Dr. Urs Karli: Medizinische Topleistung in persönlichem Ambiente

Trotz unserer herausragenden Stellung als grösstes Spital im Kanton müssen wir uns weiter bewegen. Denn wer heute ste­­hen­­bleibt, wird morgen schon überholt, das betone ich bei jeder Gelegen­­heit. Das Kantonsspital ist das Herz­stück des aar­­gauischen Gesundheits­netzwerks. 3.300 Mitarbeitende, alles bestausgebildete Spezialisten in den Fach­­dis­­zi­­pli­­nen der Medizin, in Pflege, Technik und Verwaltung, sind rund um die Uhr für die Versorgung von über einer halben Million Einwohne­rinnen und Einwohner da.

Dessert_Hospitality

Im Hinblick auf die kommenden Verän­de­­rungen im Gesundheitsmarkt Schweiz hat das Spital eine neue Strategie er­­ar­­bei­­tet. Die Positionierung spielt dabei die ent­­scheidende Rolle. So treten die grossen Universitätsspitäler im Markt in der Re­­gel als Anbieter der hochspezialisierten Medizin auf. Das subjektive Wohlbefinden der Patientinnen und Pa­­tienten geht in diesen grossen und eher anonymen Ge­­sundheitseinrichtungen leicht unter. Die regionalen Kleinspitäler hingegen können bezüglich Patienten­zufriedenheit auf­trump­­fen, weil sie dank ihrer Überschaubarkeit familiäres Am­­biente vermitteln. Komplexe, qualitativ hochstehende, medizinische Behand­lun­­gen in verschiedensten medi­­zinischen Fachrichtungen können von ihnen je­­doch nicht erwartet werden. Und genau hier liegt die Chance des KSA. Es kann beide Vorteile für sich in Anspruch nehmen: überragende medizinische Leis­­tung ver­­­bunden mit persönlicher Betreu­­ung. Das KSA soll im Verbund mit Part­­nern ein führender Anbieter von System­me­di­zin in der Schweiz werden.
„Top Medizin, ganz persönlich“ lautet die Vision. Wo­­bei die Qualität der medizinischen Dienst­leis­­tun­­gen immer auch finanzierbar bleiben muss.

Neuroradiologie

Spezialisierung und Interdisziplinarität
Seit bald 125 Jahren ist das KSA eines der führenden Gesundheitszentren der Schweiz. Im Zuge des medizinischen Fort­­schritts und mit der Einführung stets neuer Behandlungsmethoden sind über 30 spezialisierte Behandlungseinheiten entstanden. Von der modernen Augen­heilkunde, den chirurgischen Disziplinen bis zur Inneren Medizin wird heute ein breites Spektrum von Leistungen, unter­­stützt von zukunftsweisender Medizin­technik angeboten. Viele Krankheits­bilder der Patientinnen und Patienten sind viel­­schichtig und komplex. Dement­sprechend verlaufen sie zunehmend nicht mehr exakt entlang der aufgrund der wissenschaftlichen Forschung in der Medizin ge­­wach­­senen Grenzen der Fachdisziplinen. Das erfordert mehr Interdisziplinarität.

Innovative Projekte
Für die Behandlung von Patientinnen und Patienten sind auch klare ethische, medi­­zinische und soziale Standards eine Selbst­­verständlichkeit. Hier zeichnet sich das Spital durch wegweisende Initiativen aus. Zusammen mit dem Kanton erarbei­­tet die Pflegeabteilung des KSA im Pro­­jekt „Optima“ Aufnahmekriterien ins Akut­spital. Aufgrund von klar definierten Kriterien sollen risikoadaptierte Ent­schei­­de ge­­trof­­fen werden zur Dauer einer Hospita­li­­sie­rung sowie über die benötigte Be­­treu­ungs­­intensität. Um die Warte­zeiten für Wahl­­eingriffe zu verkürzen, werden ab 2011 Operationen bei dafür geeigneten Patien­­ten bereits am Eintrittstag vorgenommen. Mit dem neuen Gesundheits­zen­trum am Bahnhof, das Ende 2011 er­­öffnet wird, werden wir für unsere Patien­­tinnen und Patienten noch schneller und komfortabler erreichbar sein.

Telemedizin

Technologie auf dem neusten Stand
Wer Top-Medizin anbieten will, muss auch in der Medizinaltechnik Schritt halten. Es ist dem KSA gelungen, für „state-of-the-art“-Behandlungen wichtige neue Geräte anzuschaffen oder alte Geräte um zu­­sätzliche Optionen zu erweitern.
So wird beispielsweise in der Nuklear­medizin der Positronen-Emissions-Tomo­­graph (PET) durch ein PET/CT-System ersetzt. Dieses kombiniert die hohe Orts­­auflösung und detailreiche Anatomie­dar­­stellung eines Computertomo­graphen mit den hochsensitiven Stoffwechsel­infor­mationen aus dem PET. Da zudem die Aufnahme des CT-Scans erheblich schneller erfolgt, ergibt sich daraus eine deutliche Ver­­kürzung der Aufnahme­dauer von bis zu 40 Prozent. Einerseits wird damit die Qualität der Diagnostik erhöht, anderer­seits die Leistungsfähigkeit ver­­bessert. Mit einem neuen Hybrid-Opera­­tionssaal kann das KSA die Qualität der zerebrovas­­kulären Eingriffe bei einer Hirn­blu­tung oder einem Hirninfarkt weiter steigern. Der neue OP ermöglicht, während der operativen Behandlung der Blut­­gefässe das Nervensystem mit Bildge­bungs­­ver­fahren darzustellen und zu beurteilen.

Rehabilitation

Patientennahe Forschung auf universitärem Niveau
Die klinische Forschung am KSA ist be­­handlungsorientiert und patientennah. Die Klinik für Innere Medizin ist neu eine universitäre Klinik der Medizinischen Fa­­kul­­tät Basel. Die Forschungsresultate erlauben evidenzbasiertes Handeln nach klaren Richtlinien, eine hohe Qualität der Leistungen und innovative Behand­lungs­­möglichkeiten. Ein Ergebnis dieser Be­­mühungen um Qualität, Innovation und Patientensicherheit ist beispielsweise der Einsatz des PCT-Bluttests. Mit Hilfe des Biomarkers Procalcitonin (PCT) als Indikator können bakterielle Infektionen frühzeitig erkannt und von den häufigeren viralen Infektionen abgegrenzt wer­­den. Bei Atemswegsinfektionen sind damit ge­­zielte Antibiotikatherapien möglich und es konnten die Antibiotika­ver­schrei­­bun­­gen bei milden Fällen um 75 Prozent ge­­senkt und bei schweren Fällen um 50 Prozent verkürzt werden. (Zur Erinnerung: Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos.) Hier nimmt das KSA eine weltweite Führungsrolle ein. Das Verfahren hat be­­reits zahlreiche Nachahmer gefunden. Basis für den Erfolg bilden die motivier­­ten und gut ausgebildeten Mitarbeiten­den. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz für die Patientinnen und Patienten ist Top Medizin in persönlichem Ambiente nicht möglich.

Karli_09Dr. Urs Karli (Jahrgang 1960) war nach der Promotion 1990 am Biozentrum der Universität Basel 17 Jahre in leiten­den Funktionen bei verschiedenen Pharma­­unternehmen tätig, seit 2002 als Mit­­glied der Geschäftsleitung für die Busi­­ness Unit Hospital der GlaxoSmithKline AG (GSK). Seit 2007 ist er CEO der Kantonsspital Aarau AG. Er gilt als ein profunder Kenner des Schweizer Gesund­­heitswesens.