Informationstechnologie
![]() | |
DEHOMAG-Hollerith-Werk in Berlin-Lichterfelde 1943. |
Geburtsstunde der IBM Deutschland
![]() | |
Berlin ist zudem zum Internet- und Medienstandort geworden. |
Die Anfänge der IBM in Berlin sind eng verflochten mit der Geburtsstunde der IBM in Deutschland. Am 30. November 1910 gründet der Amerikaner Herman Hollerith in Berlin die DEHOMAG (Deutsche Hollerith-Maschinen Gesellschaft mbH), ein Vorgänger der späteren IBM Deutschland. Mit insgesamt sieben Mitarbeitern und den Produktions- und Vertriebsrechten für Deutschland sowie Südeuropa beginnt die Firma ihre Arbeit. Das Statistische Amt der Stadt Berlin sowie die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin gehören zu den ersten Kunden, die die Bedeutung der
DEHOMAG-Hollerith-Lochkarten-Maschinen erkennen. Dank der neuen Technik können sie statistische Arbeiten in einem Zehntel der Zeit und mit einem Drittel der Kosten erledigen – ein früher Vorbote der späteren Effizienzsprünge, die durch die technologische Weiterentwicklung der Informationstechnologie möglich sind.
Bedingt durch die Erweiterung der technischen Funktionalität auf Saldierung, Steuerung und Summenlochung findet die Lochkartenmaschine von den rein statistischen Anwendungen nach und nach ihren Weg in das betriebliche Rechnungswesen. 1933 gründet die DEHOMAG in Berlin eine auf die Bedürfnisse der Wirtschaft spezialisierte Niederlassung. Kurze Zeit später wird ein neues Werk und die Hauptverwaltung in Berlin-Lichterfelde eröffnet. Schon bald erhält die Firma den Auftrag für die preußische Volkszählung und unterstützt mit ihren Maschinen unter anderem das Buchungssystem der Deutschen Reichsbahn. Mit den ständigen Neuerungen der Technik – die in Deutschland entwickelte schalttafelgesteuerte Tabelliermaschine D11 hat gerade ihren rasanten Eroberungsfeldzug des Marktes begonnen – rückt die Notwendigkeit, Mitarbeiter und Kunden mit deren Umgang zu schulen, in den Vordergrund. Der Standort Berlin kristallisiert sich als eine von inzwischen elf deutschen DEHOMAG-Niederlassungen schnell als Schmiede für junge Talente heraus. Innerhalb von nur vier Jahren findet dort der erste Hollerith-Lehrgang statt, wird eine Lehrlingsabteilung samt Lehrwerkstatt eingerichtet und im Jahr 1938 der erste europäische Technikerlehrgang durchgeführt.
Dem geschäftlichen Erfolgskurs der DEHOMAG in Berlin wird mit dem Ausbruch des Krieges jedoch ein jähes Ende gesetzt. Bis Kriegsende sind die DEHOMAG-Gebäude in Berlin zu 89 Prozent zerstört. Der mühsame Wiederaufbau beginnt. Zwar kann bereits ab Oktober 1945 in Berlin wieder produziert werden, aber die Hauptverwaltung der Firma, die 1949 in Internationale Büro-Maschinen Gesellschaft mbH (IBM) umbenannt wurde, ist inzwischen nach Stuttgart verlagert worden. Erst Anfang der Sechziger gewinnt der Standort Berlin erneut an Bedeutung, als IBM ihre Niederlassung am Ernst-Reuter-Platz eröffnet. Im Jahr der Wiedervereinigung kehrt die Holding der Firma nach mehr als 80 Jahren offiziell an ihren Gründungssitz Berlin zurück. Für die IBM hat die Präsenz in Berlin weit mehr als nur symbolische Wirkung. Sie will die Rolle des aktiven, sichtbaren Partners beim Wiederaufbau der neuen Bundesländer übernehmen. Berlin wird nicht nur Sitz der IBM Region Ost, einer von sechs Regionen im Bundesgebiet. Von Berlin aus beschließt die Geschäftsführung auch die nächsten Schritte, um den neuen Bundesländern rasch die Kommunikationsmöglichkeiten der modernen Welt zur Verfügung zu stellen. Innerhalb von nur wenigen Monaten werden neben terrestrischen Kabelanschlüssen 15 neue unabhängige Satellitenempfangs- und -sendeverbindungen in den neuen Bundesländern eingerichtet, über welches Kunden, Geschäftspartner und sämtliche Mitarbeiter auf das weltumspannende IBM-Netzwerk mit sämtlichen Datenbanken und Rechnern Zugriff haben.
