Rita Thies

Die 1960 in Krefeld geborene Autorin studierte in Duisburg Deutsch und Geschichte. Die ehemalige Ministerialreferentin beim vormaligen Stellvertretenden NRW-Ministerpräsideten Dr. Michael Vesper, ist seit 1999 Kulturdezernentin in Wiesbaden. Seit 2006 ist Rita Thies – zwischenzeitlich in Krefeld auch ehrenamtliche Bürgermeisterin – neben Kultur auch für Grünflächen, Umwelt und Hochbau zuständig.

Erfahrungswelt der Sinne – Vielfältiges Kulturleben in Wiesbaden



Elegant in Form: Die Caligari Film Bühne ist ein Kleinod der deutschen Kinolandschaft.

Nina Hagen und Anne-Sophie Mutter, Graffiti und Expressionismus, Kleinkunst und Hochkultur: Das kulturelle Leben Wiesbadens profitiert von seinen Gegensätzen, die für seine Vielfalt bürgen.

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden etwa vereinigt nicht nur die üblichen drei Sparten Oper, Schauspiel und Ballett, sondern besitzt auch ein vitales Kinder- und Jugendtheater. Jedes Jahr werden zudem die immer prominent besetzten Internationalen Maifestspiele präsentiert, die sich mit ihren Gastspielen aus aller Welt sowohl als herausragend künstlerisches wie gesellschaftliches Ereignis in der Stadt etabliert haben. Alle zwei Jahre findet obendrein mit der Theaterbiennale „Neue Stücke aus Europa“ das größte Festival europäischer Gegenwartsdramatik in Wiesbaden statt, bei dem die Zuschauer die Möglichkeit haben, alle Aufführungen in den Originalsprachen zu erleben: Regisseure, Dramaturgen und Schauspieler aus ganz Europa kommen dann in die Stadt, um hier die Kunst und das Leben zu genießen. Dasselbe gilt für die zahlreichen Festivals, bei denen sich Wiesbaden als ebenso charmante wie großzügige Gastgeberin erweist: „Wiesbaden tanzt“, „European Youth Circus Festival“, „Fernsehkrimifestival“ und „Literaturtage“ sind feste Termine im Veranstaltungskalender der Stadt und gehören zu ihrem Profil wie ihre zahlreichen Straßenfeste.



Als ausgesprochene Filmstadt hat Wiesbaden das Glück, die Caligari FilmBühne, einen prachtvoll renovierten Ufa-Palast, im Herzen der Stadt zu beherbergen. Nicht nur für den in Wiesbaden geborenen Regisseur Volker Schlöndorff ist es eines der schönsten Kinos Europas. Mit seinem hochwertigen Programm ist das Caligari längst Anziehungspunkt für das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Im Herbst kommen Cineasten und Filmliebhaber von überall her, um beim Exground Filmfest dabei zu sein, einem der wichtigsten deutschen Festivals für den Independentfilm. Im Frühjahr strömen dann tausende Besucher zum Festival des mittel- und osteuropäischen Films „goEast“. Wiederum haben die Besucher die Gelegenheit, die Filme in den Originalsprachen zu sehen, und das polyglotte Stimmengewirr, das sich dann erhebt, gehört zum Sound der Stadt. Außer der Caligari FilmBühne gibt es noch neun weitere kleine und große Kinos sowie die Filmbewertungsstelle im Biebricher Schloss, die regelmäßig Filme in der Originalversion zeigt. Doch auch Literaturfreunde kommen in der Stadt auf ihre Kosten. Unser Literaturhaus, in einer denkmalgeschützten Villa an der schönen Wilhelmstraße untergebracht, begrüßt regelmäßig Schriftsteller aus der ganzen Welt (von Tschingis Aitmatow bis Sarah Paretzky) und bietet außerdem spezielle Lesungen für Kinder und Jugendliche sowie zahllose Veranstaltungen rund ums Lesen an. An der örtlichen Fachhochschule wurde zudem eine Poetikdozentur für junge Autoren eingerichtet, zu denen etwa Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) gehörte. Aber nicht nur die schöne Literatur hat einen Platz in der Stadt. Im Kulturzentrum Schlachthof mit seinem vielfältigen Kulturprogramm kommen auch die Liebhaber schräger Dichtkunst zu Wort: Poetry Slams und Rap-Contests finden dort ihr zumeist junges Publikum.



