Hans-Dieter Brenner: Die Helaba – Eine Landesbank mit Zukunft

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Die Helaba Landesbank Hessen-Thür­ingen gehört mit einem Geschäftsvo­lumen von derzeit rund 200 Milliarden Euro sowie 6.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den führenden Banken Deutschlands. Mit ihren beiden Haupt­sitzen in Frankfurt und in Erfurt ist sie in einer der wichtigsten europäischen Wirt­schaftsregionen fest verankert. Auch in Nordrhein-Westfalen, dem attraktivsten Regionalmarkt Deutschlands, besitzt die Bank über ihre Niederlas­sung Düssel­dorf ein wichtiges Stand­bein. Die Helaba verfügt über ein stabiles, langfristig an­­gelegtes strategisches Ge­­schäfts­mo­dell. Mit einem hohen Anteil der Kunden­for­derungen an der Bilanz­summe, ihrer Funktion als Spar­kassen­zentralbank für knapp 170 Sparkassen in den Bund­­es­­ländern Hessen, Thüringen, Nordrhein-­West­falen und Brandenburg sowie als Förder-­ und Infrastrukturbank für das Land Hessen ist die Bank eng mit der Realwirtschaft verknüpft. Dieses Ge­­sch­äftsmodell ist einer der wesent­lichen Erfolgsfaktoren, die die Helaba auch in der Finanzmarktkrise stabilisiert haben.

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Ein Geschäftsmodell gibt Antworten auf drei Fragen: Welchen Nutzen stiftet das Unternehmen für Kunden und strategische Partner? Wie wird der Nutzen für diese Kunden und diese strategischen Partner generiert? Womit wird Geld verdient? Diese Fragestellungen verdeutlichen, dass es je nach Rechtsform und Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit unter­schiedliche Modelle gibt. Es reicht hierbei nicht aus, zwischen privaten, genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Instituten zu unterscheiden. Auch inner­halb der einzelnen Säulen unseres Bank­ensystems gelingt es nicht, eine einheitliche Antwort auf die Frage nach dem erfolgreichen Ge­­schäfts­­modell zu finden.

Insbesondere im Landesbankensektor wird dies offensichtlich. Historisch be­­­di­ngt agieren Landesbanken als Spar­kassen­zentralbanken bzw. als Kommunal- und Staatsbanken für die Bundesländer, in denen sie ansässig sind. Das bedeutet aber nicht, dass alle Landesbanken öffent­lich-rechtliche Institute sind, öffentliches Fördergeschäft betreiben oder über eine integrierte Landesbauspar­kasse verfü­gen. Gemein ist den meisten Landes­ban­ken jedoch, dass das Ver­bund­ge­schäft mit den Sparkassen einen hohen und stra­tegischen Stellenwert hat. Es gewährt den Landesbanken als Produk­tlieferant und Dienst­leistungs­plattform eine unmit­telbare Verbindung zum Retail-Geschäft und mittelständischen Firmengeschäft der Sparkassen. Diese Verbindung ist noch enger, sofern – wie bei der Helaba – die regionale Landes­bausparkasse sowie eine wettbewerbsneutral arbeitende Förder­bank unter dem Dach der Landesbank angesiedelt sind. Durch diese besondere Konstellation verfügen die Sparkassen und die Helaba über ein breites, diversifi­ziertes Geschäftsportfolio und ein starkes Standbein im Primärgeschäft ihrer Region. Das hat sich insbesondere auch als Vor­teil in der Finanzkrise erwiesen. Banken mit einem gemischten Geschäfts­port­folio und großer Nähe zur Real­wirt­schaft zeigten sich weniger anfällig für Markt­schwankungen.

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Im Zuge der Veränderungen im regulatorischen Umfeld gewinnt die Verbund­zu­sammenarbeit mit den Sparkassen noch­­mals an strategischer Bedeutung. Die neuen Kapital- und Liquiditätsan­for­­der­ungen in Kombination mit den stän­­dig steigenden Bankstrukturkosten – wie Bank­enabgabe, Erfüllung von erweiterten regulatorischen und gesetz­lichen Vor­gaben oder Kosten durch mehrfache Rech­nungslegung – belasten nachhaltig die Rentabilität der Kredit­institute. Die Eigen­kapitalrenditen in der Branche gehen zurück. In der Konse­quenz rückt das kun­denorientierte Geschäft ins Zentrum. Der Weg führt deshalb weg von eigenkapital­bindenden zu eigenkapitalentlastenden Geschäfts­modellen. Diesen Weg geht auch die Helaba. Be­­reits seit 2008 richtet sich die Bank verstärkt auf weniger kapitalintensive Geschäftsfelder aus: Mit der Helaba Invest verfügt die Bank über eine markt­führende Kapitalanlage­gesell­schaft, und mit der Frankfurter Bankgesell­schaft ist die Helaba als erfolg­reiche Privat­bank als bundesweiter Partner für die Spar­kassen am Markt aktiv. Darüber hin­aus hat die Helaba mit ihrem Ver­bund­ge­schäft bereits seit langem ein ange­stamm­tes Kern­ge­schäftsfeld, in dem das Eigen­kapital nicht der limitierende Faktor ist.

