Georg Sellner: Finanzierung für den Mittelstand

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Lange Zeit galt der Mittelstand, der in Deutschland für über 99 Prozent der Unternehmen, rund 80 Prozent der Be­­schäftigten und fast 40 Prozent der Um­­sätze steht, als schlafender Riese. Das hat sich spätestens mit dem zweiten deutschen Wirtschaftswunder geändert. Denn die kleinen und mittelgroßen Unter­nehmen hatten einen entscheidenden Anteil daran, dass die deutsche Wirt­schaft im Jahr 2010 um beachtliche 3,6 Prozent gewachsen ist und die Rezes­­­sion im Gefolge der Finanz­markt­krise schnell überwunden werden konnte. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 ist das deutsche Brutto­in­lands­pro­­dukt im Vergleich zum Vor­quar­tal um 1,5 Prozent gestiegen.

Bildet der Mittelstand den Motor der Wirtschaft, dann ist die Sparkassen-Finanzgruppe das Öl, das diesen Motor am Laufen hält. Mit einem Marktanteil von rund 43 Prozent sind die Sparkassen und Landesbanken der Mittelstands­fi­nan­zierer in Deutschland. Bei der Finan­zierung des Handwerks liegt der Anteil der öffentlich-rechtlichen Banken sogar noch deutlich höher. Zwei von drei Hand­­werkskrediten werden von den Sparkassen ausgelegt, drei von vier Handwerks­be­trieben sind Sparkassenkunden. Jede zweite Existenzgründung wird von einer Sparkasse begleitet. Bei der Durch­leitung von öffentlichen Fördermitteln der Kredit­­anstalt für Wiederaufbau (KfW) erreicht der Sparkassensektor zum Beispiel beim Unternehmerkredit einen Anteil von fast 40 Prozent. Bei kleinteiligeren Förder­pro­­grammen wie dem „KfW-StartGeld“ sind es über 50 Prozent.

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Schulterschluss zwischen Sparkasse und Mittelstand in der Finanz­markt­krise. Diese große Bedeutung der Sparkassen­organisation spiegelt sich im Geschäfts­gebiet der Sparkasse Darmstadt wider. Als führende Sparkasse in Südhessen ist diese ein starker Partner für den Mittelstand. Das haben die Firmen in der Region Darmstadt gerade auch in der Finanzmarktkrise erfahren. So hat die Sparkasse im Jahr 2009, als sich die Krise in der Realwirtschaft am stärksten bemerkbar machte, das Kreditneu­ge­schäft mit mittelständischen Kunden weiter aus­­gebaut und mit fünf anderen Sparkassen im Rahmen der Mittelstandsoffensive Süd­­hessen ein Kredit-Sonderkontingent für Gewerbe, Handwerk und Mittelstand aufgelegt. Wegen der großen Nachfrage wurde das Sonderkontingent später noch einmal aufgestockt. Dieser Schulter­schluss zwischen Sparkasse und Mittelstand hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die heimische Wirtschaft weitgehend ab­­­ge­federt werden konnten. Zumindest für Sparkassenkunden hat es zu keinem Zeit­­punkt eine „Kreditklemme“ gegeben.
Die Sparkasse Darmstadt ist aber auch in den Zeiten des Wirtschafts­aufschwungs für die mittelständische Wirtschaft da. Laut Konjunkturumfrage der IHK Darm­stadt Rhein Main Neckar vom Frühjahr 2011 fällt der Geschäftsklimaindex in Süd­­­hes­­sen so hoch aus wie seit Herbst 2000 nicht mehr. Der Geschäftsklimaindikator dient als Barometer für die aktuelle Stim­mung der südhessischen Unternehmen. Er ist ein Mittelwert aus der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und den Zu­­kunftserwartungen der Unternehmen. Der Indikator kann zwischen 0 und 200 Punk­­ten liegen. Je höher der Wert, desto besser das Geschäftsklima. Die Indi­ka­toren zu Beschäftigung, Investitionen und Ex­­por­­ten werden aus der Differenz der positiven und negativen Antworten ermittelt. Viele Unternehmen planen die Zahl ihrer Mitarbeiter zu erhöhen und die Inves­­titionsbudgets aufzustocken. Für den damit verbundenen Anstieg der Kredit­nach­frage ist die Sparkasse Darmstadt gut gerüstet. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 sind die Kredit- und Darlehens­neu­­zusagen im Vergleich zum Vorjahres­zeit­raum um 11,2 Prozent auf 209,4 Millionen Euro gestiegen. Dank dieser flexiblen und verlässlichen Kreditvergabe ist es ge­­währleistet, dass die mittelständischen Unternehmen wie geplant investieren und damit Beschäftigung und Wohl­stand in der Region schaffen können.

