Bodo Finger

Der Autor, 1941 in Leipzig geboren, steht seit 2003 als Präsident an der Spitze des Verbandes der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie e.V. (VSME), nachdem er bereits acht Jahre im Vorstand des Verbandes aktiv war. Der Diplom-kaufmann führt derzeit die Chemnitzer Zahnradfabrik GmbH & Co. KG und die Maschinenfabrik Mönninghoff GmbH & Co. KG in Bochum.

Attraktiver Investitionsstandort
für Global Player und Mittelständler



Mitarbeiter bei der SYNTEKS Umformtechnik GmbH, ein innovativer Metallverarbeiter in Zwönitz.

Sachsen steht bereits seit mehr als 200 Jahren für wirtschaftlichen Erfolg, Innovation und vor allem eine starke Industrie. Dabei hat die sächsische Wirtschaft Höhen und Tiefen erlebt, konnte sich jedoch dank des unglaublichen Ehrgeizes der Menschen immer wieder nach vorn kämpfen. Schon vor etwa 100 Jahren bezeichnete Gustav Stresemann Sachsen als „Paradebeispiel für die gewaltige Entwicklung der deutschen Industrie“.

 

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde an die industrielle Tradition angeknüpft und insbesondere in den Maschinen- und Fahrzeugbau investiert. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der damit einhergehenden drastischen Reduzierung der Produktion ist der Freistaat jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneut auf Erfolgskurs.

 

Innerhalb Deutschlands steht Sachsen an der Spitze, betrachtet man

das Wachstum der Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren.1904

begann in Sachsen mit der Firma Horch in Zwickau eine einzigartige Geschichte des Automobilbaus, die über Audi, Wanderer und den Trabant zu den modernen Produktionsanlagen und Modellen von Volkswagen in Zwickau und Dresden, Porsche und BMW in Leipzig und ganz aktuell

Bentley in Dresden geführt hat.

 

Unseren sächsischen Unternehmen gelingt es immer besser, durch steigende Exporte, internationale Kooperation und verstärktes Auslandsengagement an der weltweit positiven Wirtschaftsentwicklung teilzunehmen.Der Wachstumsmotor in Sachsen ist gestern wie heute die Industrie, die seit Mitte der 90er-Jahre kontinuierlich zulegt und einen Großteil der Arbeitsplätze schafft. Sachsen zählt inzwischen wieder zu den am stärksten industrialisierten deutschen Bundesländern. So hat sich das verarbeitende Gewerbe in den vergangenen Jahren regelmäßig besser entwickelt als in den alten Bundesländern. Im Jahr 2004 stieg die Bruttowertschöpfung im sächsischen verarbeitenden Gewerbe um 13 Prozent, deutschlandweit lediglich um fünf Prozent.

 






Stärkster sächsischer Industriezweig ist die Metall- und Elektroindustrie, deren Umsatz 2004 um 12 Prozent gewachsen ist.

 

In den letzten zehn Jahren haben unsere Unternehmen ihren Umsatz mehr als verdreifacht, den Export verfünffacht, die Beschäftigtenzahlen sind um ein Viertel gestiegen und die Zahl der Auszubildenden hat um die Hälfte zugelegt. Derzeit spricht alles dafür, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Eine Erfolgsgeschichte des „Aufbau Ost“, die vor allem einem wieder erstarkenden Mittelstand gepaart mit hochproduktiven Neuansiedlungen zu verdanken ist. Insgesamt haben sich bis heute mehr als 500 Unternehmen aus 29 Ländern mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als acht Milliarden Euro in Sachsen engagiert. Daraus ist eine moderne Industrielandschaft entstanden, in der die Automobilindustrie, die Mikroelektronik und der Maschinenbau inzwischen international wieder große Beachtung gefunden haben.Heute haben sich in der Automobilindustrie, deren Produktivität über dem Niveau der alten Bundesländer liegt, neben den genannten Herstellern etwa 750 Zulieferer etabliert, die in Sachsen etwa 65.000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten.

