Dr. Philipp Rösler: Land der Innovationen und Zukunftstechnologien

Deutschland ist ein Hoch­tech­no­logie­land und die stärkste Volkswirtschaft in Europa und eine der größten der Welt. Zehn­tau­sende innovative deutsche Mittel­ständler schaffen es durch überragende Flexi­bi­lität und pfiffige Ideen immer wieder aufs Neue, in ihren Märkten Weltspitze zu werden und zu bleiben. Daneben steht Deutschland für traditionsreiche Pro­dukte und langjährige Erfolgs-Garanten. Die Automobilbranche ist dafür ein gutes Beispiel: Seit nunmehr 125 Jahren be­­wegen sich die deutschen Automobil­hersteller in der technologischen und unternehmerischen Champions-League. Die internationale Wettbewerbsstärke Deutschlands kommt nicht von ungefähr. Denn Bildung, Forschung und Erfin­der­tum sind herausragende Pluspunkte unseres Standortes. Als Techno­logie­motor Europas steht Deutschland auf der Rangliste der weltmarktrelevanten Patente – gemessen an der Bevölke­rungsgröße – weltweit auf Platz drei und europaweit auf Platz eins.

Die deutsche Wirtschaft hat die weltweite Finanzkrise schnell und erfolgreich überwunden und befindet sich im Auf­schwung. Besonders am Arbeitsmarkt setzt sich die günstige Entwicklung fort. Die Beschäftigung lag mit 40,5 Milli­o­nen Erwerbstätigen im Jahr 2010 auf dem höchsten Stand seit der Wieder­ver­ei­ni­gung. Für 2011 rechnet die Bundesregierung damit, dass die Arbeitslosigkeit im Jahres­­durchschnitt unter drei Millionen bleibt. Nach einem Rekord-Wirtschafts­wachs­tum von 3,6 Prozent im letzten, erwarten wir in diesem Jahr eine Steigerung um 2,6 Prozent. Das ist zum Einen der welt­­wirtschaftlichen Erholung zu verdanken. Zu einem wesentlichen Teil ist dieser Aufschwung aber das Verdienst der vielen fleißigen Arbeitnehmerinnen und Arbeit­nehmern und Arbeitgeber in unserem Land. Unsere Unternehmen konnten auf­­grund ihrer preislichen Wett­­bewerbs­fähig­keit, so­­wie der hohen Pro­dukt­­qualität an frühere Exporterfolge anknüpfen. Auch bei Forschung und Entwicklung stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Die FuE-Ausgaben der Unternehmen werden in diesem Jahr wahrscheinlich erstmals die beachtliche Marke von 60 Milliarden Euro erreichen. Was unsere Forschungs­ausgaben betrifft, liegen wir weltweit in der Spitzengruppe. Sie machen knapp 2,8 Prozent des Brutto­­inlandsprodukts aus. Diese günstigen Entwicklungen gilt es nun zu verstetigen.

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Um in der Weltwirtschaft weiterhin ganz vorn mitspielen zu können, braucht Deutschland die EU und eine stabile Wäh­­rung. Rund 40 Prozent unserer Exporte liefern wir in die Länder der Euro-Zone. Als Exportnation in der Mitte Europas ist des­­halb der Euro für uns sehr wichtig. Wir neh­­men unser Wächter­­amt beim Euro ernst.
Jedes Mit­glieds­­land muss seine Haus­aufgaben machen. Das gilt zum Beispiel auch bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Anders als Deutsch­land reduzieren einige EU-Länder bedauerlicher­weise ihre öffentlichen FuE-Aus­gaben. Derzeit sind es EU-weit im Durchschnitt gerade zwei Prozent. Der Europäische Rat hat im Rahmen der EU 2020-Strategie erneut die Ziel­marke bekräftigt, drei Prozent des Brutto­inlandsprodukts für Forschung und Ent­wicklung aufzuwenden. Alle Mit­glied­staaten der EU sind aufgefordert, darauf hin zu arbeiten. Wir müssen zudem die Kapitalmarktregeln stärker harmonisie­ren und gemeinsame Regelungen für das EU-Patent, für Nor­men und Stan­dar­di­sie­rung finden. So können wir Anreize für unternehmerische Inno­vationen set­­zen. Aus einem gestärkten und innovativen EU-­Binnenmarkt heraus ist Deutschland bestens dafür gewappnet, die Heraus­for­de­run­­gen des weltweiten Wett­be­werbs zu meistern.

