Handwerk zwischen Tradition und Hightech
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Mehr als 27.000 junge Menschen absolvieren in Rheinland-Pfalz eine handwerkliche Ausbildung. Das entspricht einem Drittel aller bestehenden Ausbildungsverhältnisse. |
Da klingelt der Wecker in der Frühe. Ein Knopfdruck und es brennt Licht. Herrlich die warme Dusche! Und aufs Dach prasselt der Regen. Doch die Brötchen schmecken und die Wurstscheibe obendrauf. Durch die Brille sieht man’s klarer. Es ist so selbstverständlich, dass man sich dessen kaum bewusst ist: Überall ist das Handwerk dabei – schon in der ersten Stunde eines Tages. Und weiter rund um die Uhr begleitet es den Tag mit seinen 94 Berufen von A wie Augenoptiker bis Z wie Zweiradmechaniker.
Rund 44.000 Handwerksunternehmen zwischen Landau und Altenkirchen tragen ganz maßgeblich zur täglichen Versorgung der Bürger in Rheinland-Pfalz bei: Mehr als 11.000 Betriebe aus dem Bereich Bau und Ausbau und fast ebenso viele in den Branchen Metall und Elektro. Rund 7.000 Betriebe sorgen sich um Gesundheit, Körperpflege und Reinigung. Mehr als 5.000 Betriebe befassen sich mit Holzbe- und -verarbeitung. Ebenfalls rund 3.200 Bäcker, Fleischer und Konditoren versorgen die Region täglich mit Brot, Wurst oder Kuchen. Mehr als 2.200 Betriebe arbeiten in den Bekleidungshandwerken und fast 1.200 gehören zur Handwerksgruppe Glas, Papier, Keramik. Handwerker und Handwerkerinnen bauen Häuser, backen Brot und stellen Wurst her. Sie warten komplizierte technische Geräte vom Auto über den Computer bis hin zur Waschmaschine und zum Fernseher. Ohne sie gibt es keine moderne Kommunikation.
Handwerk und Hightech
Mit Handwerk verbindet sich Tradition und bewährte Qualität. Doch Handwerk ist mehr. Immer schon stand Handwerk für Fortschritt, Entwicklung, menschliche Kreativität, Risikobereitschaft und Eigenverantwortung. Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Irrglauben sind technische Durchbrüche keineswegs das Monopol von Großunternehmen, was man bei einem Blick in zahlreiche rheinland-pfälzische Handwerksbetriebe feststellen kann. Handwerksbetriebe in Rheinland-Pfalz entwickeln eigene Patente und verwenden modernste Werkstoffe. Kurz: Handwerk ist Hightech, Handwerk ist Zukunft.
Welch enormer Wirtschaftsfaktor sich hinter all dem verbirgt, darüber geben zwei nüchterne Zahlen Auskunft: 26,3 Milliarden Euro haben die Handwerksunternehmen in Rheinland-Pfalz 2003 umgesetzt. Und mit 343.000 Beschäftigten ist das Handwerk derzeit größter Arbeitgeber der Region.
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In Handwerksunternehmen werden 57 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung des Landes erwirtschaftet, 70 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt, 75 Prozent aller Patente entwickelt und 80 Prozent aller Lehrlinge ausgebildet. In den letzten beiden Jahrzehnten haben Handwerksbetriebe und KMU drei Millionen neue Arbeitsplätze bundesweit geschaffen.
Diese eindrucksvollen Zahlen zeigen, dass KMU und Handwerk eine wesentliche Rolle für die Zukunft unserer Gesellschaft spielen. Effizienter Transfer moderner Technologien in bewährte KMU- und Handwerksstrukturen ist der Schlüssel zur Technologieführerschaft einer mittelstandsabhängigen Wirtschaftsnation.