 
Die zweite Schlüsselbranche, die Mikroelektronik, zieht ihren Wettbewerbsvorteil aus einer idealen Kombination von Forschung und Entwicklung und optimalen Produktionsstandorten. Die Entscheidung von AMD, ihr weltweit führendes Halbleiterwerk in Dresden, in dem seit 2000 produziert wird, um eine zweite Fabrik zu ergänzen, beweist die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes. Inzwischen haben sich vor allem in Dresden und Umgebung fast 800 Unternehmen in der Mikroelektronik- und Kommunikationsindustrie angesiedelt und über 11.000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen.

 




Der sächsische Ministerpräsident Milbradt besucht die MPT Präzisionsteile GmbH Mittweida, ein Mitglied von SACHSENMETALL.

Die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie beispielsweise den zehn Fraunhofer-Gesellschaften wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, um sich mit Innovationen „made in Sachsen“ international Wettbewerbsvorteile zu sichern.

 

Die längste Tradition hat schließlich der Maschinenbau, der in Deutschland seine Wurzeln in Sachsen hat. Jetzt gehört er wieder zu einem der bedeutendsten Industriebereiche mit hohem Wachstumspotenzial. Das Herz des Maschinenbaus, der vor allem aus erfolgreichen kleinen und mittleren innovativen Firmen besteht, schlägt traditionell in der Chemnitzer Region, aber auch der Raum Dresden ist durch Unternehmen wie den Radebeuler Druckmaschinenhersteller KBA Planeta international bedeutend. Heute werden mehr als 40 Prozent der Maschinen aus Sachsen in alle Welt exportiert.

 

Das Erreichte macht uns stolz, aber wir wissen sehr wohl, dass Sachsen weiter wachsen muss, denn die Basis für unser Wachstum hat ein sehr niedriges Niveau. Es fordert auch weiterhin Mut, Unternehmergeist und Optimismus, um in den nächsten Jahren den Aufbau erfolgreich fortzusetzen.

 

Entscheidend für Investitionen waren und sind die hervorragenden Rahmenbedingungen, die Sachsen bietet. Eine wettbewerbsorientierte, flexible Gestaltung der Arbeit zählt dabei zu den Standards der Region.

 

Möglich ist das in der Metall- und Elektroindustrie allerdings nur, weil die Unternehmen weitestgehend direkt vor Ort entscheiden, wie sie Arbeitszeit und Vergütung regeln. Die unrealistischen Vorstellungen und Forderungen der IG Metall in der Tarifpolitik haben dazu geführt, dass in Sachsen die Tarifbindung der Betriebe deutlich unter zehn Prozent liegt.

 

Spätestens seit die IG Metall im Sommer 2003 für ihre Forderung nach einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit keine Unterstützung bei den Mitarbeitern fand und die 38-Stunden-Woche als wichtiger Standortvorteil erhalten blieb, regt sich nach und nach auch in anderen Bundesländern stärkerer Widerstand gegen die Reformunwilligkeit der DGB-Gewerkschaften. Arbeitszeitverlängerung ist kein Tabu-Thema mehr.

 

Der Wunsch nach individuellen, unternehmensspezifischen Lösungen wächst, die Bindung an den Flächentarifvertrag schwindet und liegt auch in Westdeutschland nur noch bei einem Viertel der Betriebe. Wieder einmal ging von Sachsen eine Innovation aus, die inzwischen Schule macht.

 




Waggonbau in Görlitz.

Dass sich moderne und flexible Tarifpolitik jedoch auch im Rahmen eines Flächentarifvertrages umsetzen lässt, beweist die Zusammenarbeit mit der Christlichen Gewerkschaft Metall.

 

Das 1998 gemeinsam erfolgreich eingeführte Tarifwerk „Phönix“ hat vorgemacht, worüber heute teilweise noch immer gestritten wird. Flexible Arbeitszeiten durch eine Jahresarbeitszeit sind ebenso wie die Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter seitdem Standard. Die Trennung zwischen Arbeitern und Angestellten ist in „Phönix“ ebenfalls bereits seit Jahren aufgehoben.

