Dr. René Siegl: Österreich – die Brücke zu neuen Märkten

Viele Menschen verbinden mit Öster­­reich immer noch in erster Linie Groß­glo­ckner, Wörthersee und Wiener Philharmoniker, also Urlaub und Kultur. Dabei spielt Öster­­­reich – mit gerade mal einem Viertel der Fläche der Bundesrepublik Deutsch­­land und einem Zehntel der Einwohner – auch in der Liga der führenden Wirt­schafts­­­nat­ionen Europas ganz vorne mit und punktet als Stand­ort für internationale Unter­­nehmens-Head­quarters.

Seit der Osterweiterung der Europäischen Union zur EU-27 im Jahr 2004 ist Öster­­­reich nicht nur geografisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich noch weiter in das Zentrum Europas gerückt und gilt heute als ideales Sprungbrett für die Erschließung der Märkte in Ost- und Südosteuropa. Mehr als 300 regionale Headquarters namhafter internat­i­­onaler Konzerne nehmen von Österreich aus länderübergreifende Funktionen wahr. Die Headquarters in Österreich reichen quer durch alle Branchen – vom Pharma­­­unternehmen Eli Lilly über den Elek­tro­nik­riesen Siemens bis hin zum ebenfalls weltweit aktiven Markenartikler Henkel.

Rund 1.000 internationale Unternehmen koordinieren darüber hinaus ihre CEE-Aktivitäten von Österreich aus, etwa 16.000 österreichische Unternehmen sind Joint Ventures mit osteuropäischen Unternehmen eingegangen.
Umgekehrt nutzen immer mehr Unterneh­men Österreich als Sprung­­brett nach West­­europa und Partner mit Know-how und Dienst­­leistern für die Euro­­­päische Union.

Seit Jahren registriert der österreichische Betriebsansiedler ABA unaufhaltsam stei­­gendes Interesse von Investoren aus dem CEE/SEE-Raum an einer Ansiedlung in Österreich. Knapp 2.100 osteuropäische Firmen haben sich bereits für den Stand­ort entschieden.

Zentrale Lage und europäische Dreh­scheiben­­funktion. Allen voran auf der Liste der Stand­ort­vor­teile Österreichs steht laut einer aktuellen Umfrage der Initiative „Headquarters Austria“ die zentrale Lage des Landes. Ein Markt mit über 50 Milli­­onen Menschen erschließt sich im Um­kreis von 400 Kilo­­metern, und vom Flug­­­hafen Wien aus ist ganz Europa in maximal drei Stunden erreichbar. Mit 45 direkt angeflogenen Destinationen in Mittel- und Osteuropa hat sich der Vienna Air­­port in den vergangenen Jahren als führender Hub in der Region profiliert.

Als Nord-Süd- und Ost-West-Knoten­punkt bietet Österreich strategische Vorteile für internationale Geschäfte. Banken, Steuer- und Unternehmensberater, Rechts­­­anwälte und Werbeagenturen haben viel Erfahrung im Umgang mit internationalen Unternehmen und Orga­ni­sa­tion­en.
Sie sind mit ihrem Wissen und ihren Kontakten verlässliche Partner für regionale Headquarters, die von Österreich aus für Emerging Markets zuständig sind.

Kaufkraft, Stabilität und günstige Unter­­nehmensbesteuerung. Österreich hat aber noch mehr für Investoren zu bieten: Gemessen an der Kaufkraft ist Österreich das viertreichste Land der EU und das Wirtschaftswachstum liegt über dem EU-Durchschnitt. Die wirtschaftliche und politische Lage ist stabil, die Verwaltung transparent, und auch bei Steuern wissen Headquarters ganz genau, woran sie sind. In Österreich zahlen Kapital­gesell­­schaften nur 25 Prozent Körper­schaft­steuer – und keine Vermögens- oder Gewerbesteuer. Des Weiteren kann unter bestimmten Voraussetzungen beispiels­weise ein Bildungsfreibetrag geltend gemacht oder eine Forschungsprämie lukriert werden.

Die Gruppenbesteuerung hat europaweit Vorbildcharakter und ist besonders attraktiv für Holdings. Die Gewinne und Verluste von Tochterunternehmen werden bei der Konzernmutter zusammengefasst und dort einheitlich besteuert. Verlust­vorträge des Gruppenträgers können mit sämtlichen Gewinnen gegengerechnet werden. Für regionale Headquarters bringt das mehr Wettbewerbsfähigkeit im Kon­zern und vermindert das Risiko beim Auf­­bau neuer Märkte.


Gebäude_2012-Kopie Fahrrad

Wer forscht gewinnt. Ein weiteres Plus ist die Förderung der Forschung und Entwicklung (F&E) in Österreich, die laut der EU-Kommission als auf dem Weg zur Weltspitze eingestuft wird.

Die Aus­­gaben für Forschung und Ent­wicklung haben in Österreich im letzten Jahrzehnt stark zugenommen – von 1,94 Prozent des BIP im Jahr 2000 auf 2,79 Prozent im Jahr 2010.

Sollte sich der Trend des letzten Jahrzehnts fortsetzen, wird sich Öster­­­reich bis 2020 in diesem Be­­reich einer Rate von vier Pro­­zent des BIP annähern, heißt es im ersten Inno­va­tionsbericht der Union, der im Juni 2011 in Brüssel präsentiert wurde.
Diese Entwicklung ist deutlich über dem EU-Durchschnitt und hat Österreich ermöglicht, sich dem Lissabon-Ziel der EU (die Forschungsausgaben auf drei Prozent des BIP zu steigern) anzunähern. Die Forschungsprämie für F&E treibende Unternehmen wurde 2011 auf zehn Pro­­­zent erhöht und der Staat fördert Koopera­­­tionen mit der Wissen­schaft. Mit Erfolg! Ein Viertel der regionalen Headquarters in Österreich trägt bereits F&E-Verant­wortung innerhalb des Konzerns.

Ob Pharmaunternehmen, Forschungs­stätte oder Hightech-Start-up: In Öster­­­reich findet jedes Headquarter die passenden Mitarbeiter. Die Arbeitskräfte sind hervorragend ausgebildet und be­­sonders leistungsbereit. Das ist zu einem guten Teil im praxisorientierten österreichischen Bildungssystem begründet. Außerdem ziehen immer mehr ausgezeichnete Fachkräfte aus den Nachbar­ländern – vor allem aus Deutschland sowie osteuropäischen Ländern – zu.

Raum zum Arbeiten und Leben. Auch in Sachen Lebensqualität ist Öster­­reich herausragend. Wien wurde in einer Mercer-Studie zur Stadt mit der höchsten Lebens­­qualität weltweit gekürt. Ausschlag­geb­end dafür waren drei Vorteile, die Spitzen­kräfte besonders schätzen: hohe Sicher­­­heit, politische Stabilität und die sehr gute Infrastruktur.

ReneSiegl12007_300dpi-KopieDer 1959 geborene Autor studierte Be­­triebswirtschaft und Jus (Doktorat). Er war unter anderem in der Öffentlich­kei­ts­arbeit der voestalpine AG und der Giro­­­zentrale sowie als Abteilungsleiter Mar­keting und Öffent­lichkeitsarbeit des Ar­­­­beits­­marktservice Österreichs tätig. Dr. Siegl ist seit 1997 Geschäftsführer der Austrian Business Agency (ABA).