Dr. Michael Hupe: Drehscheibe und wichtigste Verkehrsinfrastruktur für die Region

Forschung und Entwicklung funktionieren heutzutage im Wesentlichen in Netzwerken. Kooperation und Kom­­mu­­nikation sind Grundvoraussetzung für den Erfolg. Entgegen der These aus dem letzten Jahrzehnt, dass die Ent­­wick­­lung der modernen Tele­­kom­­mu­­ni­­ka­­tion mit Bildtelefonie und „virtuellen Meetings“ das Reisen überflüssig mach­­en würde, ist der umgekehrte Effekt eingetreten: Die Menschen suchen den persönlichen Kontakt, For­­schungs­­grup­­pen etablieren sich auf Zeit an einem Ort, Konferenzen bleiben eine wichtige Säule des fachlichen Gedanken­­aus­­tau­­sches.

Insofern ist bei einer internationalen, vielfach globalen Arbeitsteilung Mo­­bi­­lität ein wichtiger Produktions-, ja Pro­­duk­­tivitätsfaktor. Diese Mobilität kann bei Entfernungen über circa 400 Kilo­­me­­ter effizient nur durch Luftverkehr dargestellt werden.

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Anders als im touristisch geprägten Charterverkehr, bei dem der Reisende in Bezug auf Zielgebiet und Zeitpunkt disponieren kann, ist der Passagier im Geschäftsreiseverkehr nicht flexibel. Ter­­min und Ort sind fest vorgegeben und sollen mit geringem zeitlichem Vor- und Nachlauf abgebildet sowie mit kurzer Reisezeit erreicht werden. Dies stellt an­­dere Anforderungen an die Qualität von Flugverbindungen als der Tourismus. Be­­nötigt werden hohe Frequenzen und eine große Auswahl an Endzielen.

Ein attraktives Netz an Inter­­kon­ti­­nen­­tal­­verbindungen wird in Europa von weniger als zehn Flughäfen, den sogenannten Hubs, angeboten. Neben dem Aufkommen der Region selbst – alle Hubs liegen im Einzugsgebiet großer Städte oder wirtschaftlich starker Re­­gionen – wird ein zusätzliches Auf­­kom­­men in Form von Umsteigeverkehr von Se­­kun­­där­­flughäfen generiert. Nur dieser recht­­fertigt den Einsatz von großen Lang­­streck­­enflugzeugen.
Für die Sekundärflughäfen ist es daher wichtig, effizient über Hubs an das internationale Luftverkehrsnetz angebunden zu sein. Kriterium sind dabei die Anzahl der Verbindungen pro Tag, um kurze Umsteigezeiten realisieren zu können. Als Minimum gelten dabei drei tägliche Verbindungen.


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Der Flughafen Dresden kann eine Viel­­zahl solcher Verbindungen darstellen. Die beiden wichtigsten Hubs Deutsch­­lands, Frankfurt und München, werden bis zu siebenmal täglich angeflogen. Auch Wien und Zürich werden dreimal täglich bedient. Damit lassen sich viele Anschlussflüge mit Umsteigezeiten von 60 bis 90 Minuten innereuropäisch und interkontinental erreichen.
Der Flughafen erfüllt damit seine Auf­­gabe als wichtigste Verkehrs­­infra­­struk­tur für den Forschungs- und Wirt­­schafts­­standort Dresden.
An weiteren (europäischen) Direkt­­ver­­bin­­dungen wird intensiv gearbeitet. Der Nachweis eines ausreichenden Ver­­kehrs­­­­aufkommens zu deren Recht­­fer­­ti­­gung ist aber aufgrund der geringen Größe des Einzugsgebiets und der geringen Kaufkraft, insbesondere aber mangels bedeutender Firmenzentralen und rei­­se­­intensiver Dienstleistungen, nur für einige wenige Ziele möglich.

