Hansjörg Christmann: Stadt, Land, Mensch – das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Es ist kein Geheimnis: Deutschlands Re­­gi­onen stehen nicht nur im Wettstreit mit innerdeutschen Standorten um Inves­­­toren und Kompetenzzentren, sondern müssen auch auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig sein. Mit Blick auf die damit verbundenen Herausforderungen kommt der Entwicklung von Metropol­re­­­gi­onen eine herausragende Bedeutung zu.

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Im Wettbewerb auf Bundes- und Euro­­pa­­ebene kann ein einzelner Landkreis nur im interkommunalen Verbund wie etwa der Metropolregion München be­­ste­hen. Metropolregionen sind Motoren der wirtschaftlichen, sozialen und kultur­­ellen Ent­­wicklung und fördern die Inte­gration in die europäischen und weltweiten Wirt­­schaftsnetze. Mit dem Grad der raumübergreifenden Zusammen­ar­­beit ver­schie­­­­­dener Partner wie Bürger, Kommunen und Unternehmen wächst die Effizienz der Kooperationen. Da­­durch können auch länd­­lich geprägte Räume ihre Stärken in die metropolitane Ent­wick­lung einbringen. Diese wird aber nur dann positiv verlaufen, wenn der Raum selbst Initiative er­­greift und Akzente setzt.

Die Europäische Metropolregion München (EMM) zählt zweifelsohne zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen Europas. Hier erwirtschaften rund 5,4 Millionen Einwohner mehr als 50 Prozent des bay­­­­e­­rischen Bruttoinlandsproduktes. Ihre Vor­­­­züge beruhen dabei auf einer außer­­ordentlichen Branchenvielfalt mit gut ver­­netzten Global Playern, innovativen Mit­­tel­­ständlern und einer Bildungs- und Forschungslandschaft, die dem internationalen Wettbewerb gewachsen ist.

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Das Gesamtgebiet der EMM umfasst den Großteil der oberbayerischen Land­­­kreise so­­wie Teile Schwabens und Nie­der­­­bay­erns. Den Kern bilden neben der Landes­haupt­­­stadt München industriestarke Ober­zen­­tren wie Augsburg, Ingol­­stadt, Landshut, Kauf­­beuren und Rosen­­heim. Vor den To­­ren Mün­­chens glänzen Hightech-Stand­­­orte wie Ober­­pfaffen­hofen mit den Luft- und Raum­­fahrt-Zentren von EADS und DLR. Die ge­­samte Region ist durchzogen von einem dichten Straßen- und Schienennetz und verfügt durch ihre zentrale Lage über kür­­zeste Wege nach Süd- und Osteuropa. Darüber hinaus er­­möglicht der Groß­­flughafen München als internationaler Hub Verbindungen in alle Welt.

Aufgrund dieses Potenzials ist eine enge Zusammenarbeit vor allem zwischen Stadt und ländlichem Raum für die Schärfung der Kompetenzen essenziell. Denn vor allem die wirtschaftliche und die lebens­­weltliche Be­­deutung der mehr als 20 süd­bayerischen Landkreise der Metro­­pol­re­­gion München trägt maßgeblich zu deren Stärke bei.

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Der Landkreis Dachau ist hierfür ein gutes Beispiel: In unmittelbarer Nähe zur Landes­­hauptstadt München bietet er attraktive Gewerbeflächen und ein familienfreund­liches Wohnumfeld. Nur 13 Kilometer be­­­­trägt die Entfernung von der südlichen Land­kreisgrenze zum Mün­chner Marien­­platz. Der Landkreis selbst liegt eingebettet zwischen trichterförmig auf die Landes­hauptstadt zulaufenden Autobahnen: im Wes­­ten die Bundes­­auto­­bahn Stuttgart–Mün­­­­chen, im Osten die Autobahn Nürn­­berg–München und das Auto­bahn­teil­stück München–Freising. Hin­­­zu kommen der Auto­bahnring um Mün­­chen, zwei Bahn­­strecken sowie der An­­schluss an den Mün­chner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV).

Diese gut ausgebaute Verkehrs­infra­struk­­tur ist dringend nötig. Täglich ver­­lassen etwa 35.000 Pendler die Region, während knapp 13.000 Personen in den Landkreis zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Dieser Pendlerüberschuss von über 22.000 Per­­­sonen birgt ein enormes Poten­­zial an Arbeitskräften, die hervorragend ausgebildet sind. 60 Prozent der im Dach­­auer Land wohnenden Beschäftigten ver­fügen über eine abgeschlossene Berufs­­aus­­bil­­dung und zusätzliche elf Prozent haben ein Studium absolviert.

