Gudrun Hummerich: Dynamisches Netzwerk im Norden von Rheinland-Pfalz

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 Innovationen – Basis für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung. Metall, Maschinenbau, Keramik und Kunst­­­stoff sind die Schwerpunktbranchen mit mehr als 250 Betrieben und 25.000 Ar­­beits­­plätzen in den Landkreisen Alten­kir­chen, Neuwied und Westerwald. Mit der Ein­­richtung des regionalen Innovations­­clus­­ters Metall-Keramik-Kunststoff (IMKK) hat das Land Rheinland-Pfalz – kofinan­­ziert durch EFRE-Mittel der EU – ein Ins­­tru­­­ment geschaffen, um Innovations­pro­­­zesse zu moderieren und vor allem kleinen und mittelständischen Unterneh­men einen raschen, fundierten und konti­­nuierlichen Zugriff auf Forschungs­er­­geb­­nisse von Hoch­­schulen und anwendungs­orientierten Forschungsinstituten sowie auf neue Pro­­­duktionsverfahren und Hightech-Werk­stoffe zu ermöglichen.

Kompetenzverbund aus Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Neben der Vielzahl an Unternehmen sind in der Re­­gion relevante Forschungs- und Ent­wick­­­­lungseinrichtungen insbesondere der Werk­­stoff- und Oberflächentechnik ange­­siedelt. In räumlicher Nähe befinden sich Ein­­rich­­tungen wie die Universität Koblenz-­­Landau, die Fachhochschule Kob­lenz, das For­sch­­ungsinstitut für anorganische Werk­­stoffe – Glas/Keramik (FGK) sowie das Techno­­logiezentrum für Ober­flächen­tech­nik (TZO). Für den Metall­be­reich wurde das Techno­­logie-Institut für Metall & Engin­­eering (TIME) in Wissen/Sieg im Landkreis Altenkirchen gegründet. Beim Thema Kunststoffe und Polymere laufen die Fäden im Technologie-Institut für Funk­­­tionale Kunststoffe und Ober­flächen (tifko) in Neuwied zusammen.

Zur Komplettierung des Kompetenz­ver­bundes sind der Aufbau und die regionale Einbindung eines Europäischen Zen­­trums für Feuerfest-Technologien (ECREF) weitere wichtige Schritte. Infrastruk­­turel­­ler Kern ist der Neubau eines Feuerfest­instituts in Höhr-Grenzhausen. Unter diesem Dach haben dann alle Institutionen der deutschen Feuerfest-Industrie ihren Sitz. In Verbindung mit der baulichen Er­­weiterung des FGK entsteht hier ein europaweit einmaliger Keramik-Campus. Gemeinsam mit der Fachrichtung Werk­­stofftechnik der Fachhochschule Koblenz und dem keramischen Gründerzentrum CeraTechCenter (CTC) bilden ECREF und FGK künftig einen Schwerpunkt innerhalb des Bildungs- und Forschungszentrums Keramik (BFZK) und etablieren auf diese Weise geballtes keramisches Wissen auf engstem Raum.

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Einen wesentlichen Impuls erfährt der IMKK mit der Integration des Bundes­ver­­bandes Leichtbeton, der seinen Sitz in Neuwied hat. Durch die Vielzahl der Bims­­­betriebe im nördlic hen Rheinland-Pfalz ist im Laufe der Jahrzehnte mit dem Bun­­des­­verband eine starke Inte­res­sen­ver­tre­tung gewachsen. Die Inno­va­tionen der Leichtbetonindustrie, besonders in Sachen Klimaschutz und Energie­­­­­effizienz, sowie die vielfältigen Anwen­dungs­­­möglichkeiten dieses Werkstoffs ergeben spannende Schnittmengen mit den Clusterbranchen. Dort ist auch der Standort der Material­­prüfungs- und Ver­­suchsanstalt (MPVA), einem Kompetenz­zentrum für die Durch­führung von Ma­­terialprüfungen und die baustoffkundliche Qualitätsbewertung von mineralischen Baustoffen.

Für die modernen Anwendungsbereiche von Hochleistungswerkstoffen sind neue Ausbildungsberufe und Studienfächer konzipiert worden. So wurden Stiftungs­­professuren für feuerfeste Werkstoffe sowie für Werkstoffanalytik am Standort Höhr-Grenzhausen der Fachhochschule Koblenz eingerichtet und an der Uni­ver­sität Koblenz-Landau eine clusterbezogene Professur für technische Chemie besetzt. Um die Attraktivität des Studien­­angebotes weiter zu steigern, wird mit dem „Master of Engineering – Ceramic Science and Engineering“ ein neuer ko­­­operativer Studiengang mit Modell­cha­rak­ter angeboten. Durch den besonderen Verbund der Ausbildungsinstitute in Höhr-­­Grenzhausen können junge Menschen von den aufeinander aufbauenden Bil­dungs­­­möglichkeiten profitieren – von der Ausbildung über ein hochwertiges Studium bis hin zum Doktortitel. Neben den existierenden Netzwerken wie der Brancheninitiative Metall (BIM) im Kreis Altenkirchen und dem Bildungs- und For­­schungszentrum Keramik (BFZK) im Westerwaldkreis gibt es eine enge Zu­­sammenarbeit mit der Universität Siegen im Nachbarland Nordrhein-Westfalen.

