Eva Kühne-Hörmann: Wissenschaftsstandort Hessen – Zukunftsinvestition Bildungsförderung

Der Wissenschaftsstandort Hessen ver­­fügt über ein etabliertes System staat­­li­cher Hochschulen und zahlreiche leis­­tungs­­fähige außeruniversitäre Forschungs­­einrichtungen. Darüber hi­­naus tragen private Hochschulen zur Differen­zie­rung der hessischen Hoch­schulland­schaft bei. Die Förde­­rung von Bildung, Forschung und Wissen­schaft als wich­­tige Inves­ti­tion in die Zukunft ist ein zentraler Schwer­­punkt der Ar­­beit der hessischen Landes­­regierung. Sie hat die notwendigen Schritte getan, um die Autonomie der Hochschulen durch Stärkung der wis­­sen­schaftlichen und wirtschaft­­li­chen Eigen­­ver­ant­wor­tung zu erweitern. Mittels Pro­fil­schär­fung, Leistungs­dif­­fe­­ren­zie­rung und Schwer­­­­punkt­bil­dung soll deren nationale und internationale Wett­be­werbs­fä­­higkeit weiter verbessert und nachhal­­tig sicher­­­gestellt werden. Außer­uni­ver­si­­täre For­schungs­ein­rich­tungen sind im Sinn einer strategischen Partner­schaft maßgeblich einbezogen.

Mit dem neuen Hessischen Hoch­schul­gesetz setzt das Land den Prozess der Modernisierung und Qua­li­täts­stei­ge­rung der Hochschulen konsequent fort. Es er­öffnet den zwölf staatlichen Hoch­schu­len erhebliche Gestaltungsspiel­räume und bietet gleichzeitig einen stabilen und trans­­parenten Rahmen für die Ent­­wick­­lung der Universitäten, Fach- und Kunsthoch­schulen. Richtschnur ist, nur das zu regeln, was auch einer Ent­schei­­dung durch den Gesetzgeber bedarf. So soll unter ande­­rem das Be­­ru­fungs­recht auf die Hoch­schulen übertragen und die Möglichkeit zur Einrichtung von Lehr- und Forschungs­­professuren ge­­schaffen werden. Der Hochschulrat soll bei der Wahl des Präsi­­diums mitwirken und seine Zu­­stim­mung zur Struktur- und Entwicklungs­planung erteilen.

Bibliothek-Poelzigbau_Goethe-Uni-Frankf

Das sogenannte TUD-Gesetz, durch das die Technische Universität Darm­stadt 2005 so viel Unabhängigkeit und Ei­­gen­­verantwortung wie zuvor keine an­­dere Hochschule in Deutschland be­­kom­men hatte, wurde nach positiver Eva­­luation in modifizierter Form ab dem 1. Januar 2010 um fünf Jahre verlängert. Bereits zum 1. Januar 2008 war die Goethe-Universität Frankfurt am Main in eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt worden.

Der im August 2005 abgeschlossene zweite Hochschulpakt verschaffte den Hochschulen Planungssicherheit bis 2010 und knüpfte an den von 2002 bis 2005 gültigen ersten Hochschulpakt an. Seit dem Haushaltsjahr 2007 ist die Entwicklung des Landeszuschus­ses für die Hochschulen an die Ent­wicklung der Steuereinnahmen nach Län­der­fi­nanzausgleich gebunden.
Auch der dritte hessische Hoch­schul­­pakt für die Jahre 2011 bis 2015 wurde auf prinzipiell gleicher Grundlage abge­­schlossen.

springbrunnen-im-park_Goethe-Uni-Frankf

Neben der verstärkten Bildung strategischer Partnerschaften haben sich die Hochschulen im Rahmen der Hoch­schul­­pakte zu einer abgestimmten Ent­wick­lungsplanung verpflichtet, die jeder Hoch­­schule ein spezifisches, im Wettbewerb attraktives Profil geben soll. Weitere Ver­­pflichtungen der Hochschulen betreffen die vollständige Umsetzung des Bo­­lo­gna-Prozesses und, damit einherge­­hend, die Umstellung der Stu­dien­gang­sys­­teme auf konsekutive Strukturen so­­­wie die Modularisierung des Stu­di­en­an­­ge­bots und der Prüfungen – nicht zuletzt im Interesse einer Verkürzung der Stu­dien­­zeiten. Ein weiteres wesentliches Ziel ist die noch weitergehende Umsetzung von Verfahren interner und externer Leis­­tungsüberprüfungen und Evalu­ie­rung, an­­hand derer die Qualität von Ausbildung und Forschung zuverlässig beurteilt wer­­den kann.