Handwerk „kümmert“ sich
In 408 Fachinnungen sind die Handwerksunternehmen allein in den Kammerbezirken Kaiserslautern, Mainz, Koblenz und Trier organisiert. Deren Arbeit wird gebündelt in den 19 Kreishandwerkerschaften der Kammern Kaiserslautern (Donnersbergkreis, Kaiserslautern, Kusel, Südpfalz, Vorderpfalz, Deutsche Weinstraße, Westpfalz), Mainz (Alzey-Worms, Mainz-Bingen), Koblenz (Rhein-Westerwald, Rhein-Lahn, Rhein-Hunsrück, Bad-Kreuznach, Birkenfeld, Mittelrhein, Ahrweiler) und Trier (Westeifel, Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg). In enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Hand-werkskammern als Spitzenorganisation kümmern sie sich auf Kommunal- und Kreisebene um die Belange ihrer Mitgliedsbetriebe.
Während die Mitgliedschaft in den Innungen, also den Vor-Ort-Organisationen der einzelnen Gewerke, freiwillig ist, besteht eine gesetzliche Mitgliedschaft in der Handwerkskammer. Sie führt die Handwerks- und Lehrlingsrolle, kümmert sich um die Aus-, Fort- und Weiterbildung, ist Beratungs-, Dienstleistungs- und Servicezentrum und übernimmt die regionale Interessenvertretung des Gesamthandwerks. Als Selbstverwaltungskörperschaft des öffentlichen Rechts ist die Handwerkskammer gleichzeitig Aufsichtsorgan, Interessenvertreter und Wirtschaftsförderer des Handwerks.
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Die komplexe Dienstleistung rund um die Immobilie ist ein attraktiver Wachstumsmarkt. |
Die hohe Organisationsdichte und enge Verzahnung zwischen den handwerklichen Organisationen soll dafür sorgen, dass die Interessen der Klein- und Mittelbetriebe im Wettbewerb nicht unter die Räder kommen, dass sie – im Gegenteil sogar – ihre größenbedingten Vorzüge Flexibilität und Marktnähe entfalten und als Vorteil nutzen können.
Gerade die enge Kundennähe sowie die kleinbetrieblichen Strukturen des Handwerks ermöglichen ein flexibles Reagieren auf Marktveränderungen. So ist das Handwerk im Zuge einer fortschreitenden Arbeitsteilung heute nicht nur selbst Kunde, sondern auch wichtiger Zulieferer der Industrie. Die besondere Rolle der Handwerksunternehmer ist es, angepasste Lösungen zu bieten, keine Massenfertigung für einen anonymen Markt zu betreiben, sondern je nach Kundenwunsch, je nach den besonderen Anforderungen durch Improvisation und Geschick angemessene Lösungen zu finden und praktisch umzusetzen.
Um ihre Mitgliedsbetriebe dabei ganz praktisch zu unterstützen, haben die Handwerkskammern ihre Wirtschaftsförderung schwerpunktmäßig auf die Bereiche Bildung und Beratung ausgerichtet. Für die Beratung der Unternehmen in der Region stehen insgesamt 45 hauptberufliche Berater zur Verfügung. Mit ihrem Know-how in Betriebswirtschaft, Marketing, Betriebstechnik, Technologie-Transfer Qualitätsmanagement, Umweltschutz, Gestaltung und Ausbildung unterstützen sie die Betriebe in ihrer täglichen Arbeit oder begleiten fachkundig und engagiert Existenzgründer.
Handwerk – geballte Beratungskompetenz
Die Betriebswirtschaftlichen Beratungsstellen sehen sich heute als ein modernes Servicecenter für betriebsindividuelle Beratungen für Handwerksbetriebe. Sie führen Beratungen zur Existenzgründung mit dem Schwerpunkt Betriebsübergabe bzw. Betriebsübernahme durch, die, orientiert an den jeweiligen Gegebenheiten und Interessen der Beteiligten, die möglichen Entscheidungen und Handlungsalternativen nach fachlichen, objektiven betriebswirtschaftlichen Kriterien bzw. nach Erfahrungswerten beurteilen und Hinweise für eine realistische Entscheidungsbasis der Wirtschaftssubjekte geben.
