Klaus Nützel

Der 1945 in Ebersgrün geborene Autor absolvierte nach seiner Tischlerlehre ein Studium an der Ing.-Schule für Holztechnik in Dresden mit dem Abschluss als Dipl. Ing. (FH) für Holztechnik. 1976 übernahm er den väterlichen Betrieb. 1992 errichtete Klaus Nützel eine Produktionsstätte für Kunststofffenster in Zeulenroda. Zurzeit ist er Geschäftsführer der REINÜFEFA Produktions GmbH mit Sitz in Zeulenroda mit 35 Beschäftigten. Seit 1990 ist Klaus Nützel Präsident der Handwerkskammer für Ostthüringen, daneben Vorstandsmitglied des Thüringer Handwerkstages.

Neue Technologien stellen höhere Anforderungen an das Handwerk

Das Handwerk ist seit jeher einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland und damit auch am Wirtschaftsstandort Region Gera-Greiz. Neben dem traditionellen Handwerk spielt mehr und mehr die Einführung neuer Technologien eine größere Rolle. Im Zuge des stetig wachsenden technologischen Fortschrittes stellt sich das Handwerk diesen Herausforderungen.

 




Kfz-Mechatroniker und Kfz-Techniker müssen sich, wie viele andere Berufsgruppen, mit neuen Technologien vertraut machen.

Für immer mehr Handwerksunternehmen war und ist der Schritt über die bisherigen Grenzen des Leistungsspektrums eine wichtige Strategie. Ob Existenzgründer oder „alte Hasen“ – die Erschließung neuer Handlungsfelder ist immer damit verbunden, sich mit neuen Technologien und innovativen Werkstoffen zu identifizieren. Insbesondere in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie, optische Technologien, Steuerungs- und Automatisierungstechnik, Energie- und Umwelttechnik sowie beim Einsatz neuer Fertigungsverfahren, Oberflächentechnik und neuer Werkstoffe ergeben sich Zukunftschancen für viele Handwerksberufe. Die Anwendung dieser neuen Technologien ist für die bewusste Gestaltung handwerklicher Leistungen in der heutigen Zeit unverzichtbar. So tangiert beispielsweise die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien alle Gewerke und Bereiche des Handwerks und ist geprägt durch viele Facetten. Das Besondere dabei ist: Diese Technologie ist sehr häufig „Mittel zum Zweck“ und dient der Verbesserung der betrieblichen Prozessabläufe als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung neuer Geschäftsideen und neuer Marktchancen. Schwerpunktmäßig ergeben sich Marktpotenziale für alle Gewerke des Handwerks durch den Vertrieb, Geschäftsabläufe und Controlling im

Internet, das Management für Informationen und Wissen sowie durch neue Mehrwertleistungen durch E-Medien zur verstärkten Kundenorientierung, wie zum Beispiel das Serviceangebot der Typberatung im Friseurhandwerk. Aber auch die Nutzung virtueller Netzwerke für die Zusammenarbeit und Auftragskooperation über Internet gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Besonderen ist die Elektrobranche von diesen Technologien durch den immer weiteren Aspekt der Vernetzung von Computertechnik betroffen.

Vielfältige Marktchancen eröffnen sich auch durch die Steuerungs- und Automatisierungstechnik. Mit dem Einsatz computergestützter Fertigungsverfahren wie CAD, CAM oder CNC wird nicht nur eine rationellere Fertigung, sondern vor allem ein höheres Maß an Kundenorientierung durch die Möglichkeit der Fertigung von Einzelstücken, Kleinserien und kundenindividuell gestalteten Produkten erreicht. Anwendung finden diese Techniken vor allem bei der Möbelfertigung, in der Zahnmedizin sowie bei der Bearbeitung von Naturstein.

 



Resultierend aus der Nachfrage der Bewirtschaftung von Gebäuden aus einer Hand ergibt sich für viele handwerkliche Bereiche die Notwendigkeit, sich verstärkt mit dem Thema Gebäudeleit- und Systemtechnik sowie Facility Management zu beschäftigen. Beispiele hierfür sind unter anderem der Einsatz von Steuersystemen für Heizungs- und Kli- matechnik, der Einsatz von Schließ- und Sicherungs- technik im Metallbau sowie der Einsatz von Bussystemen im Elektrohandwerk. Nicht zuletzt ist in der Branche Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik durch den Einsatz moderner Informationstechnologien die Verwendung von Technik der Ferndiagnose und Fernwartung eine wesentliche Voraussetzung für den Unternehmenserfolg.

