Prof. Dr.-Ing. Hans-Jörg Bullinger

Der Autor wurde 1944 in Stuttgart gebo­ren und ist promovierter und habilitierter Maschi­nenbauer. Der Professor der Universität Stuttgart ist Mitbegründer des von ihm von 1981 bis 2002 geleiteten Fraun­hofer-Instituts für Arbeits­wirt­schaft und Organisation. Seit Oktober 2002 ist Hans-Jörg Bullinger Präsident der Fraun­hofer-Gesellschaft.

„Made in Germany“ – Wieder ein Siegel für Güte und Qualität



Das Armaturenbrett eines PKW der Oberklasse: hervorragende Qualität in Leichtbautechnik

Eine Exportnation wie Deutschland ist heute noch viel stärker als in der Ver­­gangenheit davon abhängig, innovative Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die auf den Weltmärkten konkurrenzfähig sind. Da wir einen Preis­­wettbewerb mit Billiglohnländern nicht gewinnen können, müssen wir etwas herstellen oder etwas leisten, was diese nicht können – innovative, einzig­artige Produkte und Dienstleistungen.

 

Deutschland gehört derzeit zu den Gewinnern der Globalisierung. Die hohe Nachfrage nach Technologie­gü­tern aus den Aufholländern, insbesondere aus China, beflügelte den exportgetrie­be­nen Aufschwung. Die Spe­zia­li­sierung Deutschlands auf „gehobene Gebrauchs­­güter“ wie den Maschinen­bau und die Automobil­industrie korrespondiert exakt mit der Nachfrage aus diesen Ländern. Kostensenkende Prozessinnovationen, internationale Reorganisation der Wert­schöpfungs­ketten und geringe Kosten­steigerungen im Inland schufen Vor­teile im globalen Preiswettbewerb. Das sind die Gründe für das gegenwärtige unerwartet hohe und stabile Wirtschafts­wachstum.

 




Miniaturisierte Brennstoffzellen verbessern die Energieversorgung von mobilen elektronischen Geräten.

Und es zeigt, dass deutsche Unter­nehmen auch in Zeiten der Globali­sierung wettbewerbsfähig sein können, wenn sie sich auf ihre traditionellen Stärken besinnen – hohe Qualität und technischer Vorsprung. Made in Ger­many war und ist das Markenzeichen für technische Spitzenleistung, Qualität und Zuverlässigkeit. Billige Massen­produkte werden heute vornehmlich in Asien hergestellt. Doch der weltweite Trend geht weg von simplen Massen­artikeln hin zu Qualität, die durch Marken verkörpert wird. Deutsche Unter­nehmen haben viele berühmte Marken geschaffen. Bezeichnender­weise waren es meist Familienunter­neh­men, die den Produkten eine Aura von Langlebigkeit und ererbtem Können gaben. Familienunternehmen fühlen sich der Glaubwürdigkeit der Marke besonders verpflichtet. Sie kennen den Markt und sie hören auf den Kunden. So haben wir in Deutschland eine Fülle erfolgreicher mittelständischer Unter­neh­men, zahlreiche Hightech-Firmen, oft hochspezialisierte Weltmarktführer, Dienstleistungsunternehmen und Hand­werksbetriebe.

 




Biometrische Verfahren wie die Vermessung der Iris helfen bei der Identifikation von Personen.

Deutschland hat im globalen Innova­tions­wettbewerb eine Spitzenposition in Technologiefeldern, die heute zwar noch von hoher wirtschaftlicher Bedeu­tung sind, aber ihre starke Wachstums­phase bereits hinter sich haben. Gera­de in den dynamisch wachsenden Zukunftstechnologien ist Deutschland noch schwach vertreten. Je höher die Innovationsdynamik ist, desto schwächer ist die deutsche Position. Die beschleu­nig­ten Veränderungszyklen in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft, die Dyna­mik der Geschäftsprozesse mit internationalen Partnern und Wettbewerbern erlauben Deutschland kein Ausruhen auf Erfolgen der Vergangenheit und Gegenwart. Unser Land muss wieder in den wichtigen Zukunftsmärkten und -technologien zur Weltspitze aufschließen, mehr noch: In wichtigen Feldern müssen wir wieder Techno­logieführer werden.

Die Bundesregierung hat das erkannt und die „Hightech-Strategie für Deutsch­land“ konzipiert, die klare Schwerpunkte für die Innovationsförderung in den nächsten Jahren setzt. So wurden sieb­zehn Technologiethemen definiert, von denen besondere Impulse für die Wirt­schaft zu erwarten sind. Dabei werden vor allem die Bereiche unterstützt, in denen Deutschland schon heute über gute Potenziale verfügt. Das Prinzip „Stärken stärken“ ist der richtige Weg zur Herausbildung von international wettbewerbsfähigen For­­schungs- und Anwendungsfeldern.

 




Laser in der Industrie: Die Führung des Strahls durch spezielle Spiegel erlaubt schnelle und komplexe Schweißvorgänge.

