Wolfgang Grupp

Der 1942 in Burladingen geborene Autor studierte in Köln Betriebswirtschaft. 1969 tritt er in die großväterliche Firma ein und übernimmt die Geschäftsführung. Unter seiner Regie erfolgte die Erwei­terung des Produktionsprogramms hin zu T-Shirts, Sweatshirts, Sport- und Frei­­zeit-Bekleidung. Wolfgang Grupp ist bis heute al­leiniger Inhaber und Geschäfts­führer von Trigema.

Notwendige Rückbesinnung auf Werte,
Verantwortung und Leistung



1. Stufe Strickerei

Der Standort Deutschland ist besser als sein Ruf, wenn wir Unternehmer unsere Pflicht erfüllen.

 
So ist es für mich als heimischer Un­­ter­­nehmer nicht nur selbstverständlich, sondern sogar eine Pflicht, auch in einer angeblich globalisierten Welt zu­­erst meine Aufgabe in unserem Hei­mat­­land zu erfüllen, bevor ich das Glück in der Ferne suche!


Der bekannte deutsche Management­berater und Philosoph Rupert Lay be­­hauptete im Oktober 2002 im Rahmen eines Vortrages in Stuttgart: „Es gibt in Deutschland 10.000 Führungskräfte zu viel und 300 Führungspersönlich­keiten zu wenig.“

Wir Unternehmer müssen erkennen, dass wir Probleme nicht alleine, sondern aus­­schließlich gemeinsam mit un­­seren Mit­­arbeitern lösen können!

 
Soziale Marktwirtschaft heißt, unsere Mitmenschen in den Arbeitsprozess mit einzubeziehen oder sozial ist, was Arbeitsplätze schafft.




2. Stufe Ausrüstung

Ich kenne viele Textilproduzenten; fast alle waren sie gestandene Millionäre als sie 100 Prozent in Deutschland fer­tigten; ich kenne aber keinen, der reicher geworden ist, seit er die angeblich so billigen Arbeitskräfte im Ausland nutzt, aber viele, die ärmer geworden sind oder nicht mehr existieren!

 
Ausschließlich Verantwortung und Leis­­tung der Unternehmer sind die Vor­aussetzungen für eine funktionierende Branche in einer sozialen Marktwirtschaft und damit die Garanten für sichere Arbeitsplätze!

 

Und so ist es die Pflicht der Unterneh­mer, die günstigen Produktionsstand­orte so zu nutzen, dass sie nicht zum Ab­­bau von Arbeitsplätzen im Inland führen, sondern dass sie zur Stärkung dieser inländischen Arbeitsplätze beitragen!

Wer also im Ausland fertigt, muss nicht automatisch inländische Arbeitsplätze streichen; im Gegenteil, die Kosten­vor­­teile im Ausland sollten helfen, die Pro­­duktionen am Standort zu halten und auszubauen!

 

Eine Verlagerung in Billiglohnländer muss ein erfolgreiches Unternehmen rechtzei­­tig vornehmen und hat dann selbstverständlich die Möglichkeit, durch Auslage­­rung von Einfacharbeiten die in­­ländischen Arbeitsplätze, die für höhe­­re An­­forde­rungen zuständig sind, zu sichern!




3. Stufe Druckerei

Standardprodukte oder Massenproduk­te sind in einem Hochlohnland auf Dauer nicht mehr zu produzieren und können beziehungsweise müssen recht­zeitig verlagert werden. Aber technisch hochstehende Produkte dürfen nicht verlagert werden und müssen in unserem Hightech-Land produziert werden, da­­mit wir nicht unser Know-how ein für alle Mal aus unseren Händen geben! Wir brauchen also unsere Produktions­arbeitplätze; diese müssen aber auf eine andere Basis gestellt sein: nicht mehr Einfach- oder Standardarbeiten, sondern Arbeiten, die entsprechende Anforderungen an unsere Mitarbeiter stellen, nicht nur weil sie höher bezahlt sind, sondern weil sie vor allem auch entsprechend ausgebildet sind!

 




4. Stufe Zuschneiderei

Eine Volkswirtschaft mit ausschließlich Dienstleitung wird nicht funktionieren! Die Dienstleistung braucht die Produk­tion! Lassen wir die Produktion abwandern, wird auch die Dienstleistung ab­­wandern, da die meisten Dienstleis­tun­­gen eben nur in Verbindung mit der Industrieproduktion möglich sind! Ein Land, das zu 86 Prozent vom Ex­port lebt, wird ohne Fabriken und Arbei­­ter nicht zukunftsfähig sein!

 




4. Stufe Konfektion

Wir können für unser Heimatland, das in vielen Branchen zur Weltspitze zählt, den Abstieg verhindern, wenn wir diesen Wandel rechtzeitig erkennen, wieder Verantwortung zeigen und uns auf die Werte unserer Groß­vätern, die das Wirtschaftswunder ge­­schaffen haben, besinnen! Wenn ich also gefragt werde, ob Deutsch­­land noch ein Standort mit Zukunft ist, dann muss ich klar sagen: „Ja, wenn wieder jeder Einzelne bereit ist Verant­wortung zu übernehmen und Leistung zu bringen!“

 

 

 

 

 

 




5. Stufe Testgeschäft

Lassen Sie mich einen Überblick über meine Firma Trigema geben: Trigema ist Deutschlands größter Her­­steller von T-Shirts, Sweatshirts und Tennisbe­klei­­dung.

Wir haben eine 4-stufige Produktion:

1. Stoffherstellung (Wirkerei/Strickerei)

2. Ausrüstung

3. Druckerei – Stickerei

4. Zuschneiderei – Konfektion


Als fünfte Stufe haben wir vor einigen Jahren die Handelsfunktion, so weit er­­forderlich, in Form von eigenen Testge­schäf­ten angegliedert.

 

Wir produzieren ausschließlich in Deutsch­­land, in Baden-Württemberg.

 

Wir beschäftigen 1.200 Mitarbeiter; davon sind nur 32 in der Verwaltung. In meinen über 35 Jahren erfolgten bis heute weder Kurzarbeit noch Entlas­sungen aus Arbeitsmangel, und ich ga­­­rantierte stets den Kindern unserer Mit­­arbeiter einen Arbeitsplatz nach deren Schulabgang.

Meine erste Aufgabe war stets und ist es auch heute noch, nicht das Streben nach Macht und Größe, sondern die Sicherung der Arbeitsplätze und meine Mitmen­schen in den Arbeitsprozess einzubeziehen.


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