Erik Bettermann: Deutschlandbild in 30 Sprachen

5354669414_3d7d6e0516_b

Im Zeitalter von Globalisierung und Digita­l­isierung ist nichts globaler als der Aus­tausch von Nachrichten und anderen Informationen. Milliarden von Menschen können zur gleichen Zeit Ereignisse in Politik, Wirtschaft und Kultur in Echtzeit verfolgen. Staaten wie Unternehmen stehen vor der gleichen Heraus­forder­ung, sich mit ihren Botschaften in unserer multi­­­medialen Welt durchzusetzen. Staaten konkurrieren um Wirtschaftsmärkte, Inves­titionen, Touristen, Kultur- und Werte­sys­teme, Gesellschaftsmodelle – und natürlich politische Macht und Einfluss. Immer mehr Nationen wollen sich außer­halb des eigenen Kulturkreises präsentieren und verstärken daher ihre internationalen Kommunikationsaktivitäten – zunehmend mit elektronischen Medien. Das Ziel: Ein­fluss auf den Kampf um die öffentliche Weltmeinung zu nehmen – die eigenen Vorzüge verständlich zu ver­mitteln. Für Deutschland ist es daher von erheblichem Interesse, ein differenz­iertes und möglichst authentisches Bild von sich selbst zu kommunizieren. Die Ausprägung eines positiven Deutschland­bilds gehört zu den „soften“ Rahmen­be­dingungen erfolgreicher deutscher Außen- und Wirtschaftspolitik.

5354054661_3091acaab3_o

Auch der Rest der Welt treibt seine inter­nationalen Medienaktivitäten voran, insbe­sondere mit TV-Angeboten. So bietet Russland mit Russia Today mittlerweile einen arabischen Kanal sowie 24 Stunden Programm auf Englisch und Spanisch. China investiert mehrere Milliarden Dollar in den Ausbau seines internationalen TV-Auftritts und startet mit CNC World einen zweiten englischen Fernsehkanal. Ebenfalls auf der globalen Bühne ist jetzt Brasilien vertreten. Das politische und ökonomische Schwergewicht Latein­­amerikas betreibt seit Frühjahr 2010 einen internationalen Kanal. Zunächst konzentriert sich TV Brasil Internacional dabei auf Afrika – ein Zielgebiet, das auch Chinesen und Franzosen im Blick haben.

Deutschland positioniert sich auf den internationalen Medienmärkten als ver­lässlicher außenpolitischer Partner, als attraktiver Wirtschaftsstandort, als Kultur­nation von Rang.

5354055759_1abb7d3a56_o

Am Bild unseres Landes in der Welt zeichnen viele mit: Goethe-Institute, AHKs und andere Einrichtungen der auswärtigen Wirtschafts- und Kulturpolitik, Millionen deutscher Touristen im Ausland und aus­­ländischer Besucher nach einem positiven Aufenthalt in Deutschland bei ihrer Rück­kehr in ihre Heimatländer, Vertreter aus­ländischer Medien in Deutschland sowie natürlich die deutschen Medien selbst.
Angesichts seines internationalen Renom­mees, seiner Sprachkompetenz und welt­weiten technischen Infrastruktur kommt dem deutschen Auslandsrundfunk hierbei eine zentrale Rolle zu.
In ihrer anerkannt unabhängigen, pluralistischen Berichterstattung in allen drei Medien vermittelt die Deutsche Welle die „Marke Deutschland“.

