Dr. Ulrich Schröder: Junge Unternehmen beleben die Wirtschaft

Deutschlands Volkswirtschaft, die größte in Europa, ist durch eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen ge­­­­­kenn­­zeichnet: 99,96 Prozent aller Unter­­nehmen setzen weniger als 500 Millionen Euro im Jahr um. Zugleich sind nahezu 70 Prozent aller Beschäftigten bei einem kleinen oder mittleren Unternehmen ange­­stellt. Die gute Mischung von großen und kleinen Unternehmen ist eine besondere Stärke und sorgt für eine hohe Leistu­­­­ngsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Sicherlich ein Grund dafür, dass Deut­sch­­land die jüngste Wirtschaftskrise ver­gleichs­­weise gut überstanden hat.


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Für eine dynamische Wirtschaft ist es wichtig, dass immer wieder neue Unter­­nehmen gegründet werden. Junge Unter­­nehmen bringen neue Ideen und Impulse in die Wirtschaft und sie sorgen für frischen Wind im Wettbewerb. Unternehme­­ns­­­­gründungen bringen den wirtschaftlichen Strukturwandel voran und schaffen, wenn sich das Unternehmen erfolg­­reich am Markt etablieren kann, zusätzliches Wachstum und Arbeitsplätze. Daher ist die Förderung von Unternehmens­grün­dungen sowie ihres weiteren Wachs­­tums ein wesentlicher Bestandteil der Wirt­schaftspolitik in Deutschland. Im internationalen Vergleich ist das Förder­­an­gebot für den Gründer und junge Unter­­nehmen ausgesprochen gut. So hat auch die jüngste Global Entrepreneurship Monitors Studie (www.kfw-mittelstand­s­­­­panel.de) vom April 2010 die schon traditionell überdurchschnittlich gute Bewertung der öffentlichen Förder­infra­­struktur zum wiederholten Male bestätigt. Eng einge­bunden in die Förderung ist die KfW Bankengruppe, die als staatliche Förder­­bank dem Unternehmer­nach­­wuchs mit gezielten Förderprogrammen unter die Arme greift.

Die Fördertätigkeit der KfW wird durch eine intensive Forschungsarbeit rund um das Gründungsgeschehen in Deutschland begleitet. Durch regelmäßige Studien er­­fahren wir viel über Quantität und Qualität von Unternehmensgründungen, über spezifische Schwierigkeiten von Jungunter­nehmern und über neue Trends. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Aus­gestaltung unserer Förderprogramme ein und helfen so ein umfassendes Angebot in der Gründungs- und Unternehmens­finan­­zierung zu schaffen, das der Markt alleine nicht in dem Maße bereitstellen könnte.

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Kleines Geld für große Ideen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Bereitstellung von Mikrokrediten für Gründer. Aus unseren Studien geht hervor, dass die meisten Gründer keinen besonders hohen Finanz­­bedarf haben, um in die Selbstständigkeit zu starten. Knapp ein Drittel aller Existenz­gründer benötigt überhaupt kein Geld für ihr Unternehmen.
Viele Gründer finanzieren sich aus Eigen­­mitteln und nur jeder fünfte setzt externe Finanz­ie­rungs­­­­­­mittel ein. In aller Regel, nämlich zu 97 Pro­­zent, ist der Finanz­bedarf dann geringer als 100.000 Euro. Erfahrungsgemäß zeigen sich jedoch die kommerziellen Banken gerade im klein­­­teiligen Finanzie­rungs­bereich und bei noch kleinen, jungen Firmen eher zurückhaltend. Die Gründe hierfür sind durchaus nach­­vollziehbar, das Risiko in der frühen Unter­­nehmens­­­phase ist besonders groß und die Ab­wick­­lungs­kosten beim kleinvolumigen Kredit­­ge­­schäft überproportional hoch – egal ob es sich um einen Gründer oder um ein etabliertes Unternehmen handelt. Die KfW füllt diese Lücke und unterstützt auch kleinere Gründungsvorhaben mit einem Finanzierungsangebot, das in diesem Jahr sogar noch erweitert wurde. Denn auch kleine Unternehmen können schnell wachsen und mit ihnen ihr weiterer Finanzierungsbedarf. Daneben liegen der KfW aber auch Unter­­nehmer mit größeren und vor allem innovativen Vorhaben sehr am Herzen. In ihnen steckt häufig das Potenzial für einen nachhaltigeren Be­­schäf­­­tigungs­effekt. Auch für diese Unter­­nehmens­gründungen gibt es das passende Angebot, angefangen von der Kredit-, über die Mezzanine- bis hin zur Beteiligungs­finanz­ierung. Flankierend bieten wir allen Gründern und Unter­nehmern, egal ob kleinen oder großen, ein umfangreiches Informations- und Beratungsangebot an.

