Dr. theol. Albrecht Schröter: Lichtstadt Jena – Stadt der Wissenschaft und Hochtechnologie

Jena ist Lichtstadt. Kein anderer Be­­griff vereint so treffend all das, was diese Stadt auszeichnet: Geistesblitze ihrer hellen Köpfe, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, die un­­ent­wegt Licht der Erkenntnis ins Dunkel bringen, sowie ein Hochtech­nologie-Wirtschafts­­standort mit weltbekannten Traditions­firmen und vielen dynamischen jungen Unternehmen, für die Licht ein zentrales Mittel zum Erfolg ist. Dass Jena zur „Stadt der Wis­sen­schaft 2008“ gekürt wurde, beruht auf der äußerst erfolgreichen Ver­bindung von Wissenschaft, Wirt­schaft und allgemeiner Stadtent­wick­lung, die kaum noch mal in einer deutschen Stadt dieser Größe zu finden ist.

Die Erforschung von Hochtechnologie hat in Jena Tradition. Die Universität – als protestantische Hochschule vor 450 Jahren gegründet – nahm stets neue wissenschaftliche Gedanken auf und ent­­wickelte sie weiter. Berühmte Namen wie Weigel, Schiller, Goethe und Abbe sowie Leistungen wie die Entdeckung des UV-­Lichtes, die erste UKW-Übertragung und die Entwicklung des ersten voll funk­tionsfähigen Inter­nethandels­sys­tems sprechen für die kontinuierliche Innova­tionskraft der Stadt. Aus Jena stammen die deutschen Farben Schwarz-­Rot-Gold, hier steht das erste deutsche Hochhaus in Stahlskelettbauweise, die hier gefertigten Plane­tarien erklären weltweit ein­­­­­drucksvoll den Lauf der Gestirne. Der­­zeit wird in den Laboren der Institute an Methoden ge­­forscht, die unter anderem die Früh­er­kennung und Behandlung von Krank­heiten revolutionieren werden. For­schungs­ergeb­nisse aus Jena sind stets Thema!


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Das Potenzial der Stadt sind die hier lebenden Menschen – offen für Neues, genau in der Planung und zielstrebig in der Umsetzung. Die Jenenser und Jena­er sind überdurchschnittlich gebildet; 23 Prozent der hiesigen Be­­schäftigten haben einen akademischen Abschluss – ein deutschlandweiter Spitzenwert. Jena gehört zu den führenden Städten bei den Patent­an­meldungen: Weit über ein Drittel aller Thüringer Patente kommt aus Jena.

Jena ist eine Hochschulstadt. Über 25.000 Studenten studieren an der Friedrich-Schiller-Universität, der einzigen Thürin­­ger Volluniversität mit internationalem Ruf, und an der Fachhoch­schule Jena, der größten in Thüringen. Auf dem Wis­­­sen­­schaftscampus „Beu­ten­berg“ arbeiten acht hochmoderne Forschungs­ein­rich­tungen, zwei Grün­der­zentren und eine Reihe universitärer und außeruniversi­tä­rer Institute. Sie zusammen bilden eine wesentliche Schnittstelle zwischen Wis­senschaft und Wirtschaft, damit theore­tisches Wissen durch Auftrags­erfüllung oder Aus­gründung aus be­­stehenden Ein­­­­richtungen seine Umset­zung in ver­­markt­­bare Produkte erfährt. Rund 130 Jenaer Firmen unterhalten eigene For­schungs- und Entwicklungs­abtei­lungen.

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Jena ist der Thüringer Wirtschafts­stand­ort. Unternehmen wie ZEISS, SCHOTT und JENOPTIK haben mit ihren traditionellen Wurzeln die Wirt­schafts­region auf- und ausgebaut und mit da­mals visionären Technologien attraktiv für neue High­tech-Unter­nehmen ge­staltet. Nicht nur die Traditions­un­ternehmen prägen den guten Ruf Jenas im Ausland, sondern auch die vielen mittelständischen Firmen bewegen sich auf internationalem Wirt­schafts­parkett. Die Exportquote der Je­­­naer Firmen liegt bei rund 50 Prozent. Die effektive Kooperation von Wissen­schaft und Wirtschaft brachte Jena die Spitzen­position als BioRegio in den neu­en Bundesländern. Die Vielzahl neugegründeter Biotechno­logie­unter­neh­men spricht für den Erfolg des Konzeptes.

