Egon Beckord: Bayerisches Erfolgsmodell verbindet Ökonomie und Ökologie

Die Europäische Metropolregion Münch­en im Süden von Bayern hat sich mit den großen Wirtschaftszentren Münch­en und Augsburg zu einer starken Wirt­schafts­re­gion mit einer intakten Umwelt entwickelt.

BADT

Der Freistaat hat die Bedeutung der ko­­operativen Verbindung von Ökonomie und Ökologie schon früh erkannt. So wurde vor über 30 Jahren in München das erste Um­­weltministerium in Deutschland ein­ge­rich­tet. Auch war es der Freistaat Bay­ern, der vor mehr als zwölf Jahren den Start­schuss für die Einrichtung des Kom­pe­tenz­zen­trums Umwelt in Augsburg ge­­geben hat. So wurden mit erheblichen Mitteln im Rah­men der bayerischen High-Tech-Offensive umweltkompetente Ein­richtungen und Projekte gefördert und die Gründung des Fördervereins KUMAS – Kom­pe­tenz­zen­­trum Umwelt e.V. in Augsburg initiiert.
Dieser Förderverein legte mit seiner Grün­dung im Jahre 1998 das Fundament zu einem kontinuierlichen Ausbau der baye­rischen Umwelttechnologie und trug da­­mit erheblich zur Stärkung der ge­­sam­ten Region bei.
Die Umweltaktivitäten im Einklang mit Politik, Verwaltung, Wissenschaft, For­schung und Entwicklung, Bildung so­­wie Wirtschaft zu unterstützen, ist ein Haupt­an­liegen von KUMAS. Mehr als 200 ak­­ti­ve KUMAS-Netzwerkpartner bilden inzwischen ein starkes Um­­welt­kom­pe­tenz­ge­flecht. Die Zusammenführung und die Förderung des Know-hows umweltrelevanter Einrichtungen und Unternehmen stellt für KUMAS eine bedeutende Her­ausforderung dar. Dieses breite In­­ter­es­senspektrum bietet allen Mitwirkenden große Chancen und eindeutige Vorteile. Ist es doch das Ziel von KUMAS, jungen und kleinen Unternehmen während ihrer Gründungsphase zu helfen, bestehende Unternehmen im härter werdenden na­­tionalen und internationalen Wett­be­werb zu unterstützen und ansiedlungswilligen Unternehmen den Standort Bayern at­­traktiv zu gestalten. So werden mit der „Zukunftstechnologie Umwelt“ neue Ar­­beitsplätze entstehen und bereits be­­ste­hende langfristig gesichert. Im großen Spektrum der Umwelttechnologien rich­tete KUMAS aufgrund schon bestehender Fachkompetenzen zunächst den Fokus auf die Themenschwerpunkte
• Umweltbildung
• Existenzgründung
• Umweltökonomie
• Nachhaltiges Wirtschaften
• Ressourceneffizienz
• Erneuerbare Energien
• Umwelt, Verkehr und Logistik
• Umwelttechnologie-Export
Hier konnten auch dank intensiver Maß­nah­men und gezielter Projektförderung durch den Freistaat Bayern bereits zahl­rei­che Aktivitäten entwickelt und die Rah­men­bedingungen für die Region verbes­sert werden.

Internationale-Gäste
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) wechselte von München in den Augsburger Neubau und verstärkt be­­reits seit Jahren durch die Zu­­sam­men­legung der Landesämter für Um­­welt­schutz, Wasserwirtschaft und Geologie den Umweltsachverstand und gleichzei­tig auch das Serviceangebot für heimische Unternehmen.
Das Bildungszentrum der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) in Lauingen an der Donau bildet als moderne Aus­bil­dungsstätte Fachkräfte für die Bereiche Ver- und Entsorgung aus und sichert da­­mit das Potenzial benötigter Experten.

Das bifa Umweltinstitut GmbH arbeitet bereits seit Jahren erfolgreich mit der bayerischen Wirtschaft praxisnah zu­­sam­men, und die Inbetriebnahme des Müll­heizkraftwerks der AVA Ab­­fall­ver­wer­tung Augsburg GmbH setzte neue Maß­­­stäbe in der europäischen Ab­­fall­ent­sor­gung.

