Eva Kühne-Hörmann: Forschungs- und Wissenschaftsstandort Südhessen

Wissenschaft und Forschung auf weltweitem Spitzenniveau sind zentrale Vor­­aussetzungen, um den Erfolg des Wirt­schaftsstandorts Deutschland auch in Zukunft zu gewährleisten. Erfinder­geist und Innovationen sind ein Marken­zei­chen unseres Landes und stehen für die Leistungsfähigkeit unserer Gesell­schaft, unserer Bürgerinnen und Bür­ger. Diese führende Stellung des Landes kann jedoch nur aufrechterhalten werden, wenn auch zukünftig ausreichend quali­fizierte Nachwuchskräfte den Inno­­va­tions­­motor in Hochschulen, Forschungs­­ein­rich­­tungen und Unternehmen am Laufen halten. Hierzu trägt der For­schungs- und Wissenschaftsstandort Südhessen in herausragender Weise bei.

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Die Region zwischen Rhein, Main und Neckar mit der Wissenschaftsstadt Darm­­stadt im Mittelpunkt zählt zu den Zukunfts­­regionen in Europa. Dabei pro­­fitiert der Standort nicht nur von den angrenzenden Metropolregionen Rhein-Main im Norden und Rhein-Neckar im Süden. Insbeson­dere die zentrale Lage im Herzen Deutsch­­lands und in der Mitte Europas mit den optimalen Straßen-, Wasser-, Schienen- und Luftverkehrs­verbindungen zeichnet die Attraktivität des Standorts aus. Darü­ber hinaus ent­­faltet die reizvolle Kultur­land­­schaft ent­­lang der Bergstraße mit den UNESCO-Welterbestätten Kloster Lorsch und Grube Messel, dem Geo-Naturpark Berg­­straße-Odenwald, der Jugendstil­archi­tek­­tur der Künstlerkolonie auf der Darm­­städter Mathildenhöhe sowie un­­zäh­li­gen Schlössern, Burgen, Museen, Thea­­tern und historischen Altstädten eine einzig­artige Anziehungskraft. Von dieser pro­­fitieren nicht nur die vielen internatio­­nalen Unternehmen, sondern auch die zahlreichen Einrichtungen im Bereich der Ausbildung, Forschung und Lehre bei der Suche nach Mitarbeitern, ob Jung­­aka­de­­miker oder hochkarätige Wissen­schaft­ler aus dem In- und Aus­land. Die Techni­sche Universität Darm­stadt sowie die Hoch­schule Darmstadt stehen in der Region stellvertretend für die Leistungs­fähig­keit der hessischen Hochschulen. Dutzende renommierte Forschungs- und Wissen­schafts­ins­ti­tute, darunter vier Fraun­hofer-Institute, das European Space Operations Centre (ESOC) und EUMETSAT, haben in Südhessen ihren Sitz. Darü­ber hinaus entsteht mit Milliarden­in­ves­ti­tio­nen am Helmholtz­zentrum für Schwe­­rionen­for­­schung GSI eine der weltweit größten Anlagen für die physikalische Grund­lagen­for­schung: der Teilchen­be­schleu­niger FAIR. FAIR ist eines der wich­­tigsten Infra­struk­tur­pro­jekte der Grund­­lagenforschung in Europa. Es wird weltweit einzigartige Forschungs­möglichkeiten bieten und Wissen­schaftler aus aller Welt nach Südhessen locken – vom talentierten Nachwuchs bis hin zu etablierten Professoren.
Seit 1999 zählt die Förderung von Bil­dung, Forschung und Wissenschaft zu den Schwerpunkten der Landes­politik. Investitionen in diesen Be­­rei­chen be­­trach­­tet die Landesregierung als wichtigste Zukunftsinvestition. Die hessische For­schungspolitik will den Standort för­­dern und verlässliche Rah­­men­­­be­din­gun­­gen für Hoch­schu­len und außer­universi­täre Institute schaf­­fen. Tradi­tio­nell erfolgt die Unterstützung der Forschung vorwiegend in Form der ins­titutionellen Förderung der Hoch­schulen auf Basis einer leistungsbezogenen Budgetierung. Im soge­­nann­­ten Erfolgs­­budget werden Leistungen in der Forschung mit Prä­mien honoriert und berücksichtigt.