Die Gewichte in der Weltwirtschaft verschieben sich. Sie wird derzeit von zwei Wachstumspolen getrieben, von Teilen Europas und von den Schwellenländern. Traditionelle Wachstumsmotoren wie die USA geraten ins Stocken, während in Shanghai ein Wolkenkratzer nach dem anderen gebaut wird. Einige Schwellen­länder sind längst zu ernst zu nehmenden Wettbewerbern aufgestiegen. Das Tempo ihres Wirtschaftswachstums ist beeindruckend: Von 2004 bis 2009 hat es zu fast zwei Dritteln zum globalen Wirt­­schafts­­wachstum beigetragen. China hat 1,3 Milli­­arden Einwohner – deutlich mehr als die EU, USA, Russland und Japan zusammen. Die chinesische Mittel­schicht wächst und Staat und Betriebe investie­ren kräftig. Das bietet enorme Chancen für deutsche Unter­neh­­men. Ob Auto­teile, Küchengeräte oder Kraft­­werkstechnik – „Made in Germany“ hat auch in China einen exzellenten Ruf. Unsere Aus­fuh­ren nach China haben sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Auch künftig gibt es viel Poten­­tial für gute Geschäfte in China, aber auch in Indien oder Brasilien. Um diese Poten­tiale optimal zu nutzen, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen.
Dazu gehört der Schutz des geistigen Eigen­tums, freier Fluss von Handels­strömen in offenen Märkten, richtige Rahmen­bedingungen für Forschung und Ent­wick­lung, Zugang zu Krediten, quali­fizierte Fachkräfte sowie ein einfaches und ge­­rechtes Steuersystem. Nur mit einem exzellenten Bildungssystem und begeis­­terten, kreativen Forschern sowie hoch qualifizierten und engagierten Fach­kräften wird Deutschland, gerade ange­­sichts des demografischen Wandels, seinen guten Platz im internationalen Vergleich halten können.

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Innovationen sind Investitionen in die Zukunft. Sie erhalten und schaffen Arbeits­­plätze. Wer nichts Neues erfindet, gerät schnell auf das Abstellgleis. Neue Tech­­nologien sind das Schlüsselelement, um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung, der Energie­ver­sor­gung und des Klimawandels bewältigen zu können. Mehr als bisher muss Deutschland zu einem Land werden, in dem neue Technologien auch in marktgängige Produkte umgesetzt werden.Zu häufig werden hier Technologien auf dem Papier entwickelt, die anschließend aber nicht umgesetzt werden. Im Aus­land wird dann mit deutschen Produkt­ideen oft viel Geld verdient. Beispiele hierfür aus der Vergangenheit sind das Fax und „MP3s“. Wir brauchen ein tech­­no­logiefreundliches Umfeld in Deutschland. Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine Tech­no­logieoffensive gestartet. Dazu gehören ein besserer Schutz des geistigen Eigen­­tums, eine beschleunigte Einführung des EU-Patents und die effiziente Flan­kie­rung von Schlüssel­technologien wie Energie­technologien. Forschung in den Be­­reichen Energie- und Informationstechnologien sowie Luft- und Raumfahrttechnologien ist unerlässlich, um die Ziele des Energie­­konzepts der Bundesregierung für eine saubere, zu­­verlässige und bezahlbare Energie­ver­sorgung bis 2050 zu erreichen. Die Bundesregierung sieht in der Elektro­­mobilität ein Schlüsselelement für die Mobilität der Zukunft. Bis 2020 sollen auf Deutschland Straßen eine Million Elektrofahrzeuge fahren.

Unser Aufschwung war nur möglich, weil sich unsere Unternehmen mit neuen Ideen und kreativen Produkten auf dem Weltmarkt durchgesetzt haben. Das muss so bleiben. Deswegen brauchen wir neben einem innovationsfreundlichen Klima mehr Risikobereitschaft. Durch neue Technologien lassen sich Krank­heiten besiegen, der Klimawandel be­­kämpfen und das Leben vieler Menschen verbes­sern und vereinfachen. Wir müssen Akzep­tanz schaffen für neue Techno­logien. Wir dürfen nicht in die Dagegen- Republik abgleiten. Die Marktwirtschaft bietet keine Garantie auf geschäftlichen Erfolg,

 

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Der Autor wurde 1973 in Vietnam geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Dr. Philipp Rösler studierte Humanmedizin an der Medizi­nischen Hochschule Hanno­ver. Er ist seit 1992 Mitglied der Freien Demo­kratischen Partei (FDP) und seit 2005 des FDP-Bundes­präsidiums. Von 2009 bis 2011 war er Bundesminister für Gesund­heit. Seit Mai 2011 ist Dr. Philipp Rösler Bundes­minister für Wirtschaft und Tech­nologie und stellvertretender Bundeskanzler.