Dr. Paul Beinhofer: Wein. Welterbe. Wirtschaftsraum. Unterfrankens Dynamik jenseits des Klischees

Es stimmt schon: Wer von außen auf das reizvolle Unterfranken und seine idyllischen Landschaften blickt, dem erschließt sich nicht sofort das Potenzial und die Dynamik seiner Unternehmen und Forschungseinrichtungen. „Stark unterschätzt!“, so lautet unsere Wertung. Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer erklärt warum.

 

24302

Wein – Welterbe – Wirtschaftsraum: Das Klischee assoziiert mit Unterfranken zuerst fränkische Spitzen­weine, z.B. aus Würzburg, Iphofen oder Bürgstadt, sowie Kunst und Kultur, Namen wie Walter von der Vogelweide, Tilmann Riemenschneider oder Balthasar Neumann. Aber Unterfranken ist viel mehr, nämlich eine glückliche Symbiose aus scheinbar gegensätzlichen Werten. Einerseits greifbare Geschichte, Heimat von Kultur­gütern mit Weltgeltung, liebliche Landschaften, an­dererseits aber eine dynamisch wachsende Hightech-Region, die zu­­ den führenden in Europa zählt.

In Unterfranken mit seinen neun Landkreisen und den drei kreisfreien Städten Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt wohnen auf einer Fläche von 8.531 km² rund 1,3 Millionen Menschen. Mit den drei ge­nannten Ober­­zentren und 20 Mit­tel­zentren steht der Bevölkerung und Wirtschaft in diesem ursprünglich eher ländlich geprägten Raum ein flächendeckendes, gut gegliedertes und voll funk­­tions­fähiges Städtenetz zur Verfügung. Landschaftlich kennzeichnet die Region der Dreiklang ackerbaulich genutzter Gäuflächen, darin eingeschnittener Täler des Mains und seiner Zuflüsse mit ihren landschaftsprägenden Weinbergen sowie der rah­­menden Wald­gebirge Spessart, Oden­wald, Rhön, Steigerwald, Hass­berge.


24301

Strategisch günstige Lage und hervorragende Ver­kehrsinfrastruktur. Unterfranken besitzt ein klares Al­leinstellungsmerkmal. Es liegt in der Mitte Deutschlands und gehört zugleich zum Freistaat Bayern: Unterfranken ist Bayerns deutsche Mitte.

In ökonomisch verwertbare Fakten übersetzt bedeutet dies: zentrale Lage, politisch stabiler, verlässlicher Rahmen und ­­der Imagevorteil, zu Bayern zu gehören, – weltweit eine positiv besetzte Marke. Die ­zentrale Lage wird für die hiesige Wirt­schaft erst durch zwei Faktoren zum entscheidenden Standortvorteil: zum einen durch die hervorragende Qualität der Ver­kehrs­infra­struktur, zum anderen durch die Nähe zu den umliegenden Metropolen.

Unterfranken ist mit mehreren Bundesautobahnen (A3, A7, A70, A71, A81, A45) hervorragend in das europäische Fernstraßennetz integriert. Hervorragenden An­­schluss hat Unterfranken auch über die Eisenbahn, vor allem durch den Intercityknoten Würzburg und den Intercityhaltepunkt Aschaffenburg. Die Lage zwisch­­en den Agglomerationsräumen Frankfurt-Rhein-Main im Westen, Nürnberg-Fürth-Erlangen im Osten und Stutt­gart im Süden ermöglicht auch, deren Flug­häfen schnell und bequem zu erreichen. Die regionalen Ver­kehrs­­landeplätze Giebelstadt und Haßfurt ergänzen für Ge­­schäftsreisende die Möglichkeiten der in­­dividuellen in­ternationalen Anreise. Komplettiert wird das verkehrsinfrastrukturelle Angebot durch die Bun­des­was­serstraße Main – historisch gesehen das ökonomische Rückgrat der Region. Heute verbindet die Main-Donau-Wasserstraße Häfen zwischen Nord­see und Schwarzem Meer und bildet gleichzeitig die Ba­­sis für eine boomende Fremdenverkehrsdestination, die Flusskreuzfahrt.

