Hans-Jörg Roesmann

Der Autor wurde 1945 geboren und er­­langte 1970 seinen Abschluss zum Spar­­kassenbetriebswirt. Danch war er Leiter des Kreditsekretaria­tes der Sparkasse Münster. Seit 1985 ist Hans-Jörg Roes­mann Geschäftsführer der Technolo­gie­förderung Münster GmbH und seit 2006 Vorstandsvorsitzender von TGZ NRW eV.

Strukturwandel führt zum dichtesten Netz an Technologie- und Gründerzentren



Technologiestandorte sind eng verbunden mit dem wissenschaftlichen Potenzial von Universitäten und Fachhochschulen. In Münster haben die Hochschulen entscheidend dazu beigetragen, den Standort zu einem anerkannten Forschungs- und Technologiestandort zu machen.

Die gut 70 Technologie- und Gründer­zent­ren (TGZ) in NRW sind mehrheitlich auf lokaler Ebene mit Hilfe der Städte, Gemeinden und Kreise sowie mit starker finanzieller Unterstützung des Lan­­des zwischen 1983 und 1998 entstanden. Die Landesregierung hat im Rah­men ihrer aktiven Strukturpolitik bei der För­­­derung von TGZ eine Vor­reiterrolle ge­­spielt, so dass NRW heute das Bun­­desland mit den meisten TGZ ist. Vor dem Hintergrund der Krisen in der Stahl- und Montanindustrie, verbunden mit ho­­hen Arbeitslosenzahlen, schwindender Unternehmenslandschaf­­­­ten und ge­­rin­gen Gewerbesteuern be­­stand für die politisch Verantwortlichen ein enormer Hand­­lungsdruck, einen nach­­haltigen Struk­tur­wandel zu initiieren. Einer der großen Hoffnungsträger war damals und sind auch heute noch Gründungen aus Hoch­­schulen, insbe­son­­dere techno­logie-orien­­tiere Unter­neh­­­­men in zu­­kunfts­­träch­­ti­gen High­tech-Bran­chen und damit verbundenen kom­­­­plementären Dienstleis­tun­gen. Gemes­sen am Aufwand sind in diesem Be­­reich die Arbeitsplatzeffekte und der volkswirtschaftliche Nutzen am größten. Diese Fakten waren seinerzeit maß­­geblich für die Entscheidung, die angewandte Forschung in den Hoch­schu­­­len stärker auszubauen und paral­lel dazu die Entstehung von regionalen Techno­lo­gie- und Gründerzentren nachhaltig zu unterstützen.

 

Hieraus abgeleitet verstehen sich die TGZ als wesentliche Elemente einer modernen Wirtschafts- und Innovations­förderung und verfolgen eine spezifische Zielsetzung: Förderung von technologie­orientierten Unternehmen, An­­siedlung von Hightech-Firmen, Förderung von Spin-­off-Gründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen und För­­derung des Einstiegs in die Produktion sowie die Vermarktung innovativer Ideen. Insgesamt zielen die Maßnahmen darauf ab, nachhaltig Arbeitsplätze zu schaf­­fen und zu einem spürbaren Beitrag zum Strukturwandel in den Regionen beizutrag

 

 Ihr Beratungs- und Serviceangebot um­­­­fasst unter anderem:

  • Hilfestellung bei der Erstellung des Unternehmenskonzeptes

  • Finanzierungsberatung

  • Betriebswirtschaftliche Beratung und Qualifizierung

  • Unterstützung bei Fragen der Ferti­gung, des Marketing und der Verkaufsför­­de­rung einschließlich Messe­betei­li­­­gung

  • Kontaktvermittlung zu Hochschulen, Forschungseinrichtungen und externen Beratern

  • Kontaktvermittlung zu anderen Un­­ter­­nehmen sowie zu relevanten Netzwer­­ken




Public-Private-Partnership-Projekte ergänzen das Angebot erfolgreicher Technologie- und Gründerzentren und leisten damit einen signifikanten Beitrag zum Strukturwandel.
Beispiel: Deilmann-Haus im Technologiepark Münster

Über die auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittenen Räumlichkeiten hinaus bieten die Zentren ihren Unterneh­men ein breites Spektrum an Infrastruktureinrichtungen, das zum Beispiel von Se­­­­minarräumen, der Telefonzentrale, dem Gemeinschaftssekretariat, der Nut­­zung von Labor- und Werkstatträumen bis zur Cafeteria reicht. Die TGZ sind Anlauf­stellen für kleine und mittlere Un­­ter­neh­men (KMU) und zugleich Koope­ra­tions- und Vermittlungspartner für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten innovativer Großunternehmen.

