Deutschland – Land der kurzen Wege
Für die Mobilität von Menschen und den reibungslosen Transport von Gütern sind zwei Größen von entscheidender Bedeutung: eine leistungsfähige Infrastruktur und eine effiziente Logistik. Auf beiden Gebieten ist Deutschland weltweit führend.
Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich klingen, aber Deutschland ist ein Land der kurzen Wege gerade wegen seiner langen Strecken. Nimmt man die rund 7.300 Kilometer Binnenwasserstraßen, die über 33.000 Kilometer Eisenbahnstrecken und die mehr als 230.000 Kilometer umfassenden Straßen in Deutschland zusammen, könnte man auf diesen Verkehrswegen mehr als sechs Mal die Erde umrunden.
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Globaler Transport ist nur durch Hochseeschifffahrt und die dafür notwendigen Häfen möglich. © Oliver Haja/PIXELIO/www.pixelio.de © Hasenpusch Photo-Productions and Agency/HHM |
Die gut ausgebaute Infrastruktur und das eng verknüpfte Verkehrsnetz machen es möglich, schnell und direkt von einem Ort zum anderen zu gelangen.
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Die Versorgung mit frischen Waren wird durch perfekte Logistikketten und moderne Infrastruktur sichergestellt. © Deutsche Bahn AG; © Stefanie Schneider/Stock.xchng; |
Unsere Verkehrswege sind eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliches Leben und lebhaften Handel. Ohne eine intakte Infrastruktur kann es keine funktionierende Mobilität geben. Ohne sie ist eine moderne, arbeitsteilige und hochspezialisierte Volkswirtschaft nicht vorstellbar. Der Nutzen ist dabei vielfältig: Infrastruktur ist zugleich Standort-, Produktions- und Beschäftigungsfaktor und somit Garant für langfristige Wachstumseffekte. Darüber hinaus hat sie eine wichtige Funktion für die Anbindung und Entwicklung von ländlichen Regionen.
Investitionen in die Infrastruktur haben zum einen immer einen direkten Einfluss auf Arbeitsplätze und Einkommen – zuvorderst natürlich in den entsprechenden Infrastrukturgüterindustrien wie etwa der Bauwirtschaft. Zum anderen profitieren die vorgelagerten Industrien indirekt von den Infrastrukturinvestitionen, indem etwa die Bauindustrie ihrerseits Rohstoffe und andere Vorleistungen von Lieferanten und Rohstoffproduzenten bezieht. Über diese kurzfristigen Wachstumsimpulse hinaus haben Infrastrukturinvestitionen vor allem auch langfristige Wachstumseffekte für die Volkswirtschaft. Bei den Fernstraßen ergibt sich beispielsweise ein durchschnittlicher Nutzen-Kosten-Faktor von 4,7. Das heißt: Jeder Euro, den wir in die Infrastruktur investieren, bringt fast fünf Euro an volkswirtschaftlichem Nutzen.
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Ob Personen- oder Frachttransport: Die Luftfahrt wird immer wichtiger. © LufthansaCargo/martin@jehnichen.de; © lufthansa.com |
Deutschland ist in der WEF-Rangliste in den Kreis der fünf wettbewerbsfähigsten Nationen aufgerückt und belegt in der Eurozone sogar den ersten Platz. Neben der hoch entwickelten Geschäftskultur, dem stark ausgeprägten Wettbewerb und den effizienten Gütermärkten liegt dieses erfreuliche Ergebnis vor allem an einem Faktor: Die hiesige Infrastruktur gilt als zweitbeste weltweit. Um diese Position zu festigen, müssen wir drei große Herausforderungen meistern.
Erstens: das Verkehrswachstum.
Das Verkehrsaufkommen wird in den kommenden Jahren enorm zunehmen. Allein für Deutschland wird bis zum Jahr 2025 gegenüber 2004 ein Anstieg der Verkehrsleistung um rund 20 Prozent im Personenverkehr und sogar um über 70 Prozent im Güterverkehr prognostiziert. Wir müssen die Infrastrukturinvestitionen daher dort vornehmen, wo sie am dringendsten erforderlich sind und wo sie den höchsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen erzielen. Den 22 internationalen Flughäfen sowie den 17 größeren Seehäfen und den rund 250 Binnenhäfen kommt als Verkehrsdrehscheiben eine besondere Bedeutung zu. Sie sind Deutschlands Tore zur Welt. Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass sie bestmöglich ans Verkehrsnetz angebunden sind. Dabei spielt insbesondere der Ausbau der Hafenhinterlandanbindungen eine zentrale Rolle, um das künftige Güterverkehrswachstum bewältigen zu können.
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Zweitens: die Finanzen.