IMG_9259
Forschung und Wissenschaft als Basis für Inno­va­ti­onen.Die hohe Wettbewerbsfähigkeit Unter­frank­ens ­­wird ent­scheidend von der Innovationsfähigkeit seiner Men­schen ­­und Unternehmen bestimmt. Hierfür bildeten bereits im WS 2013/2014 die Universität Würzburg und die Hochschulen für angewandte Wissenschaften Aschaf­fenburg und Würzburg-Schweinfurt circa 37.000 Stu­dentinnen und Studenten aus. Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist eine der ältesten Deutschlands und zugleich eine der modernsten. Zahlreiche neue, vor allem technologisch ausgerichtete Studiengänge wie „Nanostrukturtechnik“, „Technologie der Funk­ti­onswerkstoffe“ oder „Technische Informatik“ stehen für die Schlüsseltechnologien der Zukunft.

Zusätzlich profitiert die Region von den Kompetenzen renommierter Forschungsinstitute, wie dem Fraunhofer Institut für Silikatforschung (ISC), dem Süddeutschen Kunststoffzentrum (SKZ), dem Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE-Bayern) sowie dem MRB Forschungszentrum für Magnet-Resonanz-Bayern, dem ZfT Zentrum für Telematik. Die 2011 ins Leben gerufene Fraunhofer-Projektgruppe Nano-Rönt­gensysteme zur Materialcharakterisierung entwickelt röntgenmikroskopische Untersuchungssysteme für zerstörungsfreie Materialprüfung im Mikro- und Nano­bereich, eine Herausforderung für viele produzierende Unternehmen.
Mit dem Aufbau eines Fraunhofer-Trans­la­tions­­zen­­t­rums für Medizinprodukte und zellba­­sierte regenerative ­The­rapien sollen sowohl die Ergeb­nisse der Ma­­terialforschung als auch die der rege­ne­rativen Medizin über die klinische Anw­en­­dung schnel­ler zum Menschen gebracht werden. Der medizinische Standort Würz­burg profiliert aktuell von der Errichtung einer Max­-­Planck-Forsch­ungsgruppe für Syste­m­im­mu­­­­­nologie an der Julius-Maxi­milians-­­Uni­versität.

IMG_2343_r_kl-kopieren

Die Kompetenz auf dem Gebiet der Elek­tromobilität wird durch die Modellstadt Bad­­ Neustadt mit Ihren Projekten, vor allem auch durch das Technologie-Transfer-Zentrum Elektromobi­li­tät der Hochschule Würzburg-Schweinfurt in Bad Neustadt sowie durch die Forschungsaktivitäten des Fraun­ho­fer­instituts ISC auf dem Gebiet der ange­wandten Elektro­chemie ausgebaut. Seit September 2011 unterstützt das Zentrum für Wissenschaftliche Services – ZeWiS – mit Sitz in Obernburg die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen der Hochschule Aschaffenburg und Unternehmen am Bayerischen Untermain. ZeWis konzentriert sich dabei auf die wichtigen Zukunftsfelder Materialforschung, Informationstechnologie und Infor­mationssysteme, Intelligente Systeme und Auto­ma­tisierung sowie Fragen der Energieeffizienz. Mit dem Aufbau eines Fraunhofer Technologietransferzentrums an der Hochschule Aschaffenburg erfährt die Wirt­schaftsregion Bayerischer Untermain künftig eine weitere Stärkung. Thematischer Schwerpunkt in Aschaf­fenburg soll die Rohstoffforschung sein. Damit erfolgt auch eine Anlehnung an das bereits in 2011 von der Frauenhofergesellschaft in der Region installierte Zen­trum für Werkstoffkreisläufe und Werk­stoff­sub­si­tution (IWKS).

Damit bietet Unterfranken herausragende Beschäfti­gungsperspektiven. Die Arbeitslosenquote ist sehr niedrig, liegt sie doch in der Regel sogar unter dem hervorragenden bayerischen Durchschnitt.

Kompetenzprofil: Automotive/Maschi­nen­bau, Gesundheit/ Biomedizin, Neue Mate­rialien. Mainfranken besitzt mit einer fundierten Kompetenzfeldanalyse eine objektive Entscheidungsgrundlage. Demnach hat unsere Region herausragende Kompe­ten­zen in den Bereichen Automotive/Maschi­nen­­bau und Gesundheit/Bio­me­di­zin. Da­­rü­ber hinaus besticht Unterfranken bei der Querschnittstechnologie Neue Materialien/Werkstoffe, insbesondere wegen der ansäs­sigen Forschungseinrichtungen, des Fraun­hofer Instituts für Silikatforschung, des Süd­deutschen Kunststoffzentrums und je­­weils kooperierender Lehrstühle der Universität Würzburg. Durch den seit WS 2006/2007 bestehenden Studiengang „Technologie der Funktionswerkstoffe“ hat dieses Kom­pe­­tenzfeld eine nachhaltige Stärkung er­fah­ren. Ein deutliches Wachs­tum­­ hat schließ­lich die Logistikbranche zu verzeichnen. Insbesondere der bay­erische Untermain hat sich zu einer bedeutenden Logistikdrehscheibe entwickelt.