Mit rund 1,4 Milliarden Euro hatten die Hochschulausgaben des Landes 2009 Rekordniveau erreicht; historischer Tief­­punkt war das Jahr 1998 mit 963 Mil­lio­­nen Euro. Die Landesregierung hat da­­rüber hinaus 2007 das Hoch­schul­in­ves­­titions­programm HEUREKA (Hoch­schul Ent­wick­lungs- und Um­­bau­pro­gramm: Rund­er­neue­rung, Kon­zen­tra­tion und Aus­­bau von Forschung und Leh­­re in Hes­sen) beschlossen, wonach in den Jahren 2008 bis 2020 jährlich 250 Millionen – insge­samt also drei Milliarden Euro – für die Modernisierung der baulichen In­­fra­struk­­tur der staatlichen Hochschulen bereitge­­stellt werden. Im Rahmen eines Son­der­­in­vestitions­pro­gramms des Landes wer­­den Projekte im Umfang von 354 Mil­li­onen Euro in die Jahre 2009 bis 2012 vorgezogen. Hinzu kommen weitere Vor­ha­ben im Volumen von 187 Millionen Euro aus dem Konjunktur­programm II von Bund und Land für die energetische Ge­­bäu­de­­sanierung.
Die Jahres­in­ves­ti­tionsraten steigen da­­durch vorübergehend auf 380 bis 390 Mil­­lio­­nen Euro. Zur Umsetzung der Lissabon-Strategie hat Hessen außerdem 2008 ein eigenes Forschungsförderungsprogramm aufge­legt. Das Landesprogramm LOEWE – Lan­­des-Offensive zur Entwicklung Wis­sen­schaftlich-ökonomischer Exzellenz ver­­folgt das Ziel, die Ausgaben für For­schung und Entwicklung dauerhaft zu steigern und damit die Forschungs- und Innovationskraft Hessens nachhaltig zu stärken. Es ist aufgrund seiner wettbewerblichen Konzeption und seines Fi­­nanz­­volumens bundesweit im Län­der­ver­­gleich einzigartig: In der laufenden Legislaturperiode bis 2013 stellt das Land für LOEWE mit seinen drei För­der­linien insgesamt 410 Millionen Euro zur Verfügung. Das Auswahlverfahren er­­folgt nach den Maßstäben wissenschaft­licher Exzellenz durch einen hochkarätig besetzten Programmbeirat und ei­­ne Verwaltungs­kommission. Besonderes Merkmal von LOEWE ist die dauerhafte Verankerung der im Rahmen des Pro­gramms initiierten Projekte: Die Lan­des­­mittel sollen als An­­schub­fi­nan­zie­rung zu einer nachhaltigen Schwer­punkt­­set­zung und Profilierung der Hochschulen sowie der außeruniversitären For­schungs­­einrichtungen in Hessen bei­­tragen. Da­­bei werden landespolitische Interessen nicht außer Acht gelassen. Gefördert wer­­den daher gerade auch Ver­bund­vor­haben zwischen Hoch­schulen und Un­­ternehmen, um die Innovations­kraft von Unternehmen zu stärken und dadurch gezielt zukunftsorientierte Ar­­beits­plät­ze zu schaffen.

campus-riedberg_Biozentrum_Goethe-Uni

Zur Förderung des Wissens- und Tech­no­­­logietransfers hat die Lan­des­re­gie­rung das TechnologieTransferNetzwerk Hessen (TTN-Hessen) initiiert, in dem Hoch­schu­­­­len, Wirtschaftsverbände so­­wie Tech­­no­­logie- und Gründerzentren eng zu­­sam­­men­­arbeiten, um den Transfer von tech­­no­­logischem Know-how aus den Hoch­schu­­­­len in die Unternehmen zu un­­­­ter­­stützen. Das Netz­­werk trägt somit da­­zu bei, die Inno­vations­­kraft kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken.

Und die Verbindung von Theorie und Praxis gilt schließlich auch schon für den Hoch­schulzugang: Mit dem dualen Studium, also der Kombination des Stu­­diums an einer Hochschule oder Be­­rufs­­akademie mit einer praktischen Berufs­ausbildung im Betrieb, eröffnet das Land jungen Men­­schen mit Abitur oder Fach­hoch­schul­reife vorzügliche Chancen, den so wichtigen ersten Schritt in die be­­ruf­­liche Zukunft erfolgreich zu setzen.

Staatsministerin-Kühne-Hörmann---für-Druck-KopieDie 1962 geborene Autorin ist seit 2009 hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Sie hat in Würz­burg und Göt­tin­gen Rechtswissen­schaf­ten studiert und nach dem zweiten Staats­examen als Dozentin und in der Verwaltung des Freistaats Thü­ringen ge­­arbeitet. 1993 bis 1995 war sie Büroleiterin des Kas­seler Oberbürger­meis­ters und gehört seit 1995 dem Hes­sischen Landtag an.