Hauke Haensel: Bessere Bedingungen für attraktiven Sport – Dresden bekommt ein neues Stadion

Frühjahr 2008. Alle zwei Wochen drän­g­eln sich acht- bis neuntausend Fans im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion, um die Heimspiele Dynamo Dresdens zu erleben. Mancher mag sich in die Nach­kriegszeit versetzt fühlen: Das halbe Stadion ist eine Ruine, Trümmer­berge und Reste alter Tribünen türmen sich. Der Fantasiebegabte aber kann schon die Umrisse des Neuen erblicken: Be­­ton­pfeiler markieren den künftigen Grund­riss der Stadion­schüssel, erste Treppen und Zugänge sind in Beton gegossen – Dresdens neues Fußballstadion wächst, eine Arena, die 32.000 Zu­­schauern Platz bietet und die Be­­din­­gun­­gen für den Spitzenfußball grundlegend verbessert.

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Nach langem, zuweilen zähem „Vor­spiel“ – erste Überlegungen zum neuen Sta­dion gab es Mitte der 1990er Jahre – hat­te hier seit Herbst 2007 Sport­stätten­spezialist HBM damit begonnen, in das alte Stadion eine neues zu bau­­en. An­­derthalb Jahre zuvor gaben die Dres­d­ner Stadträte dafür grünes Licht, die Stadt übernahm eine Bürgschaft von rund 40 Millionen Euro, die Planung wur­den in vielen öffentlichen Foren diskutiert, der Abriss schließlich begann mit einer Aktion, die erhellte, welchen Stel­lenwert der Fußball und Dynamo Dres­den in Ostsachsen haben. Tausende ka­­men, um sich Sitzschalen oder Schil­­der ab­­zubauen – und zahlten dafür oft er­­kleckliche Summen auf das Konto ei­­­­ner neu errichteten Stiftung, die den Dres­d­ner Nachwuchsfußball fördern hilft.

Tatsächlich hat das Stadion, seit rund 50 Jahren die Heimat Dynamos, Kult­status. Hier erlebten schon die Groß­väter und Väter der heute jungen Fans großen Fußball, hier traten in Euro­­­pa­cup-Spielen Bayern München, der AS Rom, FC Liverpool oder Ben­­fi­­ca Lissa­bon an. Hierher holten Dy­­na­­mo-Stars wie Dixi Dörner, Hans-Jür­­gen Krei­­sche, Ulf Kirs­ten oder Matthias Sam­­mer DDR-Meis­tertitel und Pokale.
In diesem Sta­dion gab es nach 1990 bis zum wirtschaftlichen Crash Dy­­namos Mitte der 90er Jahre Bun­­des­­liga-Fußball zu se­­hen, hier vollzogen sich der mühsame Neu­auf­bau und der bejubelte Wiederaufstieg in die zweite Liga, und hier wurde schließ­lich der erneute Abstieg in die Regio­nalliga betrauert.


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Das Auf und Ab Dynamo Dresdens seit der Wiedervereinigung hat viele Gründe – einer liegt zweifellos darin, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbe­ding­un­gen für den Profisport, insbesondere für den nationalen oder gar internationalen Fußball, im Osten Deutschlands nur langsam entwickeln und derzeit noch immer spürbar hinter denen in den al­­ten Bundesländern zurückbleiben.

Dresden und seine Region gehören zu den dynamischsten Wirt­schaftss­tand­orten im Osten, die Landes­haupstadt ist mittlerweile ein Zentrum der Mi­­kro­elektronik von europäischem Rang, sie genießt einen guten Ruf als Kultur- und Wissenschaftsmetropole, kann noch im­­mer auf gute Kerne der feinmechanischen Industrie, des Geräte- und des Maschinenbaus verweisen, der VW-Kon­zern produziert in Dresden seine Lu­­xus-Limousinen. Doch die Wirt­schafts­­struktur der Stadt und ihres Umfeldes ist vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt, zu denen erfreu­licherweise viele aus dem forschungsnahen Be­­reich gespeiste Neugrün­dun­gen kommen.