Hände

Die Mittelstandsfinanzierung als Kern­geschäft. Die Beratung und Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft gehören zum Kerngeschäft der Sparkasse Darm­stadt. Neben den klassischen Haus­bank­­krediten wie Investitions- und Konto­korrent­­krediten werden öffentliche Förder­kredite wie der Unternehmerkredit der KfW oder Gelder aus dem ERP-Innovation­s­pro­gramm (Förderprogramm der KfW) in die Finan­zierung eingebaut. Im vergangenen Jahr hat sich das Neugeschäft der Sparkasse bei der Durchleitung von Fördergeldern im gewerblichen Be­­reich von rund sechs Milli­­onen Euro auf rund zwölf Milli­­onen Euro ver­­doppelt. Darüber hinaus sind in Zu­­­sammenarbeit mit Spar­­­kassen­­­ver­­­bund­­­partnern wie der Deut­schen Leasing oder der Deutschen Fac­­toring auch li­quidi­täts­­schonende Finan­­­­z­­ierungs­lös­­­ungen wie Leasing oder For­­­derungs­ver­kauf im Pro­­gramm. Zudem werden eigen­­­kapital­nahe Finanzierungen („Mezz­anine“) in Form von Nach­rang­dar­lehen oder stillen Betei­­li­gungen angeboten. Durch die Fin­­anz­marktkrise und die darauf folgende Rezes­­sion ist die Eigen­kapitaldecke bei so manchem Unter­­­nehm­­en dünn ge­­worden. Laut Diagnose Mittelstand 2011 des Deutschen Spar­­kassen- und Giro­ver­ban­des (DSGV) ar­­beiten fast 30 Pro­­zent der kleinen und mittelgroßen Unter­­neh­­men in Deutsch­­­land ohne bilanzielle Eigenmittel. Eigen­­­­kapitalnahe Finan­zie­r­­ungen können hier Abhilfe schaffen.
Auch bei Auslandsgeschäften werden die mittelständischen Kunden begleitet. Schließ­­lich werden die Export­erfolge der Wirt­schaft hierzulande wesentlich vom Mittelstand mitgetragen. Neben der Fi­­nan­­zierung und Bera­­tung beim Aus­lands­geschäft können die Kunden auf das inter­­nationale Netz­­werk der Spar­kassen-­Finanz­­gruppe in über 100 Ländern zurückgreifen.

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Know-how und Kapital für Existenz­gründer. Die Sparkasse Darmstadt unter­­stützt Existenzgründer beim Start in die Selbstständigkeit. Zum einen steht sie jungen Unternehmern mit ihrem Know-how zur Seite, zum Bei­spiel bei der Beur­tei­­lung der Märk­­te und Wett­bewerbs­be­din­gun­gen oder der Erfolgs­aussichten des Grün­dungs­­vorhabens. Eine fachmännische und rea­­listische Einschätzung des ge­­plan­­ten Projekts ist unverzichtbar, gibt doch laut DSGV jeder vierte Existenz­grün­der spätestens nach drei Jahren wieder auf. Zum ande­­ren werden Grün­dungs­darlehen angeboten und öffentliche Fördermittel wie das „KfW-StartGeld“ in die Finanzierung mit einbezogen. Die Sparkasse ar­­beitet auch mit den Experten der Venture-Capital- oder Betei­­ligungs-Gesell­schaf­­ten der Spar­kassen-­Fi­nanz­­gruppe zu­­sammen und kann da­­durch für Exis­tenzgründer wei­­tere Finan­zie­­rungsquellen erschließen.

Sparkasse und Region gehören un­­trenn­bar zusammen. All das unterstreicht die Bedeutung der Sparkasse Darmstadt bei der Betreuung des Mittelstandes. Diese Schlüsselrolle ist nur wegen der tiefen regionalen Verwurzelung möglich, die ein wichti­ges Strukturmerkmal der Sparkassen ist. Im Unterschied zu vielen anderen Kreditinstituten konzentrieren sich diese jeweils auf ein bestimmtes Geschäftsgebiet; sie sind dezentral auf­­gestellt. Diese räumliche Fo­­kus­­sierung – das Regionalprinzip – ist gesetzlich fest­­gelegt und ergibt sich auch aus den konstituierenden Spar­kassen­prin­zipien „öffentlicher Auf­trag“ und „kommunale Trägerschaft“. Da sich die gesamten Aktivitäten der einzelnen Sparkasse auf dem Gebiet ihrer Träger abspielen, hat sie ein großes Interesse daran, dass es den Menschen und Unternehmen in ihrer Heimatregion nachhaltig gut geht. Oder anders ausgedrückt: Das Ver­hält­nis von Sparkasse und Region funktioniert wie ein Regelkreis. Spar­gelder fließen im Wesentlichen dorthin zurück, wo sie erwirtschaftet wurden.

Hr.-Sellner,-22.05.2007Der Autor (Jahrgang 1952) ist Vor­stands­­vorsitzender der Sparkasse Darmstadt, Landesobmann der Sparkassen­vor­stände Hessen-Thüringen sowie stellvertretender Obmann der Sparkassenvorstände auf Bundesebene. Zuvor war Georg Sellner bei der Sparkasse Odenwaldkreis ab 1985 als Vorstandsmitglied und von 2001 bis 2003 als Vorstandsvorsitzender tätig.