Dr. Michael Kerkloh: Der Flughafenausbau kommt – München als internationales Drehkreuz

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Der Flughafen München hat seit der Inbetriebnahme im Jahr 1992 enorme Verkehrszuwächse verzeichnet und sich binnen weniger Jahre in die „Top Ten“ der europäischen Luftverkehrs­dreh­kreu­ze katapultiert. Im vergangenen Be­­triebs­jahr erzielte der Airport zum sechsten Mal in Folge neue Höchst­­wer­­te beim Pas­­sagierauf­kommen und bei der An­­zahl der Starts und Lan­dun­gen. Vor dem Hintergrund einer deutlichen Konjunk­tur­abschwächung wurden im Jahr 2008 rund 34,5 Millionen Flug­­gäste gezählt. Dies waren knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr – ein be­­achtliches Re­­sul­tat, mit dem München deutlich über den deutschen und europäischen Durch­­schnittswerten lag. Vie­­le andere große europäische Luft­ver­­kehrs­­dreh­scheiben wie etwa die Flug­häfen Lon­don-Heathrow, Frankfurt, Mad­­rid oder Amsterdam verzeichneten sogar Pas­sagierrückgänge. Lediglich der Flug­hafen Rom konnte aufgrund von Son­dereffekten im Zusammenhang mit der Alitalia-Krise im Feld der zehn größten Flughäfen Europas eine noch höhere Steigerungsrate als München erzielen.

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Im strategisch so wichtigen Lang­strecken­­verkehr nahm im Jahr 2008 Lufthansa mit Mumbai, Seoul, Shen­yang und Singapur vier neue Reisezie­le ab München ins Programm. South Af­­rican Airways stellte ihren Service nach Johannesburg von drei wöchentlichen Flügen auf einen täglichen Dienst um. Für immer mehr Flugreisende wird der Airport zum be­­vorzugten Sprungbrett nach Asien und Amerika. In der Summe stieg das Passa­gier­aufkommen auf den Fernstrecken auf über 4,6 Millionen. Diese Zahlen belegen die abermalige Stärkung der Drehkreuzfunktion des Münchener Flug­hafens, der eine stetig steigende Zahl von Langstreckenver­bin­dungen mit einem dichten Netz an Anschluss- und Zu­­bringer­flügen verknüpft.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dem Flughafen München vor allem im zweiten Halbjahr 2008 einen deutlichen Passagierrückgang beschert. Und auch für das laufende Betriebsjahr 2009 wer­den in München – wie in der gesamten Luft­verkehrsbranche – sinkende Verkehrs­zahlen prognostiziert. Gerade in dieser schwierigen Phase bestätigt sich aber auch, dass München durch seinen Auf­stieg zu einem attraktiven und effizienten Drehkreuz im in­­ternationalen Luft­verkehr deutlich an Gewicht gewonnen hat. Dank der Wachs­­tums­erfolge der letzten Jahre wurde eine belastbare Substanz geschaffen, von der der Flughafen in dieser wirtschaftlichen Schwächeperiode zehren kann.

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Die aktuelle Delle in der Luftver­kehrs­entwicklung wird nach allen bisherigen Erfahrungen keine nachhaltigen Folgen für die langfristige Wachstumsdynamik haben. Die Entwicklung des Luftver­kehrs ist nie linear verlaufen. So hat es immer wieder Krisen gegeben, denen dann regelmäßig Phasen mit starken Zuwächsen folgten. Wenn man diese Zyklen analysiert, wird deutlich, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Mo­­bilität einer Volkswirtschaft gibt. In­­so­fern wäre es fatal, die Mobilitätschan­cen in einer wirtschaftlich angespannten Zeit zu reduzieren. Im Gegenteil: Solche Phasen der Konsolidierung bieten die Chance, Mobilität effizienter zu organisieren und die Verkehrsinfrastruk­tur be­­darfsgerecht zu optimieren. Je besser dies gelingt, desto größer ist die Wahr­scheinlichkeit, dass der betreffen­de Wirtschaftsraum nach Beendigung der Krise angemessen an den dann zu er­­wartenden Wachstumsimpulsen partizipiert.

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Ein wesentliches Instrument zur Be­­lebung der Konjunktur und Abmilderung der Krise sind massive Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, wie sie im Mo­­ment nicht nur in Berlin, sondern in sehr vielen Hauptstädten der Welt ge­­plant werden. Diese Maßnahmen versprechen gerade jetzt eine doppelte Ren­­dite: Zum einen kurbeln sie über die unmittelbare Auftragsvergabe und Bau­­­tätigkeit sofort Konjunktur und Be­­schäf­­tigung an, zum anderen tragen sie lang­­fristig zur Stärkung der Infra­­struktur bei und schaffen dadurch wert­­volle Standortvorteile für die Zu­­kunft.

Das gilt auch für den Bau einer dritten Start- und Landebahn am Münchener Flughafen. Derzeit läuft das Planfest­stellungsverfahren für diese Flughafen­erweiterung. Der Ausbau löst nicht nur gravierende Kapazitätsprobleme am Air­­port, er passt darüber hinaus auch zu dem aktuellen Konzept der Krisen­be­­kämpfung. Dadurch werden nicht nur Zukunftschancen für den Flughafen München, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort gesichert.

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Neben der dritten Bahn gehören auch die Planungen für einen Satelliten zum Terminal 2 zu den Projekten, die 2009 am Münchener Airport vorangebracht werden sollen. Nach dem gegenwärtigen Stand der Überlegungen wird in einer ersten Stufe zunächst die bestehende Gepäcksortierhalle auf dem östlichen Vorfeld aufgestockt und erweitert, so dass sie für den Passagierverkehr genutzt werden kann. Bereits im Früh­jahr 2010 wird ein zweites Flug­hafen­hotel eröffnet.
Das Novotel stellt mit seinen 250 Zim­mern ein at­­traktives Hotelangebot in der gehobenen Mittelklasse dar und ist eine sinn­volle Ergänzung zum Kem­pins­­ki Ho­­tel Airport München. Auch im Kem­pin­ski ist eine Erweiter­ung um 165 zusätzliche Zimmer und damit ein Kapa­zi­täts­gewinn von fast 50 Prozent ge­­plant.
Insgesamt sollen in den kommenden Jah­ren rund zwei Milliarden Euro in die Wei­­ter­­entwicklung des Münchener Flug­ha­fens investiert werden. Wenn der Auf­schwung einsetzt, stehen dann die er­­for­­derlichen Kapazitäten zur Verfügung. Damit setzt das bayerische Luftver­kehrs­dreh­kreuz – volkswirtschaftlich betrachtet – gerade jetzt ein wichtiges Zeichen.

001-Flughafen-München---Michael-KerklohSeit September 2002 steht Dr. Michael Kerkloh an der Spitze der FMG Flug­hafen München GmbH. Er ist Vorsitz­en­der der Ge­­schäftsführung. Geboren und aufgewachsen im westfälischen Ahlen, studierte Kerk­­loh nach Abitur und Wehrdienst Volks­wirt­­schaft in Göttingen, London und Frankfurt. Er schloss sein Studium 1979 ab und war bis 1985 Lehrbeauftragter für Wirt­schafts­politik an der Universität Frank­furt.