Geschäftsmodell
Die Kunden- und Verbundorientierung ist und bleibt für die Bank der zentrale Eckpfeiler für alle strategischen Ent­wick­­lungsoptionen. Die Helaba ist auf dem Weg, sich als eine führende Verbund­bank der deutschen Sparkassen­orga­nisation zu positionieren. Ein weiterer Schritt in diese Richtung war die Über­nahme des Verbundgeschäfts der ehemaligen WestLB im September 2012. Im Rahmen dieser Transaktion hat die Helaba ein Geschäfts­volumen von über 40 Milliarden Euro sowie mehr als 400 Mit­arbeiter über­nommen. Verbunden war die Trans­aktion mit der Aufnahme von neuen Trä­gern der Bank. Der Träger­kreis der Helaba besteht nun neben den drei regionalen Sparkas­sen- und Giroverbänden aus dem Deut­schen Spar­kassen- und Giroverband als Träger der Sicherungsreserve der Land­es­bank­en und der Sicherungsre­serven der Spar­­kassen-Regional­ver­bände sowie dem Land Hessen und Freistaat Thüringen. Die Helaba wird also de facto von der gesamten deutschen Sparkassenorga­nisation getragen. Eine derart feste Ver­ankerung ist eine der elementaren Vor­aus­­setzungen dafür, langfristig als Land­es­bank am Markt bestehen zu können.

Bedeutsam für das strategische Ge­­schäftsmodell der Helaba ist auch das öffentliche Förder­- und Infrastruktur­geschäft. Die Wirtschafts- und Infra­struktur­bank Hessen ( WIBank ) ist ein integraler Best­andteil der Bank. Über die WIBank nimmt die Helaba in dieser Unternehmens­sparte im Auftrag des Landes Hessen öffentliche Förder­auf­gaben wahr, insbesondere in den Be­­reichen Wohnungs­ und Städtebau, Infra­struktur, Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt. Im Bereich der Wirtschafts­­förderung ist die Helaba zudem an zahl­reichen anderen Fördereinrich­t­ungen in Hessen und Thüringen beteiligt, insbesondere an Bürgschaftsbanken und mittel­ständischen Beteiligung­sge­­sell­­­schaften. Mit ihrem wettbewerbsneutralen öffentlichen Förderge­schäft leistet die Helaba einen wichtigen Beitrag zur Standortsich­erung und – entwicklung in Hessen.

FH-Fotos-Maintower2009-116-kopierenEin erfolgreiches Geschäftsmodell muss die gewünschte Stabilität und auch die notwendige Rentabilität sicherstellen. Die Ausrichtung der Helaba als Uni­ver­salbank mit starkem regi­onalen Fokus und risikoarmem Gesch­äfts­profil bietet hierfür beste Voraussetz­ungen. Sie zeichnet sich aus durch eine starke Verzahnung mit der realen Wirt­schaft und einen entsprechend hohen Anteil des Kundengeschäfts so­­wohl in der Kernregion als auch in ausgewählten internationalen Geschäftsfeldern. Eine derart konzipierte Landesbank mit eigenem Direktkundengeschäft ist die natürliche und notwendige Ergänzung zum Privat- und Mittelstandsgeschäft der Sparkassen. Zudem ist es für die Leistungsfähigkeit im Verbundgeschäft und für die Stabilität des Geschäfts­mo­dells sehr hilfreich, wenn eine Landes­bank in einem Ballungsraum mit hoher Wettbe­werbsintensität im Banken­sektor – wie zum Beispiel der Rhein-Main-Region – zugleich über ein eigenes Stand­­bein im Privatkunden- und Mittel­stands­geschäft verfügt.

Die Helaba ist mit ihrem soliden Ge­­schäfts­modell bestens für die Zukunft aufgestellt. Der Finanzplatz Frankfurt, der Kernmarkt Hessen-Thüringen sowie Nordrhein-West­falen und Brandenburg bieten eine gute Basis, das Geschäfts­modell der Helaba als integrierte Uni­versalbank weiter auszubauen. Aufgrund ihrer robusten Verfas­sung gehört sie zu den deutschen Kredit­instituten mit den höchsten Bonitätsein­stufungen. Ihre guten Ratings sind – auch über die Refinanzierung – die Basis für den Erfolg der Helaba als Geschäftsbank. Bei weiteren Konsolidierungsschritten im Landes­bankensektor – wie auch immer diese aus­sehen mögen – wird an der Helaba kein Weg vorbei führen.

VV_HrBrenner_Portrait-KopieDer Diplom-Kaufmann begann bei KPMG Peat Marwick Treuhand GmbH. 1993 wurde Brenner, der auch Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist, Nieder­las­sungs­­leiter und Partner der KPMG Deutsche Treuhand Gesellschaft AG in Frankfurt a.M. 2001 wechselte er zur Helaba Landesbank Hessen-Thür­ingen, deren Vorstand er seit 2002 angehört. 2008 wurde er zum Vorsitzen­den des Vorstands berufen.