Organisationstruktur des IMKK. Der In­­­no­­­vationscluster ist seit April 2011 über das zentrale Clustermanagement in Kob­lenz organisiert, bei dem alle Infor­ma­tionen zusammenlaufen. Das Cluster­ma­­nage­ment sorgt für die Koordination der ver­­schiedenen Clusteraktivitäten und die Ver­­netzung nach innen und außen. Der IMKK unterhält innerhalb der Wirt­schafts­för­der­ungsgesellschaften der drei beteiligten Landkreise Regionalbüros, deren Zu­stän­­dig­­keiten sich an den Bran­­chen orientieren, die schwerpunktmäßig in dem jeweiligen Landkreis vor­­­handen sind.
Die Regionalbüros verantworten unter anderem die Themen Internetauftritt, zentrale Unternehmensdatenbank, Mes­­se­­auftritte, Workshops und Öffentlich­keits­arbeit. In ihrer Zuständigkeit liegt auch die Vernetzung der Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, der Uni­­ver­­­sitäten, der Verbände und der Unter­neh­men der Region. Zu den Höhepunkten im Clusterjahr zählen die Cluster­kon­feren­­zen, zu denen sich Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Forschung zum Informations­austausch treffen. Das Erfolgsrezept der Veranstaltungen liegt im praxisorientierten Spektrum der angebotenen Themen und im intensiven Networking der Teil­­nehmer untereinander.

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Branchenkonzept Keramik. Im August 2010 startete das FGK ein richtungsweisendes Projekt, bei dem mit Unter­nehmen der Keramikbranche gewinnbringende Einsparpotenziale erarbeitet werden. Das Branchenkonzept zur Ver­bes­serung der Material- und Energie­effi­­zienz in der Keramikindustrie in Rhein­land-Pfalz hilft den Firmen, aufgrund der Ergebnisse zukunftsfähige Entscheidungen zu treffen. Gefördert wird das For­schungs­projekt vom rheinland-pfälzischen Wirt­schafts­­ministerium im Rahmen des Innovationsclusters und des Effizienz­netzes Rheinland-Pfalz (EffNet).

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Ermittlung der Kostenstruktur in der Keramik­­branche sowie die Definition von Einsparpotenzialen anhand von Ver­brauchs­­­­zahlen, Kostenverteilungen und technologischen Effizienzsteigerungen. Dabei sind die Einflüsse auf die Material- und Energieeffizienz im Bereich der Keramik­­produktion vielfältig. Hierzu zählen die Minimierung des Rohstoff- und Energie­­einsatzes, die Senkung von Ausschuss­quoten oder die Sensibilisierung der Mit­­arbeiter zum Thema Ressourcenschonung.Mit der Analyse werden alle relevanten Daten zusammengeführt, die Einspar­potenziale quantifiziert und auf dieser Grundlage die technologische und wirt­­schaftliche Machbarkeit möglicher Spar­­maßnahmen bewertet. Ziel ist es, die Ergeb­nisse anderen Keramikbetrieben zur Realisierung möglicher Umweltent­lastungen und zur Prüfung von Einspar­effekten zur Verfügung zu stellen.

Der Innovationscluster steht für das Ziel der rheinland-pfälzischen Wirtschafts­po­­litik, Herausforderungen wie die En­­er­­gie­­­wende, ein nachhaltiges, effizientes Res­­­­­sour­­cen­management – die Green Eco­no­my – und die Gestaltung zukunftsfähiger Arbeitsplätze als Chance zu nutzen und so die internationale Wettbewerbs­­fähig­­keit des Mittelstandes in den sich ständig wandelnden globalisierten Märkten zu stärken.

GH-Portrait4-KopieDie Autorin ist im Ministerium für Wirt­­schaft, Klimaschutz, Energie und Landes­­planung des Landes Rheinland-Pfalz tätig und seit 2007 mit dem Auf- und Ausbau des Innovationsclusters Metall-Keramik-Kunststoff (IMKK) befasst. Seit 2011 koor­­diniert sie als Zentrale Cluster­ma­­nagerin die Aktivitäten des Clustermanage­­ments vor Ort. Sie hat ihren Sitz im Techno­­logie­Zentrum Koblenz.