Dr. Martin Bartenstein

Der 1953 geborene Autor studierte in Graz und in den USA Chemie und wurde 1978 zum Dr. phil. promoviert. Zwischenzeitlich Alleingeschäftsführer eines Pharmaunternehmens, wird er erstmalig 1991 als Abgeordneter in den Nationalrat gewählt. Nach kurzer Zeit als Staatssekretär wird er 1995 zum Bundesumweltminister und 2000 zum Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit berufen.

Moderne Wirtschaftspolitik im globalen Standortwettbewerb

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Spätestens mit der Erweiterung der Europäischen Union um die mittel- und osteuropäischen Staaten hat sich die standortpolitische Dynamik in Europa massiv verstärkt. Gleichzeitig stellt die rasante wirtschaftliche Entwicklung von China und Indien neue Herausforderungen an die nationalen und regionalen Standortpolitiken. Antwort auf diese Herausforderung ist eine Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik, die attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen und Investoren schafft, Leistung fördert und gleichzeitig soziale Sicherungssysteme für Arbeitnehmer ausbaut.

Der Standort Österreich ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wirtschaftliche Stärke, Wohlstand und ein wirksames Sozialsystem unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbes zu realisieren. Basis dafür ist eine Wirtschaftspolitik, die auf einer klaren konzeptuellen Basis die standortpolitischen Instrumente intelligent nützt, die Wachstumschancen der Unternehmen entfesselt und soziale Sicherheit als Wettbewerbsvorteil begreift.

 

 




Verleihung des Staatspreises Wirtschaftsfilm 2007 – von links: Gisela Hopfmüller (ORF), SC Mag. Herbert Preglau (BMWA), Ing. Mag. Peter Koren (Industriellenvereinigung),
KR Alexander V. Kammel (Österreichisches Filmservice)

Ein 2006 deutlich über dem EU-Schnitt liegendes Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent und eine deutlich unter dem EU-Schnitt liegende niedrige Arbeitslosenrate von 4,8 Prozent sind klare Erfolgsindikatoren des österreichischen Weges. Dessen Richtigkeit unterstreicht der internationale Vergleich: Österreich wuchs zwischen 2002 und 2005 kumuliert mit 7,5 Prozent mehr als doppelt so stark wie Deutschland mit 3,5 Prozent und stärker als die Eurozone mit 7,1 Prozent. Höheres Wirtschaftswachstum und der Rückgang der Arbeitslosigkeit haben unserem Land höheren Wohlstand gebracht: Der Wohlstandsindikator des BIP-Anteils pro Kopf ist seit 2000 um mehr als 13 Prozent auf 29.770 Euro gestiegen.

Diese positive Entwicklung wird durch ein Zusammenspiel einer Reihe von Maßnahmen ermöglicht.

Entlastungsstrategie und Konjunkturoffensive: Im Zug der größten Steuerreform der Zweiten Republik 2004/2005 – realisiert auf Basis einer soliden Budgetpolitik – erfolgte eine Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 34 auf 25 Prozent und die Einführung einer attraktiven Gruppenbesteuerung. Diese Reform war wichtig, damit Österreich und die hier tätigen Unternehmen voll von den Vorteilen der EU-Erweiterung profitieren können. Im Jahr 2006 war erneut ein starkes Plus (7,2 Milliarden Euro) an Auslandsinvestitionen am Standort Österreich zu verzeichnen, das sich auch auf die Arbeitsplätze positiv auswirkte.

Neben der Steuerreform 2004/2005 setzte die Wirtschaftspolitik zwischen 2002 und 2006 nachhaltig wirksame konjunkturpolitische Maßnahmen (Konjunkturbelebungspakte, Wachstums- und Standortpaket, F&E-Offensiven, Beschäftigungsförderungsoffensive) im Volumen von sechs Milliarden Euro ein, die den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen entsprechend unterstützen.

 

 




Verleihung des Staatspreises
Wirtschaftsfilm 2007 – Staatsspreistrophäe

Exportoffensive & Europaorientierung: Österreich ist ein Standort im Herzen Europas, dessen Lage durch die EU-Erweiterung noch attraktiver geworden ist. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO haben Österreich die Ostöffnung und die EU-Mitgliedschaft jährlich 0,5 bis ein Prozent an zusätzlichem BIP und kumuliert 100.000 bis 150.000 Jobs gebracht. Von dieser europäischen Dynamik profitieren ausländische Unternehmen und Investoren in Österreich. Rund 1.000 Headquarters und internationale Unternehmen in unserem Land machen Österreich zur Wirtschafts- und Chancen-Drehscheibe Richtung Osten und Westen. Die von der Wirtschaftspolitik forcierte Europaorientierung Österreichs wird auch daran deutlich, dass unser Land heute Export-Europameister ist.

Mit dem Export von Waren und Dienstleistungen erwirtschaften wir bereits mehr als die Hälfte des österreichischen Wohlstandes. Die Zahl der exportierenden Unternehmen hat sich innerhalb von zehn Jahren auf rund 30.000, vor allem auch Klein- und Mittelbetriebe, verdreifacht. Wie attraktiv der Standort Österreich für ausländische Unternehmen ist, zeigt sich daran, dass sich die Auslandsinvestitionen in Österreich um 61,6 Prozent (Vergleich von 2000 zu 2005) auf knapp 53 Milliarden Euro gesteigert haben.

 

 




Bundesminister Dr. Martin Bartenstein,
STS Marek und AMS Vorstand Buchinger
präsentierten im Rahmen einer Pressekonferenz die Arbeitsmarktzahlen für den Februar 2007.

