Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer

Der 1949 geborene Autor ist seit 2005 Sta­ats­sek­re­tär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Nach seinem Stu­­dium der Mathematik, Wirt­schafts­- und Poli­tischen Wissen­schaf­ten in Hei­del­­­berg, Bonn und Frankfurt sowie seiner Pro­mo­tion absolvierte er einen For­­­schungs­­­auf­­­enthalt in Yale (USA) und wirkte leitend bei renommierten For­schungs­instituten. Seit 1995 lehrt er VWL in Strassburg (F).

Ideen zünden! Die Hightech-Strategie der Bundesre­gie­rung



Innovatorenquote* im EU15-Vergleich 2004
*) Unternehmen mit Produkt- und/oder Pro­zessinnovationen in den Jahren 2002-2004 in Prozent aller Unternehmen ab 10 Beschäftigte.
**) Großhandel, Transportgewerbe, Nachrichtenübermittlung, EDV, Ingenieurbüros, technische Labors.
Quelle: Eurostat, 4th Community
Innovation Survey, für GBR: DTI (2006). – Berechnungen des ZEW.


Deutschland im internationalen Innovationswettbewerb

Seit geraumer Zeit erleben wir einen zunehmenden internationalen Innova­tions­wettbewerb. Deutschland ist hier hervorragend aufgestellt

  • In der Industrie zählten 65 Prozent der deutschen Unternehmen zu den Innovatoren. Dies ist deutlich mehr als in jedem anderen der großen Indus­trie­länder.

  • Bei den weltmarktrelevanten Paten­ten liegt Deutschland mit 288 Patent­anmeldungen je Million Erwerbstätige im internationalen Vergleich an sechster Stelle, noch vor den USA (245) und deutlich über dem OECD-Durch­schnitt (173).

  • Deutschland exportierte 428,3 Milliarden Euro an forschungsintensiven Industriewaren. Wir waren da­mit 2005 vor den USA und Japan weltgrößter Technologie­expor­teur.

  • Der Anteil wissenschaftlicher Publika­tionen ist – trotz erheblicher Dynamik bei den Aufholländern – leicht ausgebaut worden; Deutschlands Anteil be­lief sich hier auf 7,5 Prozent.

  • Deutschland führt im Maschinenbau, ist erstklassig im Fahrzeugbau und in der Umwelttechnik sowie Schritt­ma­cher in vielen Bereichen der Erneuer­ba­ren Energien, der Laser-, Nano- und Medizintechnologie.

  • Immer deutlicher werden Deutsch­lands Stärken bei den Prozesstechnologien: „Made in Germany“ steht zwar auf immer weniger Produkten, allerdings ist unser Know-how immer gefragter in der global vernetzten Wirtschaft.

Die Entwicklungen auf den internationalen Märkten für Technologie zeigen eines ganz deutlich: Kein Vorsprung ist mehr sicher. Hierin liegen Heraus­for­derungen und Chancen zugleich.

 




Kondensatoren: Ihre Wirkung wurde 1745 von Ewald J. G. von Kleist aus Cammin entdeckt

Deutschlands Antwort auf den internationalen Technologiewettlauf

Diese Bundesregierung hat ein eindeutiges Signal zur Intensivierung der For­schungs- und Entwicklungstätigkeit auch und gerade in Unternehmen gesetzt:

  • In dieser Legislaturperiode investieren wir zusätzlich sechs Milliarden Euro in Forschung und Innovation.

  • In den Jahren 2006 bis 2009 werden wir insgesamt rund 15 Milliarden Eu­ro in die Hightech-Strategie investieren.

Einen solchen Anstieg der Forschungs­gelder und Fördermittel hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben. Hiermit ist der Bund in Vorleistung gegangen. Nunmehr sind die Länder aufgefordert, ihre Innova­tions­strategien vorzulegen. Und insbesondere muss die Wirtschaft nachziehen. Bis zur Drei-Prozent-Marke fehlen immerhin noch zwölf Milliarden Euro. Wenn diese Summe fair zwischen Wirt­schaft und Staat aufgeteilt werden wür­de – nach dem üblichen Schlüssel von zwei Drittel/ein Drittel – käme die In­dustrie auf einen zusätzlichen Finan­zierungsbeitrag von acht Milliarden Eu­ro. Die Plandaten der Wirtschaft für die Jahre 2006 und 2007 zeigen erfreulicherweise ein positives Signal. Die deutsche Industrie ist auf Wachs­tums­kurs.

