Dr. Ulrich Schückhaus: Viel Raum für neue Ideen

Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (EWMG) und der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG), im Interview über Entwicklungen und Potenzialmöglichkeiten am Wirtschaftsstandort Mönchengladbach.

Die Wirtschaftsstruktur in Mönchengladbach hat sich in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend verändert. Welche Branchen prägen heute das Stadtbild? Früher be­­kannt als „rheinisches Manchester“, war Mönchengladbach einst ein nahezu monostrukturell geprägter traditioneller Standort der Textil- und Bekleidungsindustrie. Heute ist die Stadt mit über 260.000 Einwohnern äußerst vielseitig und geprägt von einem ausgewogenen Branchenmix. Neben der nach wie vor in Mönchengladbach ansässigen Textil- und Bekleidungsindustrie haben der Maschinen- und Anla­­genbau sowie die Metallverarbeitung und die Elektro­­tech­­nik einen ausgezeichneten, internationalen Ruf. Die Lo­­gistik hat sich in den letzten zehn Jahren aufgrund der be­­sonderen geografischen Lage Mönchengladbachs und bester Verkehrsanbindung zum Beschäftigungsmotor in der Stadt entwickelt. Auch die – Gesund­­heitsbranche und die Infor­­mations- und Kommu­­ni­­kations­­tech­­nologie zählen zu den Leitbranchen am Wirt­­schafts­standort Mönchengladbach.

Die Vielzahl der realisierten Großprojekte im Immobilien­­sektor sowie der weitere Aufwind durch die Umsetzungs­pro­­jekte im Rahmen des städtebaulichen Masterplans MG3.0 zeigen deutlich den dynamischen Wandel Mönchen­­gladbachs hin zu einem attraktiven und modernen Wirt­­schafts­standort. Ideale Beispiele sind das im März 2015 eröffnete Einkaufs­­zentrum Minto oder der Hugo Junkers Hangar am Flughafen Mönchengladbach, welcher als außergewöhnliche Event-Loca­­tion ab Juni 2015 für über­­regionale Strahlkraft sorgen wird. Diese Wahrnehmung wird uns auch in Gesprächen mit internationalen In­­ves­­toren bestätigt. Mönchengladbach be­­findet sich im Aufwind – und das wird wahrgenommen.

Was kann die Stadt Unternehmen bieten? Mönchengladbach bietet Unternehmen äußerst günstige Bedingungen: bei­­spiels­­­­weise ein vielfältiges Angebot an Misch-, Gewerbe- und In­­dustriegebietsflächen, die nach individuellen Anfor­­derungen parzellierbar sind. Zudem macht es die Lage – zwischen Ruhr­­gebiet und Rheinschiene auf der einen und den Benelux-Län­­dern auf der anderen Seite – möglich, Waren­­ströme deutsch­­land- und europaweit zu verteilen. So können innerhalb eines Radius von nur 100 Kilometern bis zu 15 Millionen potenzielle Kunden angesprochen werden.

Firmenzentrale des Modeunternehmens van Laack.

Firmenzentrale des Modeunternehmens van Laack.

Deutschlandzentrale der Santander Consumer Bank AG.

Deutschlandzentrale der Santander Consumer Bank AG.

Auch die Verkehrsanbindung ist top: Vier Bundesautobahnen, zwei Hauptbahnhöfe, ein eigener Business-Flughafen und die nahe gelegenen Airports Düsseldorf und Köln verbinden die Stadt mit der Welt. Wichtige Binnenhäfen (Duisburg, Kre­­feld, Venlo und Neuss) und Seehäfen (Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam) sind problemlos erreichbar. Auch wenn Metropolen wie Düsseldorf oder Köln in unmittelbarer Nähe liegen, sind die Grundstückspreise für Gewerbe­grund­­stücke und Gewerbeobjekte immer noch moderat. Nicht zu vernachlässigen sind bei einer Unternehmens­­ent­schei­­dung die weichen Standortfaktoren. Hier wird Mönchen­glad­bach seinem Ruf als Oberzentrum gerecht und wartet mit einem attraktiven und umfangreichen Sport- und Kultur­­angebot auf. Hervorheben darf man an der Stelle den Fuß­­ball­­verein Borussia Mönchengladbach, welcher international ein hervorragendes Renommee genießt und der Imageträger der Stadt ist.

Ergänzend wurden durch die intensiven Bemühungen der WFMG in den vergangenen Jahren innerhalb der Leitbranchen Firmennetzwerke geschaffen, von deren Synergie­effekten der gesamte Standort profitiert. Zu nennen wären hier bei­­spiels­­weise die „LOG4MG – Logistikinitiative Mönchen­glad­­­­bach“ oder Netzwerke in den Leitbranchen Textil- und Be­­kleidungs­­wirtschaft sowie im Maschinen- und Anlagenbau.

Welche Möglichkeiten bietet Mönchengladbach für Investoren? Derzeit befinden sich eine ganze Reihe von interessanten Potenzialflächen für Investoren im Stadt­­gebiet in der Entwicklung oder sogar bereits in der Ver­­marktung. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Croonsquartier, ein Areal von 6.000 Quadratmetern in idealer Innenstadtlage – direkt am neu eröffneten Einkaufszentrum Minto. Für diesen Bereich sehen wir ein hohes Potenzial für die Ent­­wicklung als hochwertiges Wohn- und Büroquartier.
Ebenfalls in der Entwicklung ist das rund acht Hektar große Areal in der City-Ost. In bester Innenstadtlage und unmit­­telbarer Nähe zum Hauptbahnhof ist die City-Ost ein essen­­zieller Bestandteil des Masterplans. Hier soll ein moderner Büro- und Dienstleistungsstandort entstehen, eingebettet in einen Landschaftsgürtel mit Wasserflächen.

Bereits jetzt bietet sich im Bereich Büroimmobilien die ehe­­malige Konversionsfläche Nordpark an: Im Business-Park II wird das Erfolgskonzept des hochwertigen und re­­prä­­sen­­tativen Businessparks im sportlichen Ambiente fort­­ge­­setzt. Diese Kombination spricht insbesondere interna­­tionale Nutzer und Investoren an: Neben einem Neubau der Santander Consumer Bank haben sich bereits weitere Groß­­unternehmen wie aber auch kleine und mittelständische Unternehmen die Grundstücke für ihre Zentralen gesichert.

DSC_8485-kopierenDr. Ulrich Schückhaus
Der Autor ist seit 1999 Geschäftsführer der WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchen­­gladbach GmbH und seit 2009 Vorsitzender der Geschäftsführung der EWMG – Ent­­wicklungs­­ge­sell­­schaft der Stadt Mönchengladbach mbH. Nach der absolvierten Banklehre hat er in Köln und in den USA studiert. Vor seiner Tätigkeit bei der WFMG war er an der Universität Köln und an­schließend bei Kienbaum, zuletzt als Partner für den Kommunalsektor, tätig.