 

In vielen Fällen konnten sich die TGZ auf regionaler Ebene erheblich weiter entwickeln. Insbesondere dort, wo sie in unmittelbarer Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen entstanden sind. Oftmals sind zusätzlich zum ursprünglichen Inkubator weitere Im­­mo­­bilien beziehungsweise Spezialimmobilien für den Medizin- oder Life Scien­­ce-Bereich entstanden. Heute sind alle großen technologieorientierten Zentren an einen Technologiepark angeschlossen. Hierdurch wird gewährleistet, dass für alle Entwicklungsstadien eines Un­­ternehmens von der Gründung bis zu einem wachsenden, produzierenden KMU optimale Infrastrukturangebote vorhan­­den sind. Die Kombination von TGZ, Technologiepark und Hochschule ist ein Faktor, der das Ansehen eines Stand­ortes bei Unternehmen und Investoren entscheidend beeinflusst. Positive Bei­spiele in Nordrhein-Westfalen für solche Effekte sind beispielsweise die Stand­orte Dortmund, Aachen oder Münster. Sie spiegeln das stabile und intensive Kooperationsverhältnis mit den Hoch­schu­len vor Ort wider, für die die TGZ als Brücke zwischen den Potenzialen der Hochschulen und der technologieorientierten Wirtschaft fungieren.

 

Durch ein positives unternehmerisches Klima, durch eine enge Anbindung an Wissenschaft und Wirtschaft, durch eine aktive Einbindung in regionale und landesweite Netzwerke – zum Beispiel ak­­­­­tuell in der derzeitigen Clusterpolitik des Landes – entstanden langfristig Ar­­­beits­­platzeffekte und in der Folge der gewünschte Strukturwandel.

 




Hochschulen, Stadt, Transfereinrichtungen und Technologieunternehmen vor Ort arbeiten daran, das enorme wissenschaftliche Potenzial in den Hochschulen wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Zur Einschätzung der Effekte auf den Strukturwandel einer Region – und hier sind in Nordrhein-Westfalen sehr unter­schiedliche Bedürfnisse und Erforder­nisse festzustellen – werden Indikatoren wie Beschäftigungseffekte gemessen an Arbeitsplätzen, Überlebensrate von jun­­gen Unternehmen innerhalb und außerhalb eines TGZ sowie die Kooperations­beziehungen zwischen Technologiefir­­men und Zulieferindustrie in einer Re­­gion he­­­r­­­­­angezogen. So geht aus einer internen Studie des TGZ NRW eV hervor, dass rund 90 Prozent aller in einem TGZ gegründeten und dort auch ge­­wachsenen Firmen nach Auszug aus dem Zentrum am Markt überleben konnten, während nur gut 60 Prozent der sonstigen technologieorientierten Neugrün­dungen sich in den ersten drei Jahren stabil etablie­ren können. Über einen Be­­trachtungs­zeit­­raum von fünf Jahren war festzustellen, dass die durchschnittliche jährliche Neuansiedlungsrate in den Zen­­tren bei knapp 20 Prozent lag. In den vergangenen zehn Jahren wurden rund 5.200 Firmen in TGZ angesiedelt beziehungsweise gegründet, 2.300 Firmen „wuchsen“ aus dem Zentrum heraus und siedelten sich in der unmittelbaren Um­­gebung – vorzugs­­weise in Technologieparks – an und es entstanden insgesamt mehr als 38.000 hochwertige Arbeitsplätze.

Diese beeindruckenden Zahlen machen deutlich, welchen Beitrag die TGZ zum regionalen Strukturwandel beigetragen haben und das nach wie vor tun. Die sich stetig fortschreibende Arbeit der TGZ wird zunehmend stärker einbezogen in die Aufgabenstellung von anderen Institutionen wie der IHK, Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Sparkassen und von Wagniskapitalfonds. Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass sich die TGZ in NRW in ihrem jeweiligen lokalen beziehungsweise regionalen Um­­feld als eine der tragenden Säulen des Struk­­turwandels etabliert haben.

 


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