Wirtschaftskammern bündeln Wirt­schaftskompetenzen
Bayerische Wirtschaftskammern erfassen die Kompetenzen der Um­­welt­un­ter­nehmen der Europäischen Metro­pol­re­gion und präsentieren diese in Ko­­ope­ration mit allen deutschen Industrie- und Handelskammern mit weiteren 10.000 Umweltunternehmen einer breiten Öf­­fent­lichkeit über das Internetportal www.umfis.de.
Wissenschaft stärkt die Wirtschaft
Straubing hat sich mit Fach­ein­rich­tun­gen wie zum Beispiel dem C.A.R.M.E.N. e.V. zu ei­­nem Zentrum für nachwachsende Roh­­stof­fe entwickelt. Die praxisnahe For­schung und die Wirtschaftsnähe wissenschaftlicher Einrichtungen sind Garanten für eine schnelle Umsetzung neuer Ideen und Ent­wicklungen. Verkaufs­fähige Pro­duk­­te und Dienstleistungen entstehen und si­­chern somit der bayerischen Um­­welt­wirtschaft den technologischen Vor­sprung.

LP

Wichtige Bausteine sind im KUMAS-Netz­werk die wissenschaftlichen Ein­richtun­gen der Universität Augsburg mit dem AMU – Anwenderzentrum Neue Ma­­te­ri­alien und Umwelt und dem WZU – Wis­senschaftszentrum Umwelt eben­so wie der Fachbereich Um­­welt­tech­nik an der Hochschule Augsburg oder der an der Hochschule Kempten eta­blier­te Fach­be­reich Energie- und Um­­welt­tech­nik. Eben­so wird dieses Um­­welt­netz­werk zum Bei­­spiel durch den Lehr­stuhl für Was­ser­güte und Abfall­wirtschaft der TU München in Gar­ching, den Compe­tence Pool Wei­hen­­stephan (CPW) am For­schungs­zen­trum Weihen­stephan für Brau- und Lebens­mit­tel­qua­lität der Fach­hochschule Wei­­henstephan oder auch durch das Ins­ti­tut für Me­­te­o­­rologie und Kli­ma­for­schung – Atmo­sphärische Klima­forschung (IMK-IFU) des Forschungs­zen­trums Karlsruhe in Garmisch-Par­ten­kir­chen gestärkt.

Existenzgründer schaffen Arbeits­plät­ze
Wie das von den schwäbischen Wirt­schaftskammern getragene Umwelt-Tech­nologische Gründerzentrum UTG GmbH in Augsburg beispielhaft zeigt, konnten dort bisher mehr als hundert junge Um­­weltfirmen betreut und viele neue Ar­­beitsplätze in einem breiten Be­­tä­ti­gungs­spektrum von den regenerativen Ener­gien über die klassischen Um­­welt­tech­no­lo­gien wie Abfall, Abwasser, Lärm, Altlasten bis hin zu Bioumwelttechnologie geschaffen werden. Derzeit arbeiten fast 40 Un­­ter­nehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern in diesem Augsburger Grün­der­zen­trum.

Attraktive Standorte für Messen und Kongresse
Neben München mit der IFAT – Inter­na­tionale Fachmesse für Wasser, Ab­­was­ser, Abfall und Recycling – und der neuen In­­ter­solar konnte sich Augsburg in den letzten Jahren mit Hilfe von KUMAS und der aktiven Einbindung der Netz­werk­partner als Standort für Umwelt­kon­gres­­se und Umweltmessen nicht nur auf na­­tionaler, sondern auch auf internationaler Ebene einen Namen machen.
Be­­ste­hen­de Messe- und Kon­gress­an­ge­bote konnten weiter ausgebaut sowie neue eingeführt werden.

