Dr. Wulf Brämer: Fachkompetenz – gebündelt im Materials Valley

Eine der erfolgreichsten Formen, Fach­wissen zu vermitteln und regional zu bündeln, ist die Gründung von Wissens-Clustern. In der Vergangenheit entstan­den diese Cluster durch die regionale Ansied­­lung von Unternehmen und Hoch­schulen. Heut­­zutage werden diese Cluster ganz gezielt von Instituten unterschiedlichster Art gegründet, um den Wissens­aus­tausch innerhalb der Industrie und zwischen der Industrie und den Hochschulen zu fördern. Die in diesem Zusammenhang entstehen­den Produkte und das neu entwickelte Prozess-Know-how entsprechen meistens dem höchsten technologischen Standard, strahlen auf andere Unter­nehmen aus und veranlassen diese oft, sich dem Wissens-Cluster anzuschließen.

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Das Material- und Werkstoff­technik­netz­­werk Materials Valley e.V. ist ein solcher Wissens-Cluster. Zu den Mitgliedern gehö­­ren traditionell mit der Rhein-Main-Region verwurzelte Unternehmen wie der Hanauer Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus, das Spezial­­chemie­unter­nehmen Evonik, der Katalysatorhersteller Umicore, der Pharmakonzern Merck, das Techno­­logieunternehmen Vacuumschmelze oder der Spezialglashersteller Schott. Die Bedeutung der Werkstofftechnologie für das Rhein-Main-Gebiet wird durch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) in Frankfurt am Main unterstrichen.
Der Verein ist Mitglied im bundesweiten Kompetenznetzwerk „kompetenznetze.de“ des BMBF und damit ein wichtiger Bau­­stein im Kompetenznetzwerk für die Re­­gion Rhein-Main. Die Region hat mit der Grün­dung des Materials Valley auf die zunehmende Glo­­ba­­lisierung reagiert, die zu einer Regio­­nalisierung, zu einer Bün­­de­­lung von Res­­sourcen auf wirtschaftli­­chem und wissenschaftlichem Gebiet führt.

Die Region Rhein-Main verfügt über eine ge­­ballte Anhäufung von qualifizierten und gut ausgebildeten Fachkräften unter­­­schied­­lichs­­ter Fachrichtungen (Natur­wissen­schaft­­ler, Ingenieure und Tech­niker) sowie For­­schungsein­rich­tungen, die sich speziell mit der Werkstofftechnik be­­fas­­­sen. Die Viel­­schichtigkeit dieses Arbeits­­feldes äußert sich auch in den Struk­turen und der Größe der Unternehmen. Während Groß­­unter­­nehmen oft ein sehr breites Spek­­trum an Materialien und Tech­­no­logien abdecken, haben sich klei­­nere und mittelständische Unter­neh­men auf be­­stimmte Materialien und Techno­lo­gien spezialisiert und es da­­bei unabhängig von ihrer Größe zu einer welt­­weiten Markt­­führerschaft gebracht.

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Hightech aus Hanau. Die Kompetenz­felder im Materials Valley sind so vielschichtig wie die Mitglieds­un­­ter­­nehmen. Die Techno­­logiefelder rei­­­chen von Elek­tro­nik, magne­tischen Mate­­­rialien, Nano­­technologie, Metall­pul­ver, Edel- und Sondermetallen, Dünn­­schicht­mate­­ria­lien, Flüssig­kris­­tallen, Gasen, Kataly­satortech­­nik, Quarzglas und Spezialglas, Brenn­­­stoff­zel­­len-Tech­­no­­­logie, Dental­ma­te­­ria­­lien, Licht­­leit­fa­sern, Gummi/Poly­meren bis hin zu Kunst­stof­­­­fen. Der Verein Materials Valley e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die in dieser Form beinahe einzigartige Kon­­zen­­tra­tion von Tech­­no­logiekompetenz des Rhein-Main-Ge­­biets zu erhalten und stetig weiterzuentwickeln.