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Gründerboom trotz Wirtschaftskrise. Auch in der Wirtschaftskrise, als die Finanz­ier­ungsbedingungen generell schwieriger wurden und sich die Angst vor einer Kredit­­klemme breit machte, hat die KfW den Unternehmernachwuchs nicht im Stich gelassen und ganz bewusst Gründungen gefördert. Erfreulicherweise hat sich das Gründungsgeschehen in den Jahren 2009 und 2010 stark belebt. Die Zahl der Exis­­tenz­gründer ist nach mehreren Jahren mit rückläufiger Entwicklung seit 2009 um 18 Prozent auf rund 940.000 Per­­sonen gestiegen. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, lässt sich leicht erklären: Für manch einen war die schlechtere Arbeits­­marktsituation in der Rezession der Aus­­löser, den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit zu wagen. Bereits der KfW-Gründungs­­­monitor 2010 konnte beo­bachten, dass sich für viele explizit neue Gründungs­chancen eröffnet haben, gerade weil bestehende Unter­nehmen vom Markt verdrängt wurden und so Platz für neue Projekte entstand. Für andere war die Krise der Auslöser, schon länger gehegte Gründungspläne umzusetzen. So entstand ein „Prozess schöpferischer Zerstö­rung“, ganz im Schumpeter’schen Sinne. Die Dynamik im Gründungsgeschehen lässt sich also nicht allein auf Grün­dungen aus der Not heraus begründen.

Im konjunkturellen Aufschwung des Jahres 2010 hat sich der Trend fortgesetzt. Das gute wirtschaftliche Umfeld hat dem Grün­­­dungsgeschehen einen zusätzlichen Schub gegeben.
Jetzt ist es ganz besonders wichtig, dass sich diese positive Entwicklung verstetigt, auch wenn die konjunkturelle Dynamik etwas nachlassen und sich zugleich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessern sollte. Wir brauchen nicht nur eine dauerhaft hohe Zahl von Neugrün­dungen, wir brauchen vor allem auch genügend qualitativ hochwertige Gründungen: Junge, engagierte Unternehmen, die mit einer Markt­­­neuheit starten und die schwie­rige An­fangs­­­­phase erfolgreich überstehen.


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Gründungsklima beeinflussen. Ein Patent­­rezept für eine erfolgreiche Unternehmens­­gründung gibt es nicht. Doch es gibt Kriterien, die den Weg eines Unternehmens positiv beeinflussen können. Neben den strukturellen Rahmenbedingungen – wie gute Informations- und Beratungs­mög­lichkeiten, sinnvolle Förderprogramme, ausreichende Finanzierungs­möglich­keiten, aber auch unkomplizierte Anmelde- und Genehmigungsverfahren ­– sind noch andere Faktoren wichtig, wie zum Bei­­­spiel die Unternehmerpersönlichkeit oder das gesellschaftliche Umfeld.
Ein erfolgreicher Unternehmer braucht den Willen, Chancen auch gegen Wider­stände zu verfolgen und muss über die dafür not­­wendigen fachlichen und unter­­nehm­er­i­schen Kenntnisse und Fähigkeiten verfü­gen. Dies gelingt um so leichter in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Krea­tiv­i­tät und die Bereitschaft, Risiken ein­­­­­zu­gehen anerkannt und belohnt werden.

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In Deutschland ist es uns bislang sehr gut gelungen eine funktionierende Förder­­struktur aufzubauen. Deutlich schwieriger ist es jedoch, einen Mentalitätswandel herbeizuführen. Die KfW hat über die Bildungsfinanzierung einen Ansatz gefunden, einen allmählichen Wandel des Grün­­dungsklimas positiv zu beeinflussen.

Mit günstigen Bildungs- und Studien­krediten unterstützen wir junge Menschen in ihrer Aus- und Weiterbildung. Neben der fachlichen Ausbildung gilt es auch die unternehmerische Ausbildung voran­zutreiben. 1998 hat die KfW den ersten Gründungslehrstuhl in Östrich-Winkel gestiftet und entscheidende Impulse für die Gründungsforschung und -lehre ge­­setzt. Seitdem sind über 70 weitere Gründungslehrstühle in Deutschland ent­­­standen. Im Bereich der Gründungs­for­schung ist es dadurch zu einem enormen Wissenszuwachs gekommen, von dem viele junge Menschen in ihrer akademischen Ausbildung profitieren. Für immer mehr Menschen spielen Gründungen eine praktische Rolle und auch im Be­­wusstsein der Gesellschaft haben Unter­­­nehmensgründungen einen stetig wachsenden Stellenwert erlangt.


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Damit sich dieser Trend weiterhin positiv entwickelt arbeitet die KfW stetig an der Verbesserung ihres Förderangebots für den Unternehmernachwuchs. Im April 2011 wurden die Finanzierungs­an­gebote für Gründer und Unternehmer ausgeweitet: So bieten wir nunmehr Gründer-Darlehen von bis zu 100.000 Euro (vormals 50.000 Euro) sowie Haftungsfreistellungen im neuen Programm „KfW-Gründerkredit-StartGeld“ an – ein Gewinn für die Gründer ebenso wie für ein dynamisches Gründer­­land Deutschland.

 

Herr_Dr_Schroeder1_240dpi-KopieDer Autor (Jahrgang 1952) studierte Jura. Nach beruflichen Stationen bei der Westdeutschen Landesbank Girozentrale (WestLB) war er unter anderem Mitglied des Vorstands der WestLB France, Mit­glied des Vorstands der WestLB und Vor­­­stands­­vorsitzender der NRW.BANK. ­Dr. Schröder ist seit 2008 Vorstands­vor­sitzen­der der KfW und Mitglied in den Aufsichtsräten der Deutsche Post AG sowie der Deutsche Telekom AG.