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Auch junge Frauen interessieren sich für das Kfz-Handwerk. |
Mehr und mehr bezieht sich die Beratung auf das komplexe Thema Betriebsübergabe bzw. -übernahme, denn rund 44 Prozent aller rheinland-pfälzischen Betriebe suchen bis 2007 – bedingt vor allem durch die demographische Entwicklung – einen Nachfolger. Die Unternehmensnachfolge zeigt sich in den kleinen und mittleren Betrieben im Handwerk in ihrer vielfältigen Problematik. Damit drängt sich gleichsam die unbedingte Notwendigkeit einer umfassenden betriebeswirtschaftlichen Beratung auf. Dazu zählen im Einzelnen: Fragen der Unternehmens- und Anteilsbewertung, steuerrechtliche Fragen der Betriebsaufgabe, der Betriebsübergabe bei Schenkung oder Verkauf; beim Übernehmer ist die Finanzierung zusammenzustellen und der Kapitaldienst zu berechnen, der durch einen realistischen Ansatz einer Umsatz- und Kostenprognose unter Risikobeurteilung und Tragfähigkeit abzuwägen ist. Nicht zuletzt wird die betriebswirtschaftliche Beratungstätigkeit (3.190 Beratungen im Jahr 2003) durch die schwierige Konjunkturlage, wie sie sich derzeit in den wichtigen Handwerksbranchen ergibt, beeinflusst. Die Erfahrung zeigt, dass gerade in Krisenzeiten sich auch in der Vergangenheit gemachte Führungsfehler der Betriebsinhaber noch im Nachhinein bitter rächen können.
Im Rahmen der Mitgliedschaft der Handwerksbetriebe werden die betriebswirtschaftlichen Beratungsleistungen der Betriebswirtschaftlichen Beratungsstelle der Handwerkskammern angeboten. Nicht zuletzt soll mit den angebotenen Beratungsleistungen gerade den Klein- und Mittelbetrieben eine bessere Markt- und Wettbewerbssituation geschaffen werden, womit die Beratungsstellen die Aufgabenteilung der Handwerksorganisationen unterstützen und somit wirtschaftspolitisch erwünschte Aufgaben wahrnehmen.
45.000 Plätze für die berufliche Bildung
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Im Jahr 2003 wurde 9.640 neue Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen. In den Berufsbildungszentren der Handwerkskammern – den Zentren in Kaiserslautern, Mainz, Koblenz, Betzdorf, Trier – werden rund 45.000 junge Leute während der Lehre überbetrieblich unterwiesen. 1.200 Gesellen bereiten sich hier auf die Meisterprüfung vor und legen diese ab.
Auch über die Meisterprüfung hinaus stellen die Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz weiterführende Qualifizierungsangebote zur Verfügung. In ihren Weiterbildungseinrichtungen bieten die Handwerkskammern Qualifizierungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie praxisorientierte Studiengänge zu entsprechenden Abschlüssen an. Ob im Bereich moderner Technologien, im weiten Hightech-Feld, in Schulungen zu Umwelt- oder Qualitätsmanagementfragen – knapp 8.000 Interessierte jeden Alters haben sich im Jahr 2003 in den Bildungseinrichtungen fort- und weitergebildet.
Moderne Technologien in vielen Bereichen
Drei Beispiele sollen belegen, dass das Handwerk im neuen Jahrtausend vor immensen Herausforderungen und maßgeblichen Veränderungen steht.
Erstens fordert die Zukunft eine Informations- und Wissensgesellschaft mit spezifischen Fachkenntnissen und der Bereitschaft zu kontinuierlichem, lebenslangen Lernen. Industrielle Arbeitsplätze werden von Hochtechnologien abgelöst, der Arbeitsmarkt verschiebt sich in Richtung mittelständische Industrie und Handwerk.
Zweitens wandelt sich unsere Gesellschaft immer mehr in Richtung Dienstleistungsgesellschaft. Dabei handelt es sich um qualitativ anspruchsvolle, häufig konsumorientierte Dienste, aber auch um hochwertige Unternehmerdienste. Hier erwartet das Handwerk neue Wirkungsfelder, die neues Denken erfordern. Angebote von komplexen Dienstleistungen beziehungsweise die Bündelung von Produkten mit den dazugehörigen Dienstleistungen erfordern innovatives Denken. Sie erfordern die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, und die Bereitschaft zu überbetrieblichen Kooperationen.
