Holger Matzen: Logistikstandort Schleswig-Holstein – Dynamik im Norden

Logistik ist eine Kernkompetenz des nördlichsten deutschen Bundeslandes. Als Drehscheibe gerade nach Skandinavien und in das Baltikum bildet Schleswig-Holstein gemeinsam mit der Hansestadt Hamburg einen bedeutenden Hub der deutschen Exportwirtschaft.“

Schleswig-Holstein ist die Drehscheibe für die Logistik zwischen Nord- und Ostsee, über die Häfen des Landes läuft ein großer Teil des deutschen Im- und Exports mit Skandinavien, Finnland, Russland und dem Baltikum. Im Norden grenzt der Nachbar Dänemark an das Land, im Süden findet sich der Hafen Hamburg. Schleswig-Holstein ist ein Land der Logistiker.

In 2030 wird die Gütertransportleistung (gemessen in Tonnen-Kilometer) in Deutschland seit 2010 um 38 Prozent ge­­stiegen sein, sagt die im Sommer 2014 veröffentlichte Ver­­­­kehrsver­­flechtungsprognose des Bundesver­kehrsminis­­ter­­iums. Im- und Exporte steigen wertmäßig um das Dop­pelte und die durchschnittliche Transportweite – innerhalb Deutsch­­­­lands, wohlgemerkt – wächst ebenfalls weiter. Dem Verkehrs­­träger Schiene wird dabei ein Wachstum von 43 Pro­zent zugemutet, dem Binnenschiff immerhin knapp 23 Prozent. Und die Straße wird mit einem Zuwachs von 39 Prozent die Hauptlast tragen. Regional auf das nördlichste Bundesland heruntergebrochen, verschieben sich diese Zahlen: Die Bahn kann im Norden, speziell rund um den Knoten Hamburg, wenig mehr leisten und das Binnenschiff spielt im Nordverkehr eine eher unter­­geordnete Rolle.

Diese Zahlen, heute schon auf den Straßen zu spüren, be­schäftigen auch die Logistiker in Schleswig-Holstein. Viele von ihnen sind in der Logistik Initiative Schleswig-Holstein dabei: Die Spediteure mit immer mehr zunehmenden Mehr­­wert­diensten und die Produktions- und Handelsbetriebe mit eigener Logistik, eigenem Fuhrpark. Gemeinsam mit Wissen­­schaft und Politik müssen sie sich den Herausforderungen stellen, die auch ohne das prognostizierte Wachstum groß genug sind. Neben dem sich anbahnenden Fachkräftemangel oder den Anpassungen an die digitale Zukunft, um nur zwei Themen zu nennen, ist es vor allem die Infrastruktur, die zu schaffen macht.

Mit den engsten Nachbarn, Hamburg und Dänemark, weiß man sich darüber einig. Der Hamburger Hafen, existenziell wichtig für Schleswig-Holstein und auch für Dänemark, hat mit Wachstumsraten von über 100% bis 2030 im Seegüter­verkehr zu kämpfen und der Platz ist knapp. Noch angespannter ist die Situation im Hinterlandverkehr des Hafens, vor allem in Richtung Norden, in Schleswig-Holstein und weiter nach Skan­­dinavien und den baltischen Ländern. Auch Russland wird hier­­bei wieder eine Rolle spielen, wenn die Handelsschranken fallen.

Dänemark, gleichermaßen wie Schleswig-Holstein zum Bei­­spiel vom Fachkräftemangel bedroht, teilt auch die Infra­­struk­­turprobleme – marode Brücken hier wie da. Positiv zu ver­­merken ist die verstärkte Zusammenarbeit auf Regierungs­ebene wie auch in der Logistik Initiative Schleswig-Holstein. Die feste Fehmarn-Belt-Querung, das ehrgeizigste Verkehrs­projekt in Nordeuropa, geht entgegen aller Unkenrufe in den Medien weiter voran, die deutsch-dänische Zusammen­arbeit funktioniert. Das allein deutsche Projekt der A20 mit der neuen Elbquerung westlich von Hamburg geht nur lang­sam voran, wird von skandinavischer Seite schon wegen der Umgehungsmöglichkeit von Hamburgs Nadelöhr sehr ge­­wünscht. Der sechsstreifige Ausbau der A7 wird allseits mit Respekt beobachtet: Das Land Schleswig-Holstein be­­kommt für das Management des Bundesprojektes und für die Mitnahme aller Beteiligten viel Anerkennung. Gerade bei dem Infor­ma­­tions­­transport konnte die Logistik Initiative Schleswig-Holstein effektiv helfen.

Die Initiative ist dabei der Mittler zwischen der Politik, des zu­­ständigen Ministeriums und den Praktikern der Logistikab­tei­­l­­ungen aus Produktion und Handel und den reinen Logistik­unternehmen. In dem Zusammenspiel der genannten Be­­teiligten wird das logistische Potenzial des Landes deutlich, vor allem, wenn weitere Partner wie die Wirtschafts­för­­der­­ungen des Landes und der Regionen, die Wissen­schaft­­ler von Fachhochschulen und Universitäten und andere Institutionen so engagiert dabei sind, wie es in Schleswig-Holstein der Fall ist. Dann wird Know-How schon in der Mehrsprachigkeit der Fachleute erkennbar: Neben dem obligatorischen Englisch finden sich immer genügend Russisch- oder Dänisch­kennt­nisse, um ein Projekt auch international voran zu bringen. Das kann entscheidend sein, wenn es zum Beispiel um Groß­­raum- oder Schwertransporte über Ländergrenzen hinaus geht.

Schleswig-Holstein ist gut gerüstet für die Zukunft der Logistik. Die beginnt bekanntermaßen morgen und die Logistik Initiative Schleswig-Holstein wird ihren Teil dazu beitragen.

Foto-Matzen2014Holger Matzen
Der 1963 geborene Unternehmersohn absolvierte mehrere Ausbildungen im Speditions­­bereich und übernahm im Verlauf seiner beruflichen Karriere Leitungs­funktionen im nationalen und internationalen Speditionswesen. Heute ist er Logistikleiter im größten Speditionsunternehmen Schleswig-Holsteins und ehrenamtlicher Vorsitzender der Logistik Initiative Schleswig-Holstein und des Arbeitskreises Logistik der IHK Schleswig-Holstein.