Mit Hightech und Know-how vom Feins­ten können beispielsweise Hanauer Mit­­glieds­­­­­unternehmen im Materials Valley glänzen: So ist der Umicore-Konzern Welt­­markt­führer bei der Herstellung von Ab­­gas­­reini­gungs­­systemen und Kata­ly­satoren für die Auto­­mobilindustrie. Die Vacuum­schmelze ist führend bei der Ent­wick­lung, Herstellung und Anwendung magnetischer Werk­stoffe und verfügt über ein breites Spektrum hoch­­wertiger Halb­­zeuge, Teile, Bau­ele­mente, Kom­po­­nen­­ten und Systeme, die in den unter­­schied­­­­lichs­­ten Bereichen und Indus­­trie­zweigen zum Einsatz kom­­men, vom Uhren- bis zum Flug­zeug­­bauer. Schon so mancher Welt­­rekord-Magnet stammt aus der Hanauer Magnet­schmiede.
Ob Edelmetalle wie Platin und Gold, Son­­der­­metalle wie Niob und Tantal, Sen­­soren, Dental­­produkte und Bio­mate­ria­lien sowie Quarzglas oder Spezial­licht­quel­len – Indus­­trie- und Medizinprodukte des welt­­weit täti­­gen Familienunternehmens Heraeus sind im Alltag überall präsent, beispiels­­weise Katalysatoren und Tem­pe­­ratur­sen­­soren für Motoren, Quarzglas für Tele­kom­­mu­­ni­­kation und Mikrochip-Her­­stel­­lung, Füllungs­­materialien für natür­­liche Ästhetik und Langlebigkeit, Hoch­leis­tungs-Ultra­violett-Strahler für die Wasser­ent­kei­­mung, Infrarot-Strahler für die Industrie oder Tempe­ra­­tur­sen­soren für die Stahlbranche.

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Kompetenz durch Fachveranstaltungen.Ein langfristiges Ziel des Vereins Mate­rials Valley e.V. ist die Schaffung einer neuen Inno­­vationskultur sowohl in den Indus­trie­­­unter­­nehmen als auch in den Mit­glieds­instituten. Dies beinhaltet den Aus­­bau von vorhan­de­­nen Wissens­net­zen zu ei­nem langfristig angelegten For­schungs­ver­bund­­netz zwi­­schen den wissenschaft­­lichen Ins­­tituten und den Unternehmen der Region sowie zwischen Unterneh­men als Grund­­lage für Kooperationen sowie gemein­­same For­schung und Ent­wick­lung. Der rasch zu­­neh­­mende Bedarf an inno­­vativen Pro­­duk­­ten verlangt ein Um­­denken in der For­schungs­­landschaft und bei der Zusammenarbeit zwischen Hoch­schulen und Unternehmen und Unter­nehmen untereinander.

In Fachkreisen hat sich das Kompe­tenz­netz­­werk Materials Valley durch Vortrags­­ver­an­stal­tungen und Work­shops mit Refe­­ren­ten aus Unternehmen, For­schungs­instituten und Hochschulen einen festen Platz in den Terminkalendern wich­­tiger Entscheider erarbeitet. Die Veran­stal­tun­gen, etwa das achtmal im Jahr angebotene „Material­forum“, ermöglichen neben der Vermitt­lung von Expertenwissen und dem Kennen­lernen von Fachkollegen vor allem den Ausbau persönlicher Kontakte. Work­­shops stellen Schwerpunktthemen und aktuelle Fragen aus der Industrie in den Mittel­punkt der Diskussion und rich­­ten sich hauptsächlich an ein Fachpublikum.

DrDer Autor studierte Chemie in Münster und war bis zu seiner Promotion 1977 am Max-Planck-Institut in Stuttgart be-schäftigt. Anschließend war er in der F&E-Abteilung der Heraeus Kulzer GmbH tätig, deren Leitung er 1985 übernahm. Dr. Brämer ist Geschäftsführer des Mate­­rials Valley e.V. und betreut bei Heraeus das Innovationsmanagement.