Hans-Alois Kirf: Innovatives Handwerk hat Zukunft

In den Köpfen der meisten Menschen ist das Handwerk Synonym für Tradi­tion, ob­­wohl das Handwerk immer schon auch inno­vativ war und ist. Hier prallen zwei Begriffe aufeinander, die sich schein­­bar wider­sprechen aber tat­sächlich per­­fekt er­gänzen. Hand­werk steht zwar auch für Tradition im Sinne von überlieferten Tech­­niken und ge­wachsenem Know-how, für Er­fah­rung und Qualität; allerdings ha­­ben über die Jahrhunderte hinweg im­­mer auch Innovationen eine zent­rale Rolle ge­­­spielt, indem das Hand­werk seine Tech­­niken und Produkte stets weiter­ent­­wi­ckel­­te. Das gilt bis heute.

Innovationen im Handwerk sind vielfältig. Ob neuartige Verfahren, Pro­dukte oder kreative Dienstleis­tungs­an­­ge­­bo­­te – das Ziel ist stets eine Quali­täts­­­­­stei­gerung­.
Da das der Kunde heute als selbstver­ständlich vor­aus­setzt, erkennt er nicht immer die inno­vative Leistung, die da­­­hin­­tersteckt. Gerade der Handwerker bie­tet aber für jedes Problem immer wieder pass­­ge­naue Lösungen an und ist ­somit inno­vativ. Das wird als sol­ches aber viel­­fach ver­kannt.

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Es muss in den Köpfen wieder klar werden, dass Handwerker hochqualifi­zierte Spe­­zia­­listen sind. Das ist sicher nicht ganz ein­­fach. Aber genau aus diesem Grund wird das deutsche Handwerk eine bundeswei­­te Image­kampagne starten, die mit den zum Teil fest verankerten Vorurteilen auf­­­­räumt. Entgegen der land­­läufigen Mei­nung bietet das Handwerk vielfältige Tätig­keits­­felder mit zukunftsweisenden Perspek­ti­­ven, wie zum Bei­­spiel die umweltorientier­­ten Handwerke, die derzeit stark nachge­­fragt sind. Hin­zu ­kommen attraktive Ar­­beitsplätze und eine solide Ausbildung, die viele Kar­rie­reper­spektiven eröffnet und auch ein Hoch­schulstudium erlau­bt. Diese po­­si­­ti­­­ven Aspekte zu kommunizie­­ren, ist eine der zentralen Aufgaben der Hand­­werks­­kammer des Saarlandes (HWK).
Dabei ist das Handwerk in allen Ge­­­wer­­ken in­novativ. Man mag dabei zu­nächst an Hightech-Bran­­chen den­ken, aber das wird dem The­­­­ma nicht ge­recht. Heute verlangt der Markt von al­len Branchen, sich den Markt­­gege­benheiten nicht nur anzupassen, son­­­dern sie mitzugestalten. Der an­­spruchs­­volle Verbrau­cher spielt dabei eine große Rol­­le. Er weiß, was er will, und erwartet zum Bei­spiel auch vom Bäcker nebenan, dass er in seinem Sortiment im­­mer wieder et­­was Neues anbietet. Diese Erwartung spornt den Hand­werker im­­mer wieder zu Innova­tionen an, will er seine Kunden nicht verlieren. Die Ent­wick­­lung der letz­­ten Jahre zeigt eine Explosion an krea­ti­­­ven Ideen, die nur einem Ziel die­­nen: den Verbraucher­erwartungen und -wün­­­­­sch­­en gerecht zu werden.

Zukunft des Handwerks
Es ist mir um die Zukunft des Hand­werks nicht bange, denn es werden zu jeder Zeit Spezialisten für die unter­schiedlichsten Problemlösungen ge­braucht werden. Mei­­ne Zuversicht gründet auch auf der gro­­ßen Anpas­sungsfähigkeit des Hand­werks. Viele traditionelle Berufe haben sich im Laufe der Jahrhunderte grundlegend ge­­ändert. Ich denke hier zum Beispiel an die Elektroberufe oder die IT-Be­rufe. Aber auch der Hei­zungsmonteur hat sich heu­­te zum Heizungs- und Klimaspezialisten ent­wickelt.
Diese An­pas­­sungs­­fähig­­keit des Hand­­­­­­werks hat ihm schon seit je­­­her das Über­­le­ben gesichert.

Schornsteinfeger

Dennoch haben viele Men­­schen, meist Jugendliche, auf der Su­­che nach Ih­rem Ideal-Beruf ein falsches Bild vom Hand­­werk. Viele Handwerksberufe, das hat eine Umfrage des ZDH ge­zeigt, werden von ihnen überhaupt nicht mehr dem Handwerk zugeordnet. Das soll die Ima­­ge-Kampagne revi­die­ren. Darauf zie­­­­len aber auch viele Ak­ti­vitäten der HWK. Wir be­­suchen unter anderem Schulen, um jun­­gen Men­schen das Handwerk nahezubringen, oder veranstalten Leh­­rer-In­­fo­­­­ta­­ge, um diese Zielgruppe fürs Hand­­werk zu sensibilisieren.