![]() | |
Eine der drei IBM-Lokationen in Berlin: Das IBM Werk Berlin-Marienfelde. |
Vom Produktions zum Dienstleistungsstandort
Einhergehend mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft hat sich die Geschäftswelt der IBM innerhalb eines knappen Jahrhunderts enorm gewandelt. Ursprünglich auf die Produktion von mechanischen Lochkarten- und elektromechanischen Tabelliermaschinen angelegt, orientierte sich IBM Mitte der fünfziger Jahre neu – auf die Herstellung elektronischer Computer. Der damalige CEO, Thomas Watson Jr., legte mit dieser visionären Neuausrichtung seiner Firma den Grundstein für sein Lebenswerk. Die zweite Trendwende – vom „steinzeitlichen“ Computergiganten hin zum modernen IT-Dienstleistungsunternehmen – wurde besiegelt, als IBM 1993 dank des von Lou Gerstner eingeleiteten „Turnaround“ über 50 Prozent ihres Umsatzes mit Software und Dienstleistungen erwirtschaftete. Auch in der IBM-Niederlassung Berlin machte sich diese Trendwende vom Produktions- zum Dienstleistungsstandort bemerkbar. Während IBM ihre Präsenz in Berlin im Jahr 1910 als reine Produktions- und Vertriebsstätte begonnen hatte, arbeiten heute nahezu alle der insgesamt 647 Beschäftigten der IBM Berlin1 in dienstleistungsnahen Bereichen, beispielsweise Gehaltsabrechnung, Einkauf, Berufsausbildung und Schulung. Ein Großteil der Beschäftigten aber ist in der Dienstleistungssparte angesiedelt: im Geschäftsbereich IBM Global Services.
![]() | |
… hier wurde das Unternehmen 1910 gegründet. |
Der Wandel von der Produktions- zur Dienstleis-tungsgesellschaft hat auch die Metropole Berlin längst erfasst. So schafft das Dienstleistungsgewerbe inzwischen die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze. Berlin ist zudem zum Internet- und Medienstandort geworden. Trotz der gegenwärtigen Krise der Branche setzt die Stadt weiterhin auf die Zukunftstechnologien. IT-Sicherheits-Dienstleis-tungen, der Ausbau des Berliner Kabelnetzes zum Multimedia-Netz und die Fachkräfte-Ausbildung werden nach wie vor besonders gefördert.
Die Vorzüge der Metropole Berlin sind von unschätzbarem Wert. Eine außergewöhnlich hohe Lebensqualität bestehend aus einem reichhaltigen Gastronomie-Angebot und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten sowie einem exzellenten kulturellen Angebot und einer pulsierenden Dynamik kennzeichnen die Hauptstadt. Berlin steht für Kreativität und Innovation genau so wie für Kultur und Historie. Auch für IT-Unternehmen bietet Berlin große Vorzüge. Die Nähe zu einer Vielzahl universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen ist hier als ebenso wertvoll einzustufen wie die Verkehrs- und Telekommunikations-Infrastruktur der Stadt.
![]() | |
Für IT-Unternehmen bietet Berlin große Vorzüge. |
Projekt
„Informationsgesellschaft Deutschland“
Für IBM spielen heute vor allem drei Berliner Standortfaktoren eine Rolle: Berlin ist mit seiner Berufsakademie (BA) nach wie vor einer der wichtigsten Ausbildungs-Standorte der IBM, an dem wir jährlich mehr als 20 Berufsakademie-Studenten und 20 Auszubildende als Nachwuchs heranziehen. Die Stadt ist Sitz der Initiative D21, welche die Zukunft der Informationsgesellschaft Deutschland entscheidend mitgestaltet. Zudem profitiert IBM von der starken Präsenz mittelständischer Betriebe vor Ort, welche einen hohen Bedarf an E-Business-Lösungen für die Optimierung ihrer Geschäftsprozesse haben.