So finden jährlich 300 Abfallexperten aus ganz Deutschland den Weg zu den Bay­erischen Abfall- und Deponietagen in das Bayerische Landesamt für Um­­welt nach Augsburg. Die Bayerischen Was­sertage ziehen seit 2005 jährlich zahlreiche Wasserfachleute in ihren Bann. Mit den Bayerischen Im­­mis­sions­­schutz­ta­gen konnte seit 2009 auch der Im­­mis­sions­schutz als weiterer Kom­pe­tenzbereich in das KUMAS-Angebot mit aufgenommen werden. Die jährlich statt­findende Messe RENEXPO ist in den letzten zehn Jahren zur deutschlandweit führenden Kongressmesse im Bereich der er­­neu­er­baren Energien gewachsen: Allein im Jahre 2008 zeigten mehr als 300 Aus­steller ihre neuen Produkte und boten ihre Dienstleistungen den 14.000 Be­­suchern im Messezentrum Augsburg an.
Erst vor wenigen Monaten wurde mit der Etablierung der Kongressmesse DCONex 2009 ein neues Kapitel im Bereich des Schadstoffmanagements aufgeschlagen.

Woche-der-Umwelt

KUMAS auf internationalen Messen präsent
Gemeinsam mit Migliedsunternehmen be­sucht KUMAS internationale Um­­welt­fach­messen. So ist KUMAS auf der Was­­ser Berlin ebenso präsent wie auf der größ­­ten internationalen Umweltmesse IFAT in Münch­en. Anlässlich der IFAT 2008 prä­­sentierten 18 Mit­glieds­un­ter­nehmen auf dem KUMAS-Ge­mein­schafts­stand ihre neu­­esten Dienstleistungen und Produkt­angebote einem internationalen Messe­pu­blikum. Im Rahmen einer Um­­welt­ko­opera­tionsvereinbarung zwischen KUMAS und SISC (Shiga Industrial Sup­port Cen­ter) in Otsu, Japan, ist KUMAS schon seit Jah­ren auf der wichtigen ja­­pa­ni­schen Um­­welt­mes­se EnviroShiga in Na­­ga­ha­ma auf ei­­nem Messestand vertreten.

KUMAS zeichnet Umweltinnovationen aus
Seit elf Jahren zeichnet KUMAS jährlich Aktivitäten mit ökologischen Ansätzen in bestmöglicher Weise und mit verbes­sern­den Eigenschaften in Bezug auf Um­­welt­me­dien, Ressourcenschonung und nach­­haltiger Entwicklung mit dem Titel „KUMAS-­Leitprojekt“ aus. Bisher konnten 40 Pro­­jekte mit diesem begehrten Ti­­tel ausge­zeichnet werden.

Partnerschaftlich in die Zukunft
„Insgesamt konnte sich KUMAS dank der intensiven Mitarbeit der Netz­werk­part­ner und der Unterstützung durch den Frei­staat innerhalb dieser wenigen Jahre sei­nes Bestehens gut entwickeln. KUMAS hat alles daran gesetzt, die Rah­men­be­­dingungen für heimische Unternehmen weiter zu verbessern, das Netzwerk zu stärken und die internationalen Kon­tak­te weiter auszubauen. Hiervon wird die Re­­gion profitieren. KUMAS wird auch für die Zukunft auf die erfolgreiche Zu­­sam­menarbeit mit dem Freistaat Bayern bau­en. Denn um erfolgreich weiterarbeiten zu können, bedarf es der Bündelung al­­ler Kräfte aus Politik, Verwaltung, Wis­senschaft, Forschung, Bildung und vor allem der Wirtschaft. Alle Einrichtungen und Unternehmen sind aufgefordert, das Netzwerk durch aktive Mitarbeit zu un­­terstützen, denn nur gemeinsam werden wir im globalen Wettbewerb dauerhaft erfolgreich sein können“, so Egon Beck­­ord, Geschäftsführer des KUMAS – Kom­pe­tenzzentrum Umwelt e.V.

Beckord-weissDer Autor hat Maschinenbau und Ver­fah­rens­technik studiert. Seit 1984 war er als Innovations- und Umweltberater bei der IHK für Augsburg und Schwa­ben be­­schäf­tigt. 1996 wurde er Ge­­schäfts­führer des Umwelt­tech­no­lo­gi­schen Grün­der­zen­trums in Augsburg. Seit 2001 ist er außerdem Geschäfts­führer des För­dervereins KUMAS e.V.