Zu den modernen Schlüsseltechnologien, die für das Handwerk interessant sind und aus denen sich neue Anforderungen für das Handwerk ergeben, gehören auch Laser- und Mikrosystemtechnologien sowie die Nanotechnologie. So werden beispielsweise Sonnenschutzverglasungen nicht unbedingt unter dem Stichwort „Nanotechnologie“ verkauft. Dabei bieten Unternehmen bereits erfolgreich Produkte an, die auf dieser Technik basieren.

 




Das Umweltzentrum des Thüringer Handwerks
ist innovativer und kompetenter Ansprechpartner sowohl für
Handwerksbetriebe als auch Verbraucher zu allen umwelterelevanten Themen.

Parallel dazu eröffnet die Verwendung neuer innovativer Werkstoffe dem Handwerk attraktive Marktchancen. Dabei können Betriebe durch die Wahl verschiedenster Materialien dem Wunsch ihrer Kunden nach besonderer Individualität und kreativen Lösungen entsprechen. Viele technologische Lösungen wären ohne neuartige Materialien und Werkstoffe nicht denkbar. Insbesondere die nachfolgenden Branchen des Handwerks werden durch den Einsatz neuer Werkstoffe nachhaltig verändert: Bau (Dach, Fassade), Zahntechnik, Fenster- und Türenbau sowie Klima- und Heizungsbau durch den Einsatz von Kunststoffen und Keramik sowie der Metallbau durch den Einsatz und die Be- und Verarbeitung von rostfreien Edelstählen.

 


Zu den technologischen Herausforderungen, die zukünftig weitere neue Marktchancen eröffnen, zählt ebenso die Biotechnologie. Sie verändert Herstellungsprozesse von Backwaren, Fleisch, Bier und Wein sowie die Methoden ihrer Haltbarmachung.

 




Das Umweltzentrum des Thüringer Handwerks ist innovativer und kompetenter Ansprechpartner sowohl für Handwerksbetriebe als auch Verbraucher zu allen umwelterelevanten Themen.

Ein weiteres Feld sind die optischen Technologien, die in zunehmendem Maße im Handwerk zur Anwendung kommen werden. Unter diese Technologie fallen alle Verfahren, die Licht erzeugen oder es bzw. seine Eigenschaften in irgendeiner Form ausnutzen. Dazu zählen heutzutage nicht mehr nur die Augenoptiker. Anwendung finden die optischen Technologien heute zum Beispiel bei den Elektrikern und Kfz-Mechatronikern im Rahmen der Beleuchtungstechnik, bei den Steinmetzen, Orthopädieschuhmachern sowie Damen- und Herrenschneidern durch den Einsatz von 3D-Scannern, in der Zahntechnik durch die Laserbearbeitung sowie in der Messtechnik in zahlreichen Bauberufen, um nur einige zu nennen.

 



Besonders komplexen Veränderungen ist das Handwerk im Rahmen neuer Technologien in den Bereichen Energietechnik und Umwelttechnik unterworfen. Die Energietechnik umfasst mit ihrer Komplexität eine Vielzahl von Synergieeffekten, die in den Bereichen Bau, Sanitär/Heizung/Klima, Elektro und Schornsteinfeger eine entscheidende Rolle spielen. Themenstellungen und Technologiefelder für das Handwerk sind hier beispielsweise die Gebäudeklimatisierung, Technologien der Kraft-Wärme-Kopplung, der Einsatz von Wärmepumpen, Photovoltaik, ökologisches Bauen und Modernisieren sowie die Energieeffizienz von Gebäuden durch Gebäudeenergieberatung, Thermografie und Blowerdoor-Verfahren.

Gleichzeitig müssen und dürfen Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sein. Dies gilt insbesondere für die Betriebe des Handwerks, die mit ihren vergleichsweise rohstoff- und energiesparenden verbrauchernahen Produktionen einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Beispielgebend seien hier das Baugewerbe sowie die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik genannt, die die Umwelt- technik durch die Bearbeitung der Themen Regenwasser, Abwasser, Wasser, moderner Holzbau und schadstoffarmes Bauen aktiv mitgestalten.

Immer breiteren Raum werden auch neue Technologien beim barrierefreien Bauen einnehmen, um der wachsenden Zahl älter werdender Menschen Rechnung zu tragen. Bereits heute vorliegende technologische Konzepte sollen ein möglichst bequemes – der individuellen Situation angepass-tes – Leben in den eigenen vier Wänden unterstützen. Die Handwerkskammer für Ostthüringen unterstützt diese neuen Marktchancen mit entsprechenden Fortbildungsangeboten, beispielsweise der Ausbildung zur Fachkraft für barrierefreies Bauen und Wohnen.