Dafür hat die Bundesregierung ihre Investitionen in die Wissenschaft kräftig erhöht: Von 2006 bis 2009 werden sechs Milliarden Euro zusätzlich für Forschung, Entwicklung und Innova­tion zur Verfügung gestellt. Die daraus entstehenden Innovationen sollen die Wirtschaft beleben und künftigen Wohl­­stand schaffen. Nur wenn so aus Wis­sen neue Werte geschaffen wurden, hat sich die Investition gelohnt. Nun müssen die deutschen Unter­nehmen nachholen und ebenfalls ihre For­schung- und Entwicklungsausgaben deutlich steigern. Das können sie jetzt auch, da sie in Folge der Wettbewerbs­fähigkeit auch ihre Investitionsfähigkeit wiedererlangt haben.

 

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat ihr Technologieportfolio ganz gezielt auf die Bedürfnisse der deutschen Wirt­schaft zugeschnitten und mit ihren „Pers­pektiven für Zukunftsmärkte“ ge­­zeigt, wo neue Chancen durch technologische Durchbrüche eröffnet werden können.

 




Ein Biostat als Produktionsanlage: Algen erzeugen einen wertvollen roten Farbstoff für die Kosmetikindustrie.

Der Innovationswettbewerb ist vor allem auch ein Führungs- und Organisations­wett­bewerb – ein Wettbewerb um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wissen, Kreativität und der Mut, neues zu wagen, werden in der kommenden Wissensgesellschaft zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Für alle drei Faktoren ist der Mensch entscheidend. So rücken die Mitarbeiter- und Mit­ar­beiterinnen in den Mittelpunkt künfti­ger Wettbewerbsfähigkeit. Schon jetzt hat ein weltweiter Wettbewerb um Fach­kräfte begonnen. Bisher eher ab­­ge­schot­­tete und nebeneinander exis­tierende Ab­­satz- und Arbeitsmärkte werden in einen immer intensiveren globalen Wettbe­werb eingebunden.

 




Das World Wide Grid revolutioniert industrielle Arbeitsabläufe.

Das Schicksal Deutschlands hängt an gut ausgebildeten und motivierten Fach­kräften, künftig mehr denn je. Doch schon jetzt droht ein Fachkräfte­mangel den Aufschwung zu bremsen. Wir ha­ben erheblich zu wenig Natur­wissen­schafter und Ingenieure. Die der­­zeitigen Absolventen können nicht einmal diejenigen ersetzen, die aus dem Be­rufs­leben ausscheiden. Be­­sonders dramatisch ist dieser Mangel gerade in den Gebieten, die für den Aufbruch in Zu­­kunfts­märkte benötigt werden. Am stärksten betroffen sind die wissensintensiven Branchen des Dienstleistungs­sektors und die In­­dus­trie­branchen mit hohem Bedarf an Ingenieuren. Der jüngste OECD-Ver­gleich von Ende 2007 zeigte, dass Deutschland einen erheblichen Nach­holbedarf hat. Deutschland leistet es sich, das ohnehin erheblich schrumpfende Potenzial an Nachwuchs nicht auszuschöpfen. Alle anderen führenden Industrieländer bringen deutlich mehr Absolventen in den Natur- und Ingen­i­eurwissen­schaf­ten hervor und haben gleichzeitig weniger Schul­ver­sager und Studienab­brecher.

 




In Systemen der Virtuellen Realität können sich Konstrukteure bewegen, ohne von komplizierten Eingabegeräten abgelenkt zu werden.

Fraunhofer bietet dem Nachwuchs eine Chance, Entfaltungsmöglichkeiten und faszinierende Forschungsthemen. Im Früh­­jahr haben wir die Initiative „Attract“ gestartet. Wir investieren in den nächs­ten fünf Jahren 100 Millionen Euro in den Nachwuchs und bauen bis zu 40 neue Arbeitsgruppen auf. Ein einzigartiges Angebot für exzellente junge Wis­senschaftler. Sie erhalten die Chance, an einem Fraunhofer-Institut eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen, um ihre Ideen auszuarbeiten und in Richtung Anwendung voranzutreiben.

Wir können nur als innovative Gesell­schaft unsere Wettbewerbs­fähigkeit und damit unseren Wohlstand erhalten. Und dazu brauchen wir kreative Köpfe, die Neuland eröffnen, und Inno­vatoren, die dem Neuen zum Durch­bruch verhelfen.


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Unternehmensbeiträge:

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Hochschule Bochum – qualifizierter Nachwuchs für die Wirtschaft
Bauen im Einklang von formaler Gestalt und nutzungsspezifischen Anforderungen
Forschung in Jülich
Forschung an Mikroorganismen – Winzige Zellen mit großem Potenzial

Autorenbeiträge:

Maßgeschneidertes Studium an der Schnittstelle Management – Technik
Science-to-Business! Drei Thesen für modernen Knowhow-Transfer
Lehre, Forschung und Wissenstransfer – Mit der Wirtschaft für den Menschen
ETH-Spin-offs – Nachhaltige Wirkung auf die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft
Universität Stuttgart – Mit Spitzenforschung ganz vorne mit dabei