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Handwerksmessen informieren über die Zukunft in fast 100 Berufen. |
Drittens steht in diesem Jahrtausend ein gemeinsames Europa mit neuen Märkten, neuer Konkurrenz, neuen Kooperationsmöglichkeiten und weiteren Herausforderungen vor der Tür. Da das Handwerk, was seine Produktionsstandorte angeht, wenig flexibel ist, muss es den Wettbewerb vom heimischen Standort aus führen. Der Wettbewerbs-druck wird zunehmend über die Preisschiene erfolgen. Bestehen kann das rheinland-pfälzische Handwerk nur mit angemessenen Wettbewerbsstrategien, die weit über eine simple Kostensenkung hinausgehen. Erforderlich sind zum Beispiel Produkterneuerungen in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und Innovationen im Dienstleistungsbereich.
Ist das Handwerk diesen Anforderungen gewachsen?
Der unternehmerische Mittelstand ist das Rückgrat der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. In mehr als 44.000 Betrieben arbeiten rund 343.000 Menschen. Die Unternehmen schätzen ihre wirtschaftliche Zukunft zurzeit sehr vorsichtig ein, sehen sich selber aber für den Wettbewerb gut gerüstet. Dennoch belegt die Praxis, dass für die Zukunft erhebliche Reserven erschlossen werden müssen. Traditionelle Tugenden wie Fleiß, Erfahrung und Verlässlichkeit paaren sich im Handwerk noch nicht immer mit innovativen Einstellungen wie Offenheit, Kreativität und Mut.
Es stimmt bedenklich, wenn die Bereitschaft zu Investitionen nur noch bei rund 40 Prozent der Handwerksbetriebe vorhanden ist. Strukturelle Veränderungen zur Zukunftssicherung, Geschäftsausweitung ins Ausland, Bildung von Netzwerken, Zusammenarbeit mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sind die Chancen für die Zukunft. Auch im Hinblick auf die Nutzung zeitgemäßer Führungsinstrumente und Unternehmensstrukturen gibt es im Mittelstand vielfach Nachhol- bedarf. Ein hoher Qualitätsstandard liegt auf der fachlichen Qualifikation im Handwerk.
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien verändern Arbeitsabläufe ebenso wie Strukturen ganzer Branchen. Bestimmten früher materielle Ressourcen den Wohlstand, so entscheiden heute Wissen, Information und schöpferische Kreativität über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im internationalen Wettbewerb.
Wo bislang Stromleitungen verlegt, Schalter eingebaut und Leuchten installiert werden, tritt nun die Digitaltechnik etwa mit Bus-Systemen hinzu, die Beleuchtungssysteme mit der gesamten Hausinstallation intelligent vernetzen und über Schnittstellen auch aus der Ferne steuer- und regelbar machen. Nicht nur verfügt die Anlage damit über eine eigene Intelligenz, da sie von selbst auf unterschiedliche Umweltzustände reagieren kann; auch der Installateur, der die Anlage programmiert und in Betrieb setzt, muss über mehr und qualitativ ganz anderes Wissen verfügen als sein Vorgänger.