All diese Beispiele unterstreichen, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien im Handwerk sind. Das Handwerk am Wirtschaftsstandort Gera-Greiz stellt sich in zunehmendem Maße diesen Herausforderungen. Zahlreiche Unternehmen haben sich dem technologischen Fortschritt angepasst, ja diesen sogar aktiv mitgestaltet.

Um jedoch die vielfältigen Anwendungsgebiete bis ins Detail kennen zu lernen und vor allem nutzen zu können, bedarf es auch der stetigen Weiterbildung und damit Wissensaneignung auf diesem Gebiet. Entsprechende Einrichtungen und Institutionen in der Wirtschaftsregion Gera-Greiz sowie in deren Umfeld bieten dem Handwerk hierfür beste Voraussetzungen.

 



Beispiele dafür sind unter anderem das Technologie- und Gründerzentrum Gera, verschiedene Forschungseinrichtungen und vor allem die Handwerkskammer für Ostthüringen mit ihrem Kompetenzzentrum „Nachhaltiges Handwerk“. Das Kompetenzzentrum bietet den Handwerksbetrieben entweder vor Ort oder in der näheren Umgebung die Möglichkeit, sich fachspezifische Schulungspakete und Seminarangebote unterbreiten zu lassen. Auf der Basis gewerkespezifischer Untersuchungen und Erhebungen spielen dabei neue Technologien eine immer größer werdende Rolle. In den hochmodern ausgerüsteten Bildungsstätten der Handwerkskammer, beispielsweise in Gera-Aga, sorgen qualifizierte Ausbilder und Trainer in Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung dafür, dass den Handwerksunternehmerinnen und -unternehmern die neuesten Erkenntnisse, auch auf technologischem Gebiet, zeitnah und kompetent vermittelt werden.

 



Ein beredtes Beispiel dafür, dass das Handwerk in wachsendem Maße Innovation und neue Technologie als Wettbewerbs- und damit Marktchance erkannt hat, ist auch die Arbeit in der Technologietransferstelle der Handwerkskammer für Ostthüringen. Mit Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit war es so in den vergangenen Jahren möglich, zahlreiche Handwerksbetriebe der Region bei der Einführung und dem Einsatz neuer Technologien zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten. Genannt sei ein Modellprojekt, in dem mittels Einsatz von modernern Informations- und Kommunikationstechnologien in Form einer E-Business-Plattform das Marketing und damit die Wettbewerbschancen von Handwerksbetrieben verbessert werden konnten. Beteiligte Unternehmen aus der Wirtschaftsregion Gera-Greiz sind unter anderem Metallbau Nowak in Gera, Maschinenbau Udo Klein aus Korbußen sowie die Engel & Co. GmbH in Gera.

Ebenso bietet das Umweltzentrum des Handwerks Thüringen mit Sitz in Ostthüringen seit nunmehr über zehn Jahren Beratungs- und Schulungsdienstleistungen in allen Fragen der Energie- und Umwelttechnik auf höchstem Niveau an.

Alle diese Beispiele unterstreichen eindrucksvoll, dass sich das Handwerk in Ostthüringen, und damit auch die Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer des Wirtschaftsstandortes Gera-Greiz, den stetig neuen technologischen Herausforderungen stellen, um ihre Marktchancen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen zu verbessern. Vielfältige Unterstützung erhalten Sie hierbei durch die Handwerkskammer für Ostthüringen in enger Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, wissenschaftlichen Institutionen und kommunalen Einrichtungen.

Damit ist das Handwerk in der Region bestens gerüstet, sich der Herausforderung neuer Technologien jederzeit zu stellen.


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Unternehmensbeiträge:

Qualität zahlt sich aus – Planen und Bauen auf höchstem Niveau
Bauzentrum Oskar Huber – Kompetenz mit Vielfalt
Integrierte Dienstleistungen aus einer Hand
WULFF Qualität und Kundenorientierung als Markenzeichen
Der Problemlöser für Verbindungstechnik

Autorenbeiträge:

Landkreis Main-Spessart – Innovative Unternehmen und hohe Lebensqualität
Das Handwerk in der Region Lingen (Ems) - mit nahezu 1.000 Betrieben in 14 Innungen erfolgreich tätig
Das Handwerk in Duisburg – vielseitig und innovativ
Das Handwerk hat Zukunft