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Das spiegelt sich auch wider in der Zu­­sam­­mensetzung der Sponsoren Dy­­na­­mos: Mit großer Opferbereitschaft en­­ga­gieren sich viele kleine und mittlere, meist in­­habergeführte Unter­neh­men. Gro­­ß­­spon­­soren treten selten in Erschei­nung und wenn, dann dank des Engage­ments von Unternehmern, die sich in besonderer Weise der Entwicklung im Os­ten Deutsch­­lands persönlich verbun­den fühlen. Die internationale Ver­mark­tungs­kette hingegen reicht nur in wenigen Ausnahmen bis zum Dresdner Fuß­ball.

In dieser Situation darf der Bau eines neuen, attraktiven Stadions als Chance angesehen werden, Türen zu öffnen und die wirtschaftlichen Existenz­be­ding­un­gen eines Vereins zu verbessern, der auf große Traditionen, eine ebenso große wie engagierte Fangemeinde und eine tiefe Verwurzelung in seiner Heimat­re­gion verweisen kann.


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Die neue Dresdner Arena verfügt über alles, was im Profi-Fußball heute als un­­erlässlich gilt, um oben „mitzuspielen“: gut ausgebaute, sichere Ränge, überhaupt bessere Möglichkeiten, um Si­­cherheit und Ordnung im Stadion zu gewährleisten, vergleichsweise viel Park­­raum auf dem Stadion-Gelände und hervorragende Trainings- und Wett­­kampf-Bedingungen für die Spieler, bes­te Ar­­beitsmöglichkeiten für die Me­dien – und vor allem auch ein breites An­­gebot für Sponsoren.
Neben 22 VIP-Logen gibt es einen gut ausgestatteten variablen Bereich, der Sponsoren und anderen Interessenten nicht allein während der Spiele zur Ver­fügung steht, sondern auch für Mar­ke­­t­ing-Events, Betriebsfeste, kleine Kon­gresse oder Ausstellungs- wie Verkaufs­veranstaltungen. Das Interesse daran wie an den Logen ist groß und zeigt, auf welche Potenziale die Stadion-Betreiber und die Geschäfts­führung des Vereins künftig zurückgreifen können. Dazu ge­­hört auch die Möglichkeit, im Stadion Konzerte und andere Großveran­stal­tun­gen durchzuführen. Alles in allem ist Dy­­namo Dresden künftig aufgerufen, neu­e Ideen zu entwickeln, um sein neues „Heim“ nicht nur besser auszulasten, sondern zu einem wirklichen Zentrum des Vereins­lebens zu machen.
Bei allen Chancen, die ein modernes Sta­­­dion bietet – sie können nur effektiv ge­­­­nutzt werden, wenn sich der sportliche Erfolg einstellt. Dafür sind nicht al­­­­lein wirtschaftliche Umfeld-Faktoren aus­­schlag­gebend. Spitzenfußball braucht auch eine kontinuierlich gute Nach­wuchs­arbeit. Dynamo Dresden kann da­­bei auf gute Voraussetzungen zurückgreifen, die die Stadt Dresden mit ei­­nem neuen Sportschul-Zentrum ge­­schaf­fen hat. In dessen unmittelbarer Nähe befinden sich Internats- und Arbeits­räume des Nachwuchsleistung­szentrums des Ver­eins – geschaffen mit Hilfe der Ulf Kirs­ten-Stiftung und vieler weiterer Spen­der. Der Verein bringt für den Betrieb dieses Zentrums Jahr für Jahr erhebliche Summen auf. Wir sind davon überzeugt, dass dies eine In­­ves­tition ist, die, wie auch das neue Stadion, die Zukunft des Dresdner Fuß­balls und die von Dynamo Dresden sichert.

Hauke-HaenselDer 1968 geborenen Autor ist seit 2007 Präsident der SG Dynamo Dresden eV. Nach seinem Studium der Betriebs­wirt­schaftslehre an der Martin Luther Uni­ver­si­­tät Halle-Wittenberg arbeitete er 1992–1997 als Ver­bands­prüfer beim Spar­­­­­­kas­­­sen­­­ver­band in Berlin. Von 1997–2002 war er Ab­­­­teilungsleiter Kredit bei der Spar­kasse Bern­burg und seit 2002 ist er Vor­­­stands­­vorsitzender der Volks­bank Pir­­na.