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Mehr als 27.000 junge Menschen absolvieren in Rheinland-Pfalz eine handwerkliche Ausbildung. Das entspricht einem Drittel aller bestehenden Ausbildungsverhältnisse. |
Das macht für Betriebsinhaber und Mitarbeiter ständiges Erneuern von Wissen erforderlich. E-Learning über das Internet schafft für Betriebsinhaber und Mitarbeiter die Möglichkeit, die Qualifizierung in den Rhythmus des persönlichen Lebens und des Betriebes einzubauen. Ständige Weiterqualifizierung und lebenslanges Lernen sind damit keineswegs ein Privileg großer Organisationen. Die Meisterprüfung schafft eine wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit junger Betriebe auf den Märkten. Handwerkliche Unternehmen erweisen sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf der Grundlage der hohen fachlichen und betriebswirtschaftlichen Qualifikation ihrer Inhaber – gemessen an anderen Wirtschaftsbereichen – als stabiler. Diese Tatsache veranlasst auch immer mehr Kreditinstitute, den Meisterabschluss als eine Prämisse für die Kreditwürdigkeit von Unternehmen im handwerklichen Bereich heranzuziehen. Die Erfahrung zeigt, dass die Handwerksausbildung aufgrund der Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse für eine Unternehmens- gründung auch Anreize für die Existenzgründung gibt. Der Meisterbrief motiviert zur Selbstständigkeit. Etwa 60 Prozent von jährlich rund 1.200 Jung- meistern wollen sich selbstständig machen. In der anderen Hälfte liegt ein Reservoir an potenziellen Existenzgründern.
Zahlreiche Unternehmen haben Veränderungen vollzogen, die den traditionellen Begriff „Handwerksbetrieb“ mit neuem Inhalt füllen.
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Mit 343.000 Beschäftigten ist das Handwerk größter Arbeitgeber der Region. |
Eine qualitative Verbesserung der Meisterausbildung, vor allem in Form ihrer Flexibilisierung, wird dazu beitragen, die Absolventen noch besser und zielgerichteter auf ihre Selbstständigkeit vorzubereiten. Neben dem Großen Befähigungsnachweis wird das Handwerk in Zukunft verstärkt fachspe-zifische und betriebswirtschaftliche Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, die es den Handwerksmeistern gestatten, ihre Betriebe nach den modernsten Gesichtspunkten zu führen. Ein gutes Beispiel in dieser Richtung ist die bereits existierende – und mit großem Interesse genutzte – Fortbildung zum „Betriebswirt des Handwerks“, welche 236 Teilnehmer 2003 absolvierten.
Das Handwerk hat sich in den letzten Jahren zur Hightech-Branche gemausert. Das Konzept lautet: Symbiose zwischen Hightech und Tradition. Automatisation dort, wo es Sinn macht, Handwerkskunst, wo es sein muss. Aus Tradition wird Zukunft. Konsequente Investitionen in Technologie, Aus- und Weiterbildung bilden das Fundament für die optimale Umsetzung der Wünsche und Vorstellungen unserer Kunden.
Hightech-Betriebe sind noch nicht die Regel im Handwerk. Zahlreiche Unternehmen haben jedoch in den letzten zehn Jahren Entwicklungen vollzogen, die den traditionellen Begriff „Handwerksbetrieb“ mit neuem Inhalt füllen. Das Handwerk ist auf dem richtigen Weg. Dazu einige Beispiele:
Höchste Qualitätsansprüche
Herausragende Qualität ist die entscheidende Voraussetzung für ein Bestehen am Markt. Insbesondere Unternehmen, die als Zulieferer für Industriebetriebe arbeiten, garantieren die verschiedensten Qualitätsnormen – vom betrieblichen Qualitäts-management bis zur Zertifizierung.
Facility Management:
Die komplexe Dienstleistung rund um die Immobilie ist ein attraktiver Wachstumsmarkt. Handwerksbetriebe verschiedenster Gewerbe kooperieren und gewährleisten ein ausgeklügeltes Management. Umfangreiche Tätigkeitsfelder können abgedeckt werden, kleine und mittlere Unternehmen haben die Chance, an Großaufträgen zu arbeiten.
Hightech:
Modernste Technik und Technologien haben auch im Handwerk Einzug gehalten. Fernüberwachung von Anlagen, Herstellung von Präzisionswerkzeugen, Diagnosetechnik am Kraftfahrzeug und Installieren von Netzwerken sind Tätigkeiten im Handwerk. Die optischen Technologien besetzen heute eine Schlüsselfunktion bei der Lösung wichtiger Aufgaben für die Gesellschaft. So sind viele Materialbearbeitungsprozesse in KMU und Handwerk mittels Lasertechnik preiswerter, schneller oder überhaupt erst möglich geworden.
