Fritz Müller: Der demographische Wandel als Herausforderung für die Gesetzliche Krankenversicherung

Das Gesundheitswesen steht vor großen Herausforde­rungen: Der demografische Wandel wird ebenso wie der medizinische Fortschritt beträchtliche Veränderungen mit sich bringen und alle Akteure vor neue Aufgaben stellen. Das Gesundheits­wesen muss tendenziell mehr ältere Pa­­tienten versorgen. Chronische Erkran­kungen, Pflegebedürftigkeit und Demenz werden den Versor­gungs­bedarf der Be­­völkerung in den kommenden Jahr­zehn­ten zunehmend bestimmen. Gleichzeitig wird der medizinische Fortschritt neue Therapieoptionen eröffnen, deren Wirk­samkeit und Nutzen allerdings nicht immer sofort belegbar oder teils auch zweifelhaft sind. Hier gilt es, den richtigen Weg zwischen Innovations­förderung und Patientensicherheit zu finden.

Als AOK Hessen legen wir größten Wert auf eine gute Versorgung unserer Ver­sicherten. So bieten wir – neben der re­­­­gulären Versorgung – mit „Curaplan“ schon heute wegweisende Versorgungs­programme für chronisch Kranke sowie integrierte Versorgungsverträge für aus­­gewählte Diagnosen. Neben der Versor­gung kranker Menschen geht es uns als „Gesundheitskasse“ aber immer auch darum, präventiv zu wirken. Menschen zu einer gesunden Lebensführung zu bewegen, ist für uns eine Kernaufgabe. Beginnend mit besonderen Ange­bo­ten für Schwangere, über die Kindervorsor­ge­­unter­su­chungen bis zu unserem Prä­ventionsprogramm „Papilio“ für Kinder­gärten. Für ältere Kinder und Jugend­liche kooperieren wir mit Schulen und Vereinen, etwa mit unserem Schulwett­bewerb „AOK MOVES YOU“ oder un­­serer Kooperation „AOK-Pausenliga“ mit Ein­tracht Frank­­furt. Für Erwachsene bieten wir ein umfangreiches Kurs­­programm sowie vielfältige Informations- und Mit-Mach-­­Programme im Internet und na­­türlich auch Apps wie den „AOK-Vorsor­gemanager“. Abgerundet werden unsere Präventionsmaßnahmen durch die be­­triebliche Gesund­­heits­förderung.

Bei der Bewältigung der beiden Heraus­forderungen – einer qualitätsgesicherten Patientenversorgung sowie der Präven­tion von Krankheiten – spielt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eine zentrale Rolle. Sie versichert rund 85 Pro­­­­zent der deutschen Bevölkerung. Als größte Krankenversicherungsgruppe in Deutschland investieren wir jährlich rund 66 Milliarden Euro in die Gesund­heit ihrer Versicherten – allein in Hessen betrug das Haushaltsvolumen im Jahr 2013 über 4,5 Milliarden Euro. Dabei sehen wir uns aller­­dings nicht bloß als Kostenträger. „Wir sind ein starker Ver­sicherer und gestalten Wege zur Ge­­sundheit“ lautet vielmehr der Anspruch, der unsere Unternehmensvision überschreibt.
Wettbewerb und Solidarität – für ein leistungsfähiges Gesundheitswesen für alle Menschen. Ein wettbewerbliches und solidarisches Gesundheitswesen bietet die besten Rahmenbedingungen, um den zukünftigen Herausforderungen zu be­­geg­­nen. Doch Wettbewerb darf im Ge­sund­­­­heitswesen kein Selbstzweck sein und braucht klare Regeln, die ge­­währleisten, dass sich alle Menschen eine Absiche­rung für den Krankheitsfall leisten können. Risikoselektion lehnen wir klar ab.

Hieraus folgt, dass Krankenversicherun­gen einerseits keine strukturellen Vor­­teile im Wettbewerb alleine durch das gezielte Anwerben junger, gesunder Versicherter erzielen dürfen und andererseits eine soziale Ausgleichsfunktion für unterschiedlich hohe Einkommen erfolgen muss. Beides gewährleistet der Gesundheitsfonds mit seinen morbiditätsorientierten Finanzzuweisungen an die Krankenkassen, der seit dem Jahr 2009 die zentrale Finanzarchitektur der GKV bildet. Die krankheitsbezogenen Zu­­weisungen aus dem Gesundheitsfonds sorgen dafür, dass die Krankenkassen Finanzmittel entsprechend den Krank­heitsbildern ihrer Versicherten erhalten.

