Strukturwandel am Wasser – der Innenhafen Duisburg
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Die große Blütezeit des Hafens war zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hier Aufnahmen aus den Jahren. Der ehemalige Lehnkering Speicher – heute Kontorhaus. |
Nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt, im Schatten der mittelalterlichen Salvatorkirche und des Rathauses, liegt der Innenhafen Duisburg. Die einmalige Kulisse der imposanten alten Speichergebäude ist Ausgangspunkt für neue städtebauliche Entwicklungen geworden. Das 1,8 km lange alte Hafenareal wird zu neuem Leben erweckt und soll als Träger des Strukturwandels zur Schaffung von zukunftssicheren Arbeitsplätzen, neuen Wohnungen und Kultur beitragen. Das Leitziel lautet: „Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit am Wasser“.
1893 in Betrieb genommen, erlebte der Hafen zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine große Blütezeit als Holz- und Getreidehafen. Insbesondere Mühlenbetriebe siedelten sich hier an und machten den Hafen zum größten Getreideumschlagplatz Westeuropas. Bis heute prägen die denkmalgeschützten ehemaligen Speicher- und Mühlengebäude das Bild des Hafens.
Mit dem Niedergang der Getreideindustrie an diesem Standort – aufgrund veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in den 60er-Jahren – folgte auch ein Rückgang des Hafenbetriebes. Eine Umstrukturierung wurde notwendig. Die Lösung ergab sich aus der Möglichkeit, das Gebiet als ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park zu entwickeln. Zur Umsetzung dieses Gedankens wurde 1990 ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt, als Preisträger ging das Team mit dem Architekten Lord Norman Foster, der THS, der LEG und dem Ingenieurbüro Kaiser Bautechnik hervor. Sie entwickelten einen Masterplan, der 1992 als planerische Grundlage für die Umstrukturierung des Gebietes vom Rat der Stadt Duisburg beschlossen wurde. Leitziel war die Revitalisierung der vorhandenen Industriebrache zu einem Dienstleistungspark am Wasser, in dem „Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit am Wasser“ miteinander verbunden sind.
Die städtebauliche Konzeption des Masterplans hat folgende wesentliche Zielsetzungen:
• Verzahnung mit der Innenstadt durch Weiterführung der städtebaulichen Struktur
• Öffnen der Stadt zum Wasser unter Berücksichtigung historischer Bezüge
• Zurückholen des Wassers in die Stadt und eine bewusste Einbeziehung des Hafencharakters in die Entwicklung
• Einbeziehung der vorhandenen stadtbildprägenden Mühlen- und Speichergebäude als bauliche Ressourcen
• Zukunftsweisende städtebauliche und architektonische Projekte über Wettbewerbsverfahren
• Die ökologische Erneuerung des Hafenareals
Zur Steuerung und Koordinierung des Projektes wurde Ende 1993 die INNEN-HAFEN DUISBURG Entwicklungsgesellschaft mbH (IDE) gegründet. Gesellschafter sind zu gleichen Anteilen die Stadt Duisburg und das Land Nordrhein-Westfalen. Die Vorgehensweise der IDE sieht eine schrittweise Umsetzung des Konzeptes in Teilbereichen und eine Entwicklung der Einzelprojekte unter Berücksichtigung der jeweils vorhandenen Situation vor. Hierdurch ist es möglich, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, allerdings unter Beachtung der Vorgaben des Masterplans als Invariantensystem.
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Die große Blütezeit des Hafens war zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hier Aufnahmen aus den Jahren. Kontorhaus aktuell. |
Grundlegende Voraussetzung für die Erneuerung von Industriebrachen ist die Verfügbarkeit von Flächen. Dazu erfolgte die Übernahme der gesamten Flächen am Innenhafen in den letzten Jahren durch die IDE im Treuhandauftrag für die Stadt Duisburg. Damit wurde der Weg für die Stadterneuerungsmaßnahmen geebnet.
Die notwendige Infrastruktur wurde seit 1996 als Vorleistung der öffentlichen Hand mit Fördermitteln des Landes NRW und der Europäischen Union geschaffen.
Herauszuhebende Maßnahmen der Infrastruktur sind:
• Verkehrliche Erschließung auf der Grundlage eines Verkehrskonzeptes
• Realisierung eines ökologisch abgestuften Wasserbewirtschaftungssystems
• Garten der Erinnerungen als künstlerisch gestaltete Grünfläche
• Uferpromenaden und damit verbunden der Erhalt hafentypischer Anlagen
• Bau einer Marina/Sportboothafen
Die eigentliche Revitalisierung des Areals erfolgt durch privatwirtschaftliche Investitionen. Die Umstrukturierung ist im Wesentlichen abgeschlossen. Die wichtigen historischen Speicher- und Mühlengebäude sind umgebaut. Nach Baureifmachung erfolgt zurzeit die Bebauung auf der Nordseite über Einzelprojekte.
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Ein wichtiger Bestandteil der Gesamtkonzeption ist der Wohnungsbau. Insgesamt sind rd. 700 Wohneinheiten – von denen die Hälfte bereits errichtet wurde – vorgesehen. Eingebettet in die Grachtenlandschaft entstehen hochwertige Wohnungen am Wasser.
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In einem ehemaligen Mühlengebäude – der Küppersmühle – wurde ein Museum für deutsche Gegenwartskunst errichtet.
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Eigentumswohnungen an der Hansegracht. |
Ein zentrales Anliegen des Gesamtkonzeptes ist die Öffnung des Hafengeländes für Freizeit und Erholung der Bevölkerung, dazu wurde qualitativ hochwertig der öffentliche Raum gestaltet. So wurde auf einer ehemals für Lagerzwecke genutzten Fläche der Garten der Erinnerungen vom international anerkannten Künstler Dani Karavan geschaffen.
Unter Einbeziehung des Wassers wurde der Innenhafen auch ein Gebiet für ökologische Erneuerung und neue Freizeitmöglichkeiten. Im Rahmen eines abgestuften Wasserbewirtschaftungssystems mit naturnaher Regenwasserentsorgung wurden der hintere Teil des Hafenbeckens aufgestaut und drei Grachten gebaut. Als besondere ökologische Komponente wird die zur Speisung der Grachten in Trockenperioden erforderliche Wasserzuführung durch Pumpenanlagen vorgenommen, die mit Solarstrom betrieben werden.
Rund um das gesamte Hafenbecken wurden Uferpromenaden mit wasserbezogenen Spielorten für Kinder angelegt. Die alten Hafengleise, Kräne und Verladeeinrichtungen blieben als sichtbare Zeichen des alten Hafenbetriebes erhalten und wurden restauriert. Eine Fußgängerbrücke mit einem von Prof. Dr. Jörg Schlaich entwickelten neuartigen Hebeprinzip für eine bewegliche Hängebrücke verbindet die Uferpromenaden miteinander.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Revitalisierung des Innenhafens Duisburg mit der integrierten innerstädtischen Entwicklungskonzeption auf einem guten Weg ist. Flächendeckend wurden ökonomische Impulse ausgelöst, um die notwendige Schubkraft für die Revitalisierung der ehemaligen Industriebrache zu schaffen.




