IMG_9259

Beim Kernkompetenzfeld Automotive/Maschinen­bau sind Produkte aus den Bereichen Präzisions- und Wälz­­­lagertechnologie, Brems- und Kupplungs­sys­teme, Steu­erungs- und Antriebstechnik, Fahr­zeug­sich­erheit (Airbags), Hydraulik, Druckmaschinen sowie Kfz-Elek­tr­omotoren und Kfz-Bediensysteme kenn­zeichnend. In­novative hochtechnologische Pro­duk­te der Auto­mo­bilzuliefererindustrie und erfolgreiche Glo­bal Player im Maschinenbau haben in Unter­franken lange Tradition. Die Region ist Heimat namhafter Tra­ditions-unternehmen wie Bosch Rexroth, Scha­effler Technologies GmbH & Co. KG mit seiner Mar­ke FAG, ZF Sachs, Linde Material Handling GmbH, TRW Auto­motive, Takata AG, Reis-Robotics und Koenig & Bauer.

Das Kompetenzfeld Gesundheit reicht von der for­schungs­intensiven Bio- und Medizintechnologie über das Kur- und Klinikwesen bis hin zum Wellnessbereich. So wird an der Universität Würzburg an 25 Instituten und Forschungszentren sowie in acht Sonder­for­schungs­bereichen im medizinischen und humanbiologischen Bereich geforscht. Das Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin ist eines von drei „Centers of Excellence“ der Deutschen For-schungs­gemeinschaft (DFG) und leistet Spit­zenforschung auf dem Gebiet der Schlüssel­proteine. Der Kur- und Wellnessbereich kon­zen­triert sich im „Bäderland Bayerische Rhön“, wozu auch Deutschlands bekanntester Kurort Bad Kissingen gehört. In Bad Neustadt hat sich mit der Herz- und Gefäßklinik eines der größten Herzzentren in Deutschland – außerhalb universitärer Strukturen – entwickelt.

KBA-29014-028

Zahlreiche optimal vernetzte Initiativen wid­­men sich dem demografischen Wandel in Un­­terfranken. Bedeutende Mitspieler auf diesem Feld sind die beiden Regionalmarketinginitiativen „Region Mainfranken GmbH“ und „Initiative Bayerischer Unter­main“. Sie setzen sich institutionenübergreifend z.B. für das Thema Fachkräftesicherung und damit für die Stärkung der Regionen in Zeiten des demografischen Wandels ein. Davon profitieren alle: Unter­nehmen, Ausbildungs- und Forschungs­ein­rich­tungen bis hin zu Städten und Gemeinden als attraktiven Wohn- und Lebensstandort.

Dem Themenfeld Energie hat sich Unterfranken be­­reits in der Vergangenheit mit großem Engagement gestellt. So ist Unterfranken beispielhaft im bayerischen Ve­r­gleich beim Ausbau der Windkraft spitze. Zum Stand Juni 2014 waren in Unterfranken 163 Wind­kraft­an­­lagen in Betrieb.

Kurzum: Unterfranken besticht als starker Wirtschafts­standort mit besonders hoher Lebensqualität. Seine vielfältige Forschungs- und Entwicklungslandschaft kombiniert mit herausragender Verbindung zu Indus­trie, Handwerk und Dienstleistungen bietet exzellente Vernetzungsvorteile für Unternehmen und Absolventen und­­ garantiert beste Zukunftschancen in der Region. Un­­terfranken ist das Aushängeschild Bayerns in der Mitte Deutschlands. Es profitiert von der Nähe der benachbarten Metropolen und besitzt dabei ein eigenständiges Profil mit hervorragender (Verkehrs-)Infrastruktur.
Angesichts der Vielzahl an Hightech-Un­ternehmen wurde Unterfranken von der Statistikbehörde der EU, Eurostat, bescheinigt, zu den zehn stärksten Hightech-Re­gi­onen­ Europas zu gehören.

Beinhofer_Grusswort_Alternativbild-kopierenDer 1953 in München geborene Autor studierte Rechtswissenschaften in Mün­chen und promovierte 1981. Ab 1997 war Dr. Paul Beinhofer Regie­rungsvizepräsident der Oberpfalz, daneben Lehrbeauftragter an der Juristischen Fakultät der Universität Regensburg. Seit 2000 ist Dr. Paul Beinhofer Regie­rungspräsident von Unterfranken.