Desweiteren erfolgt über die Bündelung aller GKV-Finanzmittel im Gesundheits­fonds ein vollständiger Einkommensaus­gleich. Entscheidend für die Finanzlage einer Krankenkasse ist damit heute nicht mehr nur ihre Versichertenstruktur – wie dies bis 2008 weitgehend der Fall war – sondern die Frage, wie gut und wirtschaftlich eine Krankenkasse die Ge­­sundheitsversorgung ihrer Versicherten sicherstellt – also die Managementfähig­keiten der Krankenkasse. Somit wurden die Grundlagen für einen Wettbewerb auf solidarischer Basis geschaffen, von dem Patienten sowie Arbeitnehmer und Arbeit­­­geber als Beitragszahler profitieren.

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Qualität und Wirtschaftlichkeit – zwei Seiten einer Medaille. Wichtigstes Ziel der AOK Hessen ist daher, eine qualitätsgesicherte, hochwertige und wirtschaftliche Versorgung zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Und das Ganze verbunden mit einem exzellenten Service. Dies ist die Basis für unser übergreifendes Unternehmens­ziel: Wachstum im Versichertenbestand. Beides – gute Leistungen und ein wettbewerbsfähiger Preis – sind Voraus­setzung, damit wir unsere Position als Nummer eins der Krankenversicherungen in Hessen sichern und stärken können.

Für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ist es erforderlich, dass Krankenkassen mehr wettbewerbliche Optionen hinsichtlich ihrer Ver­trags­­beziehungen mit den Leistungserbringern erhalten. Insbesondere im Krankenhaus­­sektor müssen zusätzliche Möglichkeiten geschaffen werden, um gezielt Verträge mit einzelnen Häusern nach Quali­­täts­gesichtspunkten schließen zu können.

Navigator zur Gesundheit. Menschen möchten heute selbstbestimmt und sou­­verän entscheiden – gerade auch wenn es um ihre Gesundheit geht. Deshalb versteht sich die AOK Hessen auch als Navigator im Gesundheitswesen. Quali­tätsgesicherte Informations- und Bera­­tungsangebote ermöglichen es unseren Versicherten, sich gezielt zu informieren und darauf aufbauend mit ihren Ärzten oder Therapeuten die für sie richtige Be­­handlung zu wählen. Dabei reichen un­­sere Angebote von Internet-Platt­­­­for­men, wie dem Kranken­haus-, Arzt- oder Pfle­genavigator, über spezielle Apps mit Ge­­sundheitstipps bis hin zur persön­­li­chen Beratung vor Ort oder zu Hause. So leis­­ten beispielsweise un­­sere Pflege­berater­innen und Pflege­be­­rater wichtige Hilfen in allen sozialrechtlichen Fragestel­­­­lungen, wenn An­­gehörige mit einem Pfle­­­­gefall in der Familie kon­­frontiert werden.

Erfolgsfaktor Mitarbeiter. Qualifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mit­­arbeiter sind ein entscheidender Er­­folgs­­faktor im Wettbewerb. Eine systematische Personalentwicklung ist daher ein unverzichtbarer Teil unserer Unterneh­­­mens­aus­richtung. Zu dieser Personal­ent­­­­wicklung zählt auch das Diversity-Ma­nage­ment, das Ant­worten auf die Frage entwickelt, wie die Unter­­schiedlichkeit unserer Mitar­bei­­te­­rinnen und Mitarbeiter bestmöglich zum Gesamt­­erfolg genutzt werden kann. Die Ver­­­­einbarkeit von Be­­ruf und Familie be­­zie­hungsweise Pflege ist hier ein wichti­­ges Thema, das immer mehr Be­schäf­tigte be­­trifft. Neue Füh­rungsmodelle tragen dazu bei, dass auch Teilzeitkräfte einen Verant­­wor­­­­tungs­­­be­­reich eigenständig führen können.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbe­iter haben mit ihrer Fachkompetenz und ihrem persönlichen Engagement den wesentlichen Beitrag geleistet, um die AOK zur Nummer eins der Krankenver­sicherung in Hessen zu machen.

 

Fritz-Müller1-KopieUnser Autor wurde 1948 geboren und ist Diplom-Verwaltungswirt. Im Jahre 1979 begann Müller bei der AOK als Leiter der Finanz- und Vertragsabteilung in Wetzlar. Nach weiteren leitenden Funktionen in Lahn-Dill und im nordthüringischen Mühl­­hausen wechselte er 1993 in die Geschäfts­­führung der AOK Hessen. Seit 2002 ist Fritz Müller Vor­standsvorsitzender der AOK Hessen.