Die Notwendigkeit der Ausbildung hoch spezialisierter Fachkräfte ist nach wie vor ein zentrales Thema für den Wirtschaftsstandort Deutschland; gerade auch für Berlin als aufstrebenden IT- und Medienstandort. Schon Mitte der siebziger Jahre nahm IBM die Ausbildung des eigenen Nachwuchses fest in die Hand, indem sie sich als eine der ersten Firmen an dem zukunftsweisenden Modell der Berufsakademie (BA) beteiligte damals einer der ersten Versuche, Abiturienten durch den ständigen Wechsel von Theorie und Praxis in so ge-nannten dualen Studiengängen besser auf den späteren Beruf vorzubereiten. Heute bietet IBM jungen Nachwuchskräften acht verschiedene Studien- bzw. Ausbildungsgänge an und ist damit einer der größten Anbieter in diesem Bereich in Deutschland. Gemeinsam mit Hewlett-Packard hat IBM auf Grund der wandelnden beruflichen Anforderungen, die mit dem technologischen Wandel einhergehen, an der Entwicklung der vier neuen Berufsbilder für die IT-Industrie mitgewirkt: IT-Systemelektroniker, IT-Systemkaufmann, Informatik-Kaufmann und Fachinformatiker. Durch diese Initiative konnten bundesweit rund 40.000 neue IT-Ausbildungsplätze geschaffen werden.
![]() | |
Die Nähe zu universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist als ebenso wertvoll einzustufen wie die Verkehrs- und Telekommunikations- Infrastruktur der Stadt. |
Vom regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit erhielt die IBM Deutschland GmbH im April 2002 die Auszeichnung zur Würdigung besonderer Ausbildungsleistungen der IHK Berlin und der Handwerkskammer Berlin. Dass die IBM Berufsausbildung Weltklasse ist, belegt ein anderes Beispiel: Im Jahr 2001 hat unser Auszubildender Ralf Stein den Bundeswettbewerb der Netzwerktechniker gewonnen und sich damit für die Berufsweltmeisterschaft der Netzwerktechniker in Seoul qualifiziert. Dort belegte er einen stolzen vierten Platz und arbeitet heute bei einer IBM Tochtergesellschaft.
Aktuell sind im Unternehmen ca. 1.000 BA-Absolventen als Mitarbeiter beschäftigt. Wie gut die Berufschancen der BA-ler im Vergleich zu Universitätsabsolventen sind, fand eine kürzlich von IBM in Auftrag gegebene Karrierestudie heraus. Laut Studie waren die Gehälter der untersuchten 30 bis 44 jährigen Mitarbeiter von BA-Absolventen in allen Altersgruppen am höchsten, gefolgt von den Uni-Absolventen. Zudem wurden die Absolventen der BA in der Regel früher zu Führungskräften ernannt als die Vergleichsgruppen.
Trotz der derzeitigen Krise am neuen Markt herrscht nach wie vor ein Mangel an speziell ausgebildeten Fachkräften im Informatikbereich, dem das bestehende Hochschulsystem in Deutschland nicht abhelfen kann. Die Greencard war eine der Initiativen, welche die Initiative D21 zusammen mit der Politik erfolgreich angestoßen hat. Die Initiative hat ihren Ursprung und Sitz seit 1998 in Berlin. Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Beiratsvorsitzender. Politiker aller Fraktionen, wie beispielsweise Lothar Späth, unterstützen die parteiunabhängige Vereinigung. Mittlerweile ist D21 mit 300 Mitgliedern zum größten Private-Public-Partnership herangewachsen. Seit 1999 haben D21-Mitglieder mit rund 17 Millionen Euro den Einsatz neuer Medien im Unterricht gefördert, so dass inzwischen dank des Mitglieds Deutsche Telekom alle Schulen in Deutschland ans Netz angeschlossen sind. Die Zahl der Internetnutzer in Deutschland hat sich innerhalb von nur drei Jahren auf 30 Millionen verdoppelt. Die Zahl der Studienanfänger in der Informatik ist ebenfalls enorm in die Höhe geschnellt. Unser Ziel, bis zum Jahr 2003 60.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen, haben wir vorzeitig erreicht. Mit Projekten wie dem Girls’ Day gelingt es uns zudem, auch junge Frauen für technische Berufe zu begeistern.
