Maschinenbau: Internationale Spezialitäten aus Krefeld
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Serienfertigung von Stützelementen für Kalanderwalzen der Papierindustrie. |
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau gilt im internationalen Vergleich als führend. Für die deutsche Volkswirtschaft kommt diesem gemeinhin als Paradebranche bezeichneten Industriezweig angesichts einer Anzahl von 893.000 Beschäftigten, die in 5.787 Betrieben im Jahr 2000 einen Umsatz von 255 Mrd. DM erwirtschafteten, eine herausgehobene Bedeutung zu. Dass nun gerade in Krefeld eine Reihe renommierter und traditionsreicher Maschinenbaufirmen beheimatet sind, erfüllt die Krefelder Stadtbürger mit einem gewissen Maß an Stolz. Das erfolgreiche Bestehen dieser Unternehmen über Jahrzehnte hinweg muss in der Tat als eine besondere Leistung gewürdigt werden, da es sich beim Maschinenbau sicher um eines der anspruchvollsten Geschäfte überhaupt handelt.
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Durchbiegungsgesteuerte Walzen in der Küsters-Werksmontage. |
So ist beispielsweise die vertriebliche Organisation international, zumeist weltweit auszubauen, um der anhaltenden Globalisierung der Märkte mit dem stetig anwachsenden Wettbewerbsdruck gerecht zu werden. Die vielfach erklärungsbedürftigen Produkte erfordern Nähe zum Kunden und hohe technische Kompetenz des Verkaufspersonals. Die Konstruktion der Maschinen und Anlagen ist stets aufs Neue mit der ingenieurtechnischen Herausforderung konfrontiert, die Produkte auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten und technologisch bedingte Wettbewerbsvorsprünge abzusichern.
Die logistischen Prozesse der Auftragsabwicklung sind angesichts des Kundenwunsches nach immer kürzeren Lieferzeiten sowie der Notwendigkeit, in zunehmendem Maße internationale Beschaffungsquellen zu nutzen, kontinuierlich weiter zu entwickeln. Entsprechend der globalen Vertriebsorganisation ist ein Servicenetz zu unterhalten, welches trotz der großen räumlichen Entfernungen dem Kunden einen schnellen und reibungsfreien Service ein- schließlich Ersatzteilversorgung ermöglicht.
Gleichermaßen steigen die Anforderungen in kaufmännischen und juristischen Belangen. Hier müssen sich Maschinenbauer neben den immer weiterreichenden vertraglichen Bedingungen mit zunehmend komplexen Modellen zur Finanzierung eines Kundenauftrages auseinandersetzen. Da der Maschinenbau zu guter Letzt durch ein überdurchschnittliches Niveau an technischen und kommerziellen Risiken gekennzeichnet ist, stellt ein bewährtes Risiko-Management notwendige Überlebensvoraussetzungen dar.
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Fertigung eines Kalander-Ständers auf Bohrwerk. |
Als durchaus bemerkenswert darf nun die Tatsache gelten, dass die Anbieterlandschaft in diesem anspruchsvollen Geschäft nicht durch ressourcenstarke Großkonzerne, sondern durch eine Vielzahl eher kleiner mittelständischer Unternehmen geprägt wird. Erfolgreichen mittelständischen Gesellschaften gelingt es, ihren „Mangel“ an Größe und möglicherweise Finanzkraft durch hohe Flexibilität, Reaktionsschnelligkeit und ein größeres Maß an unternehmerischem Handlungsfreiraum auszugleichen. Hierdurch sind Mittelständler in der Lage, hoffnungsvolle Nischen auf den internationalen Märkten schnell und gezielt durch entsprechend spezialisierte Produkte zu besetzen.
Krefeld hat eine Reihe von Vorzeigeunternehmen (siehe Auflistung), die mit ihren Spezialitäten erfolgreich auf ihren jeweiligen Märkten agieren. Exemplarisch seien genannt:
SIEMPELKAMP - mit Anlagen für die Holzwerkstoff-, Baustoff-, Kunststoff- und Gummi-Industrie, Maschinen zur Metallumformung, Handling-Systeme und Industrie-Automation, Guss-, Nuklear- und Energietechnik;
VOLKMANN - mit Doppeldraht-Zwirnmaschinen für Stapelfasergarne insbesondere im Bereich Textil/Bekleidung, Doppeldraht- und Kabliermaschinen für Teppichgarne;
KLEINEWEFERS - mit Maschinen und Kalandern für die Textil- und Vliesstoffindustrie sowie für die Kunststoffindustrie;
VOITH PAPER - mit Maschinen und Kalandern für die Papierindustrie;
WUMAG - mit Walzen, Maschinen und Zylindern für die Textil- und Vliesstoffindustrie sowie mit Hubarbeitsbühnen im Fahrzeugbau;
ZSK - mit Mehrkopfstickmaschinen und Atelieranlagen und
KÜSTERS - mit Maschinen und Anlagen für die Textil-, Vliesstoff- und Papierindustrie.