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Darüber hinaus werden profilierende Ent­­wicklungsvorhaben und Schwer­punkt­­setzungen an den Hochschulen aus dem Innovations- und Struktur­ent­wick­lungs­­budget finanziert. Diese im Hoch­schul­pakt zwischen der Landes­regierung und den Hochschulen verankerten zusätzlichen Mittel umfassen bis 2015 pro Haus­haltsjahr 16 Millionen Euro. Sie werden auf Antrag der Hoch­schulleitungen ver­­geben, üblicherweise im Rahmen von Zielvereinbarungen und gegebenenfalls nach einer externen Begutachtung.
Zur Stärkung der Profilbildung der hessi­schen Forschungseinrichtungen und zur Beförderung der Vernetzung der hessischen Hochschulen untereinander sowie mit außeruniversitären Forschungs­­ein­richtungen beziehungsweise der orts­­ansässigen Industrie legte die Hessi­sche Landesregierung im Jahr 2007 die Lan­­des-Offensive zur Entwicklung Wissen­schaft­lich-öko­no­mi­scher Exzellenz (LOEWE) als eigenes Landesexzellenzprogramm auf. In diesem Exzellenzwettbewerb konn­­ten sich insbesondere auch Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Süd­hes­sen profilieren. Die LOEWE-Zentren CASED – Center for Advanced Security Research Darmstadt, AdRIA – Adaptronic-­­Re­search, Innovation, Application, HIC for FAIR – Helmholtz International Center for FAIR sowie die Schwerpunkte „Eigenlogik der Städte“, „Soft Control – Mit Poly­meren an Grenzflächen Funk­tio­­nen effi­­zient schalten“, „Cocoon – Koope­rative Sensorkommunikation“, „Dynamo PLV – Dynamische und nahtlose Inte­gra­­tion von Produktion, Logistik und Verkehr“ stehen stellvertretend für die herausra­gende Forschungsleistung in Südhessen. Fast 70 Millionen Euro För­der­­mittel des Landes stehen bereit, damit diese Leucht­­türme exzellenter For­schung ihre volle Strahlkraft entfalten können.
Sie werden ergänzt von Projekten der LOEWE-Förderlinie 3 zwischen Unter­neh­men und Forschungseinrichtungen. Im Zeitraum 2008 bis 2012 werden allein im Raum Darmstadt insgesamt 27 Unter­­nehmen, 14 Hochschulinstitute der TU Darmstadt sowie zwei Ins­ti­tute der Hoch­­schule Darmstadt in F&E-Pro­jekten mit über drei Milli­o­nen Euro an LOEWE-Mitteln gefördert. Die Schwer­­punkte der an­­gewandten For­­schungs­projekte konzentrieren sich dabei auf die Ent­wick­­lung neuer Pro­dukte und Prozesse in den Bereichen Maschinen­bau, optische Technologien, Material­tech­­nologien und Informations- und Kommu­­ni­ka­tions­­technologien. Im gleichen Zeit­­raum beteiligt sich die Wirt­­schaft mit weiteren rund vier Millionen Euro an den Forschungsausgaben.

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Dass die Erfolge der einzelnen Insti­tu­tionen in der hessischen Exzellenz­ini­tia­­­­tive auch beispielhaft sind für Erfol­ge beim Exzellenzwettbewerb des Bundes und zusätzliche Drittmittel in die Re­­gion spülen, zeigt die IT-­For­schung. So konn­­­­ten allein durch den Spitzencluster-Wett­­­bewerb des Bundes­­ministeriums für Bil­­­­dung und For­schung (BMBF) und im Rahmen des BMBF-Kompetenz­zen­trums IT-­Sicher­heits­for­schung über 20 Millio­nen Euro eingeworben werden.
Die Hessische Landesregierung weiß um die Bedeutung der Informations­tech­no­­­logie und ihrer Erforschung und Weiter­entwicklung als wichtiger Stand­ort­fak­tor für Innovationskraft. Die ge­­nann­­ten Er­­fol­ge sind ein hervorragendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der IT-Wissen­schaft in Südhessen. Um diese zu stär­­ken, fördert die Landesregierung eine Vielzahl von Initiativen. Dazu gehört der Ausbau des Hochleistungsrechnens als einer der bedeutendsten wissenschaft­­lichen Metadisziplinen. Seit 2011 wird an der TU Darmstadt einer der schnells­ten Hochleistungsrechner in Deutschland aufgebaut. Große For­schungs­­vorhaben wie der im Rahmen der Exzellenz­ini­tia­tive geförderte Exzellenzcluster „Center of Smart Interfaces“ oder die „Graduate School of Computational Engineering“ benötigen für die Simulation von kom­ple­­­­xen technischen Gesamtsystemen enor­­­me Rechenkapazitäten. Die erwar­te­ten Inves­­titionskosten betragen 20 Mil­lio­­nen Euro für den Hochleistungs­rechner mit Rechenzentrumsgebäude.