Wir arbeiten ständig an neuen, drängenden Projekten, um Deutschland den Weg in das Informationszeitalter zu ebnen. Ein wichtiges Anliegen war und ist es, die digitale Spaltung der Bevölkerung in Internet-Nutzer und solche, die keinen Zugang haben, zu verhindern. So hat die Initiative D21 kürzlich gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Emnid eine Art Internet-Landkarte der Nutzer und Nichtnutzer in diesem Land erstellt und die Ergebnisse dieser Studie in Relation zu denen der Vorgänger-Studie von 2001 gestellt. Dabei wurde festgestellt, dass ausgerechnet der IT- und Medienstandort Berlin zu den Bundesländern gehört, in denen der Offliner-Anteil unter der Bevölkerung wieder wächst, anstatt kontinuierlich zu sinken. War Berlin noch 2001 mit 45 Prozent die Hochburg der Internetnutzer und ließ der hohe Anteil von Anschaffungsplanern starke Zuwächse erwarten, so hat sich dieser Trend inzwischen ins Gegenteil verkehrt: Der Anteil der Nicht-Nutzer ist in Berlin um nahezu sechs Prozentpunkte gestiegen. Diesem Negativtrend gilt es Einhalt zu gebieten, wenn wir verhindern wollen, dass sich ein tiefer Spalt durch die künftige Gesellschaft zieht. Nach wie vor sind diejenigen mit niedrigem Bildungsniveau, ohne festen Arbeitsplatz und niedrigerem Einkommen außen vor bei der bahnbrechenden Entwicklung Internet. Eine erschreckende Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass sich Dienstleistungen wie Online-Banking, der Ticketverkauf für öffentliche Verkehrsmittel und der Handel mit Konsumgütern immer stärker in das Internet verlagern. Auch die Weiterbildung über das Netz wird zunehmend Normalität ein Bereich, bei dem die so genannten „Nonliner“ automatisch außen vor sind. Es gilt also, die größten Hürden auf dem Weg zu einer flächendeckenden Internet-Nutzung – fehlende Anleitung im Umgang mit neuen Technologien; zu wenige zielgruppenspezifische Inhalte, die Offline-Bevölkerungsgruppen wie Senioren oder Arbeitslosen einen echten Mehrwert bieten und zu wenige öffentlich zur Verfügung stehende Internetanschlüsse schleunigst beiseite zu schaffen.
Rein geschäftlich betrachtet stellt Berlin mit seiner mittelständisch geprägten Industrielandschaft einen vielversprechenden Wachstumssektor für die Implementierung von E-Business-Projekten dar. Viele Firmen kleiner und mittlerer Größe haben im Gegensatz zu den Großkonzernen das Internet noch nicht als entscheidenden Wettbewerbsfaktor für sich entdeckt. Und das obwohl der Mittelstand eine enorme Wirtschaftskraft erzeugt. Allein in den neuen Bundesländern und Berlin beschäftigen insgesamt 770.000 mittelständische Unternehmen 7,2 Millionen Mitarbeiter. Damit befinden sich in dieser Region rund 21 Prozent aller deutschen Firmen und rund 20 Prozent aller Beschäftigten! Zwar nutzen über 95 Prozent der mittelständischen Berliner Unternehmen inzwischen E-Mails als Kommunikationsmittel, verfügen über einen Internetzugang und haben eine eigene Internetpräsenz. Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Unternehmen, die ihren Einkauf über das Internet organisieren. Jedoch macht der Einsatz des eigenen Internetauftritts noch vor der Interaktion mit Kunden und Geschäftspartnern halt. Erst ein Drittel der Berliner Unternehmen im Mittelstand nutzt die Möglichkeit, mit anderen Unternehmen über das Netz zu interagieren. Hier ist nach wie vor ein enormer Aufholbedarf vorhanden.
IBM hat in Zeiten des Wandels ihre Präsenz in Berlin immer wieder veränderten Bedingungen angepasst. Sie hat Veränderungen dieser Stadt hautnah vor Ort miterlebt. Die Entwicklung von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft hat das Unternehmen als solches – auch über Berlins Grenzen hinaus – entscheidend geprägt. Berlin war aber auch immer der Ort, von dem die wichtigen Impulse ausgingen, wenn es darum ging, die Notwendigkeit zur Veränderung der bestehenden Gesellschaft zu erkennen und durchzusetzen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist dieser Standort immer auch ein IBM-Standort geblieben.





