In Deutschland – wie in vielen anderen Staaten auch – gilt die Notwendigkeit, die öffentlichen Haushalte zu konsolidieren. Dahinter steht die Verpflichtung des Staates, nachfolgenden Generationen keine überbordenden Schulden zu hinterlassen. Allerdings sollten wir unseren Kindern und Kindeskindern auch keine Schulden in Form einer vernachlässigten Infrastruktur zumuten. Wenn sie eines Tages den vernachlässigten Unterhalt unserer Straßen, Schienen und Wasserstraßen aufholen müssten, würde ihnen das noch viel größere Kosten aufbürden. Daher werden wir nicht an der falschen Stelle sparen. Zudem werden wir bei der Infrastruktur-Finanzierung neue Wege beschreiten. Warum sollte es uns nicht gelingen, Investitionen in unsere Infrastruktur zu ebenso lohnenswerten Geschäftsmodellen auszugestalten wie Investitionen in andere Geschäftsbereiche? Ein möglicher Weg sind sogenannte öffentlich-private Partnerschaften, wie sie bereits im Bundesfernstraßenbau zum Tragen kommen. Dabei geht es um eine langfristige, vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft. Aufgaben und Risiken werden geteilt. Der private Partner baut die Strecke nicht nur, sondern ist auch für den Erhalt und Betrieb zuständig. Daraus ergeben sich für ihn neben einer langfristigen Planungssicherheit Leistungsanreize und für die öffentliche Hand Effizienzgewinne.
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Über 33.000 Kilometer umfasst das deutsche Schienennetz. © Deutsche Bahn AG |
Drittens: die Grenzen des Ausbaus.
In einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland sind dem Ausbau der Infrastruktur Grenzen gesetzt, sowohl im Hinblick auf die Beanspruchung von Umwelt und Natur als auch hinsichtlich der Akzeptanz von Bürgerinnen und Bürgern. Verkehr ist immer auch mit Beeinträchtigungen verbunden – etwa durch Lärm und Abgase. Deshalb sind schadstoffarme Antriebe, Lärmschutzwände, Flüsterasphalt, leisere Schienen und Waggons und vieles mehr Kernaufgaben einer bürger- und umweltfreundlichen Infrastrukturpolitik. Auch eine effizientere Logistik kann ihren Beitrag zur Akzeptanz von Verkehr leisten.
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Jeder Euro Investition in die Infrastruktur bringt fast fünf Euro volkswirtschaftlichen Nutzen. ©2011 Daimler AG |
Kurze Wege oder allgemeiner formuliert: die räumliche Distanz zum Ziel schneller zu überwinden, das ist von jeher ein zentraler Anspruch der Logistik. Diese hat durch Globalisierung und digitale Vernetzung einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Umfasste Logistik früher vor allem relativ einfache Dienstleistungen wie den Transport und die Lagerung von Waren, geht es heute um das Management von Warenströmen, von der Beschaffungs- und Distributionslogistik über die Lagerung bis hin zu zusätzlichen Dienstleistungen. In Deutschland sind Logistik und Güterverkehr der drittgrößte Wirtschaftszweig. Deutsche Logistik-Leistungen sind in der Welt führend.
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Um Maßnahmen zu benennen, zu entwickeln und zu bündeln, die den Logistikstandort Deutschland stärken, hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gemeinsam mit der Wirtschaft einen Aktionsplan Güterverkehr und Logistik erarbeitet. Ein zentrales Ziel ist es, die erwarteten Transportzuwächse zu einem möglichst großen Teil auf die Schiene zu verlagern. Ein erfolgversprechender Weg dafür ist die Stärkung des sogenannten Kombinierten Verkehrs, sprich die Integration unterschiedlicher Verkehrsträger in die Transportkette. Der Bund hat den Bau und die Verbesserung der Terminalinfrastruktur von inzwischen über 70 Umschlaganlagen durch gezielte finanzielle Förderung unterstützt. Im Jahr 2008, also noch bevor sich die Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft ausgewirkt hat, wurden auf dem deutschen Schienennetz Güter im Umfang von rund 73 Millionen Tonnen im Kombinierten Verkehr befördert. Das entspricht einem Transportvolumen von rund 12.000 Lkw-Fahrten – pro Tag! Vor allem die hoch frequentierten Verkehrskorridore können so enorm entlastet werden.
Die Bundesregierung verfolgt bei allen verkehrspolitischen Maßnahmen das übergeordnete Ziel, Mobilität zu ermöglichen, anstatt sie zu behindern. Das gilt für den Personen- genauso wie für den Güterverkehr. Dabei wollen wir die begrenzten Mittel zielgerichtet einsetzen, um weiterhin auf ein leistungsfähiges Infrastrukturnetz vertrauen zu können – damit Deutschland ein Land der kurzen Wege bleibt.


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