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Doch nicht nur die Forschungsförderung in Südhessen steht auf der Prioritäten­liste der Landesregierung ganz oben. Große Bedeutung hat auch der Ausbau einer modernen, wettbewerbsfähigen Infra­­struktur unserer Hochschulen und For­schungseinrichtungen. Mit dem Bau- und Investitionsprogramm HEUREKA (Hoch­­schulEntwicklungs- und Umbau­pro­gramm: RundErneuerung, Konzen­tra­­tion und Aus­­bau von Forschung und Lehre in Hessen) wird bis 2020 mit einem Gesamt­fi­nanz­volumen von drei Mil­li­ar­den Euro die Hochschulinfrastruktur modernisiert.

Dies ist Voraussetzung dafür, dass die hessischen Hochschulen im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen können. Mit HEUREKA werden die notwendigen baulichen Rahmen­be­din­gun­gen geschaffen, denn durch die Reform der Studienstrukturen, die Internationali­sie­­rung der Hochschulen und die erforder­liche Stärkung der Forschung stehen die Hochschulen vor erheblichen Heraus­forderungen. Erstmals wurde eine um­­fassende Investitionsplanung für alle zwölf hessischen Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen vorgelegt. Für jede wurde eine ganzheitliche, struktur­bezogene Bauplanung erarbeitet. Auf Basis dieser Planungen sind für Maß­nahmen der TU Darmstadt insgesamt 310 Mil­li­­o­­nen Euro und für Maßnahmen der Hoch­­schule Darmstadt insgesamt 100 Millio­­nen Euro vorgesehen.

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Durch das im Jahr 2009 aufgelegte Son­­derinvestitionsprogramm „Schulen und Hochschulen“ der Landesregierung und das Konjunkturpaket II des Bundes stehen darüber hinaus insgesamt 541 Millionen Euro für die Hochschulen in Hessen zur Verfügung. Beispielhaft für Maßnahmen aus diesen Programmen ist das im Bau befindliche Hörsaal- und Medienzentrum auf dem Campus Licht­­­­­wiese für rund 35 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm „Schulen und Hochschulen“. Aus Mitteln des Kon­­­­­­junkturpaketes II des Bundes erhält die Technische Universität Darm­­stadt über 23 Millionen Euro. Die be­­deu­tendste Bau­­­­­­maßnahme für die Hoch­schule Darm­stadt ist die Sanierung des Hochhauses in der Schöfferstraße mit Gesamt­kos­ten von rund 43 Milli­o­nen Euro. Weitere fast 14 Millionen Euro stehen im Rah­men des Konjunktur­pake­tes II des Bundes für Maßnahmen an der Hoch­schule Darmstadt bereit.

All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die ausgezeichnete Position des Forschungs- und Wissen­schafts­stand­orts Südhessen gestärkt wird. Dies ist Vor­aussetzung, damit Hochschulen, For­­schungseinrichtungen und Unter­neh­men im zunehmenden Wettbewerb auf nationaler und internationaler Ebene um die besten Köpfe, um Aufträge und For­schungsgelder punkten können.

Staatsministerin-Kühne-Hörmann---für-Druck-KopieDie Autorin (Jahrgang 1962) ist seit 2009 hessische Ministerin für Wissen­schaft und Kunst. Sie hat in Würzburg und Göttingen Rechtswissenschaften studiert und nach dem zweiten Staats­­­examen als Dozentin und in der Ver­wal­tung des Freistaats Thüringen gearbeitet. Von 1993 bis 1995 war sie Büroleiterin des Kasseler Oberbürger­meisters. Seit 1995 gehört sie dem Hessischen Landtag an.