Um Jugendlichen und ihren Eltern ei­nen unmittelbaren Einblick in die ver­­­schie­­de­­nen Handwerksbe­rufe zu er­­­mög­­lichen, wur­­de gemeinsam mit den Innun­gen 2008 der Aktionstag des Handwerks ins Le­­ben gerufen. Hinzu kommen eine Viel­­zahl wei­­terer Veran­staltun­gen, die der Be­­rufs­­ori­­entierung junger Men­sch­­en dienen.

Die Voraussetzung, dass das Hand­werk als in­novati­ver, attraktiver und auch sta­­­­bi­ler Wirtschaftszweig wahr­ge­­nom­­men wird, sind natürlich optimal ausgebildete Arbeitskräfte.
Der Ausbil­dungs­­stan­­d­­­­­­ard im Handwerk ist heute sehr hoch und international wird Deutschland um sein duales Ausbil­dungs­­system, das die praktische Aus­bildung im Betrieb mit der theoreti­schen Ausbil­dung in der Be­­rufs­­schule kombiniert, be­­neidet. Im Saarland verfügt das Hand­werk über ein umfangreiches An­­gebot an über­­be­triebli­chen Bildungs­­ein­­rich­­tun­gen mit ei­­ner Fläche von rund 30.000 Quad­rat­me­­­­tern und et­­wa 1.200 Werk­statt­plätzen.

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Hinzu kommen 1.100 Theorieplätze und 120 Internatsplätze für die berufli­che Bil­­dung. In der HWK bauen wir derzeit die Kom­­petenzentren (Kom­Zets) weiter aus, um auch künftig den Hand­werks­­be­­trie­ben den bestmögli­chen Ausbil­dungs­­stand­­ard zu ge­währleisten. Sie fungieren gleich­­­zeitig als Kommunikations­zen­­t­ren, da sie ihrer­seits technische Neu­e­run­gen auf kür­zestem Weg an die Unter­­nehmen weiterleiten.

Ferner werden attraktive und hochin­no­­va­­ti­ve Weiterbildungsseminare in den Bil­­­­dungseinrichtungen des Hand­werks (GTZ, Saarländische Meister- und Tech­ni­­­ker­­schu­­­­le, Akademie des Hand­­werks, Bil­­dungs­­ein­­richtungen der Fach­­­­in­­­nun­gen) angeboten.
Sie lassen keine Wünsche of­­fen, wenn es darum geht, in Fachfragen immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Ob modernes Management, neueste Technologien und Verfahrenstechniken oder aktuelle Ent­­wicklungen im Umweltsegment – das handwerkliche Bildungsnetzwerk steht für qualifizierte und innovative Fach­kräf­­te – unterstützt von der HWK.

Besonders erwähnenswert ist in die­sem Zusammenhang auch die HWK-Be­­ra­tungs­­stelle für Technologie und Innovation, die für die Betriebe als Nahtstelle zu Tech­­nologiezentren wie der Hochschule für Technik und Wis­senschaft (HTW) ein­­gerichtet wurde.

Die HWK geht davon aus, dass die Tech­­nisierung auch in der kommen­den De­­ka­­de im Hand­werk weiter fort­schreiten wird. Gerade in den E-Be­rufen zeichnet sich im Hin­blick auf Kommunikations­tech­no­­logie und Hausautomatisation eine Re­­volu­tion ab. In vielen Be­rufen wird sich das traditionell verhaftete Bild ebenfalls mit der Zeit wandeln und das Hand­­­werk wird sich bei den neuen ­Anforderun­gen als flexi­bel und innova­tionsfä­hig erweisen. Da man davon ausgehen kann, dass die Komplexi­tät vieler handwerklicher Ar­­bei­­ten zu­nehmen wird, wird letztlich auch das Handwerk an Be­deutung gewin­nen.

Kirf-Portrait_Peter-DierschHans-Alois Kirf ist Präsident der Hand­werks­­kammer des Saarlandes (HWK). Er ist seit 1975 selbstständiger Bäcker­­meister in der Stadt Saar­louis und wurde 1999 in die HWK-Voll­ver­samm­lung und 2004 zum Kammer­präsi­den­ten ge­­wählt. Hans-Alois Kirf hat sich insbesondere um die internationale Ko­­operation in der Region SaarLorLux verdient ge­­macht und wurde 2009 im Amt als HWK-Präsident bestätigt.