 

Mit der Hightech-Strategie, die am 29. August 2006 vom Kabinett verabschiedet wurde, setzt die Bundesregierung folgende innovationspolitische Schwer­punkte:

 




TV-Media-Tunnel: Die Informations- und Kommunikationstechnologie ist eines der wichtigsten Forschungsgebiete von heute.

1. Leitmärkte entwickeln

  • Klare Ziele und Handlungsfelder festlegen: Die Bundesregierung legt in der Hightech-Strategie Ziele für 17 Zu­kunftsfelder fest. Hierzu zählen et­wa die Gesundheits-, Sicherheits- und Ener­­gie­forschung. Für jedes Feld gibt es einen klaren Fahrplan von Initia­tiven. For­­schungsförderung und Rah­men­­be­dingungen werden stets gemein­sam betrachtet.

  • Klares Profil schaffen: Erstmals wird durch eine Stärken-Schwächen-Analy­se ein klares Profil dafür geschaffen, wo Deutschland in den verschiedenen Zukunftsfeldern steht und wo Hand­lungs­bedarf besteht. Im Zentrum steht immer die Aufgabe, neue Märkte für Produkte und Dienstleistungen zu erschließen oder bestehende Märkte zu Leitmärkten auszubauen.

  • Roadmap-Prozesse mit Wirtschaft und Wissenschaft anlegen: Damit Deutsch­land auf internationalen Märkten kon­kurrieren kann, ist eine Verständi­gung von Politik, Wissenschaft und Wirt­schaft erforderlich. Diesen Prozess zu moderieren und im Hinblick auf Rah­menbedingungen und mögliche Förderung mit zu gestalten, ist die Aufgabe von Innovationspolitik. Stra­te­gi­schen Partnerschaften kommt hier eine besondere Bedeutung zu.




Außenhandel ausgewählter OECD-Länder mit FuE-intensiven Waren 2004

Quelle: DIW-Außenhandelsdaten. – World Bank, World Development Indicators 2006. – Berechnungen des DIW Berlin.

2. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verbessern

  • Kräfte von Wirtschaft und Wissen­schaft bündeln: Durch die Hightech-Strategie werden Brücken zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geschla­­gen; Ko­opera­tionen und Ge­mein­schafts­­projek­te werden so stark geför­dert wie noch nie, etwa durch die Ein­führung einer Forschungsprämie, durch die För­de­rung von Spitzenclustern oder indem die besten Beispiele für die Zusam­menarbeit von Wirtschaft und Wissen­schaft sichtbar gemacht werden.

  • In die Köpfe der Menschen investieren: Die Systeme der beruflichen Aus- und Weiterbildung werden zukunftsorientiert weiterentwickelt und die Begabten- sowie Nachwuchsför­de­rung aus­gebaut. Mit dem Hoch­schul­pakt 2020 soll sichergestellt werden, dass eine wachsende Zahl an Studie­ren­den attraktive Studien- und For­schung­s­be­dingungen findet.

 

3. Direkte Umsetzung von Forschungsergebnissen forcieren

  • Innovationsfreundliche Bedingungen für Hightech-Gründungen und den innovativen Mittelstand verbessern: Ex­is­tenzgründern wird der Weg in den Markt erleichtert, Unternehmern wird bei Kontakten zur Wissenschaft und bei der Umsetzung ihrer eigenen For­schung in Produkte geholfen und die Förderpolitik für kleine und mittlere Un­ternehmen wird vereinfacht.

  • Die allgemeinen Rahmenbeding­un­gen werden verbessert: Die Unterneh­­mensteuerreform wird die finanziellen Spiel­räume von Unternehmen für Innovationen erweitern. Zeitgleich sollen mit der Unternehmen­steuer­reform die steuerlichen Rahmenbe­ding­ungen für Gründungen über ein neues Wagniska­pi­tal­gesetz entscheidend verbessert wer­den. Die Unternehmensteuerreform ent­hält zudem den Auftrag, die Ein­füh­rung einer steuerlichen För­de­rung von Forschung und Entwicklung in Deutschland zu untersuchen.


Mit der Hightech-Strategie hat diese Bun­­­desregierung einen ressortüber­grei­fenden Prozess für die gesamte Le­gis­la­turperiode initiiert. Im Rah­men der „For­schungsunion Wirt­schaft – Wis­sen­schaft“, die aus Ver­tretern der Wirt­schaft und der Wis­senschaft be­­steht, wird unter Be­tei­ligung der je­­weils relevanten Res­sorts die Umset­zung und Weiter­ent­wick­lung der High­tech-Stra­te­gie begleitet. Die Strate­gie wird regelmäßig auf den Prüf­stand ge­stellt. Im Septem­ber 2007 zieht ­­die Bun­desregierung eine erste Bilanz.


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