Werte leben – Herausforderung
Corporate Citizenship
Immer mehr Unternehmen engagieren sich für das Allgemeinwohl und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Ob
in sozialen Bereichen, Sport, Kultur, es gibt vielfältige Wege, wie Unternehmen als „Bürger“ der Gesellschaft einen Beitrag leisten können.
Für das dreijährige kongolesische Mädchen Ayïchi begann ein neues Leben – dank einer Kette der Hilfsbereitschaft. Das Mädchen war einem belgischen Neurologen auf einer Hilfsmission im Kongo aufgefallen. Seine Diagnose: das seltene „Wackelkopfpuppen-Syndrom“, von dem nur rund 30 Fälle weltweit dokumentiert sind. Das auffälligste Symptom ist ein ständiges Kopfnicken der Betroffenen, das von einer Zyste im Gehirn ausgelöst wird. Diese verlangsamt auch die psychische und motorische Entwicklung, was unbehandelt eine geistige Behinderung nach sich zieht. Eine Hirnoperation war die einzige Chance für das kleine Mädchen. Über die Hilfsorganisation „Chain of Hope“ organisierte der Neurologe für das Mädchen eine Reise nach Belgien und suchte unter anderem Hilfe bei B. Braun. Er bat darum, die nötigen Instrumente kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Jean-Luc Libert, Abteilungsleiter im Bereich Endoskopie/Neurochirurgie, organisierte die notwendigen Endoskope und unterstützte den jungen Operateur auch während des Eingriffs, der erfolgreich verlief. Inzwischen ist Ayïchi wieder zu ihrer Familie in den Kongo zurückgekehrt. Wenn sie jetzt mit ihren Freunden spielt, fällt sie nicht mehr auf. Und sie hat eine Zukunft.
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Das kongolesische Mädchen Ayïchi mit ihren Eltern. |
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Das Programm „Beruf und Familie“bei B. Braun soll es den Mitarbeitern erleichtern, Familie und Beruf zu vereinbaren. |
Geschichten wie die von Ayïchi gibt es viele. Für Unternehmen ist das gesellschaftliche Engagement zu einem festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur geworden. Diese Unternehmen verstehen sich als Bürger der Gesellschaft, in der sie, wie es für jeden Bürger selbstverständlich sein sollte, Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen, sich engagieren und sich gemeinsam mit anderen Bürgern dafür einsetzen, dass die Gesellschaft eine Zukunft hat. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten des gesellschaftlichen Engagements – unter anderem in sozialen Bereichen, Kultur, Sport, Bildung oder Umweltschutz. Von großer Bedeutung sind nach wie vor Geldgaben in Form von Spenden oder Sponsoring. Nicht minder wichtig ist auch die kostenfreie oder kostengünstige Überlassung von Produkten oder Dienstleistungen an gemeinnützige Organisationen. Immer häufiger wird die Beteiligung der Unternehmensleitungen oder Mitarbeiter an sozialen Projekten, wie Patenschaften, oder die kostenfreie Beratung von Non-Profit-Einrichtungen sowie die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit.
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Das Nachhaltigkeitsmagazin soll den Lesern einen Blick auf die Bedürfnisse kommender Generationen ermöglichen. |
Nicht zuletzt gibt es vielfältige Wege, das positive Image des Unternehmens oder die guten Kontakte für gemeinnützige Ziele einzusetzen.
Für ein solches Engagement muss man natürlich nicht erst nach Afrika reisen. Jede Gesellschaft hat ihre Probleme. Die demografische Entwicklung ist beispielsweise ein Thema, über das wir uns in Deutschland ernsthaft Gedanken machen müssen. Schon im Interesse der eigenen Zukunft können sich Unternehmen hier nicht aus der Verantwortung stehlen. Das Problem hat zahlreiche Facetten und bietet ebenso viele Ansatzmöglichkeiten. So hat beispielsweise das Unternehmen B. Braun schon vor über 20 Jahren das Programm „Beruf und Familie“ eingeführt, um es den Mitarbeitern zu erleichtern, Familie und Beruf miteinander zu verbinden. Dieses wurde 2007 um eine Familienteilzeit ergänzt, die es ermöglicht, die Arbeitszeit auf 50 Prozent zu reduzieren; die Mitarbeiter bekommen aber 65 Prozent ihres Gehaltes. Die Familienteilzeit können Mitarbeiter in Anspruch nehmen, um Kinder zu betreuen, aber auch, um kranke Angehörige zu pflegen.
Die demografische Entwicklung bringt noch ein anderes Problem mit sich: Schon heute ist absehbar, dass es in Zukunft einen Fachkräftemangel geben wird. Klar ist: Keiner sollte verloren gehen. Tatsache ist aber auch, dass viele junge Leute, vor allem aus dem Hauptschulbereich, keine Perspektive für ihr Leben sehen. Die Folgen sind Ratlosigkeit, Frust und mangelnde Lernmotivation. Diese jungen Menschen haben aber Potenzial, wenn man sich frühzeitig um sie bemüht. Deshalb hat B. Braun die Initiative PerspektivePLUS ins Leben gerufen. Jedes Jahr bekommen rund 25 junge Menschen mit schlechtem Schulabschluss die Chance, mit diesem einjährigen Programm ihre Einstiegsqualifikation und damit ihre Chance auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Der Erfolg dieses Programms hat zur Bildung regionaler Netzwerke zwischen Schulen, Betrieben, Vertretern der Wirtschaft, der Verbände, der Städte und Gemeinden sowie deren Bürger geführt. Deren Aufgabe ist es, betroffenen Jugendlichen eine soziale und gesellschaftliche Integrität, persönliche und berufliche Perspektiven zu ermöglichen. Gestützt wird das Übergangsmanagement von Mentoren. Zum Teil wurden Ruheständler engagiert, die hier ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen. Jedem Teilnehmer wird ein Mentor zur Seite gestellt, wodurch es möglich ist, die Betreuung individuell auf die Schülerin oder den Schüler abzustimmen, um so einen größtmöglichen Erfolg zu erzielen.
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Die PerspektivePLUS ermöglicht jedes Jahr jungen Menschen mit schlechtem Schulabschluss die Chance auf einen Berufseinstieg. |
Für Unternehmen im Gesundheitsmarkt ist auch die Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses bedeutend. In der Organisation und Förderung von Veranstaltungen und Ereignissen wie Symposien, Workshops und Auszeichnungen – viele mit inzwischen langjähriger Tradition – sieht B. Braun eine weitere Säule des wissenschaftlichen Engagements. Dem Unternehmen ist es wichtig, Information, Meinungsaustausch und Weiterbildung von Studierenden, Wissenschaftlern und Praktikern im Gesundheitswesen zu fördern.
Ganz gleich für welche Art von Engagement sich Unternehmen entscheiden, ob für Kunst und Kultur, für Sport, für die Umwelt oder für soziale Belange: Wichtig ist, dass es glaubwürdig gelebt und nicht als Marketinginstrument missverstanden wird. Nur wenn ein Unternehmen seine Rolle ernst nimmt und nachhaltig etwas bewegen will, kann es zu einem guten Bürger der Gesellschaft werden. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter diese Verantwortung mittragen und ihre Ideen, ihr Können und ihre Kraft einbringen. So wie Jean-Luc Libert, der mit seinem Einsatz dazu beigetragen hat, dass das kleine kongolesische Mädchen Ayïchi eine Zukunft hat.


















