Erich Walser: Schweizer Versicherungswirtschaft spielt in der obersten Klasse

Die Schweiz ist ein attraktiver Wirt­­schaftsstandort. Im neusten Glo­bal Competitiveness Report des World Econo­mic Forums nimmt die Schweiz hinter den USA Rang zwei ein und ist damit das wettbewerbsfähigste Land Europas. Schwei­­zer und ausländische Versicher­ungs­­un­­ter­­neh­men finden damit attraktive Rahmenbe­ding­un­gen vor, in der Schweiz und von der Schweiz aus das Versicher­ungs­ge­schäft zu betreiben. Bei der Auf­sichts­behör­de sind 214 private Ver­sicherungs­gesell­schaften registriert. Die Palette reicht vom global tätigen Universal­versicherer über den weltgrössten Rück­­­versicherer und die Tochterge­sellschaften ausländischer Ver­sicher­ungskonzerne bis zum lokal verankerten Anbieter von Spezial­­lösun­gen. Die ausländischen Märkte sind für die Schwei­­zer Versicherer von grösster Be­­deu­tung.
Zwei Drittel der Prämien­einnah­men von 162 Milliarden Franken erwirtschaften die Versicherer im Ausland. In letzter Zeit haben einige ausländische Versicherer ihren Haupt­sitz in die Schweiz verlegt.

Sicherheit, politische Stabilität, eine hohe Lebens­qualität, gut ausgebildete Fach­kräfte, ein global vernetzter und offener Finanzsektor sowie ein attraktives Steuer­umfeld sind oft genannte Gründe für den Entscheid, ein Unterneh­men in der Schweiz anzusiedeln.

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Hohe volkswirtschaftliche Bedeutung
Die hervorragend positionierte Versiche­rungs­wirtschaft erfüllt eine wichtige Rolle innerhalb der Schweizer Volks­wirtschaft. Mit der Absicherung unternehmerischer Risiken ermöglicht sie Innovationen und Fortschritt.
Mit einer Steigerung der Bruttowert­schöp­fung von rund 50 Pro­zent seit Anfang der neunziger Jahre zählt die Branche zu den verlässlichen Wachs­tums­motoren der schweizerischen Volks­wirtschaft. Be­­trach­tet man die Pro­duk­tivität, also die Wert­schöpfung pro Mitar­beiter, so liegt die Versicherungs­branche an der Spitze aller Wirtschafts­zweige in der Schweiz. Alleine die Unter­nehmens­steuern der Privat­ver­sicherer liegen bei rund einer Milliarde Franken. Sie beschäftigen im Inland 47.500 und im Ausland 78.500 Personen. Mehr als 15 Prozent des ge­­samten Kapital­be­standes schweizerischer Unterneh­mun­gen im Aus­­land oder rund 97 Milliarden Schweizer Franken stammen von Versicherungen.

Spitzenplatz behaupten und stärker werden
Die Schweizer Versicherungswirtschaft spielt heute in der obersten Klasse. Das Ziel muss sein, im globalen Wett­bewerb den Spitzenplatz zu behaupten und noch stärker zu werden. Denn nur die oberste Klasse ist für die Branche eine Option, will sie ihre internationale Ausstrahl­ungs­kraft und heutige Bedeut­ung erhalten.
Dieses Ziel ist mit grossen Herausforderun­gen ver­­­bun­den: Die Versicherer müssen sich in einem von Innovation geprägten, dynamischen und zunehmend internationalen Umfeld behaupten. Die demografischen Veränderungen, das „Zusam­men­gehen“ der Welt, der Klima­wandel und die Regulierung der Branche sind weitere Herausforderungen, denen sich die Ver­sicherer stellen müssen.

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Gute Rahmenbedingungen sind matchentscheidend

Zentral für das Gelingen ist die Ent­wick­lung von geeigneten Rahmen­be­ding­ungen auf nationaler und internationaler Ebene. Während noch vor wenigen Jahren der Wille vorherrschte, Ge­setze im Sinne der Eigenverant­wor­tung und der Selbstregu­lierung auf das Notwendigste zu be­­schränken, ist bereits wieder ein neuer Trend zu Über­­­regulierung zu erkennen. Dieser Trend muss unbedingt gebrochen und der Versicherungsmarkt weiter liberalisiert werden. Dringender Reformbe­darf wie in der beruflichen Vorsorge hin­­gegen wird zudem von der Politik nur sehr zögerlich angegangen. Reform­be­darf herrscht neben Verbesserungen in der Unternehmensbesteuerung auch bei der Besteuerung von Lebensver­sicher­ungen. Besonders vor dem Hinter­grund der alternden Gesellschaft dürfen Vor­­sorge­produkte nicht durch steuerliche Nach­teile unattraktiv gemacht werden.
Die Leibrenten müssen deshalb sach­ge­­recht besteuert und die Stempel­steuer auf Versicherungs­po­licen abgeschafft werden.

Von grösster Bedeutung für die Schwei­zer Versicherungswirtschaft sind die Be­­ziehungen zur Europäischen Union. Hier gilt es, die Personenfreizügigkeit auf die neuen EU-Mitgliedstaaten Rumänien und Bulgarien aus­zudehnen. Einerseits um die be­­währten bilateralen Verträge zu sichern und andererseits, um zu gewährleisten, dass die Branche auch weiterhin genügend Fach­spe­­zialisten aus dem Ausland rekrutieren kann. Un­­sere Branche prüft zudem einen er­­weiterten gegenseitigen Markt­­­­­zu­gang. Spe­­­ziell im Le­­bens­­ver­­­sicherungs­ge­schäft würde sich für die Schweizer Versicherer ein großes Markt­potenzial eröff­­­­nen.

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Aufsicht: Schweiz weiter als die EU
Entscheidend für die Wettbe­werbs­fähig­keit ist auch ein mo­dernes Auf­sichts­system. Die Schweiz verfügt heute über ein solches. Unser Land hat eingeführt, was in der EU in Form von Solvency II noch im Ge­­setz­ge­bungs­prozess steckt. Entschei­dend für die Schweiz ist die gegenseitige Anerken­nung der Gleich­wertigkeit der Aufsicht, damit die Grup­penaufsicht gewährleistet ist. Anfang 2009 hat zudem die integrierte Finanz­marktaufsicht in der Schweiz ihre operative Tätigkeit aufgenommen.
Die Aufsicht über die verschie­­denen Fi­nanz­­­marktakteure wird damit unter einem Dach zusammengefasst. Die Ver­siche­­rungswirtschaft be­grüßt diesen Schritt. Denn eine starke und international an­­erkannte Aufsichtsbe­hörde fördert das Ver­trauen in unseren Finanzplatz und ist ein grosser Trumpf im internationalen Stand­ort­wettbewerb.

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2007ErichWalser01BildergalerieFeindaten-KopieErich Walser (Jahrgang 1947) ist Präsi­dent des Schweizerischen Versicherungs­­ver­bandes und Präsident des Verwal­tungs­rates der Helvetia Gruppe. Walser schloss sein Studium der Öko­nomie 1972 an der Universität St. Gallen und 1975 ein Stu­dium der Rechtswissen­schaften an der Universität Bern ab. Nach Tätig­­keiten im Bankwesen trat er 1979 in die Helvetia Gruppe ein.