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Besonderen Wert legt der Landkreis mit drei Gymnasien und Realschulen, einer Berufsschule und Förderschule auf die Faktoren Bil­dung und Ausbildung, er­­gänzt durch eine private Fach­ober­schule, eine Wirt­schaftsschule und die Bavarian Inter­­­na­tio­nal School auf Schloss Haimhausen. Dem Landkreis wur­­de bei einem bundes­­weiten Bildungsranking der Bertels­­mann Stiftung ein sehr gutes Zeug­­nis ausgestellt. Von der Bildungsoffensive profitie­ren nicht zuletzt auch die wirtschaftliche Ent­­­­­­­wick­­lung im Dachauer Land und die Be­­­­kannt­­heit der Europäischen Metro­­pol­­region München als herausragender Wis­­sen­­schafts­­­­­standort. Im Umfeld von inter­­national aktiven Großunternehmen wie beispielsweise BMW, MAN, MTU, Siemens und Microsoft können für Koope­ra­tionen entscheidende Vorteile liegen.
Da­­rüber hinaus zählt der Landkreis Dach­­au im Ranking der 412 Kreise Deutsch­­lands laut der GfK-Studie von 2011 – mit einer Kaufkraft von 24.383 Euro je Ein­­wohner/Jahr – zu den Top 10.

Um die Zukunftsfähigkeit der EMM mit ihren Landkreisen fortwährend zu stärken, sind weiterführende Konzepte und Ideen notwendig. Der Verein der Metro­­­­­­pol­region München hat dazu Ar­beits­­­­grup­­pen in den Bereichen Wissen, Wirtschaft, Um­­welt, Mo­­bi­lität, Kultur und Sport sowie Länd­licher Raum eingerichtet.

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Gerade Umwelt und Energieversorgung sind für den Landkreis Dachau wichtige Zu­­kunftsthemen. Es gilt nicht nur Res­sourcen einzusparen, sondern auch die Lebens­­be­­dingungen für kommende Gene­­rationen zu verbessern. Hierzu wurde am Land­rats­amt Dachau die Stelle einer Kli­­ma­­schutz­­beauftragten geschaffen. Diese hat unter anderem den Auftrag, zusammen mit dem Frei­­en Ener­­gieForum das Thema in das Be­­­­­wusst­­sein der Bevölkerung zu bringen, Be­­­­ra­­­tung zu vermitteln und fachliche Be­­glei­­­­­­tung an­­zu­bie­­ten. Ausgehend von Wer­ten aus dem Jahr 1990 ist es das Ziel, bis zum Jahr 2020 den Primären­ergie­ver­brauch im Land­­­­­­kreis um 30 Prozent, den Verbrauch an elektri­scher Energie um zehn Prozent so­­wie die Kohlendioxid-Emissio­nen um 40 Prozent zu senken, während die erneuerbaren Ener­­gien bis zu einem Anteil von 40 Prozent ausgebaut werden sollen. Überschaubarkeit, sichere Arbeits­­plätze, Aus- und Weiterbildungs­mög­lich­­keiten, Kultur- und Freizeitangebote sowie eine intakte Natur sind wichtige Kriterien für hohe Lebensqualität. Der Regional­ent­wick­­lungsverein Dachau AGIL setzt sich für das Wohl der Bürger ein. Schaffung von Angeboten und Koope­rationen in den Bereichen Bildung, Wirt­schaft, Natur und Kultur sind zentrale Themen. Ebenso leistet der Verein einen Beitrag zur Entwicklung von Naherholung und Tourismus im Dachauer Land und somit zur überregionalen Außen­wirkung. „Think global act local“ ist da­­her kein Schlagwort, sondern Grundlage für die Umsetzung konkreter Projekte mit nach­haltigem Erfolg.

 

Landrat-2008Der 1947 geborene Autor hat Rechts­wis­­sen­schaften in München studiert. Seit 1977 ist er als Landrat des Landkreises Dachau tätig. Er ist Aufsichts­rats­vor­sit­­zender der Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Dachau und der Dachauer Grund­­verkehrsgesellschaft. Seit 2005 ist er außerdem Vorsitzender des Auf­sichts­rates der Fördergesellschaft Landkreis Dachau AG.