Musikausbildung in Darmstadt
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© Barbara Aumüller |
Musik ist so vielgestaltig wie die Menschen, die sie zur Darstellung bringen. Wie die Menschen sich in ihren Gesten, in ihren Lauten und Gedanken unterscheiden, so unterscheiden sich die Klänge, der Rhythmus und der Ausdruck ihrer Musik.
Musik hat viele verschiedene Orte, mit deren Atmosphäre sie aufs Engste verbunden ist. Ein solcher Ort kann ein Gasthaus in einem spanischen Dorf sein, in dem ein Flamenco erklingt, ein Konzertsaal, ein buddhistischer Tempel, ein ganzer Kulturkreis oder auch die innere Vorstellung eines einzelnen Menschen, der an eine Musik denkt, die außer ihm niemand hören kann.
Musik entsteht in der Zeit, und sie hat verschiedene Zeiten, zu denen sie entsteht. Mal ist die Zeit, in der sie zelebriert wird, verbindlich wie bei einem indischen Morgen-Raga oder der Matutin der katholischen Liturgie. Selten ist ihr Erklingen unabhängig von örtlicher Umgebung, Jahreslauf und Tageszeit.
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Menschen treffen sich, um Musik zu machen. Mal ist der Weg, den sie dafür zurücklegen, so kurz wie von einer Klosterzelle bis in den sakralen Raum, in dem gemeinsam das Gebet gesungen wird. Mal führt der Weg die musizierenden Menschen über tausende von Kilometern zu einer bestimmten Konzerthalle, zu einem bestimmten Festival-Ort, zum gemeinsamen Erleben von Musik.
Musik geht um die Welt und Musik erklingt auf der Welt. Die Menschen machen den Planeten Erde zu einem mit Musik tönenden Planeten. Vielleicht ist der Planet Erde der einzige Ort im Universum, der auf eine solche Weise klingt. Musik hat ihren Ort und ihre Zeit – ihren aktuellen Ort und ihr Heute sowie ihre Tradition und ihre Hoffnung auf eine wunderbar tönende Zukunft.
Musik gibt dem Ort und der Zeit, an dem und zu der sie ertönt, einen unverwechselbaren Charakter.
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Seit Menschengedenken kann Musik der naive, spontane Ausdruck eines einzelnen Menschen wie auch eine hochkomplexe, über Generationen von Meister an Schüler vermittelte Kunstfertigkeit sein.
Auch Darmstadt ist ein Ort, an dem sich Menschen an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten treffen, um Musik zu machen. Es gibt das private Musizieren, die sogenannte freie Szene, die Straßenmusik sowie die kommunalen Institutionen, in denen Musik zur Darstellung gebracht und die Fähigkeit zu ihrer Darstellung durch Unterricht vermittelt wird. Die Akademie für Tonkunst ist einer dieser Orte, der wiederum aus vielen einzelnen Räumen besteht, in denen sich wöchentlich zweitausend Menschen treffen, um auf unterschiedlichste, vielgestaltigste Weise Musik zu machen und zu erlernen.
Sie ist ein Kulturinstitut der Wissenschaftsstadt Darmstadt, versehen mit einem Kulturauftrag zum Wohle der Darmstädter Bürgerinnen und Bürger.
In der Akademie für Tonkunst, die aus einer im Auftrag des Landes Hessen arbeitenden Studienabteilung sowie einer im Auftrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt arbeitenden Städtischen Musikschule besteht, treffen sich Musikerinnen und Musiker unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Kultur und unterschiedlichsten Ausbildungsstandes, um auf vielgestaltige Weise zwei gemeinsamen Zielen zu folgen: Musik zu lernen und Musik zu machen.
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Die Wege, die sie dafür zurücklegen, sind unterschiedlich lang. Die einen wohnen in Darmstadt, andere in den umliegenden Landkreisen oder auch an weiter entfernten hessischen Orten. Studierende kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und aus aller Welt, um an der Akademie für Tonkunst das Musizieren und das Vermitteln von Musik zu erlernen: aus Brasilien, Frankreich, Korea, Italien, Mexiko, Japan, der Ukraine, China, den USA ...
Die Jüngsten sind zwölf Monate alt und werden auf den Armen ihrer Eltern zum ersten Unterricht getragen. Die ältesten haben seit vielen Jahren den Zeitpunkt ihrer Pensionierung überschritten.
Ganz gleich, ob man Musik zu seinem eigenen Lebensinhalt wählt, indem man Opernsängerin, Orchestermusiker, Komponistin, Chorleiter, Pianistin, Saxofonist werden will, oder ob man Musik als eine Bereicherung des eigenen ansonsten von einer anderen Berufswirklichkeit bestimmten Lebens erfahren möchte: Die Akademie für Tonkunst ist dafür in Darmstadt der aufs Beste geeignete Ort.
Die Akademie für Tonkunst, Darmstadts zentraler Ort für das Musizieren und die Musikausbildung, blickt auf eine langjährige Tradition zurück. Ort und Zeit ihres Musikmachens sind über 160 Jahre hinweg gewachsen.
Die wesentlichen Rahmenbedingungen für ein den Menschen erfüllendes Musikmachen stellen sich dar als örtliche und zeitliche Gegebenheiten. Da diese sich im gesellschaftlichen Wandel manchmal dramatisch ändern können, ist immer wieder aufs Neue dafür Sorge zu tragen, dass Raum und Zeit für das Machen und das Erlernen von Musik gegeben sind. Die Veränderungen der Schulen mit der heutigen Tendenz zur Ganztagsschule erfordern von den Verantwortlichen eine Neuorganisation des örtlich-zeitlichen Verhältnisses von allgemeinbildender Schule und Musikschule. In den Schulen müssen Übeorte und Übezeiten geschaffen und das Musikmachen muss als schulische Leistung anerkannt werden.
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© Barbara Aumüller |
Musik braucht ihren Ort. Musik braucht ihre Zeit.
Wer den Menschen Ort und Zeit für ihr Musikmachen raubt, raubt ihnen eine der wesentlichsten Voraussetzungen für ein erfülltes Leben.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ein Ort, an dem es eine so hohe Konzentration wissenschaftlich-kreativer-politischer Intelligenz gibt, dass ich zuversichtlich bin, dass ein Weg gefunden wird, der in eine Stadt der Zukunft führt, in der Ort und Zeit für das Erfinden und Erleben von Musik zu den selbstverständlichen Gegebenheiten ihres urbanen Lebens gehören werden.




















