Eckart Helfferich & Sabine Wendel: Ein gesunder Mittelstand ist Garant für Wohlstand

Der Mittelstand ist die tragende Säule der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Wie kaum ein anderes Bundesland sind die Strukturen der rheinland-pfälzischen Wir­­­­t­­schaft durch eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen geprägt. Kleine und mittlere Handwerks-, Dienstleistungs- und Industrieunternehmen sowie Freiberuf­­le­­­­­r(innen) bilden in vielgestaltigen Varian­ten die Unternehmenslandschaft. Ihnen kom­­mt beim Erhalt und bei der För­­de­rung des Wettbewerbs, bei der Unter­stützung des Strukturwandels sowie bei der Be­­schä­­­ftigungsentwicklung eine be­­deutende Rolle zu.

In Rheinland-Pfalz sind mehr als 183.000 Unternehmen dem Mittelstand (weniger als 250 Beschäftigte) zuzurechnen. Die Unternehmen bieten mehr als 730.000 Beschäftigten einen sozialversicherungs­pflichtigen Arbeitsplatz. Dies entspricht etwa 72 Prozent aller sozialversicherungs­­pflichtig Beschäftigten des rheinland-pfäl­­z­­­­ischen Unternehmenssektors. Davon ist rund ein Drittel im Dienstleistungs­sektor tätig. Der Handel und das produ­zierende Gewerbe vereinen jeweils etwa ein Fünftel der Beschäftigten. Mit Blick auf die Beschäftigung in vergleichsweise kleineren Wirtschaftszweigen zählen hingegen neben der Informations- und Kom­­­muni­­­­­kationswirtschaft und dem Bereich Verkehr und Logistik insbesondere auch das Tourismusgewerbe sowie die Land­­wirtschaft und der Weinbau dazu, wenngleich diese Branchen in den einzelnen Regionen sehr wohl von sehr hoher regio­­nal­wirt­schaft­­licher Bedeutung sein können.

Auf Basis des Umsatzkriteriums (bis zu 50 Millionen Euro) zählen 99,7 Prozent der Unternehmen in Rheinland-Pfalz zum Mittelstand. Diese erwirtschaften mit rund 45 Prozent knapp die Hälfte des durch Wirtschaftsunternehmen in Rheinland-Pfalz insgesamt generierten Umsatzes. Unter allen Bundesländern nimmt Rhein­­­­­land-­­Pfalz damit einen Spitzenplatz ein.

Starker Mittelstand: Allein der Handel vereinigt schon ein Fünftel der Beschäftigten auf sich.

Starker Mittelstand: Allein der Handel vereinigt schon ein Fünftel der Beschäftigten auf sich.

Rheinland-Pfalz wird von seinen Unter­­nehmen als das Land des Mittelstands gesehen. Dies geht aus dem „Mittelstands­­­barometer 2012“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Dabei wurden 174 mittelständische Unternehmen in Rheinland-Pfalz befragt; 96 Prozent der Befragten bewerteten die regionalen Rahmenbedingungen für ihr Unternehmen als gut oder eher gut. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr (85 Prozent) und damit so viele wie in keinem anderen Bundesland. Im Bundes­­­landranking, das auf einem rechnerischen Mittelwert basiert, verbessert sich Rhein­­land-Pfalz gegenüber dem Vorjahr vom siebten auf den fünften Rang. In allen untersuchten Politikbereichen (Infra­struktur, Bildung, Mittelstand, Förderpolitik) sind die rheinland-pfälzischen Unternehmen aktuell zufriedener als im Vorjahr. In den Bundeslandrankings belegt Rheinland-Pfalz hierbei jeweils Plätze in der oberen Tabellenhälfte.

Mittelstand sorgt für Nachwuchs. Als wichtiger Motor der rheinland-pfälzischen Wirtschaft kümmert sich der Mittelstand auch um die Ausbildung des Nachwuchses. Die Mittelständler nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst. Sie bieten unter anderem jungen Menschen eine qualifizierte Berufsausbildung und damit eine Zukunftsperspektive. Ange­sichts der zunehmenden Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden, kommt der Aus- und Weiterbildung eine hohe Be­­­­­deutung zu. Mit nahezu 30.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen pro Jahr bewegt sich die Ausbildung auf einem konstant hohen Niveau. Größte Ausbildungsbranchen sind insbesondere das produzierende Gewerbe, der Handel und das Handwerk.

