Dr. Reinhold Mitterlehner: Standort Österreich im Aufwind

Trotz einer dreifach ungünstigen Aus­gangs­lage – mit einer hohen Export­quote, einer engen Vernetzung mit osteuropäischen Ländern und zahlreichen Zuliefer­­firmen für den besonders hart getroffenen Automobilsektor – hat Österreich die welt­weite Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 besser bewältigt als viele andere europäische Staaten. Das Krisenmanagement ist uns dank leistungs­­fähiger Unternehmen und der richtigen Maßnahmen der Konjunktur­programme gut gelungen. Wir haben die Finan­zie­rung der Unternehmen durch zinsgünstige Kredite und Haftungen gesichert, den Inlands­konsum über eine Steuerreform angekurbelt und durch Instrumente wie die Kurzarbeit gute Rahmen­bedingungen geschaffen. So konnten die Betriebe auch wichtige Facharbeiter halten.

All das macht sich nachhaltig bezahlt und wirkt sich positiv auf die Wettbe­werbsfähigkeit aus. Der Standort Öster­reich ist dank des gut eingeleiteten Struk­­turwandels krisenfester und kann seine traditionellen Vorzüge noch stärker aus­­spielen. Diese sind die moderne Infra­struktur, hochwertige Technologien, gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sowie der optimale Marktzugang in die wichtigen Märkte Ost- und Südost­europas. Österreich bietet politische, soziale und wirtschaftliche Stabilität gepaart mit höchster Lebensqualität.
Trotz guter Rahmenbedingungen müssen wir uns laufend weiterentwickeln und laufend an besseren Strukturen arbeiten. Nur so können wir unsere internationale Konkurrenzfähigkeit weiter ausbauen und bleiben attraktiv für Unternehmens­an­sied­lungen, die Wertschöpfung und Arbeits­plätze in Österreich schaffen. In diesem Sinne setzen wir auf allen Ebenen Maß­­nahmenpakete um: Im Rahmen der „Triple-I-­­­Strategie“ des Wirtschafts­ministeriums werden Innovationspotenziale gehoben, Investitionen unterstützt und die Inter­nationalisierung gefördert. Parallel dazu forcieren wir die Umstellung auf ein nach­­haltiges und effizientes Energiesystem: Als Folge der gezielten Förderung der ther­­mischen Sanierung wird Energie sparsamer eingesetzt, während das neue Öko­­strom­gesetz den massiven Ausbau erneuer­­barer Energien forciert und damit neue wirt­schaft­liche Chancen ermöglicht. Ein weiteres zentrales Anliegen ist die Weiter­­ent­wicklung der Familienpolitik. Durch einen Mix aus umfangreichen Geld- und gezielten Sachleistungen unterstützen wir Familien in all ihrer Vielfalt und erleichtern die Ver­ein­­­barkeit von Familie und Beruf.


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Mit Innovationen zum Erfolg. Für ein leistungs- und wettbewerbsfähiges Öster­­reich sind konkurrenzfähige Technologien und Produkte von entscheidender Be­­deu­­tung. Daher unterstützen wir die Ent­­wicklung und marktfähige Umsetzung von Innovationen noch stärker als früher. Über die Forschungsförderungs­gesell­schaft (FFG) bieten wir einen zusätzlichen Innovationsscheck im Wert von 10.000 Euro an, um noch mehr kleine und mittlere Unternehmen zum Einstieg in Forschung und Entwicklung zu motivieren. Dazu kommt ein neuer Technologiescheck im Wert von 1.000 Euro für innovative Gründer. Ebenfalls ausgebaut wird die Förderung für Kreativleistungen über einen Kreativ­­scheck im Wert von 5.000 Euro zur Um­­­setzung von Innovationen am Markt. Unser Ziel ist es, dass Österreich im EU-Vergleich zum „Innovation Leader“ aufsteigt und die Forschungsquote bis 2020 um einen Prozentpunkt auf 3,76 Prozent steigt. Teil dieser Strategie ist die bereits um­­gesetzte Erhöhung der steuerlichen For­­schungsprämie von acht auf zehn Prozent.

Weiterhin forciert werden auch Inves­ti­tionen. Das Wirtschaftsministerium unter­­stützt Unternehmen vor allem über die Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) mit Zuschüssen, zinsgünstigen ERP-Krediten und Haftungen. Allein 2011 stellen wir dafür ein Fördervolumen von bis zu einer Milliarde Euro zur Verfügung, wobei 98 Pro­­­zent der Förderungen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gehen. Insgesamt lösen wir so ein jährliches Investitions­volumen von über 2,5 Milliarden Euro aus, wodurch in Öster­­reich rund 8.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und 70.000 weitere gesichert werden können.