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Großanlage von Küsters für die Textilindustrie im Produktionsbetrieb. |
Die EDUARD KÜSTERS MASCHINENFABRIK - an deren Beispiel die erfolgreiche Entwicklung eines Ur-Krefelder Unternehmens aufgezeigt werden soll - hat ihren Ursprung in der überaus beeindruckenden unternehmerischen und ingenieurtechnischen Leistung des Firmengründers Eduard Küsters. Ausgehend von der genialen Idee der Schwimmenden Walze, die die Durchbiegung zweier aufeinander liegender Walzen ausgleicht, hat er in nur wenigen Jahren nach der Gründung des Unternehmens 1949 ein erfolgreiches Maschinenbauunternehmen mit Weltruf geschaffen. Anwendung fand die berühmte Küsters-S-Walze zunächst in der Textilindustrie bei der Färbung von Stoffen. Durch das gleichmäßige „Abquetschen“ der Farbflotte wurden bis dato unerreichte Färbe-Ergebnisse erzielt. Die Anstrengungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung führten in den Folgejahren zu einer Vielzahl neuer Produkte für die textiltechnische Veredlung.
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Oben: Laminier-Kalander für Kunststoff- und Vliestechnologien. Unten: Transfer-Druckmaschine im Küsters-Textiltechnikum. |
Die zahlreichen Weiterentwicklungen der Wal-zen- und Maschinenkonzepte führten 1961 zum erstmaligen Einsatz der S-Walze in einer Papiermaschine. In der Folge wurden mit dem MATON- LINE-Kalander sowie dem ProSoft-Kalander Maschinen entwickelt, die die technologisch führende Position von Küsters bei Papierglättwerken begründen. Der erfolgreiche Einsatz der Küsters-Walzentechnologie in der Vliesstoff-Industrie hat dazu geführt, dass Küsters bei den Vlieskalandern (Anlagen zur Verfestigung von Vliesstoffen) die weltweite Marktführerschaft einnimmt. Die Küsters-Gruppe, die mittlerweile über Tochtergesellschaften in Deutschland, USA, Indien und Hongkong verfügt, hat sich angesichts eines Umsatzanteils von über 80 % außerhalb Deutschlands erfolgreich der Forderung nach Globalisierung gestellt. Von den weltweit rund 1.100 Beschäftigten sind etwa 600 im Stammsitz Krefeld tätig.
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Transfer-Druckmaschine im Küsters-Textiltechnikum. |
Lassen Sie uns abschließend einen Blick in die Zukunft werfen. Der Maschinenbau gilt zwar als klassischer Vertreter der „Old Economy“. Wer dies aber belegt mit Begriffen wie „langsam, verstaubt, veraltet etc.“, der weiß offensichtlich nicht, wie es in diesen Unternehmen zugeht. Maschinenbauer müssen sich jung, beweglich und hellwach zeigen, um mit den sich permanent ändernden Umfeldbedingungen auf den Weltmärkten Schritt zu halten und damit den Unternehmensfortbestand zu sichern. Zur Ehrenrettung dieser deutschen Traditionsbranche sollte man sich vor Augen halten, dass nichts ohne Maschinen geht, denn selbst die „New Economy“ braucht zum Funktionieren Hardware, die mit Maschinen hergestellt wird! Im Hinblick auf die weitere Entwicklung tut der Maschinenbau sicher gut daran, die enormen Kommunikationsmöglichkeiten der „New Economy“ im Sinne des E-Business für sich nutzbar zu machen. Zukünftig erfolgreiche Maschinenbauer stehen vor der neuen Herausforderung, diese Art von Synthese zu schaffen. Das Konzept der Stadt Krefeld, neben den traditionellen Investitionsgüter- firmen auch Unternehmen der IT-Branche anzusiedeln, schafft somit beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verbindung beider Wirtschaftszweige zur „Modern Economy“.





