Erkenntnisse über den Bedarf von wissenschaftlichen Instituten und In­­dus­­trie erhält der Flughafen durch Ana­­ly­­sen der Endziele abfliegender Pa­s­­sa­­giere, Unternehmensbefragungen in Zu­­sam­­men­­arbeit mit Wirtschaftsförderung und IHK sowie Auswertungen von Daten der Reisebüros. Die Entwicklung des interkontinentalen Aufkommens in den letzten fünf Jahren ist beachtlich. So be­­trug das Wachstum nach Asien kumuliert 74 Prozent und nach Nord­­amerika 25 Prozent.
Um den Luftverkehr effizient, sicher und für den Reisenden bequem abwickeln zu können, wurde am Flughafen in den letzten zehn Jahren viel getan. 2001 wurde ein neues Terminal zusammen mit einem Parkhaus mit 1.500 Stellplätzen in Betrieb genommen. Mit einem eigenen Autobahnanschluss und einem S‑Bahnhof direkt im Terminal ist der Flughafen optimal intermodal angebunden. Dies garantiert kurze Wege und eine schnelle An- und Abreise. Der Flughafen sichert so ab, dass der Pas­­sa­gier die Zeit, die er in der Luft ge­­winnt, nicht am Boden wieder verliert. Regelmäßig durchgeführte Umfragen zeigen, dass der Fluggast dies sehr zu schätzen weiß.

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Die 2007 grunderneuerte und verlängerte Start- und Landebahn wird dauerhaft ein stabiles Rückgrat für die Ab­­wicklung des Luftverkehrs bilden.
In­­klu­­sive Planung und Genehmigung wurde dieses ambitionierte Projekt in lediglich drei Jahren realisiert. Mit 2.850 Metern Länge ist die Bahn für das durch Kurz- und Mittel­­streck­­en­­ver­­kehr ge­­präg­­te Streckennetz des Flug­­hafens ausreich­end di­­men­­­­sio­­niert. Auch Inter­­kon­­ti­­nen­­tal­­flü­­ge sind möglich, aller­­dings bei einigen Flug­­zeug­­typen mit Be­­schränkun­­gen bei Nutzlast oder Reich­­weite.

Wesentliche Neuerungen finden hinter den Kulissen statt. In Kooperation mit den Airlines wurde die Möglichkeit des Internet- und Automaten-Check-ins eta­­b­­liert. Dies verkürzt und flexibilisiert den zeitlichen Vorlauf vor dem Flug. Auch für den Business-Charter-Verkehr ist der Flughafen mit einem separaten Bereich für die Allgemein-Luftfahrt gut gerüstet.

Aufgrund der Kubatur des Terminals, das durch die Umgestaltung einer historischen Fertigungshalle der DDR-Luft­­­fahrtindustrie entstand, konnten in das Gebäude Konferenzräume und eine große Veranstaltungsebene integriert werden. Damit wurde ein Angebot für Seminare und mittelgroße Kon­­gres­­se für bis zu 700 Teilnehmer ge­­schaffen, das nicht nur von Unter­­neh­­men der Nach­­­­bar­­schaft, sondern aus dem ge­­samten Dresdner Raum genutzt wird. Auch dieses Pro­­dukt profitiert von der guten infrastruk­­tu­­rellen Er­­schlie­­ß­ung des Flug­­ha­­fens mit schnel­­len An­­fahrts­­wegen und ausreichend Park­­­raum.


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Die umliegende Industrie ist ebenfalls Nutznießer der Entwicklung der In­­fra­­struk­­tur. Im Dresdner Norden, dem di­­rekten Umfeld des Flughafens, ha­­ben sich in mehreren Industrie­­ge­­bie­­ten viele Hightech-Unternehmen angesiedelt. Auch die Luftfahrtindustrie kann an alte Glanzzeiten anknüpfen. Der Um­­bau von älteren Passagier- zu Fracht­­flug­­zeugen, Dauerstabilitätstests von Flug­­zeug­­strukturen und die Fertigung von Komponenten erfolgen direkt am Flug­­hafen. Inklusive der Luftfahrt­­in­­dus­­trie sind derzeit 2.900 Mitarbeiter am Standort tätig.

michael-hupe-(3)Der 1964 in Seattle (USA) geborene Wirt­­schaftsingenieur ist Geschäfts­führer der Flughafen Dresden GmbH. Studiert und promoviert hat Dr. Hupe an der Tech­­ni­­schen Universität Darm­stadt. Von 1995 bis 1998 arbeitete er als Pro­­jektmanager bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau im Bereich Flugzeug- und Flug­­hafen­­fi­­nan­­zie­­rung. Später leitete er bis 2002 bei der Fraport AG die Kon­­zern­­fi­­nanzierung.