Das Prädikat „vielfältig“ verdient aber auch die lebendige Wiesbadener Kunstszene: Das hiesige Museum, gerade aufwändig runderneuert, beherbergt mit fast 100 Werken von Alexej von Jawlensky die bedeutendste Jawlensky-Sammlung in Europa und besitzt zudem eine große Auswahl herausragender Expressionisten. Weitere Museen, wie der Nassauische Kunstverein, das Frauen Museum oder das Aktive Museum deutsch-jüdischer Geschichte, locken mit wechselnden Ausstellungen. Daneben gibt es zahllose Galerien. Alle gemeinsam laden sie jedes Jahr in der „Nacht der Galerien und Museen“ zum Kunstrundgang. Und alle zwei Jahre verwandelt sich die Stadt während des Kunstsommers zur Open-Air-Galerie. Was bislang fehlt, ist ein Museum, das sich der Geschichte und Entwicklung Wiesbadens widmet. Ein solches Stadtmuseum wird Anfang 2010 in einem modernen Bau an der Wilhelmstraße entstehen und damit die Wiesbadener Museumslandschaft nachhaltig bereichern.



Unterschiedliches zu fördern, um Vielfalt zu garantieren, das gilt auch für die Wiesbadener Musikszene. Das immer hochkarätig besetzte Rheingau-Musik-Festival präsentiert viele seiner Veranstaltungen in Wiesbaden. Ein beliebter Ort dafür ist das glanzvolle Kurhaus, wo das ganze Jahr über Konzerte aller Musikrichtungen angeboten werden: von Alfred Brendel über Paco de Lucía bis Sting. Hinzu kommen ein Internationales Jazzfestival, Chansonabende auf kleinen Bühnen sowie Pop- und Rockkonzerte. Ein zentraler Ort hierfür ist das Kulturzentrum Schlachthof, einer der beliebtesten Orte (nicht nur) für die Jugend der Stadt. Inzwischen zählt der Schlachthof zu den größten und rührigsten Kulturveranstaltern in der Region. Zudem haben sich in Wiesbaden und in seinen Stadtteilen viele Initiativen gebildet, die Weinkneipen, Frisörgeschäfte, stillgelegte Walkmühlen, Klärwerke und Zollämter kulturell nutzen, ob für Konzerte, Kunstausstellungen oder Theaterabende. Mit ihren unzähligen Gebäuden und Grünanlagen aus dem 19. Jahrhundert ist Wiesbaden bekannt als Stadt des Historismus; die Bewerbung für die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes läuft. In zwei besonders geschichtsträchtigen Häusern der Stadt befinden sich auch das Thalhaus und das Pariser Hoftheater, zwei umtriebige kleine Theater, die ihr Publikum vornehmlich mit den Programmen bekannter Kabarettisten unterhalten, aber auch Konzerte, Lesungen, Kunstausstellungen und Theaterstücke im Programm haben.



Nicht zu vergessen, das Erfahrungsfeld der Sinne auf dem Freudenberg, wo Groß und Klein das Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken neu erlernen. Oder das Lachmuseum im Stadtteil Erbenheim, das die ganze Familie spielerisch vergnügt. Zumindest erwähnen sollte man auch die Wiesbadener Musik- und Kunstschule, die musikalische Ausbildungen aller Art anbietet. Angefangen von musikalischer Früherziehung bis hin zur Studienvorbereitung. Von Klassik bis Pop. Die im selben Haus untergebrachte Wiesbadener Musikakademie wiederum widmet sich ganz der musikalischen Berufsausbildung. Die Volkshochschulen ihrerseits offerieren ein reichhaltiges Bildungsangebot für Kinder, Erwachsene und Senioren.

Im Stadtzentrum finden Sie nicht nur eine bestens sortierte Stadtbibliothek, sondern auch eine Landes- und eine Musikbibliothek, die ein umfangreiches Angebot an Büchern, Filmen, Partituren und Tonträgern bereithalten.

Ferner besitzt die Stadt ein eigenes Stadtarchiv, das sich der historischen und heimatkundlichen Forschung verschrieben hat.



Gerne weise ich Sie auch noch auf unsere Artothek hin, ein ganz besonderer Ort, an dem man sich Werke namhafter Künstler auf Zeit leihen kann. So vieles wäre noch aufzuzählen, aber Sie haben es sicher schon bemerkt: Den Möglichkeiten, sich in unserer Stadt kulturell versorgen, anregen und unterhalten zu lassen, sind keine Grenzen gesetzt.

Kommen Sie doch einfach her, und sehen und hören Sie selbst!

 

 

 

 


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Unternehmensbeiträge:

Historische Dampfloks für Nahverkehr und Tourismus
Zukunftsinitiative Eifel – bewegen. bewirken. begeistern.
Bergzoo Halle (Saale) – klein, aber fein
Vorbildliches soziales undkulturelles Engagement fürMenschen aller Generationen

Autorenbeiträge:

Kunst kennt keine Grenzen – Deutschland als Ort der kulturellen Begegnung
Die rheinische Museumslandschaft und ihr Juwel Museum Ludwig
Darmstadt und die Welt des Jazz