Dr. Stefan Franzke: Digitalmetropole Berlin – Boomender Standort für Digital Health

Berlins Wirtschaft boomt. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Seit Jahren wächst die Wirtschaft der Hauptstadt stärker als der Bundesdurchschnitt.

 

Das Cluster Gesundheitswirtschaft ist ein treibender Wirt­schaftsmotor in Berlin. Zudem steigert die dynamische Start-up-Szene, für die Berlin über seine Grenzen hinweg bekannt ist, die Attraktivität der Spree­metro­pole er­­­heblich: Berlin ist vor allem durch das digitale Know-how vieler junger Gründer die Digital­me­tro­pole Europas. Die Kombination aus Entwicklungen der Ge­­­sund­­heits­wirtschaft und der Informations­tech­nologien, die sogenannte Digital Health, hat sich in den letzten Jahren zu einem neuen und innovativen Feld entwickelt – mit dem Potenzial, die Gesundheits­branche nachhaltig zu verändern.

Berlin-Brandenburg gehört zu den größten und vielfältigsten Wissenschaftsregionen in Europa und ist deutschlandweit die Hochburg für Wissenschaft und Forschung. Einzig­artig in Europa ist die hohe Konzentration von 35 großen Forsch­­­­ungs­­­­einrichtungen und Universitäten mit Forschungs­­schwer­­­­punkten der Gesundheitswirtschaft und Life Sciences. Dazu zählen international renommierte Einrichtungen wie die Charité, Europas größtes Universitätsklinikum, das Max-Del­­brück-Centrum für Molekulare Medizin und das Deutsche Herz­­zentrum Berlin. Gleichzeitig zieht die Hauptstadt­­re­­gion mit ihrer Internationalität und hohen Lebensqualität reno­­m­mierte Wissenschaftler und erfahrene Manager aus aller Welt an.

Mit rund 300 Medizintechnik- und mehr als 230 Biotech­­nologiefirmen, 30 Pharmaunternehmen und über 130 Kliniken ist die Region Berlin-Brandenburg einer der wichtigsten Standorte der Gesundheitswirtschaft in Deutsch­­­­land. In der Branche arbeiten über 300.000 Menschen. Namhafte Unternehmen wie Bayer HealthCare, Bausch + Lomb, B. Braun Melsungen, Berlin-Chemie, Biotronik, Pfizer und Sanofi haben ihren Sitz bereits in Berlin. Dank Biotechnologieparks, Förderangeboten und einer nachhaltigen Innovationspolitik nimmt Berlin-Brandenburg als Life-Science-Standort deutschlandweit und im inter­­­­­­nationalen Vergleich eine Spitzenstellung ein.

Auch die Digitalwirtschaft ist zum echten Treiber für Inno­­vation und Wachstum in Berlin geworden: Seit 2008 ist jeder achte Arbeitsplatz in Berlin in der Digitalwirtschaft entstanden – das sind knapp 18.000 neue Arbeitsplätze. Ins­­gesamt sind rund 60.000 Menschen in Unternehmen der digitalen Wirtschaft tätig. Größen wie Google oder Twitter sitzen in der Hauptstadt. Immer mehr kommen hinzu: Das Unternehmen hinter dem bekannten Terminplanungstool Doodle hat beispielsweise in diesem Jahr seine erste internationale Tochtergesellschaft in Berlin eröffnet. Die dynamische Start-up-Landschaft der Hauptstadt hat sich zu einem weiteren Standortvorteil entwickelt. Berlin zieht Kreative und Gründer aus aller Welt an: Hier finden Unter­­nehmensgründer das ideale Klima vor, um Geschäfts­ideen zu entwickeln oder gleich in die Tat umzusetzen. Ein Ende des Start-up-Booms ist derzeit nicht abzusehen: Gut ausgebildete Fachkräfte, eine hervorragende Infra­struktur und preisgünstige Flächen zählen zu den Erfolgs­­fak­toren, die Berlin als ideales Testlabor für neue Ideen ausmachen. Gerade Gründer der digitalen Wirtschaft zieht es in die deutsche Hauptstadt.

Die Hauptstadtregion entwickelt sich aufgrund dieser einzigartigen Kombination immer mehr zum Hotspot für das Zukunftsfeld Digital Health. Denn mit ihrer ausgeprägten IT-, Life-Science- und Klinik-Infrastruktur sind beste Voraus­­setzungen für die Entwicklung und An­­­wendung digitaler Verfahren und Produkte geboten. Rund 100 Unter­­nehmen und Institute in der Region entwickeln beispielsweise Pro­­dukte und Dienstleistungen in medizinischer Informatik und Telemedizin. So erforscht etwa das Hasso-Plattner-Ins­ti­­­tut in Potsdam innovative Datenmanage­ment-Technologien, die für die Telemedizin wegweisend sind. Diverse Netz­­werke bieten einen flächendeckenden Zugang zu hochqualifizierter Versorgung in der Region. Dazu zählen z. B. der tele­­radiologische Verbund am Unfall­krankenhaus Berlin, das Projekt „AGnES“ (Arztentlastende Gemeindenahe E-Health-gestützte Systemische Inter­vention) oder Tele­­medi­­zin­netz­­werke für kardiologische Hochrisikopatienten.

Der Oberbegriff Digital Health umfasst ein breites Spek­­trum von Anwendungen. Dazu zählen beispielsweise Ge­­sund­­­­heit­­s­­portale, Mess- und Assistenzsysteme, Fitness-Apps, aber auch Anwendungen der Telemedizin. Hinzu kommen auch neue Produkte und Dienstleistungen aus Infor­­ma­tions- und Kommunikationstechnologien für die Bün­del­­ung neuer Erkenntnisse aus medizinischer Forschung, Genomik und Systembiologie. Aufgrund des hohen operativen und strategischen Stellenwerts, den informationsverarbeitende Prozesse und Produkte für alle Bereiche der Gesund­­heits­­wirtschaft und Gesundheitsversorgung haben, ist E-Health ein Thema, das im Cluster Ge­­sund­heits­­wirt­schaft Berlin-Brandenburg immer mehr an Be­­deutung ge­­winnt. Von der Medizintechnik über Bio­­tech­nologie und Pharma bis hin zur Versorgung, Prävention und Gesundheits­­förderung soll der Technologie­ent­wick­lung und der Ver­netz­ung aller daran beteiligter Akteure Rechnung getragen werden.

Dr Dr. Stefan Franzke
Auf sein Studium im Fach Maschinenbau folgte bei Dr. Stefan Franzke eine Tätigkeit als Geschäftsführer am Institut für Integrierte Produktion in Hannover. Als Leiter des Innovationszentrums Niedersachsen vertiefte er ab 2003 sein Know-how in der Strategieberatung zu Innovationen und Schlüsseltechnologien und beriet internationale Investoren. Zusätzlich war er seit 2006 als Geschäftsführer von Innovatives Nieder­sachsen für das nationale und internationale Marketing des Bundeslandes zuständig. Seit dem 1. Juli 2014 ist er Geschäftsführer bei Berlin Partner für Wirt­schaft und Techno­­logie. Dr. Stefan Franzke ist Sprecher der Geschäftsführung.