Mittelstandslotse. Der Mittelstand bildet das Rückgrat unserer Wirtschaft und trägt entscheidend zur wirtschaftlichen Stabilität des Landes sowie zur Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen bei. Der Landesregierung war es daher ein wichtiges Anliegen, dem Mittelstand mit dem Mittelstandslotsen einen zusätz­lichen, direkten Ansprechpartner für seine An­­liegen zur Verfügung zu stellen. So wurde 2006 die Institution des Mittelstands­lotsen ins Leben gerufen. Seit September 2009 sind die Autoren „der Mittelstands­lotse“ der Landesregierung. Zu den Haupt­­­­auf­­­­gaben gehören vor allem Vermittlung, Mediation und Beratung. Der Mittel­stands­­lotse vermittelt zwischen mittelständischen Unternehmen (KMUs) und Landes­­regierung, Verwaltungen, Kammern, Ver­­bänden und Banken. Zudem berät er KMUs in allen Fragen der gewerblichen Wirtschaft – unter anderem Finan­zierung, Umstrukturierung, Nachfolge, Fach­­kräfte­­­­­sicherung, Kommunikation mit Banken, Businessplan, Gewerbe­an­­siedlung. Der Mittelstandslotse kooperiert mit IHKs und HWKs, Verbänden, regionalen Wir­­t­­­schaftsfördereinrichtungen und Kom­­munalverwaltungen sowie der Investi­tions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz GmbH (ISB) und sensibilisiert die Landes­­re­­gier­­ung für die Anliegen des Mittelstands.

Ein typisches Anliegen des Mittelstands und die Arbeitsweise des Mittelstands­lotsen zeigen sich in folgendem Beispiel: Ein kleines Hightech-Unternehmen verliert plötzlich einen strategisch wichtigen In­­ves­­tor. Das Unternehmen gerät dadurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wen­­det sich an den Mittelstandslotsen. Es folgen ein persönliches Gespräch, ein Vor-­­Ort-Besuch sowie eine Analyse der fi­­na­­n­­ziellen Situation des Unternehmens. Die Empfehlung lautet: ein ISB-Darlehen. Der Mittelstandslotse hat das Unterneh­men auf diesem Weg begleitet. Dieses ist damit für die Zukunft wieder gut auf­­gestellt.

Seit der Gründung haben sich in diesem Zeitraum bisher bereits über 600 mittel­ständische Unternehmen mit ihren An­­liegen an ihn gewandt. Die Funktion als Stabsstelle im Wirtschaftsministerium gewährleistet einen kurzen Weg zu den politischen Entscheidungsträgern; die Bezeichnung als Mittelstandslotse der Landesregierung impliziert ferner den ressortübergreifenden Einsatz. Die Täti­g­­keit des Mittelstandslotsen ist für die rheinland-pfälzischen Unternehmen kosten­­los und absolut vertraulich.

Helfferich-und-Wendel004-Kopie_hDer Autor, geboren 1941, war Leiter Controlling der G.M. Pfaff AG, kaufmännischer Leiter in der Möbelindustrie in Regensburg, Finanzvorstand der Kulm­bacher Spinnerei und ab 1986 Geschäfts­führer der Verlags­­gruppe Rhein-Main. Heute ist er Geschäftsführer der Artja Con­­sult GmbH in Stadecken-Elsheim, allerdings seit 2009 nicht aktiv tätig wegen seiner Aufgabe als Mittelstandslotse.
Helfferich-und-Wendel004-KopieDie Autorin, geboren 1983, studierte Ver­­­waltungswissenschaften in Bayern. Danach war sie zunächst bei der Bezirksregierung Mittelfranken tätig, bevor sie 2007 ins Wirt­­­­schaftsministerium nach Mainz wechselte. Dort betreute sie bis 2009 im Industrie­­referat unterschiedliche Branchen. Seit September 2009 leitet sie nun die Stabsstelle Mittelstandslotse.