5354592828_96b32074e6_o

Die Eliten weltweit nutzen für die eigene Meinungsbildung neben den einheimischen auch ausländische Medien. Mit ihrer Bericht­­erstattung in Englisch und weiteren wichtigen Sprachen der Welt – etwa Brasilianisch, Russisch, Hindi, Chinesisch – bietet die Deutsche Welle den Unternehmern, Poli­tikern und der Bevölkerung die einzige Möglichkeit, sich aus erster Hand in ihrer Landessprache über Deutschland und die deutsche Per­spektive auf relevante inter­nationale Vorgänge zu informieren.
Das kommt auch dem Wirtschafts­stand­ort Deutschland zugute. Zudem zählt die Förderung der deutschen Wirtschaft zur unternehmenspolitischen Kernaufgabe. Ob Dax-30-Konzern oder mittelständisches Familienunternehmen, ob Top-Banker oder Manager in der Kreativbranche, sie alle finden in der Berichterstattung über Märkte und ihre Macher ihren Platz. Die DW ermöglicht der Welt einen Blick in die Schaufenster der deutschen Wirtschaft: Ein Großteil der mittelständischen Welt­­marktführer kommt nicht etwa aus den USA oder Japan, sondern aus Rellingen, Wüstenselbitz oder Weiler-Simmerberg. Das TV-Wirtschaftsmagazin „Made in Germany“ erzählt die Geschichten dieser Unternehmen, ihre Geschäftsideen, den Kampf um Märkte, ihre regionale Ver­wurzel­ung, den eigenen Führungsstil und das Verhältnis zu den Mitarbeitern. Ein Engagement, das nicht nur Zuschauer zu würdigen wissen: Die Industrie- und Han­dels­kammer zeichnete bereits mehr­fach Reihen und Beiträge der DW mit dem renommierten Ernst-Schneider-Preis aus.

5354669002_295118031e_o

Wobei der Wirtschaftsstandort nur ein Teil des umfassenden Deutschlandbilds ist, das vermittelt wird. „deutschland heute – Das Deutschlandmagazin“ auf DW-TV etwa zeigt Deutschland, wie es ist – was die Menschen bewegt und was sie machen.
Das Magazin mit Berichten, Reportagen und Serien liefert ein lebendiges Bild des alltäglichen Lebens in Deutschland. Immer nahe an den Menschen werden dabei Einblicke und Eindrücke aus dem ganzen Land vermittelt.

Das Reisemagazin „hin & weg“ stellt unter­schiedliche Regionen wie Berlin-Brandenburg, Metropolen wie München oder Magdeburg und Landschaften vor und zeigt ganz besondere Aktionen und Aktivitäten, die man unternehmen kann. Das Besondere beim Reisen sind aber nicht nur die Sehenswürdigkeiten eines Landes, sondern vor allem die ganz per­sönlichen Eindrücke, die man erfahren kann, und die Menschen, denen man begegnet. Die Sendung begleitet in jeder Ausgabe einen Touristen auf seiner Reise durch Deutschland, Einheimische verraten dabei ihre ganz persönlichen Reise­tipps, die so in keinem Reiseführer stehen. Ergänzend dazu finden an Deutschland Interessierte auf www.dw-world.de umfangreiche Dossiers, beispielsweise mit Bei­trägen über die deutschen Bundesländer – auch über Berlin und Brandenburg. Die angesiedelten Industriezweige werden dort ebenso vorgestellt wie die einzigartige Natur und die Infrastruktur des mit 29.477 Quadratkilometern zu den flächenreichsten Ländern Deutschlands zählenden Bundeslands.

5353979117_7c9d07e6b8_o

Nutzer der Angebote haben ein deutlich differenziertes und positiveres Bild von Deutschland. Damit fährt der Sender für Deutschland eine hohe Imagerendite ein. Je positiver das Image, desto größer die Bereitschaft, Investitionen in Deutsch­land zu tätigen, deutsche Produkte zu importieren, deutsche Kultur zu konsumieren, die deutsche Sprache zu lernen. In der weltweiten Umfrage „BBC World Service Country Rating Poll“, die jedes Jahr die aktuellen Beliebtheitswerte von 16 einflussreichen Staaten ermittelt, belegt Deutschland 2011 erneut Platz eins. Für 62 Prozent der fast 29.000 Befragten in aller Welt hat Deutschland ein hohes Prestige und angenehme Außenwirkung.

Eine starke mediale Außenpräsenz ist Voraussetzung, damit auch künftig diese bemerkenswerten Sympathiewerte er­­reicht werden können.

4594370485_781466c0cd_b

Der Autor, geboren 1944 in Lindenthal (Kreis Leipzig), studierte Philosophie, Päda­­gogik und Sozialpädagogik. Erik Better­­mann war von 1989 bis 1991 stellvertretender SPD-Bundesgeschäftsführer und von 1995 bis 2001 Bevollmächtigter für Bundes­­angelegenheiten, Europa und Entwicklungs­­zusammenarbeit der Freien Hansestadt Bremen. Er ist seit 2001 Intendant der Deutschen Welle.