Günter Reichart: Energiewende als Herausforderung für einen kommunalen Versorger

_EWR6275-KopieEnergie ist eines der globalen Zukunfts­themen. Fossile Rohstoffe gehen zur Neige und deren Verbrennung beschleunigt gleich­­zeitig den weltweiten Klimawandel. Mit dem 2011 als Folge des Reaktor­unglücks in Fukushima durch die Bundes­regierung beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie werden alle deutschen Kernkraftwerke bis spätestens 2022 vom Netz gehen und alternative Energie­quellen müssen erschlossen werden.

 Die Energiewende stellt insbesondere kommunale Energieversorger vor neue Herausforderungen. Allein Rheinland-Pfalz will bis 2030 den im Land verbrauchten Strom bilanziell zu 100 Prozent aus erneu­erbaren Energien gewinnen und darüber hinaus zum Stromexportland werden. Damit einhergehend muss jedoch auch die Versorgung der Wirtschaft und somit die Wettbewerbsfähigkeit des In­­­dus­­trie­­stan­­dortes Rheinland-Pfalz dauerhaft sicher­­­­­gestellt werden. Gleichzeitig stehen die Energieversorger in der Pflicht, den Bürgern bezahlbare Energiepreise anzubieten.

 Als Folge dieser Entwicklung müssen er­­neuerbare Energien erschlos­sen und die Versorgungsnetze ausgebaut sowie auf die Erfordernisse der Erneuerbaren angepasst werden. Somit spielen die regio­­nalen Ver­sorger eine wichtige Rolle bei der Ge­­stal­­tung der Energiezukunft unseres Landes.
Kommunen als Partner. Als Energie­ver­sorger ist die EWR AG gemeinsam mit den Tochtergesellschaften EWR Netz GmbH und EWR Neue Energien GmbH hauptsächlich in Rheinhessen sowie im hessischen Ried tätig. Das Unternehmen betrachtet es als Aufgabe, mit innovativen Ideen die Region zu einem Schau­­fenster der Energiezukunft zu machen. Denn: Nur ein nachhaltiger und damit gleichzeitig ökonomisch wie ökologisch sinnvoller Umgang mit Energie wird dazu beitragen, die Lebensqualität der Men­schen auch unter den Bedingungen der bevorstehenden Energiewende zu erhalten und zu steigern.


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Der regionale Versorger legt insbesondere Wert darauf, die Kommunen des Versorgungsgebiets in die Netzakti­vi­tä­ten mit einzubeziehen und so Partner­schaften für die Energiezukunft der Re­­gion zu knüpfen. Denn der Ausbau der regenerativen Energien erfordert in den nächsten Jahren nicht nur leistungsfähige und intelligente Netze, sondern auch regionale Partnerschaften. Mit dieser engen Vernetzung in die Region er­­wach­­sen für das Unternehmen Verant­wor­tungen, denen es gerne nachkommt. Dazu gehört beispielsweise die Unter­stüt­z­ung von kulturellen oder sportlichen Institutionen und Ereignissen. Insbeson­dere fördert EWR nachhaltige regionale Projekte, wie unter anderem aktuell die Wiederaufforstung des Ober-Olmer Waldes mit 5.000 Baumsetzlingen.