Jena ist Zentrum verschiedener Kom­pe­­tenznetze. Diese fördern die Ver­netz­ung von Unternehmen und For­schungs­ein­richtungen in ganz Thü­rin­gen und den angrenzenden Bundes­ländern. Vor allem auf den Gebieten der Optik, Ophtal­mo­logie, Laser-, Nano- und Bio­technologie nimmt Jena eine führende Position innerhalb dieser Netz­werke ein.

Jena ist Familien- und Kulturstadt. Die Wissen­schafts- und Hochtechno­lo­gie­stadt Jena kann sich nur dann erfolgreich in die Zukunft entwickeln, wenn sie unverändert attraktiv als Lebens- und Arbeitsort bleibt und weitere hochqualifizierte Fachkräfte an­zieht. Schon vor Jahren erkannte die Stadtverwaltung, dass eine Stadt nur dann für junge Menschen interessant bleibt, wenn sie ihnen unter anderem die Perspektive der Familien­gründung eröffnet. Die Vielfalt und Leistungskraft der Jenaer Kinder­tages­­stätten, der Schulen und Bildungs­ein­richtungen ist deutschlandweit einmalig. Ein stadtweites Bündnis für Fa­mi­lie, bestehend aus Forschungs­ein­rich­tung­en, Unter­nehmen, Vereinen und Ver­bänden sowie der Verwaltung stimmt sich seit nunmehr zwei Jahren im Aus­­bau der Familienfreundlich­keit ab.


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Die Kulturarena versammelt jedes Jahr im Sommer über mehrere Wochen rund 70.000 Besucher zu zahlreichen Open-Air-Konzerten der verschiedens­ten Musikrichtungen, die Jenaer Phil­harmonie hat sich in den vergangenen Jahren mit ausgewählten Pro­gram­m­gestaltungen einen Namen ge­macht, und nicht zuletzt das Zeiss-Planetarium, das dienstälteste Plane­tarium der Welt, ist mit seiner einzigartigen Laser-Ganz­kuppel-Projektion die meistbesuchte Kultureinrichtung der Stadt.

Jena ist eine Stadt der kurzen Wege, im Kopf wie in der Wirklichkeit. Die enge Zusammenarbeit der verschiedensten Bereiche ist das Rezept zum Erfolg. Jena ist eine grüne Stadt in einer der reizvollsten Landschaften Thüringens, dem mittleren Saaletal, eingebettet in kulturlandschaftlich interessante Hoch­flächen. Als die Nummer eins der Wis­sen­schafts- und Technologiezentren Thü­ringens hat Jena den Weg zur überregionalen Zusammenarbeit eingeschlagen. Die erfolgreiche Entwicklung des mitteldeutschen Raums kann nur gelingen, wenn die Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschaftszentren Mittel­deutschlands gelingt. Jena gestaltet intensiv mit in der Impulsregion Erfurt-Weimar-Jena-Weimarer Land. Die Wirt­schaftsinitiative Mittel­deutschland, in der Jena aktives Mitglied ist, ist der Motor des mitteldeutschen Raumes. Die sich entwickelnde Metropolregion Mittel­deutsch­land kann die zahlreichen Stärken und Potenziale Thüringens, Sachs­ens und Sachsen-Anhalts vereinen. Darin be­­steht die große Chance, die Region europaweit bekannt und für Wirt­schaftsunternehmen und Menschen dauerhaft interessant und attraktiv zu entwickeln.

OB_Schroeter_rgbDer 1955 in Halle an der Saale geborene Autor ist Oberbürgermeister der Stadt Jena. In Halle-Wittenberg studier­te Schröter Theologie und wurde dort 1996 auch promoviert. Ab 1984 wirkte er als Pfarrer in Jena. 2000 bis 2006 war er Sozial- und Kulturdezernent der Universitätsstadt. Der Sozial­demo­krat ist seit Mai 2006 Oberbürger­meister.