 

Zurückblickend hat es sich ausgezahlt, dass sich Sachsen von Anfang an gegen eine überzogene und ihren Ritualen entartete Tarifpolitik gewehrt hat. Die wirtschaftliche Entwicklung gibt uns heute Recht. Tariflöhne für Sachsen, die teilweise über dem Niveau in den alten Bundesländern liegen, sind nun einmal nicht geeignet, ein Land aufzubauen und gleichzeitig im internationalen Wettbewerb zu bestehen, insbesondere wenn man direkt an zwei EU-Neumitglieder im Osten grenzt.

 

Die Unternehmer in Sachsen haben sich alternative Lösungen gesucht und finden bei SACHSENMETALL (www.sachsenmetall.org) zudem eine starke Interessenvertretung, auch ohne Flächentarifvertrag. Die geringe Tarifbindung bedeutet jedoch nicht, dass Löhne und Gehälter nicht angemessen wären oder gar pauschal die 45-Stunden-Woche gälte. Anhand einer jährlich aktualisierten Effektivlohnstatistik bieten wir den ansässigen Unternehmen und interessierten Investoren eine objektive Richtschnur für wettbewerbsfähige Vergütung in den verschiedenen Regionen unseres Landes. Dort, wo der Tarifvertrag keine Anwendung mehr findet, sollte dies als Orientierung eher tauglich sein als die in Gewerkschaftszentralen ausgehandelten Einheitslösungen.

 



Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit beträgt in Sachsen 39,6 Stunden. Dieser statistische Wert vermag jedoch die in sächsischen Unternehmen vorhandene hohe Flexibilität und überdurchschnittliche Bereitschaft der Beschäftigten, ihre Arbeitszeit nach den betrieblichen Notwendigkeiten zu richten, nicht abzubilden.

 

 

In Deutschland wird seit einiger Zeit über unzureichende Rahmenbedingungen diskutiert und welches Unternehmen als nächstes abwandert. In Sachsen führen wir eine andere Debatte. Wir haben viele Stärken, attraktive Bedingungen, von denen sich mit den richtigen Argumenten und ausreichend Selbstbewusstsein auch Investoren überzeugen lassen.

 

Sachsen hat mit seiner erstarkenden Industrie eine hervorragende Ausgangsbasis für weiteres Wachstum geschaffen. Das wäre ohne die qualifizierten Fachkräfte nicht möglich gewesen. Durch das Zusammenspiel von Know-how, einer leistungsfähigen Infrastruktur, aber auch attraktiven Lebens- und Arbeitsbedingungen gilt Sachsen inzwischen national wie international als lohnend und leistungsfähiger Standort.

 

Wir begreifen den internationalen Wettbewerb und speziell die EU-Osterweiterung als Chance. Sachsen ist vom Rand in die Mitte Europas gerückt und bietet nunmehr Investoren einen attraktiven und zentralen Knotenpunkt für deren internationale Geschäftstätigkeit. Im Wettbewerb um die besten Standortbedingungen geht es um weit mehr als Löhne und Steuern. Es zählt das Gesamtbild, die Kombination von Kosten, Qualität und Modernität. Wir stellen uns selbstbewusst und mit einem interessanten Angebot diesem Wettbewerb und freuen uns, gemeinsam mit bereits ansässigen Unternehmen und neuen Investoren in Sachsen dazu beizutragen, wieder ganz vorn zu stehen.

 

 


PDF-Download


Unternehmensbeiträge:

ZF-Produkte dienen der Mobilität von Menschen und Gütern
Hightech-Maschinen für die Automobilindustrie
Mit Georg fahren Sie gut!
Fit für den Wandel! Forschungsgebiet industrielle Fertigung

Autorenbeiträge:

Schlüsselbranche Zulieferer – dynamisches Klima fördert den Erfolg
Schlüsselbranche Zulieferer – dynamisches Klima fördert den Erfolg
Mechatronik – Querschnittstechnologie für die Zukunft
Wirtschaftsmetropole Stuttgart – Weltniveau mit Entwicklungspotenzial