Mit neuen Produkten in neue Märkte. Der Export ist seit vielen Jahrzehnten ein Wohlstandsgarant und Wachs­tums­treiber für Österreich. Jeder zweite Euro wird im Export verdient. Im Rahmen der Neuaus­­richtung unserer Internationali­­sierungs-Offensive wollen wir uns jedoch sowohl bei den Zielmärkten als auch bei den Pro­dukten diversifizieren, um noch stärker vom enormen Wachstum in Län­­dern wie China, Indien und Brasilien oder der Schwarz­­meer-Region zu profitieren. Bis zum Jahr 2020 soll der Export­­anteil der außer­­europäischen Märkte von derzeit rund 17 auf 30 Prozent steigen. Auch bei den Produkten schafft eine Diversifizierung neue Chancen. Punkten können österrei­­­­­­­chische Unternehmen in den neuen Zukunfts­­märkten vor allem mit Öko-Innovationen, Hightech-Pro­dukten und wissensbasier­ten Dienst­leistungen – wie zum Beispiel IT- und Online-Services oder hochwertigen Planungs­­dienst­leis­tungen. Im Rahmen der International­isie­rungs-Offensive werden bestehende Instru­­mente wie der Besuch wichtiger Branchen­treffs und die Teil­nahme an Forschungs­ko­oper­ationen genauso unter­­stützt wie die neuen Export­­­schecks speziell für kleine und mittlere Unter­nehmen. Wir helfen damit den Be­­trie­­ben beim ersten Schritt in den Export, bei der verstärkten Er­­oberung von Fern­märkten und bei der Ver­mark­tung ihrer technologischen Inno­­va­tionen im Ausland.

Mehr Ökostrom und Energieeffizienz. Angesichts der Atomkatastrophe in Fuku­­shima setzt das im Juli 2011 in Kraft ge­­tretene Ökostromgesetz die rich­­tigen Schwer­­punkte: Wir lösen rund zwölf Milli­­arden Euro an Investitionen in nachhaltige Technologien aus und stärken die Wett­­bewerbsfähigkeit der Ökostrom-Branche. Gleichzeitig ebnet die Novelle den Weg zur Atomstrom-Unabhängigkeit und macht uns wieder zum Strom­expor­­teur. Unterm Strich profitiert Öster­reich durch mehr Wertschöpfung, Arbeits­plätze und Sicher­­­­heit durch Energie­unabhängigkeit. Durch die Ökostrom-Novelle haben wir einen ent­­schei­den­den Schritt gesetzt, mit dem wir unsere Spitzenposition in Europa ausbauen und unseren Kindern eine saubere Ener­­giezukunft ermöglichen. Schon jetzt beruhen fast 70 Prozent der österreichi­­schen Stromerzeugung auf Wasser, Wind, Sonne, Biomasse oder Biogas. Durch die Novelle wird der Anteil er­neu­er­ba­rer Energieträger bis zum Jahr 2020 auf rund 85 Prozent steigen.

Die moderne Industrie spielt für Österreich eine wichtige Roll.

Die moderne Industrie spielt für Österreich eine wichtige Roll.

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orschung und Entwicklung sind dank eines guten Ausbildungniveaus in Österreich wichtige Wirtschaftsfaktoren.

Auf Basis der Energiestrategie Österreich wollen wir nicht nur ein nachhaltiges, sondern auch ein effizientes Energie­system schaffen. Denn die billigste und umweltfreundlichste Energie ist immer noch die, die man gar nicht verbraucht. In diesem Sinne wollen wir den Brutto­end­energieverbrauch durch zahlreiche Maßnahmen drosseln und bis zum Jahr 2020 auf dem Niveau von 2005 stabilisieren. Wichtige Schritte in diese Richtung setzt zum Beispiel die 2011 neu gestartete Förderoffensive für die thermische Sanierung, deren Finanzie­rung bis zum Jahr 2014 gesichert ist. Impulse für einen sparsameren Einsatz von Energie wird zudem das für 2012 geplante Energie­effi­zienzgesetz setzen. Gleichzeitig ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich das öffentliche Bewusstsein für die Vorteile des Ener­­giesparens erhöht.

Neue Angebote im Tourismus. Auch die Tourismusbranche ist eine wichtige Stütze der österreichischen Konjunktur. Dank des laufend verbesserten Angebotes der Betriebe und einer weiter optimierten Infrastruktur wurden auch in der Som­­mersaison neue Gäste-Rekorde und positive Nächtigungszahlen verzeichnet. Mit­­ent­­scheidend dafür ist das fokussierte Marketing der Österreich Werbung. Ganz im Sinne der Tourismusstrategie Öster­reich konzentrieren wir uns in allen Aus­­landsmärkten auf die wichtigsten öster­reichischen Alleinstellungsmerkmale Alpen, Donau und Seen sowie Städte und Kultur.

Starke Familien für eine starke Wirt­schaft. Weiter erhöhen wollen wir auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Fokus liegt hier auf drei Säulen – auf der finanziellen Unterstützung für Familien durch Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe, auf dem Ausbau qualitativ hochwertiger, bedarfsgerechter und erschwinglicher Kinderbetreu­ungs­angebote sowie dem Forcieren einer familienfreundlichen Wirtschaft. Denn in familienorientierten Unternehmen steigt die Motivation, gehen die Kran­kenstände zurück und verbessert sich die Rück­kehr­quote aus der Karenz. Daher stärkt der Ausbau der Familien­freund­lichkeit auch nachhaltig den Standort Österreich.

ImagoSource-KopieDer 1955 geborene Autor ist Bundes­minister der Republik Österreich für Wirt­­­schaft, Familie und Jugend. 1980 schloss er sein Studium der Rechts­wissen­schaften mit dem akademischen Grad des Dr. jur. ab. Dr. Reinhold Mitterlehner war von 1992 bis 2000 Generalsekretär des Öster­reichischen Wirtschaftsbundes und von 2000 bis 2008 Generalsekre­­­­tär-Stell­ver­­treter der Wirtschaftskammer Öster­­­­­­reich.