 Ein Netz für die Energiewende. Allein im Netzgebiet von EWR speisen aktuell rund 125 Windkrafträder und mehr als 6.500 Fotovoltaik-Anlagen ihre elektrische Ener­­gie in das Netz ein. Tendenz: stark steigend. Doch die Erzeugung des grünen Stroms stellt nur einen Teil der Energie­­wende dar. Denn Stromerzeugnisse aus Sonne oder Wind stellen völlig neue An­­forderungen an die Netze, über die der Strom an die Kunden geliefert wird. Ging es früher nur darum, den Strom aus den Kraftwerken zum Verbraucher zu trans­­portieren, so muss das Netz heute flexibel steuerbar sein. Denn zwar speisen erneu­­erbare Energien und andere dezentrale Erzeugungsanlagen immer mehr Strom ein, der umweltverträglich erzeugt wird – aber nicht immer dann, wenn er auch benötigt wird. Deshalb bedarf es einer Struktur, die in der Lage ist, die Produk­­­tions­­schwankungen dezentraler Energie­­anlagen auszugleichen und insbesondere Windstille oder fehlenden Sonnenschein zu kompensieren. Wird zum Beispiel eine Windkraftanlage gebaut, errichtet die EWR Netz GmbH die dafür benötigten Umspannanlagen beziehungsweise baut bereits bestehende aus, um die An­­bin­dung größerer Windparks zu ermöglichen. Zudem werden die erforderlichen Voraus­­setzungen geschaffen, um die erzeugte Energie aus Fotovoltaik-Anlagen einspeisen zu können und das Netz in der Nähe von solchen Anlagen bei Bedarf zu stabi­­lisieren.

 Der optimale Einsatz von erneuerbaren Energien und vor allem eine gleichbleibende Spannungsqualität werden zukünftig durch ein intelligentes Netz, ein so­­ge­nanntes „Smart Grid“, sichergestellt. Dabei kann überschüssige Energie aus erneuerbaren Energiequellen in Speicher­­elementen zwischengelagert und zu einem späteren Zeitpunkt an das Stromnetz ab­­gegeben werden. Steht keine Energie aus regenerativen Quellen zur Verfügung, wird das Netz mit Energie aus den Speicher­­elementen oder konventionellen Kraft­werken versorgt. Den Aufbau eines Smart Grids verknüpfen wir in der Daten­über­tragung mit der Technik der Lichtwellen­leiter – auch Glasfasertechnik genannt.

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Smart Grids machen außerdem mobil. Denn ein intelligentes Netz wird zukünftig die Stromversorgung von Elektroautos steuern. EWR stellt deshalb schon heute die Weichen, um die Elektromobilität früh­­zeitig innerhalb unseres Netzgebietes zu integrieren. Dazu ist das Unternehmen unter anderem Mitglied im Arbeitskreis Elektromobilität des Landes-Rheinland-Pfalz und unterstützt die Schaufenster­region Rhein-Main mit verschiedenen Projekten. Mit einem Fuhrpark von Elektro­­­autos und dem Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur sammelt es jetzt die Erfahrungen, um die Mobilität der Zukunft zu sichern.

 Investitionen für die Region. Die Bun­­desnetzagentur hat EWR als Netz­be­trei­ber einen Effizienzwert von 100 Prozent attestiert. Um auch in Zeiten der erneuer­­baren Energien eine zuverlässige Strom­­versorgung zu gewährleisten, müssen Strom­­netze ausgebaut und angepasst werden. Deshalb investiert EWR jährlich 30 Millionen Euro für die Instandhaltung und Erweiterung der Netze und in den kommenden zehn Jahren weitere 100 Millionen Euro zur Integration der Anlagen von erneuerbaren Energien. Ein Vorteil der kommunalen Energieversorger: Ein Groß­teil dieser Investitionen bleibt in der Re­­gion, stärkt damit die lokale Wirtschaft und sichert Arbeits- und Ausbildungs­plätze. Doch nicht nur das Netz muss für die Anforderungen der Zukunft gerüstet werden – nicht zuletzt wird auch bei den Mitarbeitern das nötige Know-how aufgebaut, um die technischen Heraus­forderungen zu meistern, die mit der Ener­­giewende einhergehen.
Porträt_Reichart-KopieDer Autor hat nach seiner Ausbildung zum Energie­anlagen­elek­tro­niker nebenberuflich Informatik, BWL und Wirtschafts­wis­sen­schaf­ten studiert. Von 2002 bis 2010 war er Vorstands­vor­sitzen­der der Energie­­­ge­­mein­­­­schaft LEW. Von 2004 bis 2010 war er in der Geschäfts­führ­ung des Elek­­tri­­zitäts­werks Landsberg tätig. Seit 2010 ist er als Vorstands­mit­glied bei EWR ver­­ant­­wort­lich für das Ver­­triebsressort.