Ina Sonntag: Schloss Kartzow – Vom edlen Rittergut zum stilvollen Hotel

Die Hauptstadtregion verfügt über unzählige Schlösser und einstige Rittergüter. Viele davon sind liebevoll restauriert und bieten als Hotel ihren Gästen ein stilvolles Ambiente. So auch Schloss Kartzow: vom Rittersitz zur Schnapsbrennerei und über eine Kinderklinik zum Hochzeitshotel.

 

Mit hohem Tempo brausen die Stahlkolonnen über die A10 durch die Döberitzer Heide. Wer auf diese Weise Berlin zwischen Potsdam und Wuster­­mark rastlos passiert, um seinem Ziel entgegen­zu­eilen, dem entgeht ein für die Mark Brandenburg typisches Kleinod. Ein als Hotel liebevoll restauriertes Schloss, das man eigentlich nicht links liegen lassen darf.

Am Rande der Döberitzer Heide, nur rund 12 Kilometer nord­­westlich von Potsdam, liegt das Dorf Kartzow. Die Ge­­schich­­te dieses bis ins Jahr 1357 zurückgehenden Pfarrdorfes ist mit dem erstmals 1608 erwähnten „Rittersitz Cartzow“ eng ver­­knüpft. Das Gut gedeiht und wächst bis in das 18. Jahr­­hun­­dert stetig. Als Carl Wolf Stielow 1838 Eigentümer des Gutes wird, lässt er das Gutshaus 1850 zu einem „figuren­­verzierten Schloss“ umbauen und bringt das Gut zur wirt­­schaftlichen Blüte. Ein Großbrand im Jahr 1873 zerstört al­­ler­­dings fast das gesamte Dorf und große Teile des Herren­­hauses.

1898 übernahm der Berliner Spirituosenfabrikant Arthur Gilka das Gut. Das Havelland war vom Obstanbau geprägt und nach dem Erwerb des Gutes durch den Berliner Destil­lateur wurden auch Kartoffeln und Rüben angebaut. Familie Gilka besaß bereits 1836 im Süden Berlins eine florierende Brennerei. Deren leicht gesüßter „Gilka-Kümmel“ war als „der Kurze von Berlin“ ein beliebtes Produkt, das heute übrigens von Underberg vertrieben wird.

Das beschädigte Gutshaus ließ Gilka in den Jahren von 1912 bis 1914 für stolze 1,5 Millionen Reichsmark durch den Ber­liner Architekten Eugen Schmohl, der später auch mit dem Borsigturm das erste Berliner Hochhaus errichten sollte, zum Schloss Kartzow neu errichten – ein repräsentativer, drei­­f­­lügeliger Bau in barocker Formensprache mit 66 Zimmern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der durch die Rote Armee befohlene Abriss des Gutshauses nur dadurch verhindert, dass zahlreiche Heimatvertriebene das Gebäude als Wohn­­raum nutzten.

Schließlich wurde 1949 im Gutshaus ein Kindergenesungs­heim der Volkssolidarität und Mitte der siebziger Jahre eine nephro-urologische Kinderklinik eingerichtet. Letztere wurde aufgrund der Fach­kompe­tenz des medizinischen Personals und ihres Erfolges rasch bekannt.

Wie in zahlreichen anderen Fällen auch brachte die Wende nach einer ersten Übernahme und einem Weiterverkauf schon bald den Leerstand. Der Verkauf der Nebengebäude einschließlich der beiden Torhäuser hatte Schloss Kartzow gegenüber anderen Schlössern wirtschaftlich unattraktiv werden lassen.

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Das Wiederauferstehen alten Glanzes erfolgte mit dem Erwerb des Schlosses durch Familie Sonntag im Jahr 2006. Fünf Interessenten hatten im Wettbewerb sowohl das Land Brandenburg als auch das zuständige Denkmalamt mit einem Sanierungsplan und Entwicklungskonzept zu überzeugen. Das heutige Konzept machte seinerzeit das Rennen, obwohl für Außenstehende zum damaligen Zeit­­punkt nur schwer vorstellbar war, dass in dem durch langen Leerstand stark beschädigtem Schloss Ge­­die­genheit, Am­­bi­­ente und ein attraktives Hochzeitshotel entstehen könnten.

Um ein solches Projekt zu entwickeln, braucht es schon sehr viel Optimismus. Doch das Ergebnis hat uns letztlich Recht gegeben.

Nach der Sanierung des Obergeschosses konnte der Hotel­­be­­trieb aufgenommen und kurze Zeit später die Auszeich­nung als Vier-Sterne-Standard-Hotel entgegengenommen werden. In einem weiteren Bauabschnitt entstand ohne große Störung des Hotelbetriebs ein attraktiver Wellness­bereich.

Der Bekanntheitsgrad ist inzwischen international. Denn seit dem ersten Hochzeitsevent im Sommer 2007 hat sich Schloss Kartzow weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem regelrechten Hochzeits-Schloss entwickelt. Die Nähe zu Pots­dam ist ein besonderer Anreiz für Buchungen und so heiraten auf Schloss Kartzow auch viele internationale Paare. Insge­samt sind es rund 4.000 Gäste per anno, die aus allen Teilen Deutschlands, aus England, Frankreich, Polen, Russ­land und sogar aus Indien anreisen. Auch die Stadt Pots­dam selbst hat den Charme des Hauses erkannt – so ist Schloss Kartzow seit Jahren Außenstelle des Standes­­amtes der Stadt.

Günstige Lage, junge regionale Küche und hauseigene Pâtis­­serie – es gibt viele Gründe, weshalb auch Prominente die Location für sich entdeckt haben. Günther Jauch, Jörg Schön­­bohm, Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs und andere mehr waren schon da. Auch Bundespräsident Joachim Gauck weilte bereits als Gast auf Schloss Kartzow.

Geologen zufolge zieht sich unter dem Dorf Kartzow „ein Urmeer“ hin – eine Sandsteinschicht mit Porenräumen, in denen sich Wasser mit einem Salz- bzw. Chloridgehalt befindet, der zehn Mal über dem des Atlantiks liegt. Diese Solequellen wollen wir für den Hotelbedarf erschließen und so die Attraktivität unseres Spa-Bereichs ausbauen.

Schloss Kartzow ist ein Highlight der Region. Unser größtes Kapital sind indessen unsere handverlesenen Mitarbeiter, davon lebt das Haus. Sie sorgen für den perfekten Hinter­grund von Hochzeiten und Veranstaltungen und letztlich für die bleibenden Erinnerungen unserer Gäste.

Schloss_Kartzow_Ina_Sonntag_©KUBA-Marketing-GmbH_DSC0015Ina Sonntag
Die Autorin ist Geschäftsführerin der Schloss Kartzow GmbH & Co. KG.