energie-, Medizin- oder Messtechnik, Material- oder Werk­stofftechnik, dank der zahlreichen Ein­richtungen in Forschung und Entwicklung bietet Niedersachsen potenziellen Inves­­toren, Unternehmen sowie den Studier­enden ein effizientes Netzwerk für einen exzellenten Wissenstransfer.

 

Damit Niedersachsen ein wirtschaftlich starkes und innovatives Bundesland bleibt, muss die Ausrichtung des Studienange­bots auf den Bedarf der Wirtschaft weiter gefördert werden. Gerade der Verbund NTH und internatio­­nale Studien­­angebote wie die der GISMA zeigen, dass ein Zusammenschluss einzel­­­ner Einrich­tungen effizient das vorhandene Know-how strukturiert und somit insge­samt qualitativ aufwertet. Nicht zuletzt baut der niedersächsische Mittel­stand auch auf die zahlreichen gut ausgebil­deten Fachkräfte. Wollen wir im internationa­len Wettbewerb mithalten, müssen wir ganz besonders diese Po­­tenziale weiter qualifizieren und fördern. Das Ziel muss der direkte Übergang in den Beruf sein, bei dem die Stärken des Einzelnen be­­reits in der Schule aufgegriffen und in der Ausbildung weiter definiert werden. Bild­­ung als ein zentraler Wirtschaftsfaktor ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

 

 

 


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Unternehmensbeiträge:

International vernetzt und regional verankert
Hochschule Furtwangen – Studieren auf höchstem Niveau
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Autorenbeiträge:

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Maßgeschneidertes Studium an der Schnittstelle Management – Technik