Forschungs- & Entwicklungsoffensive: Die wichtigste Zukunftsversicherung eines Wirtschaftsstandortes in einer internationalisierten Wirtschaftswelt ist seine Innovationskraft. Innovation ist Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Der Standort Österreich will den Wettbewerb von morgen nicht mit den niedrigsten Löhnen gewinnen, sondern mit den besten Produkten und Dienstleistungen. Daher setzen wir massiv auf Forschung und Entwicklung. Wir haben in diesem Bereich eine enorme Dynamik entfacht: Österreichs F&E-Quote ist 2006 auf 2,43 Prozent gestiegen. Darüber hinaus werden zusätzlich 800 Millionen Euro aus Budgetmitteln zur Erreichung der drei-Prozent-Forschungsquote bis 2010 zur Verfügung gestellt. Neben der deutlichen Steigerung der Investitionen in Forschung und Entwicklung wurden der Zugang der Unternehmen zu Förderungen durch moderne, konzentrierte Forschungsstrukturen erleichtert und die Planungssicherheit verbessert.

Die Gründung der Forschungsförderungsgesellschaft, die Etablierung der Nationalstiftung für Forschung und Verbesserungen bei der indirekten Forschungsförderung sind Ausdruck einer nachhaltigen und modernen F&E-Strategie des Standortes Österreich. Im Bereich der Spitzenforschung wird die österreichische Forschungseinrichtung „Institute for Science and Technology – Austria“ in Klosterneuburg neue Maßstäbe setzen. Wer ein innovatives Umfeld sucht, ist beim Standort Österreich an einer der ersten Adressen in Europa.

 

 




Dr. Martin Bartenstein überreicht Ehrenzeichen – Die Reihe der Geehrten.

Klein- & Mittelbetriebe stärken: Der Standort Österreich ist nicht nur für große, internationale Unternehmen, Headquarters und Leading Competence Units interessant, sondern insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe (KMU). KMU stellen schließlich das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft dar. Sie erwirtschaften jährlich einen Umsatz von 290 Milliarden Euro, tätigen Investitionen in der Höhe von circa 18,8 Milliarden Euro und bieten 65 Prozent aller Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen für KMU haben zu einer jährlichen Entlastung für KMU von mehr als 1,3 Milliarden Euro geführt. Das KMU-Förderungsgesetz 2006 im Umfang von rund 200 Millionen Euro bringt weitere Steuersenkungen für 300.000 Einnahmen-Ausgaben-Rechner, Förderinitiativen und Bürokratieabbau. Die unternehmerische Attraktivität Österreichs zeigt sich auch an der enormen Gründungsdynamik.

Arbeitsmarkt- & Qualifizierungspolitik: Ein wesentlicher Standortfaktor, den Österreichs Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik gezielt weiterentwickelt hat, ist die Qualität und die im internationalen Vergleich hohe Flexibilität des Arbeitskräftepotenzials. Dies dokumentiert das weltweite IMD-Arbeitsmarkt-Ranking 2006:

• In puncto verfügbare ausgebildete Arbeitnehmer liegt Österreich an der Weltspitze. Bei der Jobmotivation und der Mitarbeiterausbildung rangieren Österreichs Arbeitnehmer unter den Top drei. Auch die österreichischen Top-Manager liegen in Sachen Verfügbarkeit weltweit unter den ersten vier der Führungskräfte-Riege.

• Die Motivation der österreichischen Arbeitnehmer hat weiter zugenommen. Österreich hat sich im IMD-Ranking vom vierten Platz auf Rang drei verbessert.

• Die guten Beziehungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Vertretern prägen Österreichs Abschneiden beim Indikator „Labour Relations“, bei dem Österreich von der fünften auf die dritte Stelle vorgerückt ist.

Die österreichische Arbeitsmarktpolitik hat zudem zahlreiche arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gesetzt, die Arbeitnehmern und Unternehmen zugutekommen. Für spezifische Zielgruppen (wie ältere Arbeitskräfte, Jugendliche, Frauen) gibt es etwa spezifische Qualifizierungs- und Arbeitskostensenkungsmaßnahmen. Das Arbeitsmarkt-Service sorgt in ganz Österreich für die rasche Vermittlung von qualifizierten Arbeitskräften. Beim Kündigungsschutz hat Österreich ein Maß gefunden, das sicherstellt, dass es für Unternehmen attraktiv ist und bleibt, Arbeit suchende Menschen einzustellen. Im Sinn des modernen Flexicurity-Prinzips kommt es in Österreich – parallel zu Vorzeigeprojekten wie der Mindestsicherung – zu einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit, wovon Arbeitgeber wie Arbeitnehmer profitieren.

 

 




Bundesminister Dr. Martin Bartenstein
präsentiert gemeinsam mit Beppo Mauhart, Vizepräsident „2008 – Österreich am Ball“, das Standortmarketingkonzept zur Fußballeuropameisterschaft 2008.

Diese exemplarisch angeführten „Hebel“ der österreichischen Wirtschaftspolitik zeigen, dass der Standort Österreich die Gestaltungsmöglichkeiten moderner Wirtschaftspolitik im europäischen Kontext aktiv realisiert. Davon profitieren jene Unternehmen, die Österreich als Basis für ihren wirtschaftlichen Erfolg in Europa und darüber hinaus nützen. So zeigen in jüngster Vergangenheit deutsche Investoren starkes Interesse am Standort Österreich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Bundesminister Dr. Martin Bartenstein beim Start der T-Mobile-Lehrlings-Offensive 2006

Die Vorteile des Wirtschaftsstandortes Österreich – höhere Produktivität, attraktiveres Steuersystem, flexiblerer Arbeitsmarkt in Verbindung mit außerordentlicher Lebensqualität und sozialer Sicherheit – machen unser Land zum Top-Standort für Unternehmen mit europäischer und internationaler Perspektive.

 

 

 

 


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