Ausländische Märkte:
Das Handwerk will aus der Globalisierung wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Kooperationen mit ausländischen Firmen, Gründung von Firmenniederlassungen im Ausland, Export eigener Produkte sind erste Schritte auf ausländischen Märkten.
Internet:
Dialog mit Kunden und Geschäftspartnern, weltweite Information und Kommunikation, E-Commerce prägen mehr und mehr den Alltag handwerklicher Betriebe.
Neue Berufe:
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Berufliche Ausbildung und Qualifikation wie sie das Handwerk bietet bestimmen maßgeblich die Zukunft unseres Landes. Die Ausbildungsleistung des Handwerks ist daher traditionell hoch. Ende 2003 befanden sich in Rheinland-Pfalz 27.283 junge Menschen in einer handwerklichen Ausbildung. Dies entspricht einem Drittel aller bestehenden Aus- bildungsverhältnisse. Die technologische Weiterentwicklung und die strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft führen im Handwerk jedoch zu erhöhten Anforderungen in der beruflichen Bildung. Einfachere Tätigkeiten gehen zurück, die Nachfrage nach höher qualifizierten Tätigkeiten steigt, die Kundenorientierung wird immer wichtiger, und neben fachlichen Kompetenzen gewinnen auch soziale Kompetenzen zunehmend an Bedeutung.
Das Handwerk hat der Entwicklung durch neue Ausbildungsverordnungen für zahlreiche Berufe Rechnung getragen. Für die Jugendlichen ist so eine Ausbildung im Handwerk noch interessanter und attraktiver geworden. Neue Ausbildungsordnungen wurden für die folgenden Ausbildungsberufe entwickelt:
• Kraftfahrzeugmechatroniker/-in
• Mechaniker/in für Karosserieinstandhaltungstechnik
• Fahrzeuglackierer/-in
• Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in
• Zweiradmechaniker/-in
• Mechaniker/-in für Landmaschinentechnik
• Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-,
Heizung- und Klimatechnik
• Elektroniker/-in
• Systemelektroniker/-in
• Elektroniker/-in für Maschinen- und Antriebstechnik
Die Verknüpfung von theoretischem Wissen mit der praktischen Anwendung, die Nutzung handwerklicher Fertigkeiten und die eigene Verantwortung für Entscheidungen mit unmittelbaren Ergebnissen sowie die Möglichkeit zur Verwirklichung eigener Ideen zeigen sich kaum anderswo so ausgeprägt wie in kleinen und mittelgroßen Handwerksunternehmen.
Allerdings wird es für das Handwerk immer schwieriger, qualifizierte junge Leute zu finden, da die vielfältigen Ausbildungs- und Karrierechancen von Jugendlichen nicht erkannt werden. Die Verbindung zwischen Handwerk und neuen Technologien ist Gegenstand einer Kampagne der rheinland-pfälzischen Handwerkskammern, die den Zusammenhang zwischen Hochtechnologien und Handwerk deutlich machen will. Das Informationsportal www.handwerk-ist-hightech.de der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz zeigt neue berufliche Chancen und Herausforderungen im Handwerk auf und weist Berufsanfängern den Weg in moderne innovative Handwerksberufe.
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Resümierend lässt sich feststellen, dass das Handwerk sich auch künftig mit seinen dezentralen Einheiten im Wettbewerb behaupten wird, weil hier die Wissensentwicklung und Wissensverwertung in unmittelbarer Markt-, Realitäts- und Problemnähe stattfinden und die Motivation der Menschen dort am größten ist. Andererseits macht sich das Handwerk Gedanken um seine Zukunft, Gleiches erwarten die handwerklichen Unternehmen auch von der Landesregierung und den kommunalen Behörden und Verwaltungen. Sie alle sollten sich bei ihrer Wirtschaftspolitik von der großen Bedeutung des unternehmerischen Mittelstandes für Arbeitsplätze und Investitionen in Deutschland leiten lassen.
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